Beiträge von Hannes Stein
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09.02.2012 02:58
Nachtgedanken
Gut: Assad wird stürzen—eine Diktatur weniger. Schlecht: Nach dem Sturz von Assad wird in Syrien nicht das Reich der Freiheit an-, sondern erstmal ein langer und blutiger Bürgerkrieg ausbrechen.
Gut: Mit Assad verliert die “Islamische Republik Iran” ihren wichtigsten Verbündeten. Schlecht: Was macht der Kampfhund Hisbollah, wenn kein berechenbarer und rationaler barbarischer Herrscher ihn mehr an der Leine führt?
Gut: Israel hat keinen Friedensvertrag mit Syrien, der Golan ist also immer noch in israelischer Hand. Schlecht: Syrien hat ganz unbezweifelbar Raketen mit Giftgasspengköpfen, über die nach dem Fall des syrischen Regimes Allah-Weiß-Wer bestimmen wird.
Nennt man das jetzt Dialektik?
07.02.2012 06:02
Unterdessen im Iran
Ali Khamenei, der im Unterschied zu diesem Clown Achmidingsbumsda ueber wirkliche Macht im Iran verfuegt, hat eine Rede gehalten. In dieser Rede hat er gesagt, dass das iranische Regime jetzt aber wirklich, wirklich Ernst damit machen will, den “zionistischen Krebs zu entfernen”. Ausserdem werde der Iran jede Gruppe unterstuetzen, die gegen Israel kaempft. (Anmeldungen werden wahrscheinlich per E-Mail entgegengenommen; oder Sie fragen einfach Ihre naechstgelegene iranische Botschaft.) Aber vermutlich waren das jetzt wieder lauter Uebersetzungsfehler.
Gleichwohl erklaert Barry Rubin—kein Mitglied der Anti-Israel-Lobby, eher im Gegenteil --, warum es Hysterie ist, wenn man davon ausgeht, dass Israel morgen oder im April, spaetestens aber um den Juni herum einen Praeventivschlag gegen die “Islamische Republik Iran” fuehren werde. Er macht ausserdem klar, warum ein Militaerschlag gegen den Iran wohl kontrapriduktiv waere. Lesen. Es lohnt sich.
06.02.2012 17:34
Warum ich für die These von der menschgemachten Klimakatastrophe bin
Wie ich aus der Ferne mitbekomme, kippt in Deutschland gerade die Klimadebatte auf die andere Seite. (Siehe hier, hier, hier, hier und hier.) Ich finde das äußerst bedenklich. Mir wäre lieber, das Dogma vom menschgemachten Treibhauseffekt bliebe felsenfest stehen. Warum?
Kurz gesagt: Weil ich—trotz Fukushima, zum Teil aber auch wegen Fukushima—für die Kernenergie bin. (Trotz Fukushima: weil dies eine Katastrophe war, die besser nicht passiert wäre. Wegen Fukushima: die Zahl der Todesopfer aufgrund des Atomunfalls steht weiterhin bei einer runden schwarzen Null.) Mir kommt es so vor, als sei Atomenergie sauber, effizient und sicher. Gewiss nicht hundertprozentig sauber; nicht hundertprozentig effizient; nicht hundertprozentig sicher—was ist das schon? --, aber doch vergleichsweise sauber etc. pp.
Staudämme, nur so zum Beispiel, sind ein brutaler Eingriff in die Ökologie, außerdem verlieren bei jedem Staudammbau hunderte, manchmal tausende Menschen ihre …
03.02.2012 14:09
Fanniegate
Wer ist nun eigentlich schuld an der Wirtschaftskrise, die uns 2008 in einen wirbelnden Mahlstrom schauen ließ, in dem der gesamte Reichtum der Welt zu verschwinden drohte, als würde er im Klo heruntergespült? Waren es ein paar Bankiers an der Wall Street, die beim Monopolyspielen ein bisschen zu heftig gewürfelt hatten? War es George Soros, der, wie ein ultrarechter amerikanischer Fernsehstar mutmaßte, einen boshaften Plan verfolgte, Amerika in den Ruin zu treiben? Steckten die Juden dahinter? Und wenn die Juden, warum dann nicht auch die Mormonen und die Radfahrer? Oder war es etwa der Kapitalismus selbst, der sich hier hektisch sein Grab schaufelte?
