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29.02.2008   10:29

Warten auf den Messias

Man hat noch nichts davon gehört, daß Wählerinnen beim Anblick von, sagen wir mal: Michael Naumann in Freudentränen ausgebrochen wären, um hernach dekorativ in Ohnmacht zu fallen. Aber das kann ja beim nächsten halbwegs gutaussehenden Kandidaten noch kommen. Denn wenn wir die Zeichen richtig lesen, dann sehnt sich auch hier manch einer nach dem neuen Messias, wie ihn Barack Obama in den USA zu verkörpern scheint: nach einem Heilsbringer, einem Verführer, einem guten und weisen Herrscher. Einem Führer, genau, der uns mit ebenso edlen wie schlichten Botschaften hinter seinem Banner zu versammeln vermag – mögen die Parolen „Yes, we can“ lauten oder als sehnsüchtiger Ruf nach „Change“ nachhallen, mögen sie „Gerechtigkeit“ versprechen oder das Paradies auf Erden. Ja, langsam sind wir soweit. 

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13.02.2008   12:53

Das beste Argument zählt…

Was darf man hierzulande denken, meinen und schließlich auch sagen? Alles, was einem so ins Hirn kommt? Jeder? Ohne Ansehen von Alter, Geschlecht und Haarfarbe?
Im Prinzip ja, antwortet Radio Eriwan. Es kommt nur darauf an …

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31.01.2008   15:41

Kulturgeschichte des Klimas

So ein Buch macht das Kaminfeuer noch gemütlicher und läßt einen den Luxus des Lebens in der heutigen Zeit innigst empfinden: ich lese, nein: ich verschlinge gerade “Die Kulturgeschichte des Klimas” von Wolfgang Behringer.

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23.01.2008   14:55

Ist der Kapitalismus schuld an 68?

Gewaltige Veränderungskräfte werden ihnen zugeschrieben, den Achtundsechzigern, im Guten wie im Bösen. Nüchtern betrachtet, zeigen sie sich als Teil einer ungleich mächtigeren und zugleich profaneren Bewegung – einer Bewegung, gegen die Widerstand zwecklos war und die doch von allen gleichermaßen verachtet wurde, von den protestantischen Bildungsbürgern ebenso wie hernach von den zum Marxismus konvertierten Antiautoritären: die Konsumgesellschaft. Das magische zweite Drittel der 60er Jahre fußte im wesentlichen auf der Befreiung des (jungen) Individuums durch die Freiheit des Konsums. Der Minirock war, wie man ja sah, nicht bloß ein Kleidungsstück: Er war der Beginn einer Individualisierung durch gleichberechtigte Teilhabe am Markt.

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21.11.2007   20:58

Frau’n regier’n die Welt

Jetzt ist es also raus: Die ZDF-Moderatorin Maybritt Illner und der Telekomchef Renée Obermann sind ein Paar. Wußten Sie schon? Geht Sie nichts an? Und überhaupt sei das eine Meldung für die Klatschspalten? Irrtum. Das gehört ganz vorne in den Politikteil der Zeitung und ganz oben in die Wirtschaftsnachrichten. Die beiden sind ja nicht irgendjemand und um irgendetwas so banales wie die Liebe, gutes Aussehen oder verlassene Ehepartner geht es schon mal gar nicht. Privatleben ist hier Nebensache.
Und was immer die beiden selber glauben mögen: In Wirklichkeit handelt es sich um eine strategische Allianz.

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25.10.2007   11:29

Vorwärts, es geht zurück - Becks Kurs

Was für ein Gefühl: neuerdings muß man, gerade wenn man kein Sozialdemokrat ist, an der Seite Franz Münteferings stehen und kämpfen. Nämlich für das einzige, worum sich die rotgrüne Regierung unter Schröder wirklich verdient gemacht hat: für die Agenda 2010. Denn erst jetzt ernten wir - und damit auch die rotschwarze Koalition - die Früchte der damaligen Reform, die mutig war, denn sie kostete die SPD Stimmen. Das Rad zurückzudrehen, wie es Kurt Beck versucht, wetzt diese Scharte womöglich nicht aus, bremst aber mit Gewissheit den positiven Prozess, der uns einen seit Jahren nicht gesehenen Rückgang der Arbeitslosenzahlen beschert hat.

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11.09.2007   09:39

Wer nicht für uns ist…

„Haben Sie etwa was gegen Ausländer?“ So fragte jüngst ein Rüpel, der sich vorgedrängelt hatte und an dem man nur das auszusetzen hatte, mitnichten seine sonstigen Attribute – und schon gar nicht wollte man es sich mit allen Ausländern verderben, nur weil man diesen einen hier unangenehm fand.
Pars pro toto, man nimmt sich selbst fürs Ganze – das ist ein Muster, das seit einigen Jahren immer beliebter wird. Menschen oder ihre Meinungen und Überzeugungen stehen nicht mehr für sich selbst, sondern für ein größeres Ganzes, und kritisiert man sie, macht man sich in einem weit über den Anlaß hinausgehenden Maß schuldig: wahlweise an der muslimischen Welt, an der Natur, an den Frauen, an der Menschheit. 

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26.06.2007   11:07

Frauen sind die besseren Menschen, oder?

Haben wir’s nicht immer schon gesagt? Frauen sind das bessere Geschlecht. Hübscher, klüger, selbstbewußter, zielstrebiger, Alpha-Mädchen eben, wie der Spiegel vergangene Woche titelte. Die Jungs? Schmieren gewaltig ab. Vor allem die im Osten sitzen mit fauler Wampe und Flaschenbier vorm Fernseher oder gehen gleich zu den Neonazis. Frau geht da lieber in den Westen und angelt sich einen, der ihr ebenbürtig ist, sofern die Konkurrenz noch einen übrig gelassen hat. Nicht so’n Loser, eben.
Ach, in einen so hübschen kleinen Goldfischteich, der geradezu nach Champagner dürstet, gießt man ungern Wasser. Und doch: es muß.
Denn so Gold ist es eben nicht. Trotz Kanzlerinnenbonus sind ganz oben die Männer auch weiterhin unter sich. Kinderkriegen ist trotz Ursula von der Leyen weiterhin ein Karrierehindernis, weshalb es sich für Frauen noch immer lohnt, in den Heiratsmarkt, also ihr Äußeres, zu investieren, statt in die inneren Bildungswerte und damit in …

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