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Auslese



  23.08.2011   +Feedback

Politische Zündler

Von Christoph Spielberger

Die Unfähigkeit von Politik und Medien mit dem Phänomen der allnächtlich brennenden Autos in Berlin umzugehen, zeigt sich prägnant in dem Wort „Zündler“. Auch in konservativen Medien werden nun die Brandstifter, die überwiegend in der linksradikalen Szene vermutet werden, als „Autozündler“ bezeichnet. Eine bemerkenswerte Verharmlosung schwerer und Menschenleben gefährdender Kriminalität. Die Politik verhält sich mit den Medien komplizenhaft, solange sie nicht die Unterlassung dieses Begriffes einfordert. Sie ist es aus gutem Grund.Das Grimmsche Wörterbuch beschreibt Zündeln als das Spielen mit dem Feuer. Man denkt sofort an den Kinderreim Messer, Gabel, Schere, Licht dürfen kleine Kinder nicht. Für Politik und Medien sind die Brandstifter eigentlich Kinder, die nur spielen wollen.

Dies ist insofern richtig, als es sich um die Kinder des Sozialstaates handelt. Von seinen Segnungen in Unmündigkeit gehalten, werden ihre Vergehen von einer kultursensiblen Politik und Justiz de facto ermuntert und anschließend von …

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  23.08.2011   +Feedback

Wie dünnhäutig ist die Erde?

Wow! Der Schreck sitzt mir noch in den Gliedern: Gerade wieder daheim angekommen in Virginia nach vier Monaten fast ununterbrochener Reiserei, sitzen wir beim Lunch in der Küche, als ohne jede Vorwarnung unser Haus anfängt, sich wie ein nasser Pudel zu schütteln. In den Schränken klirren die Gläser, ein dekoratives Brotbrett fällt von der Wand. Tornado? Ein rascher Blick aus dem Fenster zeigt unsere sonnendurchflutete grüne Hochsommerlandschaft, in der sich kein Blättchen rührt. Flugzeug in illegalem Tiefflug oder im Absturz begriffen? Quatsch, was einem da durch den Kopf rast: Außer dem Gläserklirren und einem tiefen Grollen, als brauste plötzlich mitten in unserem bukolischen Gefilde eine U-Bahn unter uns durch, ist nichts zu hören.

“Erdbeben”, sagt Rita—sie muß es wissen, denn sie ist vor über zwei Jahrzehnten bei einer Lesereise in Los Angeles mal von einem frühmorgens aus dem Bett gebeutelt worden. Und jetzt?

“Nach unten”, sagt …

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  23.08.2011   +Feedback

Kalenderblatt für eine vergessliche Linke

„So lange etwas ist, ist es nicht das, was es gewesen sein wird“, heißt es in Martin Walsers Roman „Ein springender Brunnen.“

Der 23. August 1939 war ein Mittwoch. Die Wetteraufzeichnung besagt, dass es im August des Jahres 1939 etwas zu warm war. Modisches Muss für die Dame von Welt war das kurze Bolero, lässt es doch die schmale Taille sehen. Zu den neuen Wagen, die in Serie gingen, gehörten der BMW 335 und der Maybach SW 42. Der Film des Jahres 1939 war ein amerikanisches Bürgerkriegsdrama: Vom Winde verweht. Zu den Büchern des Jahres gehörte Ernst Jüngers Auf den Marmorklippen und James Joyce Finnegans Wake. In Paris wurde das neue Schauspiel von Jean Giraudoux Undine uraufgeführt. In Buenos Aires begann die Schacholympiade. In Moskau wurde in Anwesenheit von Stalin ein deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt unterzeichnet.

Sieben Tage später, als die deutschen Armeen in Polen einmarschierten, hat der …

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  23.08.2011   +Feedback

Pain Club—oder: Es ist ein Kreuz mit dem deutschen PEN

"O Pen, Pänn, Päännnn! Pain Club!!” klagte Alfred Kerr am 10. Mai 1942 in einem Brief an Richard Friedenthal. Er mußte es wissen, war er doch bis zu seiner Flucht aus Deutschland im Februar 1933 Präsident des deutschen PEN gewesen. Innerhalb weniger Monate wurde der PEN damals von den Nazis “gleichgeschaltet” und eliminierte sich damit selbst. An seiner Statt gründeten Lion Feuchtwanger, Ernst Toller, Rudolf Olden und Max Hermann-Neisse 1934 in Großbritannien den “deutschen P.E.N. im Exil”, dem bald auch Kerr, die Manns, Anna Seghers, Arnold Zweig, Stefan Zweig, Alfred Döblin und viele andere vertriebene oder geflohene deutsche Dichter und Denker beitraten.

