Unterstützung für achgut

Archiv

Beiträge von  

  02.02.2016   16:02   Leserkommentare (5)

Die Skandalisierung des Selbstverständlichen

„Aber der Kaiser ist ja nackt“, ruft das Kind in Hans Christian Andersens 179 Jahre altem Märchen und dadurch fällt es den Leuten wie Schuppen von den Augen: der Kaiser hat tatsächlich keine Kleider an. Das war eindeutig vor der Zeit der modernen Massenmedien. Denn heute werden die einfachsten Wahrheiten von ungeheuren Empörungsventilatoren in Presse, Funk und Fernsehen weggepustet. Heute kann jedes beliebige Wort zu einem Unwort erklärt werden, und weil die Journalisten so viel Freude daran haben, wird auch die jährliche Wahl irgendwelcher Unwörter, die meistens gar keine sind, von vielen Medien so gross gefeiert. Die Schulmeisterei im Vokabular ist eine Art Ausgleichssport für diejenigen Kollegen, die mit der Sprache sowieso auf Kriegsfuss stehen. Lassen wir ihnen den Spass.

Aber denken wir daran, dass es ihnen vor allem...

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Auslese 

  03.01.2016   22:11   Leserkommentare (im Wartemodus)

Achtung! Polen! Nachmachen!

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung meldet sich jetzt auch ein deutscher Verfassungsrechtler zu Wort und erklärt den Polen, warum das, was in England selbstverständlich ist, für sie nicht gelten soll:

“Ein Staat muss kein Verfassungsgericht haben, um demokratisch und rechtsstaatlich zu sein. Es gibt eine Handvoll Staaten, in denen die Verfassung geachtet wird, ohne dass ein Verfassungsgericht ihre Befolgung sichert. Aber es ist eben nur eine Handvoll,” schreibt der Rechtswissenschaftler Dieter Grimm, der von 1987 bis 1999 Richter des Bundesverfassungsgerichts war. Diese Handvoll Staaten, meint Grimm, seien in ihrer demokratischen Tradition irgendwie gefestigter als jene neuen Demokratien im Osten, die ihre Verfassungsgerichte gerade entmachten.

Der Jurist formuliert in der FAZ wunderbare Leitsätze wie zum Beispiel diesen:...

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n):

  03.01.2016   21:58   Leserkommentare (2)

Achtung! Polen! Stillgestanden!

Wenn es etwas gibt, das geeignet ist, die ohnehin spärliche Zuneigung der Polen zu ihrem großen, ruppigen Nachbarn Deutschland drastisch zu verringern, dann hat der deutsche CDU-Politiker Günther Oettinger dieses Mittel gefunden. Es handelt sich um die gerade öffentlich geäußerte Idee, Polen unter Aufsicht zu stellen. Schon die Vokabel „Aufsicht“ aus dem Munde eines deutschen EU-„Kommissars“ dürfte genügen, um noch den europafreundlichsten Polen Alpträume zu bescheren. Ganz zu schweigen von den übrigen Polen, die nach einhelliger Auffassung sowohl der EU-Kommission als auch der deutschen Großmedien bedauerlicherweise falsch, nämlich rechts, das heißt: EU-skeptisch, nationalbewußt, also dunkelpolnisch (um in der Sprache des deutschen Bundespräsidenten Gauck zu reden) gewählt haben.

Im hellen Unionseuropa vergeht...

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Auslese 

  16.11.2015   00:58   Leserkommentare (8)

Straft ihn! Er hat instrumentalisiert, der Schuft!

Es gibt ein ganz, ganz böses Wort in unserem politischen Diskurstheater, und zwar „Instrumentalisierung“. Unter Instrumentalisierung versteht man die unzulässige Heranziehung von Tatsachen, um daraus irgendwelche Folgerungen oder Forderungen abzuleiten. Aber was heißt hier „unzulässig“? Eigentlich tut man das ja dauernd: Schlüsse ziehen aus Geschehnissen. Täte man es nicht, wäre jede Meinung unbegründet. Auch das kann einem vorgeworfen werden. Aber über die Zulässigkeit oder Unzulässigkeit des Schlüsseziehens entscheidet neuerdings eine Art Wettkampf. Gewinner ist, wer als erster „Instrumentalisierung“ ruft.

Nehmen wir die Attentate von Paris. Mindestens zwei Terroristen, soviel steht inzwischen fest, sind – wie vom IS versprochen – über die „Flüchtlingsrouten“ ungehindert nach Europa gereist. Wer...

