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05.02.2012   16:01

Nicht ganz dicht. Alte Häuser und die Energiewende

Es ist ein gutmütiger Geist, der ab und an durchs Haus weht und mir mit kühlen Fingern das Haar streichelt. Er mag es, wenn es draußen kalt ist und drinnen die Holzdielen knacken. Wenn der Sturm an den Dachziegeln zupft und durch den Kamin ruft. Wenn Regentropfen unter den Ziegeln hindurchgeschlüpft sind, durch den brüchigen Lehmstrich dringen und Klopfzeichen geben. Er fächelt mir zu, wenn mir am Schreibtisch warm geworden ist. Und manchmal erinnert mich der alte Herr (schon knorrige 170 Jahre alt) an die Zeiten, als man drei mit Holz und Briketts zu heizende Öfen brauchte, um das Haus auch nur annähernd warmzukriegen – wenn er mich auf dem Flur und im Treppenhaus eiskalt anhaucht.
Prosaische Gemüter bestreiten natürlich, dass es ein guter Geist ist, der dieses Haus beseelt. 

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02.02.2012   15:26

Helden über Bord

Wenigstens auf einem Schiff ist der Mann noch Mann – dachten wir, bis zum unseligen Kapitän der Costa Concordia, diesem Milchgesicht, eine Landratte, wie sie im Buche steht. Ratte? Naja - es sollen ja die Ratten sein, die das sinkende Schiff als erste verlassen. Und der Kapitän, der als letzter geht. Alles eine Frage der Ehre, des Seerechts und, früher jedenfalls, des Eigeninteresses an der Sicherung der Ladung.
Tempi passati. Francesco Schettino, der Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffes, nicht gerade die Inkarnation eines Seebären, hatte weder mit der Ehre noch mit seiner Ladung viel am Hut und flüchtete, statt standzuhalten. Als Kapitän der Herzen hätte er vielleicht noch getaugt – immerhin hat der Mann Gefühl gezeigt! – , aber nicht als Exemplar jener stolzen Lenker, die auf stürmischer See Ruhe bewahren und die Stellung halten, um die ihnen Anvertrauten sicher in den nächsten Hafen zu leiten.
Der Mann hat seinen Beruf verfehlt. Oder findet vielleicht der Beruf keine Männer mehr?

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29.01.2012   12:10

Die neue Geschlechterdebatte - das ewige Wehklagen.

„Ein Mann, eine Frau, eine Bar. Es könnte alles so einfach sein. Ist es aber nicht. Es fehlt: der Kuss. Schuld ist: der Mann.“ (Jenny Friedrich-Freksa)

Na, wer denn sonst?
Männer und Frauen sind nicht füreinander geschaffen. Als ob sich das noch nicht herumgesprochen hätte, geht alle Jahre wieder ein Schmerzensschrei durch die Lande, so auch heute. Die Männer seien „verkopft, gehemmt, unsicher, nervös, ängstlich, melancholisch und ratlos“, also Stoßlüfter und Weichspüler, sagt die eine. Zu sensibel, zu nachdenklich, zu lieb, und damit unsexy.

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02.01.2012   14:37

Von Nutzen und Nachteil der Demokratie

Lasst sie doch, die Briten, Franzosen, Griechen. Lasst ihnen ihre kleinlichen nationalen Rachegefühle und ihre altbackene Bilderwelt, in der stets Deutsche im Stechschritt marschieren, wenn eine deutsche Regierung mal unvorsichtigerweise tut, was ihnen nicht gefällt. Das ist ihr Problem. Kurioser ist, dass man in Deutschland stets schuldbewusst zusammenzuckt, wenn die anderen mit nationalen Vorurteilen kommen – gern auch vorauseilend. 
Warum eigentlich? Die Höflichkeit gebietet schließlich, zwischen Volk und Regierung zu unterscheiden.

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23.12.2011   15:14

Starkes Jahr - schwacher Abgang

Nach einem langen, harten Winter kam der Frühling mit Macht und Sonne, der Herbst hatte einen langen Abgang, strahlend und warm. Bei den deutschen Winzern gilt 2011 jetzt schon als ein Spitzenjahr.
Halten wir uns also an den Wein. Denn alles andere ist ungewiss: ob 2011 als Jahr der Demokratie in die Geschichte eingeht. Als Jahr Europas. Als Jahr der Energiewende. Hofft der Optimist. Oder als Jahr der engstirnigen Sorte des Islamismus, des Scheiterns Europas, der Krise von Politik und Demokratie. 

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12.12.2011   13:58

FAZ und ND - neue Kooperation!

Früher wäre das ja anders herum verlaufen: das Neue Deutschland hätte sich seine Meinungen im Westen gekauft. Und wie geht das heute? Andersherum?
Interessant jedenfalls die enge Verbundenheit zweier großer deutscher Zeitungen - in linken Kreisen gibt es dazu Ahs und Ohs:
http://www.lafontaines-linke.de/2011/12/frankfurter-allgemeine-faz-schirrmacher-hudson/

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05.12.2011   16:01

Die Produktionsmittel in des Autors Hand!

Die Produktionsmittel in Volkes Hand? Ein Traum, der längst verblasst ist. Heute merkt das Volk noch nicht einmal mehr, wenn es über seine Produktionsmittel verfügt – jedenfalls nicht, sofern es aus Schriftstellern und anderen Worttätigen besteht. Dabei beginnt der Kampf darum bei den meisten Autoren schon in der Kindheit, wenn die Erwachsenen selbst bestimmen wollen, wann und wie lange sie vorlesen möchten. Wer sich nicht mit Dankbarkeit aufhalten will, dafür nämlich, dass sie sich überhaupt die Mühe geben, lernt selber lesen. Den nächsten Schritt bestimmt kindlicher Nachahmungstrieb: auch schreiben wollen! Nach ersten handgekrakelten Gedichten, von der Familie so wohlwollend aufgenommen wie die Blockflötensoli zu Weihnachten, strebt der künftige Autor nach Größerem: nach Verbreitung der Proben seines Könnens. Hat nicht die Lieblingstante Talent bescheinigt? Na also. Jetzt wird vervielfältigt.

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28.11.2011   14:58

Aufschrei der Herzen

Warum schweigen die deutschen Intellektuellen zur derzeitigen Krise und zu Europa, fragt es neuerdings wieder im Feuilleton. Weil sie den Schlachtruf aus den 80er Jahren nicht mehr hören können und, weise geworden, wissen, dass die wichtigen Debatten heute im Wirtschaftsteil der Zeitungen und nicht mehr im Kulturteil stattfinden? Schön wär’s. Denn sie reden ja. Doch den einen hört man nicht zu – etwa Botho Strauß und Peter Sloterdijk, die Kluges zu sagen haben. Die aber stehen, wie es eine TV-Moderatorin unnachahmlich formulierte, „unter konservativem Verdacht.“ Dabei lassen sie sich nur eines zuschulden kommen: Sie argumentieren zur Sache und ohne den lächerlichen Gestus der Empörung, mit dem die alten Vokabeln der Systemkritik neuerdings wieder zirkuliert werden. Ist Denken konservativ?

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