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29.07.2010   17:45

Der Mann, der Chruschtschow und Nixon in Raserei versetzte: Shiva für Daniel Schorr

Vergangenen Freitag starb in Washington Daniel Schorr, der große alte Mann des politischen Kommentars im amerikanischen Rundfunk und Fernsehen. Seine feste Stimme und seine klugen Reflektionen hatten mich seit Jahrzehnten begleitet, hatten mich oft mit ihren scharfsinnigen Beobachtungen überzeugt und, soweit ich mich erinnere, nie mal so richtig auf die Palme gebracht, was was heißen will. Meine Frau kann bezeugen, daß ich am Steuer gerne inbrünstig Positionen verfluche, die ich für bescheuert halte, und dabei umso zorniger reagiere, je näher mir ein “Meinungsmacher” politisch steht. (Während ich bei “rechtem” Blödsinn vielleicht nur mitleidig “Idiot” vor mich hin murmele, denn ich hab ja nichts anderes von der Knallcharge erwartet, brause ich bei “linkem” oder “liberalem” Quatsch leicht auf und schreie auch schon mal die Windschutzscheibe an oder geb dem Lenkrad eine Watschen.)

Radio höre ich fast ausschließlich im Auto, fast immer auf einem mit NPR (National Public Radio) affiliierten …

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24.06.2010   09:58

Prinz Eisenarsch, oder: Auf heißem Ofen durch Amerika

Ich sitze bei meiner Tochter im Garten auf der Terrasse und studiere Straßenkarten, gebe Zwischenstationen in den GPS-Navi ein. Vergangenen Sonntagmorgen um vier kam ich hier an, und seitdem genieße ich nicht nur das trockene sonnige Wetter von Greeley, Colorado, auf der hohen Prairie am Fuße der Rocky Mountains, sondern lasse mich dazu kulinarisch verwöhnen. Wer hätte gedacht, daß aus dem sich von gefrorenen Würstchen und rohen Gemüsegurken ernährenden Kind, dem noch als Teenager Kochlöffel fremdere Werkzeuge waren als Schraubenschlüssel, eine begnadete Hobbyküchenmeisterin würde?

Aber morgen soll es mit dem Faulenzen vorbei sein, da mache ich mich wieder auf die Räder heim nach Virginia. Allerdings möchte ich mir für die etwa zweieinhalbtausend Kilometer doppelt soviel Zeit nehmen wie auf der Hinfahrt und vor allem, sollte ein Nachmittagsgewitter dräuen, mich kurzerhand in einem Motel verkriechen dürfen. Auf der Hinfahrt konnte ich mir solchen Luxus nicht leisten, denn ich war …

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25.05.2010   08:28

Schlaflos in Seattle, oder: Wie mir Mißtöne bei Apples iPad die Nachtruhe raubten

Früher Morgen an der amerikanischen Westküste. Draußen dämmert es gerade, und genügend graues Licht fällt durch die Jalousienschlitze, daß die Umrisse des Hotelzimmers in mein unwillig erwachendes Bewußtsein dringen. Die roten Leuchtziffern der Radiouhr auf meinem Nachttisch haben eben die Fünf übersprungen, und ich stelle mir vor, wie zuhause in Virginia – drei Stunden im Zeitvorsprung –durch die Talsohle unter unserem Haus der Schulbus vorüberrauscht. Wie ist wohl heute das Wetter daheim? Ich lange nach meinem neuesten Spielzeug, einem iPad 64 mit Wifi und 3G, und erfahre binnen Sekunden, daß es dort in Strömen regnet.  Köln, vermittelt der Tafelcomputer vom Internet, ist ebenfalls naß; eine Kamera in der Nähe des Doms, auf die ich im Yahoo-Server unter meinen „Favorites“ Schnellzugriff habe, bestätigt dies aus der Vogelperspektive mit einem erst wenige Sekunden alten Bild.

Ich trage das Bildschirmtablett, diese überdimensionale iPhone-Kopie, hinüber in den Wohnbereich, um meine Frau nicht …

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09.05.2010   01:18

Der Bock, der sich selbst zum Gärtner machte

Nach all den Sexskandalen, in die sich besonders eifrige Bibelpocher immer wieder verstricken (von den römischen Legionen pädophiler katholischer Priester bis zu protestantischen Feuer-und-Schwefel-Predigern, die dem Teufel die Schuld für ihre geilen Eskapaden in die Schuhe schieben), dürfte einen eigentlich nix mehr wundern. Jaja, sie predigen Wasser und saufen Absinth; da kommen die Hühner nicht mehr aus dem Lachen heraus. Allerdings sind diese Heucheleiorgien meist nicht gerade witzig, denn dahinter agieren nicht selten erklärte Feinde einer freien demokatischen Gesellschaft, totalitär gesinnte Wölfe im religiösen Lammfell.

