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18.06.2011   09:06

Wie ein amerikanischer Hochstapler syrische Regimegegner in Lebensgefahr brachte

Meine Tochter hat heute einen Artikel in “The New Republic”, in dem sie über den Skandal des (männlichen) amerikanischen Banausen reflektiert, der sich monatelang im Internet als lesbische Syrerin ausgab, die unter ständiger Lebensgefahr von ihrer Teilnahme an der Revolte in al-Assads Hexenkessel berichtete und schließlich gar “ihre” eigene Verhaftung türkte. Tom MacMaster, ein vierzigjähriger Student in Georgia, hatte sich in seinem frei erfundenen Blog “Lesbisches Mädel in Damaskus” die Internetmaske einer syrisch-amerikanischen jungen Dame namens Amina Abdallah Arraf aufgesetzt und damit reges Medieninteresse erregt. Letzten Sonntag flog der gefährliche Internetbetrug auf—ob früh genug, daß die Häscher des Regimes in Damaskus keine Hinweise auf wirkliche Regimegegner ausschlachten konnten, ist zweifelhaft.

Hier ist der Artikel im Originalton: http://www.tnr.com/article/90203/gay-girl-in-damascus-blog-tom-macmaster

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31.05.2011   23:23

Verstorben im Alter von 101: Hans Keilson, deutscher Exilautor

Am 31. Mai ist Hans Keilson im Alter von 101 Jahren in einem Krankenhaus in Hilversum gestorben. Der frühere Präsident des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland, der sich neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit als Therapeut profiliert hatte, veröffentlichte noch vor wenigen Wochen sein neuestes Buch, die Memoiren ›Da steht mein Haus‹, im S. Fischer Verlag. Hier ist ein Auszug aus der Verlagsmitteilung zu seinem Tod:

“Mit leichter Verwunderung, großer Neugier und Freude hat Hans Keilson den in letzter Zeit großen internationalen Erfolg seiner Romane beobachtet und bis vor wenigen Wochen selbst an Signierstunden und Diskussionen teilgenommen. Ein hymnischer Artikel von Francine Prose in der New York Times hatte im vergangenen Jahr eine große Berichterstattungswelle um Hans Keilson ausgelöst. »›The Death of the Adversary‹and ›Comedy in a Minor Key‹are masterpieces, and Hans Keilson is a genius«, schrieb Prose am 5.8.2010. Rezensionen zu Keilsons Werk erschienen daraufhin in zahlreichen internationalen Medien. …

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10.05.2011   23:30

Die Achse zu Besuch bei den Obamas

Heute, am 11. Mai, wird Präsident Obama einen Empfang zu Ehren amerikanischer Poeten geben. Unter den Gästen wird auch Rita Dove sein, die Frau von Fred Viebahn. Sie wird einige ihrer Gedichte vortragen und dem Präsidenten die Glückwünsche des Achse-Teams zum Umgang mit Terroristen überbringen. Die Feier kann live auf www.whitehouse.gov gesehen werden.

Hier die Einladung aus dem Weissen Haus:
WHITE HOUSE EVENTS STREAMED LIVE: “An Evening of Poetry”

On May 11th, the President and Mrs. Obama will host a celebration of American poetry. Participants include Elizabeth Alexander, Billy Collins, Common, Rita Dove, Kenneth Goldsmith, Alison Knowles, Aimee Mann and Jill Scott as well as Steve Martin and the Steep Canyon Rangers. The event will be streamed live on www.whitehouse.gov starting at 7:00 p.m. ET.

As part of this celebration, Mrs. Obama will host a daytime …

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04.04.2011   03:25

Liz Taylor ist tot, oder: Wie ich einmal die schönste Frau der Welt filmte

Zum erstenmal bewunderte ich sie als Kleopatra; da war ich sechzehn und wehrlos gegen feuchte Träume, in denen mir eine unglaublich attraktive ägyptische Königin aus dunklen Augen tief in meine blauen blickte. War ich Julius Caesar oder Marcus Antonius? Ein paar Jahre später sah ich sie wieder, diesmal als Martha, die kaputte Professorenfrau in Mike Nichols’ Verfilmung von “Who’s Afraid of Virginia Woolf”, einem Psychodrama, das mir die Eifersucht auf Richard Burton austrieb und mich stattdessen neidisch auf Edward Albee machte; das, was der getan hatte, wollte auch ich tun: So ein Drama schreiben, das in die tiefsten Tiefen menschlicher Verzweiflung tauchte. Mein Pech war nur, daß Veit Relin, als er Mitte der Siebziger Jahre mein Albee-inspiriertes Theaterstück “Blutschwestern” inszenierte, eine der Hauptrollen nicht mit seiner Ehegattin Maria Schell besetzte, der deutschen Liz Taylor, sozusagen. Vielleicht war’s auch mein Glück…

Als Elizabeth Taylor vor knapp zwei Wochen starb, …

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02.04.2011   05:17

Geraldine Ferraros Vermächtnis

Meine Tochter veröffentlichte gestern in The New Republic einen Nachruf auf die am vergangenen Wochenende verstorbene Geraldine Ferraro, die erste Amerikanerin, die nach den höchsten politischen Sternen des Landes griff, als sie 1984 vom demokratischen Präsidentschaftskandidaten Walter Mondale zu seiner Vizepräsidentschaftspartnerin gekürt wurde. Der Versuch, Ronald Reagan und seinen Vizepräsidenten George H.W. Bush aus dem Weißen Haus zu fegen, scheiterte zwar kläglich, aber die harte Glasdecke, gegen die Frauen vorher beim politischen Aufstieg immer wieder gestoßen waren, war wenigstens mal angeknackst.

