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22.02.2012   11:08

Ansichten eines gefährlichen Clowns

„Glauben Sie’s doch einfach“, sagte sie, „einfach glauben. Sie können sich nicht vorstellen, wie der eiserne Wille, einfach etwas zu glauben, hilft.“ So heißt es bei Heinrich Böll in den ‚Ansichten eines Clowns’. Glauben muss man auch, was jüngst im Auftrag der Böll-Stiftung als „Studie“ über die „Antifeministische Männerrechtsbewegung“ veröffentlicht wurde. Überzeugen kann es nicht. „Nagel und Schraube, Wissen und Glaube“, sagt der Volksmund. Was Hinrich Rosenbrock da zusammengenagelt hat, zeigt kein Wissen, und ist keine Wissenschaft.

Darüber müssen wir uns zum Glück nicht streiten. Es gibt Kriterien. An denen hat Michael Klein im Forum ‚Kritische Wissenschaft – critical science’ die „religiöse Schrift“ von Rosenbrock gemessen: das Ergebnis ist eindeutig. Heike Diefenbach hat sich schon bei ihren Studenten entschuldigt; die kommen sich verschaukelt vor, wenn sie bei ihr lernen müssen, wie man richtig wissenschaftlich arbeitet und wenn sie dann vorgeführt kriegen, dass es auch so geht. Jedenfalls bei …

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21.02.2012   10:22

Kinder und Kleingeld

„Macht eure Kinder selber!“ So reagiert Tobias Kaufmann auf jüngste Überlegung von Unionsabgeordneten, Kinderlose in Zukunft stärker zu besteuern. Das finde ich auch: Make love! Make babys! Ich zitiere gerne noch etwas ausführlicher: „Wer erleben will, wie wunderbar es ist, demütig zu sein, unindividuell, verletzlich, der muss Kinder haben. Sie sind das Beste, was einem Menschen passieren kann. So wie das kleine Mädchen, das mich anstrahlt, mich in den Arm nimmt und ‚Mein Papi’ sagt, wenn ich nach Hause komme. “

Wer sollte das nicht wollen? „Machen Kinder glücklich?“, war die Fragestellung einer Talkshow, zu der ich mal eingeladen war - und allein schon dadurch, dass man diese Frage stellte, tat man so, als wäre die Frage berechtigt. Machen Kinder womöglich doch nicht glücklich?

Doch. Die Wertschätzung, die einem ein Kind entgegenbringt, ist sensationell. Ich habe der Kamera, neben der das kleine rote Licht aufleuchtete, erzählt, …

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06.01.2012   12:24

Der zweifelhafte Gast

Früher konnte ich das auswendig. Ich habe das sehr gemocht. Ich mag immer noch die sparsamen Zeichnungen von Edward Gorey, so duster, so rätselhaft. Da klingelt es nachts an der Tür. Es ist nichts zu sehen. Dann erkennt man auf einer Urne ein fremdes Wesen, das in die Wohnung huscht und „ ... seitdem brachte niemand den Gast mehr hinaus.“ „Oftmals riß er aus Büchern die Seiten heraus oder schaffte ein wertvolles Bild aus dem Haus.“ „Jeden Sonntag versperrte er liegend den Flur und fiel allen zur Last; denn er brütete nur.“ Gut dass ich nachgeguckt habe. Ich dachte, die Nachdichtungen wären von Wolfgang Hildesheimer, sie sind aber von Fridolin Tschudi. Das habe ich verwechselt. Da hätte ich glatt einen Fehler gemacht. „Er vernarrte in Dinge sich je nach Bedarf, die er, um sie zu schützen, ins Teichwasser warf.“

Soviel vorweg. Nun die Wahrheit: Die ganze Diskussion um …

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03.01.2012   17:08

Die Blase wird platzen

Wie immer am Anfang eines neuen Jahres fragen wir uns bang und erwartungsfroh, was uns die Zukunft bringen mag. Der Futurist weiß es. Und wer ist das nun wieder?

„Futurist“ ist der Name eines Weblogs, das sich mit Zukunftsthemen befasst. Der Text erschien voriges Jahr um diese Zeit – also passend zum Anfang des neuen Jahrzehnts und sagt das Platzen einer Blase voraus, diesmal das Platzen der so genannten „Misandry bubble“, der Männerfeindlichkeits-Blase.

Der Text ist allein wegen seiner Materialfülle an der Grenze des Lesbaren und geht gelegentlich über das hinaus, was das Wörterbuch hergibt. Hinzu kommt, dass viele der schillernden Details auf die USA bezogen sind und für uns unverständlich bleiben. Max Christian Henrich hat den Text übersetzt und ich habe ihn gekürzt und stellenweise nacherzählt.

