Beiträge von Burkhard Müller-Ullrich
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16.10.2011 12:13
Die Juden und die Weltgeschichte / Boualem Sansal (I)
Der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels spricht:
„… der älteste Konflikt der Welt, nämlich der israelisch-palästinensische…“
26.09.2011 12:22
Menschenrechts-Logo
Ein beliebtes politisches Gesellschaftsspiel geht so: mehrere Teilnehmer streiten sich, und wer zuerst „Menschenrechte“ sagt, hat gewonnen. „Menschenrechte“ ist das ultimative Universalschlagwort, die Wunderwaffe im Kampf um die moralische Vormachtstellung. Mit der Berufung auf Menschenrechte kann man alles erreichen, zum Beispiel die Zahlung von Schmerzensgeld an einen Kindesmörder, der beim Polizeiverhör psychisch unter Druck gesetzt wurde. Oder das unbehelligte Töten von Homosexuellen und Steinigen von Ehebrecherinnen nach den Vorschriften der Scharia, weil der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen von islamischen Diktaturen wie dem Iran oder Saudi-Arabien dominiert wird.
Gerade Letzteres ist so skandalös, daß man von der Uno in Sachen Menschenrechte lieber nichts mehr hören wollte, aber genau in solchen peinlichen Momenten kommt Guido Westerwelle angetrottet und zündet auf der leeren Weltbühne seinen nächsten außenministeriellen Knallfrosch. Einen Menschenrechts-Designwettbewerb rief er vor knapp fünf Monaten aus, denn wenn zur Förderung der Menschenrechte auf der Erde noch etwas Wesentliches fehlte, dann …
26.09.2011 12:18
Jauchmerkel-TV
Es gibt gewisse Unterschiede zwischen einer Talkshow und einer Regierungserklärung, die man ruhig beachten sollte. Eine Talkshow ist ein Ausdruck von Meinungsfreude, und die wiederum beruht auf Verantwortungslosigkeit. In einer Talkshow sitzen Leute mit übereinandergeschlagenen Beinen und zeigen dem Publikum, daß etwas, wozu noch jeder seinen Senf geben kann, nicht ganz so schlimm sein kann. Wer talkt, muß nichts tun, muß keine Entscheidungen treffen und keine Verantwortung tragen; Talk löst sich mit einer Nachhallzeit von wenigen Millisekunden im Raum folgenlos auf.
Im Gegensatz zum Krisenmanagement im Kanzleramt sieht der Krisentalk im Fernsehstudio immer irgendwie gut aus: fängt pünktlich an, hört pünktlich auf, ist hinsichtlich Fragenzuschnitt und Besetzung erwartbar und besitzt in Sachen Rat- und Ausweglosigkeit eine absolute Zuverlässigkeit. Dieses beruhigende Gefüge kommt natürlich aus dem Lot, wenn Günther Jauch aus seiner Plauderrunde eine Merkelshow macht. Dann sind wir plötzlich auf einer höheren Realitätsstufe. Dann wird die Sendung zur …
18.05.2011 10:38
Grenzschützer
Wenn die Unesco nicht alles Wesentliche verschlafen würde, hätte sie die europäischen Staatsgrenzen schon längst zum Weltkulturerbe erklärt. Denn Grenzen sind etwas Schönes und Bewahrenswertes, Traditionsreiches und Zukunftsweisendes. Sowohl in ihrer abstrakten Gestalt von Linien auf der Landkarte als auch in ihrer konkreten Erscheinung mit Schlagbäumen und Wachhäuschen tragen Grenzen auf vielfältige Weise zur Zivilisierung der Menschen und zu einem respektvollen Umgang der Völker miteinander bei.
Das Überschreiten einer Grenze ist ein lebensphilosophischer Akt. Ein großer Teil aller Kulturanstrengungen besteht in Transgressionsritualen; der Mensch möchte die Seite wechseln, er strebt in die Fremde, die Anderwelt, und die Grenze ist der Ort, der diese köstliche Erfahrung des Übergangs und der Verwandlung beglaubigt. Die üblichen Kontrollprozeduren – Ausweis vorzeigen, die stereotypen Fragen der Zöllner, der prüfende Blick, das leichte Unwohlsein, das einen befällt – all diese praktischen Details sorgen für eine gefühlsmäßige Erhöhung dieses Augenblicks.