Hier nun Originalton Aviva Dove-Viebahn: ”When news reached me this past weekend that Geraldine Ferraro had succumbed to cancer at the relatively tender age of 75, I felt an inexplicable sense of loss. This wasn’t a generic sensation—the abstracted sadness we inevitably feel when public figures die—or a civic mourning for the loss of a champion of women’s rights. Rather, my feeling of loss stemmed from something …

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31.03.2011   11:44

Gezählte Tage, verjährte Jahre…

Es ist eine konventionelle Weisheit (und eine logische Schlußfolgerung, die einem immer mehr einleuchtet, je länger man auf der Welt ist), daß mit fortschreitendem Alter Gedankenflüge in die Vergangenheit unabsehbarer werden (vielleicht auch schwerfälliger unter ihrem Vergangenheitsballast) und Zukunftsvisionen gegen die näherrückende Naturgrenze menschlichen Lebens zu prallen beginnen. An meinen zwanzigsten Geburtstag kann ich mich überhaupt nicht erinnern; ich hatte gerade mein erstes Büchlein veröffentlicht, für mich ein Meilenstein, gegen den das Wiegenfest verblaßte. Fünfundzwanzig verging ebenfalls wie Schall und Rauch; erst als ich weit weg von heimischen Gewohnheiten und Gewöhnlichkeiten dreißig wurde, fing ich mit dem nutzlosen, doch faszinierenden Zahlenspiel an, mich in Multiplikationen und Divisionen von Lebenserwartung zu messen. Rita, meine Zukünftige, rieb mir am Strand von Padre Island gegen die texanische Sonne den Rücken ölig und versuchte mich über die Jugend-ade-Trübsal jenes „birthday blues“ hinwegzutrösten: Wenn alles gut geht, sagte sie, hast du erst etwa ein Drittel …

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03.12.2010   12:21

Schwarzer Schwan in Festtagslaune

Zur Zeit haben sich Reisereien und andere Umstände dagegen verschworen, daß ich viel zum Schreiben komme. Bis sich das hoffentlich bald ändert (sicherlich noch vor Jahresende—Puzzlestücke zweier größerer Stories haben bereits für Achgut Platz in meinem Notizbuch gefunden), biete ich hier geneigten Lesern, die des Englischen kundig sind, Links zu den neuesten Veröffentlichungen meiner Tochter Aviva, einer Medientheoretikerin, die in letzter Zeit ihrem Fach immer mehr praktische Seiten abgewinnt und für populäre Publikationen schreibt. So veröffentlichte sie am vergangenen Dienstag in der Online-Ausgabe der Zeitschrift “Ms. Magazine” eine Kritik des heute in den USA anlaufenden Films “Black Swan”, und seit vorgestern überrascht sie tagtäglich im selben Blog ihre Leser mit einer Art feministischem Adventskalender, der allerdings nicht nur bis Weihnachten laufen wird, sondern vom diesjährigen ersten Hanukkahtag bis zum Neujahrsabend.

Hier zunächst ihre Filmkritik: http://msmagazine.com/blog/blog/2010/11/30/sex-lies-and-ballet/

Und nun: Countdown to 2011! --by Aviva Dove-Viebahn--

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06.11.2010   07:10

Obamas ohnmächtige Arroganz, oder: Kleinmut kommt vor dem Fall

"Hab ich’s nicht schon vor zweieinhalb Jahren gesagt?” fragt meine Tochter rein rhetorisch und hat damit durchaus recht. “Aber ihr wolltet es ja besser wissen,” setzt sie ein wenig traurig, jedenfalls ohne Triumph in der Stimme hinzu—womit sie allerdings nicht ganz recht hat. Besser wissen wollten wir’s nicht, hielten nur ihre Kandidatin während der Präsidentschaftsvorwahlen des Jahres 2008, Hillary Clinton, für weniger wählbar und, das geben wir gerne zu, schwammen mit auf der Woge der Begeisterung über das Unerhörte, das noch kurz zuvor Ungeahnte, das eigentlich so gut wie Unvorstellbare: einen Präsidenten dunkler Hautfarbe. Ich gebe zu: Auch ich war recht euphorisch, während meine Frau, selber Afroamerikanerin, in leicht unwohler Solidarität Zweifel an des Kandidaten “Authentizität”, die “irgendwas” in Obamas schlaksiger Körpersprache in ihr auslösten, unterdrückte; und so stimmten wir damals mit voller Kehle ein in die zum Crescendo anschwellenden Lobeshymnen unserer demokratischen Parteifreunde, besoffen uns an der historischen Sensation, …

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