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Beiträge von  

03.01.2009   14:07

Popkultur, Grundkurs

Knallhart recherchiert haben vor Weihnachten die Kinoredakteure des Spiegel. Sie wollten der aktuellen Begeisterung Hollywoods für Stoffe aus der NS-Zeit mal so richtig kritisch auf den Grund gehen. Die Ergebnisse der mit großem Aufwand geführten Untersuchung (vier Autoren, vier Seiten) sind atemberaubend. Festhalten: Hollywood instrumentalisiert Geschichte; die umfassende historische Bildung des Publikums ist nicht das allererste Ziel der Traumfabrik – auch nicht im Umgang mit NS-Themen. Potztausend! Wer hätte das gedacht? Demnächst finden die cineastischen Wühlmäuse auch noch heraus, dass Bud Spencers Kommissar Rizzo den Kampf gegen die neapolitanische Kamorra nicht umfassend abbildet.

Die Empörung wäre da allerdings geringer. Denn hiesige Denker leiten aus der Einzigartigkeit deutscher historischer Verbrechen gern einen

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16.12.2008   11:15

Die ewige Wiederkehr des Niedergangs

Es ist doch eine zu schöne Geschichte, eine Geschichte von geradezu biblischer Moralhaftigkeit: Ein Land wird groß durch Fleiß, Dynamik und Offenheit. Dann aber entwickelt es Gier und Größenwahn und geht daran zugrunde. So geschieht es, glaubt man so ziemlich jedem europäischen Intellektuellen, Politiker oder Fahrradhändler im Prenzlauer Berg, den USA.

Autor Robert Lieber erzählt eine andere Geschichte - jene der obigen Geschichte selbst. In einem klugen Essay skizziert Lieber die Historie eines zentralen Bestandteils des Antiamerikanismus – dessen, was er „Declinism“ nennt: Er zeigt, wie gern sich Beobachter in aller Welt, aber auch in den USA selbst, schon immer mit dem direkt bevorstehenden Untergang Amerikas befassten. Im 18. Jahrhundert wusste man im royalen Europa sicher, dass das Projekt jenseits des Teiches nur

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22.11.2008   21:52

Revival der Illusionen

Bemerkenswertes vermeldet ( HYPERLINK “http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,591099,00.html” http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,591099,00.html) Reinhard Mohr begeistert auf Spiegel Online: Die Rückkehr der Politik. Er stimmt ein in den Chor von Steinbrück bis Merkel, die mit ernster Miene, aber vor allem hämisch den charakterlich verdorbenen Managern die Moralleviten lesen.
Den Politikern merkt man an, wie sehr sie die eigene Marginalisierung in den vergangenen Jahren als Demütigung empfinden. Mit jedem Statement verströmen sie Hass auf die gefallenen Herren der Welt. Geprügelte Hunde prügeln zurück. Das hat etwas von nerdhaften Mitschülern, die nicht mit auf eine Party durften, aber am nächsten Morgen hören, dass diese gar nicht so doll war…

 

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16.10.2008   19:02

Mein Mann in der Krise

Man nimmt in diesen Zeiten ja Rat, wo immer man ihn kriegt. Zum Beispiel vom Fahrradhändler. Berlin Prenzlauer Berg, ich zahle ein günstiges Gebrauchtrad bar und mache den nahe liegenden Witz „Das ist Ihnen sicher lieber als per Kreditkarte“. Eine Steilvorlage für meinen Fahrradhändler. Ein vehementer Vortrag folgt, mit den groben Stationen Finanzkrise – Goldman Sachs – Paulson – Krupp-Familie – zweiter Weltkrieg – Rüstungsindustrie – sieben Familien besitzen die US-Federal Reserve-Bank – Inflation – Hamsterkäufe – Anarchie – Umsturz und neue Ordnung. Ich bin zu verwirrt, um nach Einzelheiten zu fragen. Auch weil mein mein Fahrradhändler nicht nur Marx inhaliert hat, sondern auch Sokrates und dessen Fragetechniken. Glauben Sie mir: Wenn der Mann Sie mit bohrenden Augen anblickt und fragt „Wissen Sie eigentlich, wem die Fed gehört? Na?“, dann sagen Sie auch nichts mehr…

