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08.01.2009   14:41

Jordanische PENner-Propaganda sucht weltweite Opfer

Im internationalen PEN läßt das jordanische Zentrum gerade einen “Appell” zu Gaza kursieren, bei dem ich mich nicht wundern würde, wenn dem bald einige andere “friedens”beflissene Zentren auf den Leim gehen. Schon erheben sich Stimmen, es handele sich hierbei um eine “für arabische Verhältnisse gemäßigte” Stellungnahme, beinahe unparteiisch, relativ ausgeglichen, auf jeden Fall aber im Geiste des universellen Humanismus, den der PEN in seiner Charta vertritt—also im Bestreben nach Friede-Freude-Eierkuchen. Na, da wollen wir uns diesen Text mal ein bißchen näher anschauen. Hier zunächst der O-Ton aus Amman:

“Dear PEN Colleagues, Fellows and Friends:  PEN International-Jordan Chapter has followed with sorrow, regret, and immense concern, the continuing Israeli aggression on the Gaza strip and its civilians. And the blanket bombing that has claimed the lives of women, children, and the elderly. The destruction of homes, hospitals and houses of worship has continued for a second week. Israeli military …

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06.01.2009   16:31

Die Qual der Wahl im fernen Bengal

Während in Gaza die Hamas eins über die Rübe kriegt und sich die Amerikaner vor ihren neuen digitalen Flachbildschirmen räkeln, um die Kampfszenen aus dem Nahen Osten (hier Middle East genannt) mit der Fernbedienung wegzudrücken und sich an der tollpatschigen Krimikomödie um Blagojevich, den korrupten Gouverneur von Illinois, zu ergötzen (Blago wollte nach dem zwangsläufigen Rücktritt Barack Obamas von seinem Senatorenposten unter der Hand die restlichen zwei Jahre dieser politisch prächtigen Pfründe an den Meistbietenden verscherbeln und wurde, bereits wegen anderer Korruptionsmanöver unter Verdacht, dabei vom FBI abgehört), weicht die Knallerei auf dem indischen Subkontinent (die Massenmorde von Mumbai, das indisch-pakistanische Säbelrasseln, die Regierungsdeckelei aufständischer Tamilen in Sri Lanka, der mutmaßlich weiterhin in pakistanischen Höhlen ausbaldowerte Al-Qaida-Terror) bereits wieder—und weiter—zurück in unsere vergeßlichen westlichen Hinterköpfe.

Dabei fanden vor ein paar Tagen in Bangladesh endlich die vor zwei Jahren wegen damaliger Unruhen verschobenen Wahlen statt, bei der die Awami-Liga …

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02.01.2009   00:24

Robert J. Lieber: Hard Truths About the Conflict

Diesem Artikel aus der heutigen Washington Post, verfaßt von Robert J. Lieber, Professor an der Georgetown University, gibt es z.Zt. aus amerikanischer Sicht wenig hinzuzufügen:

After Israel’s dramatic airstrikes, the world’s media are filled with images of suffering Palestinian women and children, innocent victims in what is being referred to as a renewed cycle of violence. Predictably, both sides are being urged to call a halt, though in much of the Middle East and parts of Europe these demands, and the blame, fall especially heavily upon the Israelis. In America, there is relatively greater understanding and sympathy for Israel, but here, too, concern is growing about the violence.

While the details of the conflict often appear complex, the fundamentals—hard truths about Gaza, its Hamas rulers and the wider Israeli-Palestinian conflict—are straightforward. First, despite the tragic deaths of civilians, Israeli’s airstrikes have been precisely aimed at Hamas …

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31.12.2008   00:18

RÜCKBLENDE: Ein Tag bei Amos Oz

Vor drei Jahrzehnten, im Frühjahr 1979, besuchte ich Amos Oz. Der folgende, ursprünglich für den Rundfunk geschriebene Artikel erschien gedruckt in der von Henryk M. Broder und Peter Finkelgruen herausgegebenen Monatspostille “Freie Jüdische Stimme” (Nr. 8, Juli 1980). Ich habe nichts verändert, also bitte lesen Sie dies mit der damaligen historischen, biografischen und politischen Perspektive im Hinterkopf—Originalton 1979.

Die Entfernung von Jerusalem, wo er aufgewachsen war, studiert hatte, und wohin er auch heute noch durchschnittlich einmal wöchentlich fährt, hatte er falsch eingeschätzt, deshalb verlassen wir die Tel Aviver Autobahn erst bei Ramla und versuchen dann vergeblich, seinen weiteren telefonisch durchgegebenen Wegbeschreibungen zu folgen. Verlegen uns schließlich aufs Fragen am Straßenrand: Hulda? Nie gehört. Hulda? Tja, da seid ihr hier ganz falsch…

Wir sind zu viert: der New Yorker Multimediameister Richard Kostelanetz und seine Freundin Aviva Ebstein, die amerikanische Schriftstellerin Rita Dove und ihr Ehemann—nämlich ich. Den …