Das ganze europäische …
18.05.2011 10:36
Perp Walk
Es gibt einen Namen für die Sache, und schon der Umstand, daß es sich um eine Abkürzung handelt, signalisiert eine gewisse Popularität: „perp walk“ steht für „perpetrator walk“, also das Spazierenführen eines Täters, eines Gesetzesbrechers vor den Kameras des Fernsehens und der Zeitungsreporter. Dabei werden dem Delinquenten Handschellen angelegt, manchmal sogar auch Fußfesseln, was in jedem Fall vollkommen überflüssig ist, weil der Betreffende von so vielen Polizisten flankiert wird, daß jede Flucht oder auch nur der Versuch, um sich zu schlagen, absolut erfolglos wäre. Eher ist er bei diesem Kontakt mit der Öffentlichkeit und deren Vertretern selbst gefährdet, wie sich im Fall des Kennedy-Attentäters Lee Harvey Oswald zeigte, der nämlich bei einer solchen Gelegenheit erschossen wurde.
Die Fesselung der Hände, meist auf dem Rücken, dient zu nichts anderem als der Erniedrigung des Täters, der allerdings zum Zeitpunkt dieser Inszenierung noch keineswegs als Täter feststeht, sondern nur ein Beschuldigter …
30.04.2011 09:55
Sind wir wirklich allein?
Einsamkeit ist besonders häßlich, wenn gerade der Frühling explodiert. Man muß nur mal vor die Türe gehen: überall schwirren Lebewesen auf der Suche nach anderen Lebewesen herum. Auch im interstellaren Raum soll so einiges los sein. Da sitzen vermutlich irgendwelche Sternbewohner in fernen Galaxien und verzehren sich vor Sehnsucht nach Spielpartnern im Weltall. Okay, wir wissen nicht, ob sie ausgerechnet an uns Erdenmenschen Freude hätten, aber wir werden es nie erfahren, wenn wir uns nicht aktiv um Kontakt bemühen.
Diesem Zweck dienten bis jetzt 42 in Kalifornien aufgestellte Antennenschüsseln. Die gehören dem SETI-Institut. SETI steht für „Search for Extraterrestrial Intelligence“, also Suche nach außerirdischer Intelligenz – ein hochwichtiges Unterfangen, da ja die irdische Intelligenz so knapp bemessen ist. Allerdings sollte man das mit der Intelligenz nicht allzu wörtlich nehmen, denn stellen wir uns vor, die Kalifornier würden mit ihrem Radioteleskop wirklich außerirdisches Leben entdecken, dann wird die Sache …
27.04.2011 17:16
Die vollständige Säuberung der SPD
Thilo Sarrazin ist für die SPD seit langem unerträglich. Aber er ist bloß einer von 500 000. Auch die übrigen Mitglieder sind der SPD unerträglich, denn die SPD als Ganze ist sich selber unerträglich. Daher hat die SPD einen langen, steinigen Weg vor sich, denn jeder Rausschmiß muß im Einzelfall geprüft und diskutiert werden. Nachdem dieser Prozeß bei einem einzelnen Sarrazin bis jetzt acht Monate dauert, steht zu befürchten, daß die SPD 350 000 Jahre braucht, um allen Mitglieder ihr Parteibuch wegzunehmen. Zugegeben, Sarrazin ist ein harter Brocken, bei anderen mag das Verfahren schneller gehen: bei Putins Gasmann Gerhard Schröder beispielsweise, dem wirtschaftshörigen Wohlfahrtsstaats-Terminator, ist die Entartung des sozialdemokratischen Gens ja weitaus offensichtlicher. Aber selbst wenn einzelne Parteiausschlußverfahren schneller gehen und etliche auch parallel stattfinden können, wird die vollständige Säuberung der SPD von ihren Mitgliedern Jahrhunderte in Anspruch nehmen.
Kann die Partei so lange warten? Wird sie das …
20.03.2011 19:13
Kanzlerin entkommt Katastrophe
Während aller Augen nach Fukushima starrten, ereignete sich am vergangenen Mittwoch ein dramatischer Zwischenfall des Schweregrades vier bis fünf im deutschen Luftraum. Ein Polizeihubschrauber vom Typ Superpuma 332, der kurz zuvor Angela Merkel zu einem Wahlkampftermin transportiert hatte, sackte aus 1600 Metern Höhe ab, nachdem beide Antriebsturbinen ausgefallen waren. Erst im letzten Moment vor dem Aufschlagen am Boden gelang es der Crew, mit Hilfe von Wasserwerfern und eiligst verlegten Notstromkabeln, ein größeres Desaster zu verhindern. Der Beinahe-Absturz zeigt aber, daß Helikopter ein nicht hinnehmbares Risiko für die Sicherheit der Bevölkerung darstellen. Es gibt nicht einmal belastbare Untersuchungen darüber, in welchem Ausmaß die deutschen Hausdächer etwa aus den Wolken fallenden Kanzlerinnen standhalten. Bis solche Untersuchungen vorliegen, muß der Hubschrauberverkehr in Höhen über drei Metern vorläufig eingestellt werden; das Moratorium gilt für drei Monate. Danach streben wir den völligen Ausstieg aus dem Luftverkehr an. Die letzte Maschine geht spätestens im Herbst vom …


