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28.07.2012   10:46

Wie viele Frauen braucht man, um eine Glühbirne reinzudrehen?

Sexistische Witze. Was gibt es da zu lachen? Wer denkt sich so etwas aus?

Früher dachte ich, dass es Leute gibt, die sich Witze ausdenken, um Freude zu verbreiten und möglichst viele zum Lachen zu bringen. Ich wollte auch so einer werden, bescheiden im Hintergrund wirken und Gutes tun. Ich wusste, dass es kein Beruf ist, mit dem man seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, aber ehrenamtlich wollte ich gerne als Witzerfinder tätig sein.

Kinder sind süchtig nach Witzen. Witze zelebrieren die Unerklärlichkeit der Welt. Sie führen einem immer wieder neu vor Augen, wie absurd all das ist, was die Großen für normal halten. Ich mochte besonders die rätselhaften Anfänge und hoffte immer, dass sich mit der Pointe nicht alles in Wohlgefallen auflöst und dass wenigstens noch ein Restgeheimnis bleibt. Kommt ein Skelett zum Arzt. Das

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18.07.2012   22:20

Sex ist süß, macht aber dumm

Wie der sexistische Blick und totalitäres Denken die Limbo-Latte niedrig hält

Stellen wir uns vor, aus dem Schwimmbecken im Olympiastation wäre das Wasser abgelaufen, und das Becken wäre stattdessen mit unzähligen kleinen Liebesperlen angefüllt. Die eine Hälfte der Perlen wäre rot, die andere weiß. Nun geht jemand mit verbundenen Augen an den Beckenrand und fischt zehn Perlen heraus. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass fünf davon weiß und die anderen fünf rot ist? Eher klein.

Die Wahrscheinlichkeit wird umso größer, je größer die Menge der Liebesperlen ist, die unsere Testperson angeln darf. Je kleiner die Menge ist, desto größer ist die Abweichung von einer „gerechten“ Teilung in zwei gleich große Hälften. Wenn es unsere Testperson schließlich geschafft hat, alle Perlen herauszufischen, ist das

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18.07.2012   14:00

Reim oder nicht Reim?  Das ist hier die Frage

Sollen sich Gedichte reimen? Wer denkt bei so einer Frage nicht an die reimlosen Oden von Friedrich Gottlieb Klopstock? Wer denkt dabei nicht an die auf Mittelachse geschriebenen Zeilen von Arno Holz? Und wer denkt dabei nicht an die unverhoffte Rückkehr des Reimes bei Peter Rühmkorf und an die Unverwüstlichkeit des Reimes im Lied, wie sie sich nicht nur in der ‚Celler Schule’ und der Splittergruppe Reimland auf facebook zeigt?

Ich kenne einen, der nicht daran denkt. Erich Virch - ein Profi im Reimen. Er dachte vielmehr an das, was Robert Gernhardt über den Reim geschrieben hat.

Sehen wir selber. Vielleicht erinnern wir uns noch. Da war doch was ... von Günter Grass:

Warum sage ich jetzt erst,
gealtert und mit letzter Tinte:
Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?

Das – so fand Erich Virch –

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18.06.2012   09:59

Deutschland, Deutschland

Als Kind hatte ich das nicht richtig verstanden. Ich wollte aber. Ich war neugierig. Unsere Nationalfarben - das wusste ich natürlich - waren Schwarz, Rot und Gold. Damit fingen die Probleme an: Gold hatte ich nicht in meinem Tuschkasten. Und Gelb - links oben in der Ecke - war immer zuerst alle. Vielleicht lag es daran, dass man auch beim Farbenverbrauchen links oben anfing oder daran, dass Kinder so viele Sonnen malten, die auch alle links oben in die Ecke lachten.

Die Fahnen waren auch nicht Gold, sondern Gelb. Das war verständlich. Nach dem Krieg konnte sich kaum einer richtiges Gold leisten, da mussten alle sparen und Gelb nehmen. Das fand ich nicht schlimm. Doch dann sollten sie auch sagen: Unsere Nationalfarben sind Schwarz, Rot und Gelb. Warum nicht? So war es nun mal. Schlimm war, wenn man so tat, als wäre das Gelb in

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03.06.2012   11:53

Was ist das Beste, das es gibt auf der Welt?