01.02.2012 13:35
Dreimal Kino
Drei Geschichten über den Tod: Steven Spielbergs Film über den Ersten Weltkrieg, eine “9/11"-Roman-Verfilmung, Angelina Jolies Bosnien-Drama
Ein Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkriegs entdeckte Sigmund Freud den Gott Thanatos. In seinem Buch über die Traumdeutung, das um die Jahrhundertwende erschienen war, hatte er noch das Dogma aufgerichtet, dass Träume der Erfüllung von Wünschen dienten - immer und ohne Ausnahme. Doch nun gab es plötzlich jede Menge ehemaliger Soldaten, die immer wieder davon träumten, sie seien im Schützengraben vor Verdun verschüttet worden; und Freud ging auf, dass dies mit “Wunscherfüllung” dann wohl doch nicht erklärt werden konnte.
Die ehemaligen Soldaten träumten ganz offenkundig ein Trauma ab. Auf diesem verschlungenen Weg gelangte der Wiener Seelendoktor zu der Erkenntnis, dass im Unbewussten nicht alles Licht, Jubel, Freude und Eros ist. Es gab da, schloss er messerscharf, auch noch einen anderen Teil: einen Trieb zu Zerstörung und Selbstzerstörung, …
31.01.2012 16:20
Warum Demokratie manchmal eine eher blöde Idee ist
Vor der Demokratie zu warnen hat in der abendländischen Philosophiegeschichte eine lange Tradition. Der Historiker Polybios schrieb, dass die Demokratie eine Neigung habe, zur Ochlokratie zu verkommen, zur Herrschaft des Pöbels - in der Pöbelherrschaft aber warte immer schon ein Tyrann hinter den Kulissen, der dann im Namen des Volkes den Laden übernimmt. (Ein Beispiel für diese These, von dem Polybios allerdings noch nichts wissen konnte: Napoleon.) Immanuel Kant stand im 18. Jahrhundert mit beiden Beinen fest in dieser philosophischen Tradition. In seiner Schrift “Zum ewigen Frieden” bestimmte er, die Demokratie sei “im eigentlichen Verstande des Wortes notwendig ein Despotism, weil sie eine exekutive Gewalt gründet, da alle über und allenfalls auch wider Einen (der also nicht mit einstimmt), mithin alle, die doch nicht alle sind, beschließen; welches ein Widerspruch des allgemeinen Willens mit sich selbst und mit der Freiheit ist.” Wir kommen noch darauf, was diese hellsichtigen Worte bedeuten. …
17.01.2012 18:36
Kipling?
Ich muss meinem Bloggerkollegen Wolfgang Röhl, dessen Eintrag über Peter Rühmkorf sehr erhellend ist, in einem Punkt widersprechen:
Mir tut es ein kleines bisschen weh, wenn der große Lyriker Rudyard Kipling (bei dem Brecht einige seiner besten Verse geklaut hat) mit Faschisten und Bolschewismusverklärern in einem Atemzug genannt wird. Ja, Kipling war für den britischen Imperialismus; gewiss doch. Aber er verstand den britischen Imperialismus als zivilisierende Mission; und er wusste wohl (das macht seine Haltung interessant), dass er für eine verlorene Sache stritt. Just davon handelt sein Gedicht ”The White Man´s Burden”, von dem die meisten Leute nur die Überschrift kennen. “The lesser breeds without the law”—eine Zeile, die oft zitiert wird, um zu beweisen, was für ein übler Rassist dieser Kipling war. Sie meint im Kontext aber die Deutschen, die im Ersten Weltkrieg völkerrechtswidrig das neutrale Belgien …
16.01.2012 02:45
“The Iron Lady”
Gerade eben habe ich im Kino „The Iron Lady“ gesehen – und bin immer noch hin und weg. Meryl Streep spielt in diesem Film Margaret Thatcher; und wenn sie für diese Leistung keinen Oscar bekommt, dann soll bitte irgendwer Hollywood zusperren und den Schlüssel wegwerfen. Mit dieser Leistung zeigt Meryl Streep exemplarisch, was den Beruf des Schauspielers ausmacht: Der Schauspieler soll uns nicht mit seinen Marotten behelligen, er möge bitte nicht in 1001 eitlen Varianten sich selbst darstellen – statt dessen soll er uns seine Rolle so überzeugend zeigen, dass er möglichst komplett hinter ihr verschwindet. Meryl Streep, die Margaret Thatcher ja nichtmal ähnlich sieht, verkörpert die ehemalige britische Premierministerin dermaßen überzeugend, dass wir über weite Strecken vergessen, wem wir da gerade zuschauen. Vielleicht ist Meryl Streep sogar eine Spur überzeugender als das Original. Auf Englisch könnte man sagen: she out-Thatchers Thatcher.
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