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Auslese



  11.03.2010   +Feedback

Bundesrat mit Nebenwirkungen

Homöopathie ist Voodoo-Medizin aus Wasser und Zucker. Die Schweiz verankert diesen Aberglauben im staatlichen Gesundheitswesen.

Dürfen Ärzte im Rahmen des staatlichen Gesundheitswesens den Patienten «Medikamente» verschreiben, die bloss aus reinem Wasser oder Zucker bestehen? Dürfen Homöopathen den Leuten Wasser und Zucker als Heilmittel andrehen und über die obligatorische Grundversicherung abrechnen? Da dies eine heikle Frage ist, erstaunt es nicht, wenn sich Interessenvertreter aus dem Parlament heimlich beraten, wie man Wasser und Zucker trotzdem als «Medikamente» verkaufen könnte. Peinlich allerdings wird es, wenn unser Gesundheitsminister Didier Burkhalter, wie die Nachrichtensendung «10 vor 10» aufgedeckt hat, ebenfalls zu einem Geheimtreffen mit Komplementärmedizinern einberuft. Denn es ist ein offenes Geheimnis: Die allermeisten homöopathischen «Medikamente» sind so stark verdünnt, dass in den Wässerchen mit absoluter Sicherheit kein einziges wirksames Molekül mehr enthalten ist.
Auch wenn die Politiker dies noch nicht bemerkt haben, für die Homöopathie wurde am 22. Februar 2010 …

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Kategorie(n): Ausland  Wissen 


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  11.03.2010   +Feedback

Wie viel Balkan verträgt die EU?

Am 20. März soll eine Konferenz in Slowenien sich mit dem sogenannten Westbalkan beschäftigen. Sie wird von Slowenien und Kroatien gemeinsam ausgerichtet, ihre Durchführung ist aber schon wieder infrage gestellt. Serbien und der Kosovo können sich nicht darauf einigen, unter welchen Bedingungen sie sich an einen Tisch setzen wollen. Kosovo will als unabhängiger Staat in Erscheinung treten, Serbien aber möchte die Separatistenrepublik als UN-Protektorat begrüßen dürfen.

Nun ist es aber so, dass irgendwie beides zutrifft, wenn man Status und Praxis zum Vergleich nimmt. Der Kosovo ist mittlerweile von 65 Staaten anerkannt, aber ohne die Unmik ginge in Prishtina wahrscheinlich gar nichts. Durch die Kosovo-Unabhängigkeits-Deklaration wurde der Kriegszustand beendet, aber darüber hinaus nicht mehr viel auf den Weg gebracht. Das aber ist das allgemeine Dilemma des ehemals jugoslawischen Raumes. Der Krieg wurde beendet, seine Ursachen aber, und die ungelösten Fragen, die zu den Ursachen führten, bestehen weiterhin. Die einzelnen …

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Kategorie(n): Inland  Ausland  Kultur 


  11.03.2010   +Feedback

Sarrazin weist den Weg

Thilo Sarrazin bleibt der Meister der politischen Unkorrektheit. Er hat zwar seine Epigonen. Roland Koch ("Arbeitspflicht für Hartzer"), Guido Westerwelle ("Schnee schippen") und neuerdings auch seine Parteifreundin Hannelore Kraft ("Straßen reinigen"). Doch er macht allen etwas vor. Keiner hat seinen Output und keiner erreicht seine Eleganz in der Themenwahl.

Damit meine ich nicht seinen Vorschlag an die ärmere Bevölkerung, bei Strommangel kalt zu duschen. Das war kein Florett sondern ein Krummschwert. Zumal der weltgewandte Provokateur wissen sollte, dass man Kaltduschen allenfalls englischen Prinzen auf ihren Eliteinternaten zumuten darf. (Und da wir gerade in England sind: Hier zieht man auch gelegentlich bei Kälte daheim einen Pullover an, weil die undichten antiken Fenster den Ostwind nahezu ungebremst in die stilvollsten Wohnungen hineinblasen lassen. Da nützt auch der viktorianische Kamin wenig, wie der altenglische Kaminwitz belegt: “Vorne schwitzt man und hinten klappert man mit den Zähnen.” Aber das nur am Rande.) …

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  10.03.2010   +Feedback

Schalom, Frau Pau!

Sie sind doch eine Gute. Sie haben eine kritische Haltung zur DDR und auch einen klaren Blick auf die Mißstände in der Bundesrepublik, vor allem wenn es um Antisemtismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus geht. Wo immer der toten Juden gedacht wird, sind sie dabei, mahnen zur Wachsamkeit und Zivilcourage, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Sie haben am 28. Mai 2008 im Bundestag eine Rede zum 60. Jahrestag der Gründung Israels gehalten, in der Sie u.a. gesagt haben:

“Wer das Existenzrecht Israels in Frage stellt, rüttelt am Lebensrecht von Jüdinnen und Juden. Das ist letztlich die logische Konsequenz gerade aus der deutschen Geschichte. Deshalb sollte es im Deutschen Bundestag fraktionsübergreifend keinen Zweifel geben: 60 Jahre Israel ist auch für uns ein wichtiges Jubiläum. Shalom.”
Kurz zuvor haben Sie als Repräsentantin der Bundesrepublik und Ihrer Partei an einer

