Beiträge von Burkhard Müller-Ullrich
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07.11.2007 23:48
E-on non olet
Ingo Schulze hat eine Heldentat vollbracht. Er hat etwas getan, wozu ungeheurer Mut gehört, eine geradezu übermenschliche Kraft, die sich sicher aus Verzweiflung speiste. Verzweiflung über den Verfall der Staatlichkeit in deutschen Landen, Verzweiflung über die Bedrohung des Kulturlebens, Verzweiflung über – ja, sprechen wir es ruhig aus! – Tendenzen der Re-feudalisierung.
Unter Re-feudalisierung versteht Schulze, daß Wirtschaftsunternehmen, die viel Geld einnehmen, ein bißchen von dem Geld für kulturelle Zwecke spenden, zum Beispiel für Literaturpreise. Nicht, daß es in deutschen Landen generell zu wenig Literaturpreise gäbe; es gibt hier mehr als in irgendeinem anderen Land der Welt, und Schulze hat in den letzten zehn Jahren ungefähr zehn Literaturpreise bekommen, was einem steuerfreien Zusatzeinkommen von rund 100 000 Euro entspricht.
Das ist natürlich nichts gegen die fünfeinhalb Milliarden Euro, die der Stromkonzern E-on als Jahresgewinn vor Steuern ausweist – eine Zahl, die jetzt feuilletonistisch bedeutsam wird, weil …
07.11.2007 16:16
Bayreuther Stiftungsgestammel
Achtung, Achtung, hier spricht der Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele.
Im klaren Bewußtsein unserer titanischen Verantwortung gegenüber Richard Wagner, dem deutschen Volk, seiner Geschichte, seiner Kultur und seiner Kulturgeschichte sowie angesichts der Notwendigkeit, die Zukunft unserer menschheitsbeglückenden Musikveranstaltungen entschlossen zu gestalten, drückt der Stiftungsrat hiermit zunächst sein tiefes Verständnis für das große öffentliche Interesse an seiner Arbeit aus, welches sich unter anderem darin zeigt, daß bereits vor der gestrigen Stiftungsratssitzung in jeder Zeitung uns Zeitschrift und in jedem Radio- und Fernsehsender auf die epochale Bedeutung dieser Stiftungsratssitzung hingewiesen wurde.
Diese Bedeutung gründet in den gravierenden Schwierigkeiten, mit denen die Festspiele seit einiger Zeit und in wachsendem Maße konfrontiert sind, weil Wolfgang Wagner, der verdammte alte Hirsch, einfach nicht gehen will. Er soll endlich die Leitung niederlegen, denn mit seinen 88 Jahren ist er schon so verkalkt, daß wir uns bloß zum Gespött machen, wenn es uns nicht …
05.11.2007 15:48
Fliegende Doppelbetten
Rein vom Bewegungsablauf her betrachtet, sind Luftturbulenzen im Flugverkehr dem Auf und Ab beim Geschlechtsverkehr nicht unähnlich. Ja, man könnte sagen, daß Flugzeuge manchmal Sex mit Wolken haben. Das mag bei manchen Passagieren Phantasien auslösen und dies wiederum führt, wie man öfters hört und liest, zu sogenannten Zwischenfällen, die manchmal sogar in Zwischenlandungen ausarten.
In der Tat handelt es sich beim Flugzeuginnenraum, der auch die irreführende Bezeichnung Kabine trägt, um einen öffentlichen Raum, in dem die Zurschaustellung von Formen geschlechtlicher Erregung als Erregung öffentlichen Ärgernisses betrachtet werden kann. Wenn man es denn unbedingt betrachten möchte.
Besser ist es natürlich, die Augen diskret abzuwenden, wenn aus der prekären Kombination von drangvoller Enge, physikalischem Ausnahmezustand und Gratisgetränken diese furchtbare Kraft des Begehrens entsteht und bei zwei eben noch halbwegs normal wirkenden Menschen alle Anstandsschranken, Lebensentwürfe und soziale Vorsicht niederbricht.
Noch besser wäre es, eine Schiebetür zumachen …
23.10.2007 16:15
Geheimklimawandel
Der Klimawandel und sein Gore kotzen schon so viele Leute an, daß es nur noch eine Möglichkeit gibt, die Sache wieder interessant zu machen: Geheimhaltung. Hui! Da werden die müden journalistischen Lebensgeister vielleicht munter! Achtung, Achtung: Wer über den Klimawandel schreibt, wird erschossen. Oder muß mit Schadenersatzforderungen “in erheblicher Höhe” rechnen. Klasse PR, congratulations, Mr Gore! Das können Sie aber nur mit den Deutschen machen. Probieren Sie den Gag mal mit US-Medien!