Fehlt es etwa den Piraten und den jungen Eltern? Was haben der Streit um das Urheberrecht und der Streit um das Betreuungsgeld gemeinsam? Und was hat das alles mit facebook zu tun?

Bei der Diskussion um das Copyright wird - im ‚Spiegel’ - ein bekennender Urheber gefragt, ob er nicht Verständnis für einen jungen Literaturfreund aufbringt, der unbedingt das neue Buch von Martin Walser lesen will, es sich aber nicht leisten kann. Warum soll er sich das Objekt der Begierde nicht kostenlos, wenn auch illegal runterladen? Kaufen oder Klauen? Das ist hier die Frage.

Keine gute Frage. Haben wir da nicht was vergessen? Es ist sowieso ein erstaunlich schlechtes Beispiel: Das Herunterladen von einem Buch ergibt nicht die Qualität einer Kopie – und gerade das ist neuerdings bei Filmen und Musikdateien zum Problem geworden. Doch die

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11.04.2012   15:18

Frühlingsgefühle

Nun, da der Frühling wieder sein blaues Band durch die lauen Lüfte wehen lässt, verführt es mich, an die Dichterworte des wohl bekanntesten und beliebtesten deutschen ...  Nein, ich meine nicht Günter Grass.

Kein lebender Dichter geht mir durch den Sinn, sondern einer, der nur noch in seinen Zeilen weiterlebt. Ich meine einen von jenen Schriftstellern, von denen Ulrich Schreiber – der Impressario des internationalen Literaturfestivals -, so gerne sagt, dass sie zu denen gehören, die „zu Unrecht verstorben“ sind. Ich meine Heinrich Hoffmann von Fallersleben.

Natürlich kann man bei der nach oben offenen Dichterskala nicht den Wert angeben, den jemand in Sachen Bekanntheit oder gar Beliebtheit einnimmt. Man kann auch schlecht nachprüfen, welcher der Poeten tatsächlich am häufigsten zitiert wird und wessen Verse am

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19.03.2012   09:45

Das Piraten-Paradox und das Geheimnis des zweiten Mannes

Hier kommt eine kleine Denksportaufgabe, auf die ich reingefallen bin, weil ich das Stichwort „Piraten“ aufgeschnappt hatte. Eigentlich bin ich aus dem Alter raus, dass ich mich zu Ratespielen nach dem zweiten Bier verführen lasse, doch hier hat es sich gelohnt, ich habe ein Goldstück mit nach Hause genommen und habe reingebissen: Es ist echt.

Nehmen wir an, wir haben fünf Piraten, die einen großen Schatz erbeutet haben. Pirat Nummer 1 ist der Piratenkapitän, Pirat Nummer 2 ist der Navigator, usw. – die Piraten sind hierarchisch geordnet, Pirat Nummer 5 ist der Moses. Doch auf die Hierarchie kommt es nicht an.

Piraten haben bekanntlich eigene Gesetze – sie teilen alles zu gleichen Teilen. So erzählt man es sich jedenfalls von der Piratensiedlung ‚Libertaria’ auf Madagaskar, wo alle alles brüderlich geteilt haben und

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15.03.2012   11:57

Ein Manifest für den Mann?

Ein „Manifest für den Mann“ – das müsste doch was für mich sein! Noch dazu ein „notwendiges“. Die erste Forderung, die Ralf Bönt in seinem soeben erschienenen Buch aufstellt, lautet: „Wir brauchen das Recht auf ein karrierefreies Leben.“

Das passt gut zu der Hintergrundmusik, die wir gerade hören: Da singt ein großer Chor von besseren Karrierechancen für Frauen und stimmt das Lob auf die Quote an, weil sie dafür sorgt, dass in Führungspositionen nicht mehr so viele Überstunden gemacht werden. Es passt auch gut zu dem vielstimmigen Klagelied über ehrgeizige Männer, die schon deshalb keine guten Väter sein können, weil sie zu viel arbeiten.

Ein alter Hut. Schon Esther Villar hatte eine Utopie ausgemalt, in der die Arbeitszeit grundsätzlich auf 25 Stunden in der Woche begrenzt ist. Man kann verstehen, wie es

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