Beiträge von Burkhard Müller-Ullrich
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12.03.2007 22:17
Symbolpolitiker!!! - Selber!!!
So sehen sie also aus, die berühmten Stellschrauben der Politik: Es gibt da irgendwo in Brüssel bei der Europäischen Kommission ein Schaltpult, an dem der richtige Preis der Dinge eingestellt wird. Beispiel: die Menschen fliegen zuviel mit Luftschiffen herum und verpesten die Umwelt, da werden flugs die Tickets teurer gemacht. Zehn Euro, zwanzig, dreißig, vierzig Euro. Schon hört das blöde Billigfliegen auf. Nächstes Thema, nächster Regler. Die Autos fahren zu schnell. Also runter mit dem Tempo. 130, 120, 100 Stundenkilometer. Als Kind hat sich Herr Stavros Dimas wahrscheinlich eine Carrera-Bahn gewünscht und nicht bekommen, deswegen macht es ihm jetzt soviel Freude die Geschwindigkeit von echten Autos zu bestimmen – europaweit, denn er ist ja jetzt Europas Umweltkommissar. Daß es in Deutschland immer noch ein paar Autobahnabschnitte ohne Geschwindigkeitsbeschränkung gibt, verdrießt ihn allerdings. Also griff er zu den Brüsseler Stellschrauben und erklärte Regelungsbedarf.
Nun würde selbst bei einer generellen …
06.03.2007 00:11
Verreisen, um daheim zu bleiben - Ein Klimaverbesserungsvorschlag
Mögen Sie die Atmosphäre in einem spanischen Restaurant auf Mallorca, das proppevoll von Deutschen ist? Lieben Sie das Klima in einem italienischen Supermarkt, in dem sich deutsche Urlauber lautstark darüber beschweren, daß es nur salzloses Brot und keine deutsche Wurst gibt? Zu Recht rufen unsere Politiker jetzt dazu auf, wir sollten mehr für das Klima tun und schön zu Hause bleiben. Denn wo wir als Touristen auftreten, da wird das Klima rasch bedenklich, und es kann sogar zu einer Klimakatastrophe kommen, wenn die Einheimischen uns nicht mit der gebührenden Demut begegnen.
Vor vier Jahren riß beispielsweise ein italienischer Staatssekretär gegenüber uns Deutschen die Klappe derart auf, daß Kanzler Schröder den Italienern seinen in der Toskana geplanten Sommerurlaub zur Strafe strich und ihn demonstrativ in Hannover verbrachte. Das war schon mal ein erster Beitrag zum Klimaschutz in Italien.
Das Reisen ist ja überhaupt schädlich fürs Klima. Es …
28.01.2007 23:03
Brigitte und die Bürgerpflicht
Der mit Abstand wichtigste Grund für eine vor- und frühzeitige Haftentlassung von Brigitte Mohnhaupt ist folgender: Wir wollen Sie endlich im Fernsehen sehen! Es geht nicht an, daß immer nur der Menschenkehricht – bitte: das ist ein Wort von Heinrich Heine! – aus den hinteren Rängen unsere Bildschirme bevölkert, während es noch einen Vorrat an richtigen Star- und Spitzenübeltätern gibt, deren publizistische Verwertung nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft und abgeschlossen ist.
Die Politkillerin Mohnhaupt ist geradezu ein Paradebeispiel. Ihr Gesicht ist dank jahrzehntelanger Mattscheibenabstinenz verhältnismäßig frisch und unverbraucht; es gibt ja nur uralte Fahndungsfotos von ihr, denen sie vermutlich nicht einmal mehr ähnlich sieht. So etwas gilt bei den Bildmedien als absoluter Glücksfall. Außerdem ist sie als Frau natürlich ungleich interessanter als ihr Politkillerkollege Klar. Um den kümmert sich höchstens Claus Peymann, auf daß ihm Klar ein bißchen beim Kulissenschieben helfe. Aber auf den blonden Todesengel Mohnhaupt wartet eine …
18.01.2007 16:47
«Kyrill» kommt aus den USA
Ich wußte es, jeder wußte es: Jetzt machen die Yankees mit ihrer Treibhausluft auch noch unser gutes alteuropäisches Wetter kaputt. In ihren Hurrikan-Fabriken ist also auch unser heutiger Sturm entstanden, und die stets kyotoklimafreundliche Netzeitung (18. Jan 14:46) titelt: «Kyrill» kommt aus den USA.
18.01.2007 00:15
Die Unwörterklauber (Freitag ist es wieder soweit!)
Wer mit der Sprache auf Kriegsfuß steht, der verhackstückt sie als Wörterliste. Wörterlisten sind im Augenblick die große Mode, vor allem nostalgisch umflorte oder gesellschaftskritisch gemeinte Wörterlisten. Da gibt es einen Wettbewerb sowie ein Lexikon der bedrohten Wörter, es gibt die auch aufs Vokabular gerichteten Schulmeistereien Bastian Sicks, und es gibt den alten Kulturkalender-Lückenfüller im Januar, nämlich die Bekanntgabe des Unworts.
