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  24.08.2015   09:12   Leserkommentare (1)

Stümper oder Profis? Zur Qualifikation von Massenmördern

Die Bedrohung durch den islamistischen Terror ist spürbar und real und sie scheint zuzunehmen. Das zwingt uns, sie gedanklich genauer zu vermessen und zu analysieren, als es im üblichen Empörungs- oder gar Beschwichtigungsmodus geschieht. Gefragt ist Phantasie – die Phantasie von Profilern, wie jene Kriminalisten heißen, die sich in die Täterperspektive versetzen. Denn die Terror-Täter sind selber Phantasten – nicht nur in dem Sinne, daß sie einer höchst irrationalen Weltsicht anhängen, sondern auch weil sie ein erhebliches Maß an Phantasie aufwenden, um immer neue Untaten, neue Grausamkeiten und neue Inszenierungen des Schreckens auszuhecken. Damit ähnelt ihre Arbeit derjenigen von Hollywoods Filmautoren und –regisseuren, denn das Kino ist der klassische Hort großer Zerstörungsphantasien und insofern sowohl ein...

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  24.08.2015   08:33   Leserkommentare (im Wartemodus)

Meridian-Verschiebung

Der Meridian ist im Eimer. In einem Mülleimer, um genau zu sein, und dieser Mülleimer steht hundert Meter abseits von der Linie, die den Meridian darstellen soll. Auf dem Hügel im Londoner Süden, in Greenwich, wo sich das Königliche Observatorium befindet, herrscht ein gewisses Durcheinander. Touristen, die das Museum besuchen, denn das Observatorium von Greenwich ist schon seit 1948 kein Observatorium mehr, fotografieren sich gern breitbeinig auf dem Null-Meridian direkt vor dem Eingang: mit einem Fuß auf der Westhälfte der Erde, mit dem anderen im Osten. Doch neuerdings bringen sie auch GPS-Geräte mit, und siehe da: die zeigen die Null-Grad-Position weit hinter dem Gebäude an.

Dabei, so glauben viele, wurde das Gebäude doch extra am Meridian errichtet. Oder wurde, wie andere glauben, der Meridian zufällig vor dem Gebäude...

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  16.08.2015   23:18   Leserkommentare (im Wartemodus)

Kulturgutschutz für alle!

Es gibt in Deutschland noch immer viel zu wenig Gesetze. Trotz des unermüdlichen Einsatzes unserer Parlamentarier, Minister und freischwebender Politiker klaffen überall Regelungslücken von waldgroßen Ausmaßen. Auch das geplante Kulturgüterschutzgesetz wird hier keine umfassende Abhilfe schaffen, aber da alles, was mit Kultur zu tun hat, für exorbitanten Wirbel sorgt, eignet sich dieser Bereich besonders gut dazu, die ewig ersehnte politische Handlungsillusion zu erzeugen. Man kann Monika Grütters zu Ihrem Referentenentwurf, denn mehr ist es ja noch nicht, nur gratulieren. Denn allen, die sich darüber aufregen, kann sie cool entgegenhalten: Es sei ja noch gar nichts beschlossen, nicht mal der Text des Gesetzesvorschlags stehe fest. So sollte man den vereinigten Hysterikern des deutschen Kulturbetriebs mal in Sachen TTIP kommen;...

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  12.08.2015   21:49   Leserkommentare (4)

Halbe Bundeshauptstadt Bonn a. Rh.

Es gibt im Westen Deutschlands einen Flughafen namens Köln/Bonn. Das ist etwa so, wie wenn der größte deutsche Airport Frankfurt/Darmstadt hieße. Jedenfalls begreift kein Mensch, der unter 24 ist, was für politische Krämpfe mit dieser seltsamen Benennung einst verbunden waren. Denn bis kurz vor eurer Geburt, ihr lieben jungen Leute, wurde die Bundesrepublik von einer putzigen kleinen Universitätsstadt am Rhein aus regiert. Bonn war für Besucher aus Paris, London oder Moskau der oft als Beruhigung mißverstandene Beweis dafür, daß man dieses Deutschland nicht wirklich ernstzunehmen brauchte.

Doch dann kam der 20. Juni 1991, und der Deutsche Bundestag beschloß, daß Berlin wieder Hauptstadt werden solle. In Bonn brannte die Luft. Die Rheinländer fürchteten Niedergang und Verelendung, falls ihnen die Ministerien, die...

