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03.04.2008   00:07

Politik und Porno - Zur neuen Brunftwelle in hohen Staatsämtern

Frühling läßt sein blaues Band…, von wegen blaues Band, es sind doch diese blauen Pillen, die auch noch im dritten Frühling vor allem den unteren Ast austreiben lassen, wobei das ja auch eine Frage des Klimas ist, das bekanntlich immer wärmer wird. Bis nach Finnland hin reicht diese Hitzewelle, diese Brunftwelle, die alle männlichen Politiker zwischen 18 und 80 gerade erfaßt hat.

Da ist zum Beispiel der finnische Außenminister Kanerva. Kümmert sich viel ums Klima. Eilt von einer Klimaschutzkonferenz zur nächsten, dabei wird ihm so warm, daß er eine heiße Nachricht nach der anderen in sein finnisch-deutsch-rumänisches Handy tippt. Nachrichten wie: ‚Was hast Du heute drunter an?’ oder Vorschläge für einen flotten Dreier. Genau so hat sich der Bürger diese Klimaschutzkonferenzen immer vorgestellt: überm Konferenztisch schmelzen die Polkappen, drunter kocht die Libido. Dafür ist das Sex Message System, abgekürzt SMS, ja wie geschaffen. Übrigens ist der Mann 60, …

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30.03.2008   15:52

Dunkelstunde

Agenda heißt das zu Tuende, zu Schaffende. Agenda heißt der Kalender mit den Aufgaben. Aber wie nennt man den Kalender mit den Dingen, die man nicht macht? Omittenda? Jedenfalls hat auch das Unterlassen seine Rhythmen und Regeln: An manchen Tagen sollen wir fasten, an anderen nicht arbeiten. Es gibt den Shut-down-day, an dem der Computer aus bleiben soll, und den Buy-nothing-day, an dem man nichts kaufen soll. Bald hat jeder Tag des Jahres außer einem Heiligen auch ein Verzichtsgebot, denn der Katalog der Negationen ist gigantisch: du sollst nicht rauchen, nicht trinken, nicht fluchen, nicht fernsehen, nicht Auto fahren und neuerdings kein Licht anmachen.

Natürlich dient das alles guten Zwecken, und insbesondere das einstündige globale Lichtlöschen, das gestern zelebriert wurde, trug zweifellos zur Rettung unseres Planeten bei. Sogar Prinz Charles ließ auf seinem Landsitz Highgrove die Lampen abschalten, und seitdem brechen beim ZDF weniger Schelfeisberge vom Südpol ab. …

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04.02.2008   14:26

Sarko und die Liebe

Wie schön, daß man in den letzten Wochen so vieles über die Franzosen zu lesen und zu hören bekam: wie sie leben, wie sie lieben, und wie es ihre Präsidenten doch so anders treiben als unser Kanzler oder unsere Kanzlerin. Das zumindest muß man Turbo-Sarko zugestehen: er hat mit seiner amourösen Eskapade mehr für den internationalen Kulturdialog getan als das Institut Français in einem Jahr. Jetzt wissen wir, daß die Mätressenwirtschaft im Elyséepalast eine jahrhundertelange Tradition hat, und daß es in bürgerlichen Zeiten darauf ankommt, das, was unter der Decke geschieht, unter der Decke zu halten. Dies im Unterschied zu den prüden USA, wo man das, was man in Frankreich bloß nicht zeigt, grundsätzlich nicht macht, weshalb die Volksentrüstung über Bill Clinton von völlig anderer Art war als diejenige über Nicolas Sarkozy.

Das sind freilich keine wirklich neuen Erkenntnisse. Wer ein paar Filme von Claude Chabrol gesehen hat, …

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21.01.2008   22:13

Forsa: Ein Viertel der Deutschen ist für den “Elternführerschein”

Wir haben eindeutig zu wenig Gesetze in Deutschland, zu wenig Verbote, zu wenig Ämter und Behörden, die deren Einhaltung überwachen, zu wenig Kontrollmeldeverfahren, zu wenig Ausweispapiere, Berechtigungsscheine und Feinstaubplaketten. Daher sind alle Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, möglichst abwegige und unpraktikable Vorschläge zu machen, wie man sich das Leben hierzulande noch weiter und noch mehr vergällen und verunmöglichen kann. Hier zum Beispiel ist einer: der Elternführerschein – ein salopper Ausdruck für staatliche Genehmigung zum Kinderkriegen und -haben.

Der Elternführerschein soll Leute, die nicht fähig sind, Kinder zu versorgen und zu erziehen, daran hindern, es trotzdem zu probieren. Denn wenn sie es trotzdem probieren, dann bekommen sie für jedes mißhandelte Kind einen Punkt im Schlechte-Eltern-Zentralregister, und ab einer gewissen Punktezahl wird man ihnen untersagen, ihre Kinder weiter zu mißhandeln, und wenn sie nun trotzdem weitere Kinder mißhandeln oder gar umbringen, dann ist das voll illegal.