 

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06.07.2008   16:50

Devote USA

Hätte man in einem Wettbüro versucht, zehn Euro auf „wenn die USA in Berlin eine Botschaft bauen, hagelt es Kritik an architektonischer Großmannssucht“ zu setzen, die Wettbetreiber hätten einen ausgelacht und eine Quote von 0,9 zu 1 geboten. Die US-kritischen Argumente sind kulturkritischer Standard und werden bei jeder Gelegenheit hervorgeholt: Größenwahn, Weltmachtgehabe, Arroganz, Isolationismus, Glattheit, postmoderne Beliebigkeit. Und jetzt das: Da eröffnen die Amerikaner eine Botschaft, auf die diese Begriffe alle nicht passen! Ein Gebäude, das sich selber klein macht. Das devot daherkommt und offenkundig jeden Eindruck von Sonderstellung vermeiden möchte. Das sich in seiner architektonischen Trivialität perfekt in die Biederkeit des Pariser Platzes als Ganzem einpasst…

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05.07.2008   14:07

Schlag mich, ich bin Elite!

Seit wenigen Jahren laboriert Deutschland zaghaft mit dem Betriff „Elite“. Sensible Geister sind dann schnell mit Kritik an dem irgendwie als basisfeindlich empfundenen Diskurs bei der Hand. Psychologisch gesehen tun sie sich aber mit ihrer Fundamentalopposition gar keinen Gefallen. Es ist nämlich davon auszugehen, dass gerade traditionslinke Intellektuelle am Elitesein einige Freude haben könnten – weil dies die Gelegenheit zu ganz viel genussvoller Selbstschmähung bietet…

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27.05.2008   18:34

Welcome to the matrix

Leseswert ist das Interview, das Ulf Poschardt mit dem Veteranen der Popkultur Diedrich Diederichsen für die Wams führte, aus vielerlei Gründen. Herausgreifen möchte ich hier einen Gedanken, den Diederichsen zur aktuellen deutschlandpolitischen Landkarte äußert. Er beschreibt diese als Matrix: “Rechts oben sitzen Wirtschaftsliberale, die gern mal das eine oder andere Bürgerrecht mittragen, wenn’s nicht zu viel kostet; rechts unten sitzen Traditionalisten, die haben einiges gemeinsam mit den eher traditionalistischen Linken, die links unten sitzen; links oben sitzen linke Bohemiens, die manchmal die Typen von rechts oben beim Koksen auf dem Klo eines Clubs treffen. Rechts oben sitzen Teil der CDU und der FDP, rechts unten CDU/CSU und die Rechtsradikalen; links oben die intellektuellen Linksradikalen, aber auch die meisten Grünen und die israelfreundliche Fraktion der Partei Die Linke; links unten die ganze SPD und die Ost-Linke.”…

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17.05.2008   00:22

Wachstumsblasen

Linguistisches Pfeifen im Walde betreiben seit Jahren Beobachter der deutschen Wirtschaft. Da wird von einem unfassbaren Boom phantasiert, nur weil die Volkswirtschaft es mal über die Zwei-Prozent-Wachstumshürde schafft. Ganz groß ist die in vielen Medien beliebte News-Headline „Deutsche Wirtschaft wächst“. Das trifft laut CIA Economic Factbook auf 208 von 216 Nationen zu. Die letzten beiden Jahre erschienen einigen sogar als Wirtschaftswunder. Zur Klarstellung: Die deutsche Volkswirtschaft wuchs 2007 um 2,5 Prozent, 2006 um 2,9 Prozent. Nicht schlecht im Vergleich zu den Vorjahren, klar. Nur: Der Vergleich mit sich selbst ist irreleitend. Sinnvoller wäre der Vergleich mit anderen Ländern, und zwar über fünf bis zehn Jahre hinweg. Diese legen regelmäßig um über drei Prozent zu…

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