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Auslese 

  05.11.2015   22:53   Leserkommentare (im Wartemodus)

Telekom will Telefonbuchsparte abstoßen - Ein Nachruf

In einem Buch stehen, seinen Namen gedruckt sehen: das ist für viele Menschen ein Lebenstraum. Bei den allermeisten sorgt nur das Telefonbuch dafür, daß er in Erfüllung geht. Als Kind schaute ich in jeder neuen Ausgabe als erstes nach, ob wir auch wirklich drinstanden; es war eine irgendwie beglückende Vergewisserung, eine quasi behördliche Daseinsbestätigung. Das Telefon war ein schweres Ding aus schwarzem Bakelit mit einer lustig schnurrenden Wählscheibe, und das Telefonbuch hieß offiziell Fernsprechteilnehmerverzeichnis.

Später war es nicht mehr schick drinzustehen, sondern gerade nicht drinzustehen; das Zugehörigkeitsgefühl zur Oberschicht der anonymen Anschlußinhaber manifestierte sich durch raunendes Preisgeben der familiären Geheimnummer unter Klassenkameraden. Das Telefonbuch blieb trotzdem das entscheidende...

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Auslese 

  22.10.2015   15:02   Leserkommentare (6)

An einem Tag in Köln am Rhein

Der deutsche Alptraum klingt im Originaltext so: „Liebe Eltern, einige von Ihnen haben vielleicht schon durch die Kinder erfahren, dass ab der kommenden Woche in der Sporthalle Flüchtlinge untergebracht werden und daher der Sportunterricht ausweichen muss. Die kommissarische Schulleiterin Frau P. hat uns gestern im Rahmen einer Schulkonferenz darüber informiert und uns mitgeteilt, dass die Sportfachschaft ein Konzept erarbeiten wird, damit weiterhin Sportunterricht stattfinden kann. Die Schulleitung würde hier auch gerne Ideen der Eltern für alternative Sportaktivitäten und Sportstätten aufgreifen, die Stadt Köln würde sich eventuell sogar an Kosten beteiligen. Leider gibt es zur Zeit noch nicht viele Informationen, aber Frau P. hat uns versichert, uns auf dem Laufenden zu halten.“

Bis jetzt waren die „Flüchtlinge“ in...

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Auslese 

  19.10.2015   18:17   Leserkommentare (6)

Köln ist nicht Weimar

Kaum jemand von uns Heutigen hat die Weimarer Republik bewußt erlebt. Aber ein Gefühl von Weimarer Republik haben derzeit viele. Dieses Gefühl beruht auf einer Radikalisierung und Polarisierung in politischen Auseinandersetzungen, auf einer tatsächlichen Gefährdung von Wohlstand und innerem Frieden sowie auf einem gigantischen Mißtrauen gegenüber allen großen Parteien und – nebenbei gesagt – auch allen großen Medien. Letztere neigen eher dazu, dieses Gefühl zu verurteilen, als ernsthaft zu untersuchen, woher es kommt, was den Volksverdruß natürlich weiter steigert.

Jetzt zum Beispiel stehen in fast allen Zeitungen Kommentare, die zwischen den Messerstichen von Köln und dem auf einer Pegida-Demonstration in Dresden herumgezeigten Galgen fast auftrumpfend einen Zusammenhang konstruieren. Rechter Haß, nationalistische...

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Auslese 

  14.10.2015   22:25   Leserkommentare (8)

Landesgrenzen als zivilisatorische Errungenschaft

Die dramatischen Bilder von Menschen an Grenzen, die uns derzeit bis in den Schlaf verfolgen, haben etwas Irreführendes. Sie scheinen denen Recht zu geben, die Grenzen für ein durch immer mehr Internationalisierung, immer mehr Schengen und immer mehr Modernität zu überwindendes Übel halten. Man sieht ja, welches Leid die Landesgrenzen und ihre Wächter verursachen.

Für viele, die so reden, ist es seit langem selbstverständlich, daß es Grenzen in ihrem Alltag gar nicht gibt. Wer von Köln nach Brüssel fährt, braucht auf der Autobahn nicht einmal abzubremsen, wenn er erst auf niederländisches, dann auf belgisches Territorium kommt. Die Übergänge zwischen vielen EU-Staaten sind optisch kaum erkennbar; bloß die kulturellen Sekundärmerkmale zeigen einem, wo man ist: die Form von Schildern, die Spurmarkierungen, der Baustil....

[Weiterlesen…]

Kompletter Artikel: permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Auslese