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05.03.2012   09:07

Kunst runterholen (download art): Gerhard Richter in Berlin

Zuerst hatte ich Pech. Warum musste ich es auch ausgerechnet am Tag der Eröffnung versuchen? Es war dermaßen voll, ich hätte dermaßen lange anstehen müssen, dass ich resignierte. So musste ich mich mit den Bildern begnügen, die man von außen erkennen konnte: bunte Quadrate, die wiederum in bunte Quadrate unterteilt sind. Mein erster Gedanke war, dass bei der farblichen Anordnung wahrscheinlich ein Prinzip zugrunde liegt, und ich fühlte mich herausgefordert, die Formel zu erraten, nach der die Farben angeordnet sind. War es wie beim Sudokurätsel? Wenn man da die Zahlen der Senkrechten und die der Waagerechten zusammenrechnet, ergeben sich jeweils dieselben Werte. Doch es war kalt, und ich bin, ehrlich gesagt, bekennender Sudoku-Verweigerer und kenne mich auch nicht so gut mit zeitgenössischer Kunst aus, dass ich da mit

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04.03.2012   09:22

Deutsche Liedermacher – nimm2!

„Vitamine und Naschen“, auch als Lachgummi – „nimm2“. Wer kennt diese Werbung nicht? Da kann man getrost zwei Bonbons nehmen, egal in welcher Reihenfolge, sie sind identisch. Die beiden Liedermacher Konstantin Wecker und Hannes Wader, die Rudi Gaul in dem Dokumentarfilm ‚Wader Wecker Vaterland’ zusammen eingetütet hat, sind nicht gleich: Da gibt es ein dürres Nordlicht und einen lebensfrohen Südländer.

Nicht nur das. Sie schöpfen auch aus verschiedenen Quellen: Konstantin Wecker hat schon als Junge mit seinem Vater Opernarien gesungen und ist mit Verdi aufgewachsen. Hannes Wader hat das Crosspicking der Folkmusik importiert und einen deutschsprachigen Talking-Blues geschaffen. Die beiden sind kein Duo.

Es ist auch kein Film von einer Tournee, bei der so getan wird, als wären sie doch eins. Jedes Mal wenn da etwas

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22.02.2012   12:08

Ansichten eines gefährlichen Clowns

„Glauben Sie’s doch einfach“, sagte sie, „einfach glauben. Sie können sich nicht vorstellen, wie der eiserne Wille, einfach etwas zu glauben, hilft.“ So heißt es bei Heinrich Böll in den ‚Ansichten eines Clowns’. Glauben muss man auch, was jüngst im Auftrag der Böll-Stiftung als „Studie“ über die „Antifeministische Männerrechtsbewegung“ veröffentlicht wurde. Überzeugen kann es nicht. „Nagel und Schraube, Wissen und Glaube“, sagt der Volksmund. Was Hinrich Rosenbrock da zusammengenagelt hat, zeigt kein Wissen, und ist keine Wissenschaft.

Darüber müssen wir uns zum Glück nicht streiten. Es gibt Kriterien. An denen hat Michael Klein im Forum ‚Kritische Wissenschaft – critical science’ die „religiöse Schrift“ von Rosenbrock gemessen: das Ergebnis ist eindeutig. Heike Diefenbach hat sich schon

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21.02.2012   11:22

Kinder und Kleingeld

„Macht eure Kinder selber!“ So reagiert Tobias Kaufmann auf jüngste Überlegung von Unionsabgeordneten, Kinderlose in Zukunft stärker zu besteuern. Das finde ich auch: Make love! Make babys! Ich zitiere gerne noch etwas ausführlicher: „Wer erleben will, wie wunderbar es ist, demütig zu sein, unindividuell, verletzlich, der muss Kinder haben. Sie sind das Beste, was einem Menschen passieren kann. So wie das kleine Mädchen, das mich anstrahlt, mich in den Arm nimmt und ‚Mein Papi’ sagt, wenn ich nach Hause komme. “

Wer sollte das nicht wollen? „Machen Kinder glücklich?“, war die Fragestellung einer Talkshow, zu der ich mal eingeladen war - und allein schon dadurch, dass man diese Frage stellte, tat man so, als wäre die Frage berechtigt. Machen Kinder womöglich doch nicht glücklich?

