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12.06.2010 18:31
Das Glück, die Liebe und die große Zahl
Bei der Liebe, der Altersvorsorge und der Fußballweltmeisterschaft spielt der Zufall eine bedeutende Rolle. Und eben diesen Zufall - diesen kleinen anarchistischen Kobold und Störenfried - will man nun in den Griff zu kriegen, indem man mit möglichst großen Zahlen operiert und so versucht, das Unberechenbare doch noch irgendwie berechenbar zu machen.
So machen es die Partnerbörsen, die mir empfehlen, die Liebe meines Lebens zu finden, wenn ich bei ihnen Mitglied werde - am besten Premium-Mitglied -, um so diesem Zufall, der sich sonst so gerne als Trumpfkarte im Liebesleben aufspielt, ein Schnäppchen zu schlagen. Ich bin dann nicht mehr auf das Glück angewiesen, rein zufällig dem geeigneten Partner über den Weg zu laufen – „might it been another day, I might have looked the other way and I might have never been aware ...“
08.04.2010 22:17
Böse Menschen
Ahnungslos komme ich aus dem Vogtland zurück, einer Gegend, in der man allerhand Heimatgefühl-Zubehör im zeitlosen Erzgebirge-Design kaufen kann. Zum Beispiel Räuchermännchen, und nun sogar - der Jahreszeit entsprechend – Räucherhäschen. Inzwischen wissen wir jedoch, dass durch das Rauchen der jeweiligen Umgebung „erheblicher Schaden“ zugefügt werden kann; und manchmal hatte ich bei einem flüchtigen Blick auf den Zustand der Ortschaften den Eindruck, dass an den Warnungen was dran sein könnte. Oft genug - das muss ich einräumen - habe ich diese Warnhinweise auf Zigarettenschachteln nicht ernst genommen, nun konnte ich nicht mehr die Augen verschließen vor nachhaltigen Schäden, die da durch die Massen von Räuchermännchen entstanden sind.
Ich war sogar in Auerbach - auch das noch! -, der berühmten „Stadt des
10.03.2010 09:45
Teil 2: Idioten West - Die Sache mit der Verallgemeinerung
Der Plural der Idioten
Im zweiten Teil soll es um einen Import einer sprachlichen Besonderheit - diesmal in die andere Richtung - von West nach Ost gehen. Es geht dabei um einen entscheidenden Schritt, der auch für das Schnabeltier nicht so einfach ist. Dazu wollen wir uns zunächst an ein Gedicht von Robert Gernhardt erinnern:??
Das Schnabeltier, das Schnabeltier?
vollzieht den Schritt vom Ich zum Wir.?
Es spricht nicht mehr nur noch von sich,?
es sagt nicht mehr: „Dies Bier will ich!“?
Es sagt: „Dies Bier,?das wollen Wir!“?
Wir wollen es, das Schnabeltier!?
Wie geht dieser Schritt vom Ich zum Wir? Politisch gesehen ist es der erste Schritt zum Sozialismus, vom Individuum zum Kollektiv. Grammatisch gesehen geht es um die Frage der Pluralbildung. Und wie machen wir das in Deutschland? Im Osten konnte man bisher (wie auch im
10.03.2010 09:42
Teil 1: Idioten Ost - Die Sache mit dem Privateigentum
Der Genitiv der Idioten
Der „Genetiv der Idioten“, auch „Doofen-Apostroph“ - wie in „Holger’s Bistro“ - wird allgemein beklagt, belächelt und bespöttelt, in manchen Restaurantempfehlungen sogar mit einem Punktabzug in der B-Note berücksichtigt. Er hat inzwischen den Westen erreicht und erfolgreich unterwandert. So findet sich etwa am Mexico-Platz, was immer im Westen Berlins war, das „Bahnhof’s Bistro“, das bestimmt auch ohne Punktabzug in der B-Note bei einer Restaurantempfehlung nicht gut weg kommen würde.
Eine eindrucksvolle Sammlung findet sich als Apostrophen-Alarm im Internet. Da zeigt sich dann allerdings auch, dass es sich nicht ausschließlich um ein Problem im Umgang mit dem Genitiv handelt, sondern ebenso mit der Pluralbildung, womit uns eine Brücke geschlagen wird zu den „Idioten-West“ aus dem
25.02.2010 11:03
Wir zwei Blaue
Schade, dass Frau Käßmann zurück getreten ist. In Bissendorf wird man darüber nicht glücklich sein. Die kleine Gemeinde - bekannt durch ein Sprachheilcentrum und durch eine Autobahnabfahrt, an der manchmal Rehe stehen -, feiert in diesem Jahr ein Jubiläum: ‚850 Jahre Bissendorf’. Ich weiß, ich bin da „von weg“. Da habe ich als Kind auf einem Nebenfluss der Ems meine Liebe zur Seefahrt entdeckt – und zur weiten Welt: „I’m looking at the river, but I’m thinking of the sea“.
Zum Jubelfest sind zwei Prominente eingeladen. Der eine davon bin ich. Na ja, richtig prominent bin ich nicht, doch die Geschichten, die ich für Käpt’n Blaubär geschrieben habe, sind über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt, ohne dass man weiß, wer genau dahinter steckt. Der andere „Stargast“ ist Frau Käßmann. Eine große
24.02.2010 12:10
Warnhinweis
Mein Vorschlag für den ultimativen Warnhinweis auf Zigarettenschachteln: politisch korrekt, universell einsetzbar und ganz ohne statistische Lüge und Panikmache:
Raucherinnen und Raucher
sterben früher oder später
24.02.2010 09:18
Träume in Schwarzweiß
Viele können sich nicht mehr vorstellen, wie die Welt aussah, bevor der damalige Außenminister Willy Brandt mit einem historischen Knopfdruck das Farbfernsehen einführte. Damit wurde plötzlich „alles so schön bunt hier“, wie Nina Hagen später singen sollte. Doch es ging nicht so fix, die verschiedenen Farbwelten existierten noch ein Weilchen nebeneinander her. Und es fanden sich gelegentlich noch Zeugnisse aus der Übergangszeit, die mich geradezu rührten, wenn ich etwa ein verschlafenes Hotel entdeckte, das damit warb, dass es auf allen Zimmern neuerdings „Farbfernsehen“ gäbe, und ich habe auch erst spät herausgefunden, was hinter der Abkürzung des großen Elektroladens WAKÜFA steckt: Waschmaschine, Kühlschrank, Farbfernsehen. Inzwischen ist alles bunt.
Vorher hatte die Welt noch irgendwie anders ausgesehen,
10.02.2010 20:38
Die heimlichen Wünsche der Frauen
Tränen rollen an der Geschlechterfront. Dem neunjährigen Micki fällt es nicht leicht, den Anforderungen an das neue Männerbild zu genügen. Er ist Grobmotoriker, breitschultrig und eher praktisch veranlagt. Das hat zwar gewisse Vorteile, aber er scheitert kläglich am rechten und am linken Maschenanschlag, und ausgerechnet diese beiden Übungen stehen in der 4. Klasse der Grundschule in Altdorf in WTG (Werken und textiles Gestalten) auf dem Lehrplan. Die Mutter hat sich dummerweise inzwischen so weit vom traditionellen Frauenbild entfernt, dass sie auch nicht mehr helfen kann. Zum Glück findet sich noch eine Oma, die Nachhilfeunterricht in der hohen Kunst des Strickens erteilen kann. Alleine schafft es Micki nicht.
Ich habe das Unglück kommen sehen und schon in den 80er Jahren ein Gedicht zu dem heiklen Thema geschrieben. Aber,