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Kategorie(n): Inland 


  10.03.2010   +Feedback

Teil 2: Idioten West - Die Sache mit der Verallgemeinerung

Der Plural der Idioten

Im zweiten Teil soll es um einen Import einer sprachlichen Besonderheit - diesmal in die andere Richtung - von West nach Ost gehen. Es geht dabei um einen entscheidenden Schritt, der auch für das Schnabeltier nicht so einfach ist. Dazu wollen wir uns zunächst an ein Gedicht von Robert Gernhardt erinnern:


Das Schnabeltier, das Schnabeltier

vollzieht den Schritt vom Ich zum Wir.

Es spricht nicht mehr nur noch von sich,

es sagt nicht mehr: „Dies Bier will ich!“

Es sagt: „Dies Bier,
das wollen Wir!“

Wir wollen es, das Schnabeltier!


Wie geht dieser Schritt vom Ich zum Wir? Politisch gesehen ist es der erste Schritt zum Sozialismus, vom Individuum zum Kollektiv. Grammatisch gesehen geht es um die Frage der Pluralbildung. Und wie machen wir das in Deutschland? Im Osten konnte man …

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  10.03.2010   +Feedback

Teil 1:  Idioten Ost - Die Sache mit dem Privateigentum

Der Genitiv der Idioten

Der „Genetiv der Idioten“, auch „Doofen-Apostroph“ - wie in „Holger’s Bistro“ - wird allgemein beklagt, belächelt und bespöttelt, in manchen Restaurantempfehlungen sogar mit einem Punktabzug in der B-Note berücksichtigt. Er hat inzwischen den Westen erreicht und erfolgreich unterwandert. So findet sich etwa am Mexico-Platz, was immer im Westen Berlins war, das „Bahnhof’s Bistro“, das bestimmt auch ohne Punktabzug in der B-Note bei einer Restaurantempfehlung nicht gut weg kommen würde.

Eine eindrucksvolle Sammlung findet sich als Apostrophen-Alarm im Internet. Da zeigt sich dann allerdings auch, dass es sich nicht ausschließlich um ein Problem im Umgang mit dem Genitiv handelt, sondern ebenso mit der Pluralbildung, womit uns eine Brücke geschlagen wird zu den „Idioten-West“ aus dem Teil 2. Und es zeigt sich auch, dass gelegentlich zu schnell gelacht wird. Da haben sich nämlich Beispiele eingeschlichen, bei denen der Apostroph als Auslassungszeichen durchaus seine Berechtigung …

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  07.03.2010   +Feedback

Kein Land für Zimperliche

Mit Sissy Hewson auf Reisen

Jetzt voller Frühlingssehnsucht nach Norwegen zu fahren ist etwa so absurd, wie bei einer Hitzewelle in der Saunakammer zu sitzen. Aber genau das blüht (die Sehnsucht nach Frühling kommt durch) Journalisten, die das Sonderbare suchen. Nun denn.

In Norwegen anzukommen, genauer, in Oslo, hat etwas romantisch-„Hinterwäldlerisches“: Man fliegt über Wälder und eingestreute Häuschen, kommt tiefer und tiefer, näher und näher, und noch immer kein Anzeichen von Vorstädten, dichter werdender Besiedlung, Industrieanlagen gar oder Autobahnkreuzen: Nichts, außer Wald und Wald und wieder Wald. Jetzt gerade (und viele Monate des Jahres) verschneiter Wald. Und dazwischen weiße Bänder und Flecken: zugefrorene Flüsse und Seen.

Ist man gelandet, ist die Welt wieder in Ordnung. Der Flughafen präsentiert sich wie viele andere auch, die Stadt am Fjord, einst Christiania genannt, ist überschaubar und nett und nicht, wie man gehört hat, potthässlich. Allzuviele Schlösser und …

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  07.03.2010   +Feedback

Ceausescu amnestiert postum

Letzte Woche in Kopenhagen. Auf dem 20. Stock eines Hotels gelangt ein Mann in ein Zimmer, weil die Tür offen steht. Er hat eine Eisenstange dabei, und ein Messer. Als ihm die Bewohnerin des Zimmers, eine norwegische Stewardess, entgegentritt, schlägt er so lange mit der Eisenstange auf sie ein, bis ihr Körper leblos am Boden liegt, um anschließend noch mit dem Messer zuzustechen.

Der Mann geht anschließend ins Bad, um sich die Blutspuren von den Händen zu waschen und die Kleidung notdürftig zu säubern. Er verlässt das Zimmer, als sei nichts gewesen. Er begibt sich ins Hotelcasino und trinkt dort ein Bier. Der Taxifahrer, der ihn anschließend gefahren hat, sagt, der Mann sei höchst redselig gewesen und habe sogar noch die Fahrt verlängern wollen, um sich mit dem Fahrer weiter zu unterhalten. Dieser aber habe abgelehnt.

Der gesprächige Mann, der sich inzwischen der schwedischen Polizei gestellt …

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