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04.02.2007   21:53

Aufruf zur weltweiten Lesung der Berichte von Anna Politkowskaja am 20. März

Die Peter-Weiss-Stiftung in Berlin ruft Kulturinstitutionen, Theater und interessierte Personen zu einer weltweiten Lesung “in memoriam Anna Politkowskaja” auf, und zwar für den 20. März.

Die am 7. Oktober 2006 in Moskau ermordete Journalistin Anna Politkowskaja beschrieb in ihren Reportagen vor allem die Katastrophe des zweiten Tschetschenienkrieges. Ihre Texte schildern Folterszenen, rekonstruieren kaltblütige Morde, prangern den Zynismus von Bürokraten an, schildern das Leid und die Verzweiflung der Zivilbevölkerung, die zwischen Armee und Rebellen aufgerieben wird, und geben ein beklemmendes Bild vom Klima der staatlich geschürten Angst und Repression in Russland.

Für die Lesungen ist die Textauswahl “Machkety. Ein Konzentrationslager mit kommerziellem Einschlag” und “Sonderoperation Sjasikow” vorgesehen (aus:

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23.01.2007   08:49

“Beleidigung des Türkentums”: die Staatsbeihilfe zum Journalistenmord

Als Vorstandsmitglied des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland faxte ich heute das folgende Schreiben an den türkischen Premierminister Erdogan sowie an den türkischen Außen- und Menschenrechtsminister Gül:

“The PEN Centre of German-Speaking Writers Abroad is deeply shocked by the murder of Hrant Dink, and we urge all appropriate Turkish authorities to assure that all those responsible for the crime be brought to justice swiftly and in a transparent manner.

Furthermore, this murder is a stark reminder that laws that criminalize so-called “insult to Turkishness” are not only in violation of international standards protecting the right to freedom of expression, but also endanger the lives of those charged. We call for urgent reconsideration of such insult laws, in particular the repeal of Article 301 of the

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22.01.2007   19:21

Empfehlung: A Word A Day

Während deutsche Wörter und Unwörter des Jahres gekürt werden, gibt es für anglophone Leser eine Website, die einem täglich (bzw. in den USA nächtlich) ein “Wort des Tages” liefert, mit Definition, Etymologie, Synonymen, Gebrauchsbeispielen aus der Literatur, Politik, den Medien… Geschaffen wurde sie vor knapp dreizehn Jahren von Anu Garg, einem Computerwissenschaftler indischer Herkunft. Ich hatte vor einiger Zeit Gelegenheit, ihn und seine auch am “business” beteiligte Frau Stuti in ihrem hübschen Häuschen in einem Vorort Seattles zu besuchen; das junge Ehepaar ist ein Paradebeispiel für den American Dream. Sie machen etwas, das ihnen Spaß macht, von dem (bzw. den Nebenprodukten) sie gut leben können (heutzutage jedenfalls; die ersten Jahre war’s ein “struggle”, wie’s sich gehört)—und das vielen anderen Menschen lehrreiche

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22.01.2007   14:19

Carl Schurz, Henryk und ich - drei Rheinländer in Washington, D.C.

Am Donnerstagabend las Henryk M. Broder in der deutschen Botschaft in Washington vor ausverkauftem Haus aus seinem Bestseller “Hurra, wir kapitulieren!” Eingeladen hatte die German Language Society, eingeführt und moderiert wurden die Lesung und die anschließende Diskussion mit dem Publikum von Rüdiger Lenz, dem Korrespondenten der Deutschen Welle, der sich auch mit Broder beim knapp einstündigen Vortrag von Passagen aus dem Buch abwechselte.

Für mich war es ein Erlebnis ganz besonderer Art—und das nicht nur, weil ich Henryk seit 44 oder 45 Jahren kenne, seit wir mit- und gegeneinander im Kölner Politischen Arbeitskreis Oberschulen unsere argumentativen Messer wetzten. Drum seien hier, im Interesse journalistischer Offenheit, Gemeinsamkeiten unserer Vergangenheit gebeichtet:

Einmal, bei einem Tanz in die Ferien der Tanzschule

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15.01.2007   16:58

Grabschen nach Uschi Obermaier

For Old Times Sakes: Von Uschi Obermeier bis Floh de Cologne

Bei meinem Berlinbesuch letztes Frühjahr grabschte ich mir von einem Wühltisch mit verbilligten DVDs den Spielfilm ROTE SONNE, 1969 mit Uschi Obermaier in der Hauptrolle gedreht. Ich hatte zwar nie vorher davon gehört, aber irgendwann, dachte ich mir, gibt mir der vielleicht einen kreativen Nostalgieschubs; immerhin hatte ich Uschi und die Kommune 1 bereits 1967 in Aktion erlebt. Zuhause landete der Film allerdings zuerst mal auf einem Haufen ungesehener Scheiben, der sich bedrohlich bei mir auftürmt.