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17.12.2008   22:08

US-Lyrikerin Elizabeth Alexander wird Obamas Amtseinweihungsdichterin

Das “Inaugural Committee” des US-Kongresses hat heute die sechsundvierzigjährige Lyrikerin Elizabeth Alexander erkoren, bei der Amtseinweihung am 20. Januar gleich nach Barack Obamas Antrittsrede ein offizielles Gedicht zu lesen—und, natürlich, es vorher zu schreiben; allerdings vermute ich, daß diese Nominierung seit einiger Zeit in Betracht gezogen wurde und sie das Gedicht bereits verfaßt hat, denn ich kann mir nicht vorstellen, daß der eher vorsichtige Obama einer bisher nicht weit über die Lyrikszene hinweg bekannten Autorin diese Aufgabe blind übertragen würde, auch wenn er mit ihr seit Jahren befreundet ist und sie aus dem Establishment der Demokratischen Partei stammt. Bereits im November positionierte sie sich entsprechend in einem Podcast-Interview mit der Chicagoer Stiftung “Poetry Foundation”: http://www.poetryfoundation.org/journal/audioitem.html?id=643

Ich bin gespannt, ob—und einigermaßen zuversichtlich, daß—sie besseres zustande bringt als Maya Angelou mit ihrem überlangen, pathetischen, teilweise kitschigen und in manchen Zeilen unfreiwillig komischen Gelegenheitsgedicht “On the Pulse of Morning” …

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07.12.2008   00:18

U.S. Legislative atmet auf: Es hat sich ausgestunken im Kapitol

Seit anderthalb Jahrzehnten finde ich mich bei den erstaunlichsten Anlässen unter geladenen Ehrengästen, manchmal nur ein paar Nasenlängen von den Mächtigen der Welt entfernt; das hätte ich mir in meiner Gummersbacher Volksschule nicht träumen lassen. (In Kölner Gymnasiumszeiten träumte ich dann allerdings von der Einheirat ins englische Königshaus—wovor mich glücklicherweise das Schicksal und meine Faulheit bewahrt haben.) So kam es auch, daß ich diese Woche in Washington, D.C. zwischen einem Abgeordneten aus Indiana, dessen Name mir nichts sagte, und dem moderaten republikanischen Senator Richard Luger zu sitzen kam; Luger begrüßte mich, wie es sich für einen guten Populisten gehört, mit Augenkontakt und festem Händedruck so herzlich, als seien wir alte Freunde, während der Mann aus Indiana so tat, als ignorierte er mich, obwohl er mir von der Seite verstohlene Blicke zuwarf: Denn mit hellblauer Jacke, dunkelblauem offenem—und schlipslosem!—Hemd und meinen langen blonden Hippiehaaren spielte ich zwischen den vielen dunklen Anzügen, …

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15.11.2008   10:03

Katharina Witt, Dylan Thomas und die gute alte Zeit, oder: Weight Watcher auf hoher See

Am 11. November wurde im Vereinigten Königreich von Großbritannien nicht nur der Gefallenen der flandrischen Felder und überhaupt überall des neunzigsten Jahrestags des Weltkriegsendes von 1918 gedacht, wurde nicht nur auf dem Kölner Heumarkt die Karnevalssaison ausgerufen — sondern es lief auch die Queen Elizabeth 2 zum letztenmal aus Southampton aus, dem Hafen, den sie erstmals vor vierzig Jahren, im wilden Jahr 1968, verlassen hatte. Nach hunderten von Transatlantiküberquerungen und dutzenden von Weltreisen „dampfte” sie nach Dubai, um dort in ein landgefesseltes Luxushotel verwandelt zu werden.

Ein paar Tage zuvor verließen Rita und ich Southampton an Bord des zur Zeit größten Kreuzfahrtschiffs der Welt, der in den Bahamas registrierten Independence of the Seas, mit 160.000 Bruttoregistertonnen mehr als doppelt so groß wie die QE2. Fast 340 Meter lang und 60 Meter breit und mit einer Höhe von an die 70 Meter über dem Wasserspiegel, wurde der auf einer …

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12.11.2008   22:39

Feuerwerke, Flandrisches Opium und Obama olé!

Drei Tage vor der Wahl am 4. November, in der es um die amerikanische Wurst — und gewissermaßen auch die Weltwurst — ging, flogen meine Frau und ich nach England.

Nachdem wir schon einige Wochen zuvor im Kreishaus unseres heimischen Albemarle County im Bundestaat Virginia wie üblich ausnahmslos die Demokraten im Wahlcomputer angetippt und der Obama–Kampagne am Tag vor unserem Londonflug nochmal ein paar Dollar gespendet hatten, war es uns nach der zeitfressenden Hektik und Aufregung der Monate, in denen wir um unseren Präsidentschaftskandidaten bangten und uns nervös über die unsägliche alaskische Knallcharge Sarah Palin lustig machten, ganz recht, den Vereinigten Staaten am entscheidenden Tag den Rücken gekehrt zu haben. So hatten wir seit letztem Frühjahr, noch bevor Obama die Vorwahlen der demokratischen Partei für sich entscheiden konnte, mit unserer englischen Freundin Loraine verabredet, daß wir den Wahltag bei ihr in Reading, nicht weit von London, verbringen würden. …

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