Oder ist das hier bloß ne Weltente? http://www.welt.de/politik/article1291271/.html#reqNL
22.10.2007 15:03
Das Schweizer Volk hat wieder falsch gewählt
Seit Jahrzehnten ätzen Schweizer Linke gegen die in ihrem Land bestehende Konsenskultur. Jean Ziegler beispielsweise prangerte in seinen Büchern und bei jeder sonstigen Gelegenheit die betonierten Verhältnisse unter einer Allparteienregierung an und bedauerte, daß es keine parlamentarische Opposition und in politischen Auseinandersetzungen generell zu wenig Pfeffer gab.
Jetzt klingt das Liedlein anders, denn jetzt gibt es Blocher. In der Tat hat der SVP-Politiker die Samthandschuhe ausgezogen und einen Wahlkampf hingelegt, wie ihn die Schweizer noch nicht kannten. In der Tat kann es auch noch dahin kommen, daß das Konkordanzsystem des Bundesrats (so heißt die eidgenössische Regierung) kaputt geht. Aber jetzt sind alle Linken entgeistert, entrüstet und entsetzt. So haben sie sich den geschichtlichen Fortschritt nicht vorgestellt.
Blocher, ein Rechter, hat getan, was sie immer verlangten, und die Politszene der Schweiz gründlich aufgemischt. Und er hat Erfolg; die Schweizerische Volkspartei ist schon seit längerem die stärkste Kraft …
12.10.2007 15:24
Billers Unbill
Wer schon mal mit Maxim Biller geschlafen hat, weiß: Das ist kein Spaß. Bumms – steht man in dessen nächsten Buch, mit Haut und Schamhaaren, mit allen Orgasmen und Nichtorgasmen, kurz, mit dem ganzen sogenannten Intimbereich, den es erstaunlicherweise auch in unserer medialen Körperentäußerungskultur immer noch gibt. „Erstaunlicherweise“ in Anführungszeichen! Denn erstaunlich ist es keineswegs, daß Geschlechtlichkeit nach wie vor mit Schamgefühl verbunden ist. Das liegt in anthropologischen Tiefenschichten begründet, gegen die ein bißchen Sex-TV und Provo-Kunst rein gar nichts ausrichten. Zu allen Zeiten und in allen Kulturen gab und gibt es diesen Intimbereich, und stets wird er als besonders sensibel erachtet. Insofern hat das Bundesverfassungsgericht bloß eine Banalität festgestellt, dies aber auf 41 eng bedruckten Seiten, in 151 Absätzen und mit feinstem juristischen Besteck.
Dabei ging es im Fall Biller noch um weit mehr als die Lustschreie einer zeitweilig Geliebten. Es ging auch um deren schwerkranke Tochter, …
10.10.2007 16:13
Perlentaucher-Prozess
Es gab eine Zeit, da liebte der FAZ-Kulturchef Frank Schirrmacher den Perlentaucher über alles und bekannte auf öffentlichen Veranstaltungen, daß er jeden Morgen nach dem Einschalten des Computers als erstes die Seite „perlentaucher.de“ anklicke. Diese Zeit ist lange vorbei. Vielleicht muß man inzwischen tatsächlich von Haß sprechen. Die Art und Weise, wie Schirrmacher in seiner Zeitung über den Perlentaucher schreiben läßt, legt zumindest die Vermutung nahe. Doch schreiben ist das eine; prozessieren ist noch etwas anderes. Bei dem jetzt laufenden Prozeß geht es sehr wohl um die Existenz der kleinen Firma Perlentaucher, selbst wenn das nicht offen gesagt wird und der Angriff auf einem Nebenschauplatz erfolgt.
In der Hauptsache ist Perlentaucher ein Hinweisdienst auf aktuelle Feuilletonartikel. Der Dienst ist so nützlich und wird von jedem in der Branche so hoch geschätzt, daß ein Frontalangriff dagegen kulturbetriebsweite Empörung auslösen würde. Die Frankfurter Allgemeine und die mit ihr seltsam verbündete …
03.09.2007 09:35
EILNACHRICHT: Die USA wollen das Reich der Mitte erobern
Von wem stammt wohl die folgende Auslassung (gehört im Deutschlandfunk am 2.9.2007)?
„Ich habe ja Kinder. Ich möchte gern, daß die in eine Welt kommen, die kein 1914 kennt. Und das können Sie nicht leicht garantieren. Denn die Pläne im Pentagon, die beziehen sich schon auf Krieg mit China im Jahr 2040.“
Okay, okay, es ist ein bißchen unbeholfen ausgedrückt, deshalb hier nochmal die Schlagzeile: Wir wollen eine Welt ohne Krieg, aber die Amis machen unsere Friedenshoffnungen zunichte, denn in 33 Jahren wollen sie China überfallen.
Aber von wem um Himmels willen ist es?
A – Mathias Bröckers
B – Nena
C – Andreas von Bülow
D – Alexander Kluge
Dem Gewinner winkt ein .mp3-File mit dem betreffenden Interviewausschnitt

