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Beiträge von  

  17.09.2011   20:30   Leserkommentare (im Wartemodus)

Kopfsprung ins Mittelalter

Sie heißen Leila, Souad und Dalida. Ihre Namen sind Pseudonyme, unter denen sie aus der Hölle berichten, die ihre Ehen waren. Irgendwo in Saudi-Arabien, Pakistan, Marokko oder Ägypten.

Viele von ihnen leben versteckt in Europa; in Freiheit und mit bisher ungekannter Lebensqualität. Erfahrungsliteratur dieser Art erfreut sich großer Beliebtheit.

Ich frage mich oft, was Leila, Souad und Dalida dabei empfinden mögen, wenn sie miterleben, wie Lara, Susanne und Daniela sich freiwillig in Verhältnisse begeben, die ihnen selbst aufgezwungen wurden und denen sie mit knapper Not entronnen sind.

Bei Begegnungen wie neulich im Shoppingcenter geht einem so was zwangsläufig durch den Kopf: Eine wahrscheinlich weibliche Person in einem lila Zelt; vor der Stelle, an der wir das Gesicht vermuten dürfen, ein schwarzer Lappen, an der Hand zwei...

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Kategorie(n): Bunte Welt 

  30.07.2011   12:08   Leserkommentare (im Wartemodus)

Der absehbare Tod der Amy Winehouse

Vom Ableben der Amy Winehouse erfuhr ich nebenbei beim Securitycheck auf einem Flughafen.

Die Nachricht machte mich augenblicklich schrecklich traurig, und ich konnte mir zunächst gar nicht erklären, warum. Sie war mir nicht sympathisch, ihre Musik konnte ich auch nicht leiden, und als Stilikone kam sie für mich nicht in Frage.

Vielleicht, weil ich im Gegensatz zu vielen anderen der Überzeugung bin, dass dieser Tod eben gerade nicht unvermeidlich war.

Ein internationaler Star ist schließlich nicht allein auf der Welt. Da gibt es einen Riesenstab von Mitarbeitern -  vom Management und besonders Freunden und Familie ganz zu schweigen.

Spätestens, nachdem Winehouse ihre Tournee abbrechen musste, weil sie nicht einmal mehr gerade auf der Bühne stehen konnte, hätten bei allen Betroffenen die Alarmglocken schrillen müssen. Man...

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Kategorie(n): Kultur 

  22.06.2011   21:20   Leserkommentare (im Wartemodus)

Das Kino als Erziehungsanstalt

Die entscheidende Antwort auf die Frage, warum deutsche Unterhaltung so häufig keinen Spaß macht, hing in diesem Frühjahr in monumentalen Lettern an Hamburgs Deutschem Schauspielhaus:

Mit Politik kann man keine Kultur machen, aber vielleicht kann man mit Kultur Politik machen. Dieser Ausspruch des ansonsten eher selten zitierten ersten deutschen Bundespräsidenten sagt alles. Wir sollen nicht unterhalten, sondern belehrt werden.

Da kann man diesem sympathischen jungen Freund ( http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/deutsches_theater/ ) nur beipflichten.

Kürzlich habe ich einen meiner obersten Grundsätze außer Kraft gesetzt und einen deutschen Spielfilm angesehen:
Free Rainer aus dem Jahre 2008, verbrochen vom österreichischen Regisseur Hans Weingartner
(...

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Kategorie(n): Kultur 

  07.06.2011   07:30   Leserkommentare (im Wartemodus)

Erziehungsverweigerung

Seit einigen Jahren kann man erleben, dass erwachsene Menschen auf dem Fußweg mit dem Fahrrad angerast kommen, wild klingeln und einen Arschloch nennen, wenn man nicht sofort aus dem Weg springt. Das könnte an den vermittelten sozialen Kompetenzen liegen – oder vielmehr an der Abwesenheit derselben. Sozialverhalten gibt es nur noch, sofern die eigenen Interessen berührt sind.

Die Pädagogik hat sich in den letzten fünfzig Jahren erheblich gewandelt. Kindererziehung diente früher noch nicht der Selbstfindung. Unsere Eltern bekamen Kinder, weil sie dazu gehörten und/oder weil die Verhütungsmittel versagt hatten. Unsere Generation wurde durchweg autoritär erzogen, was zwar auch suboptimal war, aber eben nicht nur Nachteile hatte.

So was macht man nicht! bekamen wir fast jeden Tag zu hören. Unsere Bedürfnisse standen nicht...