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  04.08.2015   09:56   Leserkommentare (4)

Produktivität des Bundestags bei 60 Prozent

Demokratie ist Macht geteilt durch Zeit mal Volk. So ungefähr lautet die Grundformel unseres politischen Systems. Die Zeit ist der Divisor, jede demokratische Regierung muß sich damit abfinden, daß ihre Amtsdauer von vornherein feststeht, auch wenn die Verlockung groß ist, sie etwas auszudehnen. Sogar erwachsene Minister benehmen sich dann wie kleine Kinder, die vom Spielplatz heimgerufen werden: „Ach bitte, bitte, bitte, kann ich noch ein bißchen bleiben?“ Doch leider nein, das geht nur auf dem Weg der Wiederwahl, am Datum selbst läßt sich nicht rütteln.

Dachten wir jedenfalls bis jetzt, aber da tritt unser Oberdemokrat, der Präsident des Bundestags, mit einem seltsam anmutenden Vorschlag an die Öffentlichkeit: Wie wäre es mit einer Verlängerung der Legislaturperiode? Bislang wird hierzulande bekanntlich alle vier...

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  21.06.2015   22:15   Leserkommentare (4)

Leichenspielscharen in Gräberlaune

Natürlich hat niemand im Ernst damit gerechnet, daß es einer wildgewordenen Künstlertruppe erlaubt sein werde, am Bundeskanzleramt mit Baggern vorzufahren, den Boden aufzustemmen und ein „Friedhofsfeld der Superlative“ anzulegen. Die Meldung, daß der geplante Leichenzug polizeilich verboten wurde, ist also keine. Bemerkenswert hingegen ist die Tatsache, daß 5000 Leute in Berlin ruckzuck zur Stelle sind, wenn es darum geht, auf grünen Wiesen Gräber zu errichten, und sich prima dabei finden.

Der Tod ist eben doch ein Meister aus Deutschland, und wenn gerade nicht genug Tote zur Hand sind, dann macht man sich auf und karrt sie heran, denn anderswo gibt es noch reichlich. Auch viele Journalisten sind darob ganz aus dem Totenhäuschen, stammeln was von Radikalität und Mut und gezielter Provokation und widmen der wildgewordenen...

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Kategorie(n): Inland 

  11.06.2015   00:04   Leserkommentare (13)

Fremdschämen mit James Last

Etliche Jahrzehnte bevor das Wort Fremdschämen auftauchte, stellte sich das entsprechende Gefühl immer dann ein, wenn irgendwo James Last zu hören war. Das lag zum einen daran, daß die Eltern, deren Musikgeschmack ein junger Mensch naturgemäß nicht teilt, von James Last begeistert waren, und zum anderen, daß diese Ohrensoße als solche eine Zumutung darstellte und darstellt. Man muß wirklich kein Schüler Adornos und kein Feind der leichten Muse sein, um den billigen Klang-Kitsch dieses deutschen Happysounds zu abhorreszieren.

Interessanterweise sind die Feuilletons heute voll mit Nachrufen, die James Lasts Werdegang und Welterfolg andächtig skizzieren, aber die künstlerische Nichtigkeit seines Wirkens allenfalls augenzwinkernd ahnen lassen. Das beruht freilich nicht auf etwaiger Pietät gegenüber dem Verstorbenen, sondern...

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  10.06.2015   18:46   Leserkommentare (3)

Post ist nicht umsonst ein Anagramm von Stop

Es gibt die Post, die man bekommt, die Post, die man betritt, sowie die Post, die gerade streikt. Schon die Vieldeutigkeit des Wortes Post zeigt, was für ein kompliziertes Thema wir hier vor uns haben. Handelt es sich um ein paar Schriftstücke, um ein Gebäude oder um ein System? Vor allem handelt es sich um eine soziale Skulptur, eine transzendentale Wesenheit, so unfaßbar und mächtig wie ihre Schwester, die Bahn. Beide sind für Transport zuständig – im einen Fall von Menschen, im anderen von Sachen.

Doch während die Bahn immer noch auf Eisenschienen fährt, hat die Post den Börsengang schon hinter sich und ist jetzt ein total modernes Unternehmen. Man spricht deshalb auch von der Postmoderne. Die ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, daß Ämter zu Filialen wurden und jetzt innen aussehen wie Jugendzimmer von IKEA. Man...

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