Darauf hätte man …

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13.01.2008   22:36

Zeit ist nicht Geld

Der amerikanische Publizist und Politiker, Philosoph und Erfinder Benjamin Franklin riet 1748 einem jungen Geschäftsmann, er solle immer daran denken, daß Zeit Geld sei. „Time is money“: die Formel machte Karriere; sie ist ein Inbegriff kapitalistischer Denkungsart, denn durch das System der Verzinsung sind Zeit und Geld unauflöslich miteinander verknüpft. Aber dann kam Karl Marx und wandte dieselbe Gleichung auf die arbeitenden Menschen an. „Zeit ist Geld“ gilt nämlich auch bei deren Entlohnung. Die dient bekanntlich zur Reproduktion der Arbeitskraft, und ihre Höhe richtet sich nach der dafür nötigen Zeit.

Seither hat sich diese kommunistische Betrachtungsweise bis zur Alleinherrschaft durchgesetzt. Arbeit ist verkaufte Zeit; alle Leistung wird in Tagen, Stunden und Minuten gemessen; es kommt im Berufsleben schon lange nicht mehr darauf an, was einer tut, sondern wie lange er anwesend ist. Was zählt, ist einzig die Dauer der Anstrengung, nicht ihr Erfolg, ihre Stärke oder Qualität. Zumal …

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09.01.2008   14:58

AUSBLICK 2008 - herrlich bescheuert

2008 wird ein gutes Jahr. Woher ist das weiß? Weil schon ganz zu Anfang so ein prima Aufsatz wie der über “Bescheuertheit” von Rainer Paris im Merkur erscheint. Kostprobe: “Bescheuertheit ist eine Methode, die Dinge von vornherein so einzurichten, dass man, was auch immer geschieht, niemals irren kann. Trifft das Unheil ein, ist man bestätigt; bleibt es aus, hat man erfolgreich gewarnt.” Das Ganze hier: http://www.online-merkur.de/seiten/lp200801a.php

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27.12.2007   07:44

RÜCKBLICK 2007 - Mein Aufreger des Jahres: ein Pferd!

Vor dem Berliner Hauptbahnhof steht ein Pferd. Und während ich wegfahre und wiederkomme und wieder wegfahre und wieder ankomme, steht das Pferd immer noch und weiterhin an diesem Fleck und trägt jedesmal und dauerhaft zu meiner schlechten Laune bei. Denn dieses Pferd ist ein Denkmal von kaum zu überbietender Provinzialität, wie der Berufsverband Bildender Künstler Berlins in einer wütenden Pressemitteilung vom 31. Mai erklärte. Recht hatte er. Nur: diese Presseerklärung ging im Getümmel völlig unter. Sie wurde zwar hier und da gedruckt oder zitiert, aber die öffentliche Wirkung war gleich Null. Und das ist ein noch größerer Skandal als der katastrophale Kunstgeschmack von Bahnchef Mehdorn, der das Pferd mit der ihm eigenen Selbstherrlichkeit bestellt hatte.

An dieser Skulptur hätte sich nämlich eine ästhetische Debatte entzünden können und müssen, die zu leiten und zu moderieren Sache unserer Feuilletons gewesen wäre. Doch Kunst wird in unseren Feuilletons vor allem dann …

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19.12.2007   15:47

Die Postbank ist gegen Geld

Weihnachtszeit reimt sich auf Kontoüberziehung und Kreditkartenstrapaze, jedenfalls liegt eine Stimmung von hysterischer Finanzlochstopfung in der Luft, und manchmal muß man ganz rasch etwas einzahlen. Da ist die Postbank das Institut der Wahl, denn erstens hat die Postbank die Echtzeit-Überweisung eingeführt und damit dem Faktor Zeit im Geldgeschäft eine noch phantastischere Dimension gegeben, und zweitens verfügt sie über das dichte Filialnetz der deutschen Poststellen, welche in diesen Tagen an den langen, bis aufs Trottoir hinausreichenden Warteschlangen vor den Schaltern besonders leicht zu erkennen sind.

Allerdings wurde das Netz der Poststellen während der letzten Jahre ziemlich ausgedünnt und umgestaltet: hier versieht ein Schreibwarengeschäft den Postdienst mit, dort sind nur noch Räumlichkeiten von Kioskgröße in Betrieb. Egal, sagt sich der Postbank-Kunde, der hier spricht; Hauptsache, das Geld kommt schleunigst auf das tief überzogene, darbende, mahnschreibenumrankte Konto. Eile ist wirklich geboten, aber Eile ist nicht das, was man in einer Postfiliale …

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