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Kategorie(n): Kultur  Wissen 

  11.05.2011   14:17   Leserkommentare (im Wartemodus)

Der (nicht mehr ganz so) neue Huren-Hype

Meine Nachbarin hat mir gerade mit stolzgeschwellter Brust erzählt, dass ihre neunzehnjährige Tochter für einen exklusiven Escortservice arbeitet und sich dumm und dusslig verdient, seit sie Analverkehr in ihr Dienstleitungsspektrum aufgenommen hat. Eine Bekannte hat angefangen, wildfremden Männern Blowjobs zu offerieren, damit ihre Kinder sich Reitstunden und Nikesneakers leisten können. Und die Kinder sind begeistert von Muttis neuem Job! Und mein neuer Kollege plaudert gern übers Flachlegen auf Flatrate in den neuartigen Geiz-macht-geil-Bordellen ...

Das glauben Sie nicht? Nein, das sollten Sie auch nicht tun. Ich habe nur ein Gedankenexperiment gewagt. Was wäre, wenn? Wenn es tatsächlich wahr wäre, was unlängst in der Frauenzeitschrift Brigitte stand:
Dass Prostitution mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen...

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Kategorie(n): Kultur  Wissen  Wirtschaft 

  09.04.2011   10:33   Leserkommentare (im Wartemodus)

Der allergrößte Hohn ist die Synchronisation

Die Hölle ist bekanntlich der Ort, wo die Engländer kochen, die Franzosen Auto fahren und die Deutschen Witze reißen.
Die Krönung des deutschen Vorschlaghammerhumors haben wir mit den Karnevalstagen dankenswerterweise gerade hinter uns gebracht. Humor ist in Deutschland eine schwierige Angelegenheit – deshalb hat man das Tätäh! eingeführt, damit auch der letzte Vollpfosten weiß, wann was gerade Witz war. Einmal über eine Büttenrede lachen – ehrlich, soviel könnte ich gar nicht saufen.

Die deutschen Comedians sind allerdings nicht wirklich besser. Wenn man sich zum Affen machen will, muss man auch wie einer aussehen, heißt die Devise. Nur wenige beherrschen den gepflegten Stand-Up-Comedy-Stil, bei dem der Comedian gut angezogen sein und gut aussehen darf und allein durch seinen Humor und seinen Wortwitz glänzt. So wie...

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Kategorie(n): Kultur 

  15.03.2011   23:17   Leserkommentare (im Wartemodus)

Ich trauere um Günter Amendt

Eine Straßenecke, an der man selbst schon hundert Mal gestanden hat, erkennt man auf den ersten Blick wieder. Etwa dreißig Schritt von ihr entfernt befindet sich der Zahnarzt, der seit zwanzig Jahren in meinem Gebiss herumfräst; etwa sechzig Schritte sind es bis zu dem Tanzstudio, in dem ich lange Kurse besuchte, und etwas länger, vielleicht fünfhundert Schritte, ging man früher zu der Wohngemeinschaft, in der mein Mann seine grüne Jugend verbrachte. Mit der Tochter des Hauptmieters, Prof. Dr. Gunter Schmidt, Psychologe und Sexualwissenschaftler, hat mein Mann Abitur gemacht. In der herrlichen Jugendstilwohnung von unübersehbaren Ausmaßen verkehrten gelegentlich auch der Sexualforscher Volkmar Sigusch sowie der Sozialwissenschaftler Günter Amendt.

Sigusch bezeichnete Schmidt spaßeshalber als prüde und lustfeindlich; alle...

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Kategorie(n): Kultur 

  08.02.2011   15:55   Leserkommentare (im Wartemodus)

Die Leier mit dem Schleier

Es gibt einen beliebten Witz unter Bauchtänzerinnen: Wie heißt Kuhstall auf Arabisch? Mubarak!

Es ist fast ein Vierteljahrhundert vergangen, seit ich mit meiner Bauchtanzlehrerin nach Ägypten reiste. Den Tahrir-Platz, den man im chaotischen Zentrum von Kairo immer als Orientierungshilfe nehmen musste, wenn man sich nicht verlaufen wollte, erkenne ich im TV jedenfalls noch mühelos wieder. Seitdem hat sich viel verändert. Im schönen Land am Nil gelten Bauchtänzerinnen zwar immer noch als Huren; noch immer sind etwa neunzig Prozent der Ägypterinnen genital verstümmelt, aber damals gab es kaum Kopftuchträgerinnen in Kairo. Vom Niqab, der schwarzen Ganzkörperverhüllung, die nur noch einen Schlitz für die Augen frei lässt, ganz zu schweigen. Und der Mubarakwitz wird demnächst seine Aktualität einbüßen.

Unsere ägyptische...

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Kategorie(n): Ausland  Kultur