Seit 16 Jahren wird nämlich nicht nur das Wort des Jahres, sondern fünf Wochen danach auch noch das Unwort gekürt. Und immer geht es zu wie beim literarischen Nobelpreis: die Wahl fällt stets so aus, wie es niemand erwartet hat, und Mißgriffe sind beinahe Prinzip. Während aber das Wort des Jahres nur eine harmlose öffentliche Unterstreichung darstellt, kommt das Unwort aus dem Geist der Kritik. Mit erhobenem Finger und vorwurfsvollem Kopfschütteln meldet sich der Frankfurter Sprachprofessor Horst Dieter Schlosser zu Unwort und prangert an. Er ist der …
13.01.2007 18:50
Zeit und Recht: Neues aus Karlsruhe
Justitia hält bekanntlich eine Waage in der Hand. Doch sie bräuchte auch einen Kalender und eine Armbanduhr. Denn die Zeit ist ein ganz wesentlicher Aspekt des Rechts. Recht soll schließlich nützen, aber zur Unzeit tut es das nicht mehr. Aus diesem Grund haben sich unsere obersten Gerichte immer wieder mit hanebüchenen Fällen von behördlicher Langsamkeit zu befassen, und immer wieder wird festgestellt, daß es so nicht geht.
Gerade hat der Bundesgerichtshof einem Bauherrn, der zwanzig Monate auf seine Eintragung im Grundbuch warten mußte, dafür Schadenersatz zugesprochen. Der Bauherr ging darüber pleite, weil ihm die Wohnungskäufer ohne Grundbucheintragung natürlich kein Geld überwiesen. Zwanzig Monate lang fand beim zuständigen Amtsgericht niemand die Zeit, einen simplen Auflassungsvermerk ins Grundbuch zu schreiben. Das ist noch gar nichts gegen die Geschichte jenes Bauunternehmers, dessen Schadenersatzprozeß von den Justizbehörden über 26 Jahre hin geschleppt wurde und der schließlich vom Bundesverfassungsgericht bestätigt bekam, daß es …
12.01.2007 14:29
Sachbeschädigung an Nazischrott
Zu dem Dauerthema “Justiz und Nazis” hier noch eine frische
M E D I E N I N F O R M A T I O N:
“Landsberg - „Hitlers treuste Stadt“
- schützt ihren Nazi-Gedenkstein
Der Künstler Wolfram Kastner und die Autoren Veronika Straass und Claus-Peter Lieckfeld, die Mitte November 2006 in Landsberg einen sogenannten „Schlageterstein“ gestürzt haben, erhielten Anfang Januar 2007 jeweils einen Strafbefehl des Amtsgerichtes Landsberg in Höhe von 2000 Euro.
Schlagetersteine wurden als Symbole berüchtigter Nazi-Kultstätten nach dem Zweiten Weltkrieg geschleift, nur eben ausgerechnet in Landsberg nicht: „Hitlers treuester Stadt“ (Hermann Kriegel). Der Stadt in der Hitlers „Mein Kampf“ geschrieben wurde, der Stadt des Todesmarsches der Dachau/Außenlager-Häftlinge.
Nachdem Kastner und Lieckfeld den SPD-Bürgermeister Ingo Lehmann Ende Oktober 2005 vergeblich aufgefordert hatten, eine entsprechende Info-Tafel am Schlageterstein anbringen zu lassen, entschlossen sie sich …
12.01.2007 13:58
jaja, wir werden alle älter
Zu den Modewörtern des politischen Jargons gehören neuerdings Zeitstrang, Zeitschiene und Zeitachse. Wer irgend etwas über die Zukunft sagen und zugleich andeuten möchte, daß er den Weg dorthin genau kennt, der redet in Vektoren. Gemeint ist aber immer nur die simple Tatsache, daß die Zeit bloß eine Richtung hat. Wir werden älter und nicht jünger. Das ist – je nach Betrachtungsweise – ein Fluch oder ein Segen. Während Kinder immer älter sein wollen, wollen ältere Menschen lieber jünger sein – meistens jedenfalls. Irgendwo dazwischen liegt der Umkehrpunkt des Wünschens, der aber völlig irrelevant ist, weil, wie gesagt, die Zeit nur eine Richtung kennt, sodaß man sagen kann: Jugendlichkeit gehört zu den ganz wenigen Problemen, die sich irgendwann von selbst beheben.
Aber wann ist irgendwann? Die hundertjährige Frau Milz ist jedenfalls, wenn man einem entsprechenden Zeitungsbericht glauben darf, unlängst nach kurzem Aufenthalt in einem Altersheim im Rheinland wieder ausgezogen, …