So haben wir aus der Oper ein Lied gemacht. Es hat zwei Strophen: ‚Die kulturelle …

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30.12.2011   22:43

Sauberfrauen und Schlampen

„Eine neue Ära hat im deutschen Bundestag begonnen.“ So heißt es in der Berliner Erklärung, in der sich eine Reihe von prominenten Erstunterzeichnerinnen für eine Quote in Aufsichtsräten stark macht. Da werden große Töne angeschlagen:

Gleich der erste Satz lautet: „Seit über 60 Jahren gilt in Deutschland laut Grundgesetz, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. In der Realität ist die Gleichstellung allerdings noch lange nicht verwirklicht.“

Anders ausgedrückt: Seit über 60 Jahren gilt in Deutschland laut Grundgesetzt, dass Äpfel erhältlich sind. In der Realität sind aber Birnen noch lange nicht überall vorhanden.

Wenn man seine Brille verlegt hat, kann man leicht „Gleichberechtigung“ und „Gleichstellung“ verwechseln. Es fängt ja auch beides mit „Gleich-“ an. Doch man sollte, wenn man etwas unterschreibt, nicht nur das Kleingedruckte, sondern auch das Großgedruckte lesen. Das wissen die Frauen bestimmt selber.

Es ist keine unbeholfene …

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24.12.2011   09:56

Mein Weihnachtsgruß an die lieben Leser…

… ist diesmal etwas für Hörer:

Heute, am 24.12. um 16.00 Uhr, einer prima Zeit, „prime time“ sozusagen, kommt auf Deutschlandradio Kultur eine von mir geschriebene und gelesene Weihnachtsgeschichte, in der es darum geht, dass man nicht so viele Fragen stellen soll. Eingerahmt wird der Text mit einem Lied von Georg Kreisler, der in diesem Jahr verstorben ist. Die Geschichte spielt auf dem flachen Land, in den 60ern. Da fragt man sich schon, ob bei den Bauern die Tiere womöglich allein schon deshalb so beliebt waren, weil sie – wie auch Mark Twain wusste – einen nicht dauernd irgendwas fragten.

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22.12.2011   17:46

Die Familienfeinde

Erinnert sich noch jemand an die ‚Vorwerk’-Werbung, bei der eine Frau auf die Frage nach ihrem Beruf stolz verkündete: „Ich leite ein erfolgreiches, kleines Familienunternehmen!“? Ein wahres Wunderding, dieser Staubsauger.

Denn eine Familie ist heute nicht erfolgreich, sie gilt als „Auslaufmodell“. Die hohen Scheidungszahlen sind alarmierend, noch schlimmer ist der hohe Anteil der kinderlosen Ü40-Frauen. Wäre die Familie ein Tier, könnte man von einer bedrohten Art sprechen. Es ist, als würden junge Paare heute aus dem Fenster schauen und sagen: Nein, in diese Welt wollen wir keine Kinder setzen.

Die Familie hat mächtige Feinde. Einer ist die Gleichheits-Walze, die über unser Land rollt. Jede auch nur gefühlte Ungleichheit wird als Unrecht angesehen, das beseitigt werden muss. Eine Chancengleichheit genügt da nicht mehr, es muss eine messbare Ergebnisgleichheit her. Und zwar sofort. Sonst ist eine Strafe fällig. Es wird uns alle unglücklich machen, wenn es so weitergeht; …

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16.12.2011   20:57

Männer und Frauen passen nicht zusammen

Wenn sie es dennoch versuchen, hält es nicht lange. Es ist aus zwischen Mann und Frau. In der Schweiz hat die Verbreitung dieser Erkenntnis im November einen gewissen Höhepunkt erlebt. Da haben nicht nur die Kuhglocken, sondern auch die Alarmglocken gebimmelt. Was war los? Männer warnten vor der Ehe. Frauen kündigten sie.

Es wirkt wie ein heimlicher Wettbewerb unter Liebenden, der unter dem Motto steht: Wer macht zuerst Schluss. Wie bei Leonard Cohen, wo es heißt „But all I’ve ever learned from love was how to shoot at someone who outdrew you.“

Die „Warnung vor der Heirat“ sieht aus wie die bekannte Warnung vor den Risiken und Nebenwirkungen des Rauchens mit schwarzem Trauerrand. Sie wird auch so begründet: „Wer heute einen Bankkredit unterschreibt, muss von der Bank über die Risiken aufgeklärt werden – sonst ist der Vertrag ungültig. Wer eine Packung Zigaretten kauft, wird über die …

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