Doch. Die Wertschätzung, die

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06.01.2012   13:24

Der zweifelhafte Gast

Früher konnte ich das auswendig. Ich habe das sehr gemocht. Ich mag immer noch die sparsamen Zeichnungen von Edward Gorey, so duster, so rätselhaft. Da klingelt es nachts an der Tür. Es ist nichts zu sehen. Dann erkennt man auf einer Urne ein fremdes Wesen, das in die Wohnung huscht und „ ... seitdem brachte niemand den Gast mehr hinaus.“ „Oftmals riß er aus Büchern die Seiten heraus oder schaffte ein wertvolles Bild aus dem Haus.“ „Jeden Sonntag versperrte er liegend den Flur und fiel allen zur Last; denn er brütete nur.“ Gut dass ich nachgeguckt habe. Ich dachte, die Nachdichtungen wären von Wolfgang Hildesheimer, sie sind aber von Fridolin Tschudi. Das habe ich verwechselt. Da hätte ich glatt einen Fehler gemacht. „Er vernarrte in Dinge sich je nach Bedarf, die er, um sie zu schützen, ins Teichwasser warf.“

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03.01.2012   18:08

Die Blase wird platzen

Wie immer am Anfang eines neuen Jahres fragen wir uns bang und erwartungsfroh, was uns die Zukunft bringen mag. Der Futurist weiß es. Und wer ist das nun wieder?

„Futurist“ ist der Name eines Weblogs, das sich mit Zukunftsthemen befasst. Der Text erschien voriges Jahr um diese Zeit – also passend zum Anfang des neuen Jahrzehnts und sagt das Platzen einer Blase voraus, diesmal das Platzen der so genannten „Misandry bubble“, der Männerfeindlichkeits-Blase.

Der Text ist allein wegen seiner Materialfülle an der Grenze des Lesbaren und geht gelegentlich über das hinaus, was das Wörterbuch hergibt. Hinzu kommt, dass viele der schillernden Details auf die USA bezogen sind und für uns unverständlich bleiben. Max Christian Henrich hat den Text übersetzt und ich habe ihn gekürzt und stellenweise nacherzählt.

So haben wir

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30.12.2011   23:43

Sauberfrauen und Schlampen

„Eine neue Ära hat im deutschen Bundestag begonnen.“ So heißt es in der Berliner Erklärung, in der sich eine Reihe von prominenten Erstunterzeichnerinnen für eine Quote in Aufsichtsräten stark macht. Da werden große Töne angeschlagen:

Gleich der erste Satz lautet: „Seit über 60 Jahren gilt in Deutschland laut Grundgesetz, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. In der Realität ist die Gleichstellung allerdings noch lange nicht verwirklicht.“

Anders ausgedrückt: Seit über 60 Jahren gilt in Deutschland laut Grundgesetzt, dass Äpfel erhältlich sind. In der Realität sind aber Birnen noch lange nicht überall vorhanden.

Wenn man seine Brille verlegt hat, kann man leicht „Gleichberechtigung“ und „Gleichstellung“ verwechseln. Es fängt ja auch beides mit „Gleich-“ an. Doch man sollte, wenn man etwas

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24.12.2011   10:56

Mein Weihnachtsgruß an die lieben Leser…

… ist diesmal etwas für Hörer:

Heute, am 24.12. um 16.00 Uhr, einer prima Zeit, „prime time“ sozusagen, kommt auf Deutschlandradio Kultur eine von mir geschriebene und gelesene Weihnachtsgeschichte, in der es darum geht, dass man nicht so viele Fragen stellen soll. Eingerahmt wird der Text mit einem Lied von Georg Kreisler, der in diesem Jahr verstorben ist. Die Geschichte spielt auf dem flachen Land, in den 60ern. Da fragt man sich schon, ob bei den Bauern die Tiere womöglich allein schon deshalb so beliebt waren, weil sie – wie auch Mark Twain wusste – einen nicht dauernd irgendwas fragten.

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