1983 wurde in den USA von mehreren rechtslastigen fundamentalistischen Verteidigern des christlichen Abendlandes der “Family Research Council” gegründet—explizit, um dem “Verfall der traditionellen Familie” entgegenzusteuern, implizit, um erzkonservativen “Law and Order"-Politikern unter die Arme zu greifen. Unter den Gründern war auch der Baptistenpastor George Rekers, im Hauptberuf einst Psychiatrieprofessor an der Universität von South Carolina (jetzt emeritiert). Während der Family Research Council übers …

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08.05.2010   14:54

Den Bock zum Gärtner machen…

Der Vorteil, eine Tochter zu haben, die neuerdings für die feministische amerikanische Zeitschrift “Ms. Magazine” schreibt, ist, daß mir plötzlich alle möglichen hauptsächlich Frauen betreffenden Ungeheuerlichkeiten auf den Bildschirm flattern, die von den “Mainstream"-Medien nicht oder wenig beachtet werden. Dabei sollte es einen kaum wundern, daß die frischbackensten maskulinen Frechheiten mal wieder vom iranischen Mullahregime und seinem weltlichen Mordbuben Ahmadineschad kommen, nur daß es diesmal keine “inneren Angelegenheiten” wie Steinigungen verliebter Teenager oder die Erdbebenwichserei eines durchgeknallten Ajatollah sind.

Die Vereinten Nationen haben schon öfters kollektives Talent bewiesen, den Bock zum Gärtner zu machen, und so kam’s, daß am 23. April der Iran in die UN-Kommission zum Status der Frauen gewählt wurde. Verständlicherweise löste diese atemberaubende Sensibilitätsleistung meist männlicher Völkerverbindungsmimen unter Feministinnen weltweit—jedenfalls in Gesellschaften, wo sie sich offen äußern dürfen—einen Sturm der Entrüstung aus. In den Wind geschlagen hatten die UN einen offenen Brief iranischer und anderer …

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29.04.2010   05:34

Keine Zeitmaschine für Dorothy Height

Vergangene Woche verstarb kurz nach ihrem 98. Geburtstag Dorothy Height. Dorothy wer?, mögen nicht nur deutsche Leser, sondern auch viele Amerikaner fragen—es sei denn, sie sind gebildete Afroamerikaner, die vor der Rap-Generation aufwuchsen. Denn während Rosa Parks durch ihren einen kurzen, doch entscheidenden Widerstand gegen ein rassistisches Staatsgesetz zur Bürgerrechtsikone wurde, deren explosives Beispiel zivilen Ungehorsams heute in allen Schulbüchern steht (1955 hatte sie sich in einem Bus der städtischen Verkehrsbetriebe von Montgomery, Alabama, geweigert, für einen weißen Passagier ihren Sitz zu räumen, wofür die vom Busfahrer herbeizitierte Polizei sie prompt verhaftete und ins Gefängnis sperrte) und Coretta Scott King als Witwe des ermordeten Martin Luther King, Jr. eine besondere historische Bedeutung erwuchs, wird das Bild der Bürgerrechtsbewegung auch heute noch, wie ja Geschichte im allgemeinen, hauptsächlich von den Männern dominiert, die sich entweder mehr oder weniger lauthals in den Vordergrund drängten oder von den Medien unermüdlich als Aushängeschilder präsentiert …

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23.04.2010   23:43

Enden wie Theo van Gogh…

Wie am Donnerstag auf Achgut bereits kurz berichtet, erhielten die Autoren der populären irreverenten amerikanischen Cartoon-Sendung “South Park” kürzlich von der New Yorker Islamistengruppe “Revolution Muslim” eine unverschleierte Todesdrohung, indem ihnen das Schicksal Theo van Goghs angekündigt wurde. Die South Park-Schöpfer Trey Parker und Matt Stone hatten am 14. April, zum Jubiläum ihrer 200. Episode, möglichst viele der von ihnen in den letzten dreizehn Jahren durch den Kakao gezogenen Berühmtheiten auftreten lassen, einschließlich der Großkopfeten der Weltreligionen Moses, Jesus und Buddha. In satirischer Anerkennung des islamischen Verbots, Mohammed bildlich darzustellen, versteckten sie ihn zunächst in einem U-Haul-Umzugsanhänger, in dem man ihn zwar hören, aber nicht sehen konnte. Als er später endlich rausgelassen wurde, war er in ein Bärenkostüm verkleidet. Am nächsten Tag veröffentlichte die Revolution Muslim-Webseite den folgenden Irrsinn: “Wir müssen Matt und Trey warnen, daß das, was sie tun, dumm ist, und sie werden wahrscheinlich für …

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30.03.2010   07:32

Wenn’s deutsche Hertz nach Rache dürstet—oder: Der Wegelagerei dritter Teil

Hier, zur Einleitung und als Auflockerungsübung, bevor ich zum dritten Kapitel meiner leidigen Hertz-Geschichte komme, eine Anekdote: Mitte der achtziger Jahre beanstandete die US-Steuerbehörde unsere Einkommensteuererklärung und forderte meine Frau und mich auf, einen Batzen nachzuzahlen. Das Schreiben war maschinengefertigt, kein menschlicher Absender erschien auf dem Bescheid. Als Sohn eines höheren Finanzbeamten und jemand, der sich in seinen Semesterferien jahrelang sein Zubrot bei der Kölner Einkommensteuerprüfung verdient hatte, hatte ich vor Steuerbehörden keine Scheu, auch nicht in meiner Wahlheimat, und mich nach meiner Übersiedlung in die USA mit den entsprechenden Gesetzen und Erlassen vertraut gemacht. Also legte ich Einspruch gegen den Bescheid ein. Ein paar Monate gingen ins Land, bis eine Mahnung folgte, wieder maschinengefertigt, die den Einspruch ohne zu fackeln abschmetterte. Ein kategorischer Zahlungstermin einschließlich Vollstreckungsdrohung wurde gleich mitgeliefert. Halt, dachte ich mir, so mir nichts dir nichts laß ich mir nicht auf die Pelle rücken; also brachte ich …

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