Diesen Exil-PEN gibt es heute noch; als eine seiner Aufgaben sieht er das aktive Gedenken an die verfolgten und gerade oft wegen der Naziherrschaft vergessenen Schriftsteller an. (Um mit offenen Karten zu spielen, “in the interest of full disclosure”, will ich nicht hinterm Berg …

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  23.08.2011   +Feedback

Westerwelle gibt sich Recht

So schnell war das Auswärtige Amt noch nie. Für einen Augenblick dachte ich, Antonia Rados sei Staatssekretärin geworden. Es war aber bloß der Außenminister selbst, Westerwelle, der wortreich den Machtwechsel in Libyen begrüßte, noch bevor dieser stattfinden konnte. Auch für Gaddafi hat er einen guten Rat: Dieser solle von sich aus gehen.
Das ist natürlich eine echte Lösung des Problems, nicht nur was Gaddafi betrifft. Die Diktatoren gehen von selber, und alles andere erübrigt sich.

Wie aber wäre es, wenn auch Westerwelle ginge. Im Frühjahr hatte er es schließlich fertig gebracht, sich im Sicherheitsrat in der Frage der Flugverbotszone in Libyen der Stimme zu enthalten. Die Flugverbotszone war grundwichtig für den Sieg der Rebellen.

Er war sich dagegen sicher, dass es nicht mit einer militärischen Lösung getan sei. Er wollte vielmehr den Diktator eines der bedeutendsten Erdölexportstaaten durch Sanktionen stürzen. Sanktionen sind eher ein …

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  22.08.2011   +Feedback

Lieber Autos abfackeln als falsch parken

Seit mehreren Jahren brennen in Berlin die Autos.Es gab sogar eine Internetseite, die jedes abgefackelte Fahrzeug dokumentierte Und die autonome Szene feierte ihre Brandanschläge mit flotten Songs.
Bisher war das kein Thema. Weder für die Politik, noch für die Medien. Selbst ein Anschlag auf einen Gastransporter, bei dem nur der schnelle Einsatz der Feuerwehr eine größere Katastrophe verhindert hat, landete nur auf Seite zwei der Hauptstadtpresse. Nachdem sich herumgesprochen hat, dass man selbst dann straflos ausgeht, wenn man von der Polizei beinahe in flagranti beim Zündeln erwischt wurde, weil ein verständnisvoller Richter der Ansicht ist, dass wenige Meter Abstand vom Auto mitten in der Nacht, mit keinem andern Menschen weit und breit ausreichen, um hinreichende Zweifel an der Täterschaft der festgenommenen Person aufkommen zu lassen, scheint es jede Menge Leute zu geben, die sich nach Berlin aufmachen, um Autos abzufackeln. Zu den 140 …

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  21.08.2011   +Feedback

Mit Ruprecht Polenz gegen den Terror

Jennifer Nathalie Pyka

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), ist wahrlich ein fleißiger Politiker. Zuhause in Münster kämpft er für die B 51, in Berlin für eine faire Integrationspolitik, in Brüssel für Europa, in Istanbul für den EU-Beitritt der Türkei und in Somalia gegen den Hunger. Soviel Engagement ehrt ihn, zweifellos. Wenn er dann noch Zeit hat, unterhält er seine über 4000 Mann starke Facebook-Gemeinde und pflegt Dialoge aller Art. Friedliche Dialoge führt Polenz zumeist mit Sunniten, Schiiten und Aleviten, kritische Dialoge mit allen, die seine Gesprächstherapie für wenig fruchtbar halten. Dialoge mit Leuten wie Thilo Sarrazin, Geert Wilders und Henryk M. Broder hält der engagierte CDU-Mann hingegen für überflüssig, weshalb er in solchen Fällen lieber mahnend monologisiert. Stattdessen sinniert er immerhin über Strategien, mittels derer man den globalen Terrorismus endlich mal in den Griff bekommen könnte. So geschehen z.B. heute, als er im …

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  20.08.2011   +Feedback

Brüller aus der Nische. Die Junge Welt und andere Sachwalter des Kommunismus

Am 13. August, dem Tag, an dem Deutschland der Opfer der Mauer in Berlin gedachte, produzierte eine Zeitung eine der wohl hässlichsten Schlagzeilen in der Pressegeschichte unseres Landes. Die Junge Welt titelte mit einem Bild einer sogenannten Arbeiterkampfgruppe und einem Dankeschön für 28 Jahre Mauer.

Damit fiel das Blatt nicht zum ersten Mal durch seine Neigung zum provokativen Dissens im vereinigten Deutschland auf. Es handelt sich um die ehemals auflagenstärkste Zeitung der DDR, in der Sprache des Kommunismus , um das Zentralorgan der FDJ, die Freie Deutsche Jugend. Das war die Jugendorganisation der SED, in der allgemein die Zwangsmitgliedschaft herrschte.

Dass es die „Junge Welt“ heute noch gibt, hat mit den Seltsamkeiten und Ungereimtheiten der deutschen Vereinigung zu tun. Nach der weitgehend friedlichen Revolution im Osten Europas und in der DDR selbst, wollte man den Frieden des Integrationsprozesses nicht gefährden. So konnten auch der ehemalige Apparat …

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