Heute las ich zufällig beim Browsen, daß Uschi Obermeiers eigenes stürmisches Leben kürzlich zum Stoff für ein Spielfilm wurde (vom Gruppensex der Kommunarden über heiße Nächte mit Mick Jagger und Keith Richards und ihre Heirat mit einem Reeperbahnbonzen bis zur

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15.01.2007   16:49

Der gewöhnliche Sadismus der Bürokratie

Als Sohn eines deutschen Beamten (mein Vater war bei der Steuerfahndung) weiß ich seit meiner Kindheit, daß Bürokraten auch nur Menschen sind—freundlich und hilfsbereit, wenn man Glück, gleichgültig, schludrig oder gar feindselig, wenn man Pech hat. Das trifft auch auf meine Erfahrungen mit der amerikanischen Bürokratie zu—wobei mir aufgefallen ist, daß amtliches Entgegenkommen, ja oft gar eine gewisse Liebenswürdigkeit im Umgang mit dem Bürger kleinstädtischen Amtsinhabern gewöhnlich leicht fällt; wenn ich zum Beispiel zum Sheriff gehe, um mir eine Lizenz erneuern zu lassen, sind die Angestellten immer zu einem gemütlichen Schwatz aufgelegt, und sogar als durchnumerierter0 Kunde im unpersönlichen Apparat des Straßenverkehrsamtes kann man die Leute hinter den Schaltern mit ein paar netten Worten zum Schmunzeln und zu

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08.01.2007   01:02

Role Model - mit kleinen Fehlern

Auf dem Cover des heutigen “Parade Magazine”, der millionenfach verteilten
Sonntagsbeilage der Washington Post und manch anderer amerikanischen
Zeitung, sind drei Sportler abgebildet: Basketball-Star LeBron James und
Volleyball-Olympiasieger Misty May-Treanor und Kerri Walsh. Darunter steht
in fettem Gelb: “Get Fit Now!”

Alle drei sind sympathische Kids, ehrgeizig, determiniert, die sich und
ihren Erfolg mit breitem gewinnendem Lächeln präsentieren, echte role models
also: Kinder, macht’s ihnen nach, statt auf der faulen Haut zu liegen oder
euch von unerreichbaren Tagträumen deprimieren zu lassen—oder gar in der
Falle krimineller Aktivitäten zu verkommen. Das Foto, dominiert von roter
Sportkleidung auf neutralem hellblauem Hintergrund, ist dabei sehr brav,
ohne jede sexuelle Anzüglichkeit.

Und doch stört mich was an

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05.01.2007   01:02

Americans At Large

Am letzten Nachmittag des alten Jahres kauf ich ein bißchen Hummus und Pita, Bagel und Lox fürs Neujahrsfrühstück ein.  Der Verkehr ist fließend, aber stockend—anscheinend hat jeder noch eine Kleinigkeit zu erledigen, bevor für 2006 die Klappe fällt. An einer Ampel hupt jemand mehrfach, direkt rechts neben mir. Ich sehe aus dem Augenwinkel, wie man mir winkt. Ein Bekannter vielleicht? Jetzt gucke ich voll rüber und höre aus dem offenen Fenster wahnsinnig lauten Hip-hop dröhnen, zu dem der Fahrer wie bekloppt in seinem Sitz auf und ab hüpft, von keinem Sitzgurt gefesselt. Es ist ein junger Bursche, Latino vielleicht, neben ihm eine übertrieben geschminkte, nicht besonders schlanke junge Schönheit in engem Kleid, wahrscheinlich ebenfalls Latino, und hinten im hellbraunen Auto sitzt noch ein Pärchen—die sind mit Sicherheit

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