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Auslese



  17.03.2010   +Feedback

Leipzig liegt nicht am Meer

Morgen beginnt die Leipziger Buchmesse, und morgen wird man uns auch verraten, wer von der Shortlist den Preisträger geben wird. Ehrlich gesagt, es interessiert mich nicht wirklich. So muss ich auch gar nicht warten, bis morgen der Roman der Messe gekürt ist, und mich auch nicht an den Spekulationen, warum es nun dieser geworden ist, und nicht jener andere, obwohl es doch auch der andere hätte sein können, beteiligen.

Mich interessiert ein ganz anderes Buch, das dieser Tage erschienen ist, ohne auf die Shortlist zu kommen, und es auch nicht nötig hatte, man kann es ja auch so lesen. Die Rede ist von Hans Joachim Schädlich’s „Kokoschkins Reise “. Kokoschkin, der Held, ist ein Exilrusse und Amerikaner. Was interessiert mich an einer solchen Person?

Nun. Kokoschkin ist nicht einfach nur eine literarische Figur, er ist der Sohn eines real existierenden russischen Politikers. Sein Vater war führend …

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  15.03.2010   +Feedback

Es muss nicht immer Krebs sein

Auf den Bestsellerlisten hat sich eine neue Gattung des Bekenntnisbuches etabliert, die man am besten als Mitleidsliteratur bezeichnet und die eine Erkrankung oder Disposition, die früher dem diskreten Gespräch mit dem Therapeuten vorbehalten geblieben wäre, für die interessierte Öffentlichkeit möglichst anschaulich, um nicht zu sagen “schonungslos” aufbereitet. Jüngster Zugang zu diesem Genre ist die Kommunikationswissenschaftlerin und Anne-Will-Freundin Miriam Meckel mit ihrem Buch “Brief an mein Leben”, das bei “Amazon” gleich am Erscheinungstag auf Platz 10 stieg.

Es muss nicht immer Krebs sein, lernt man dabei, um mit seiner Leidensgeschichte erfolgreich auf den Markt zu treten, es reicht schon, dass man beim Packen einen Weinkrampf bekommt und die E-Mails im Computer nicht mehr öffnen kann. Früher hätte man von einer hysterischen Episode gesprochen und strenge Bettruhe verordnet, heute wird daraus eine Krise, die einem erst einen Buchvertrag und dann “Spiegel”-Gespräch und Feuilleton-Aufmacher in der FAZ eintragen. “Nichts geht mehr. …

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Kategorie(n): Kultur 


  14.03.2010   +Feedback

An der Nazi-Grenze

Die Nazi-Grenze hat in Bremen einen kräftigen Ruck zur Mitte hin gemacht. Als nazistische Grenzüberschreiter sind sowohl Außenminister Guido Westerwelle (FDP) als auch der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (noch SPD) ausgemacht worden. Von wem? Vom langjährigen Stern-Reporter und früheren Pardon-Redakteur Gerhard Kromschröder.

In einer Laudatio auf die (an dieser Entgleisung sicherlich unschuldige) Weser-Kurier-Redakteurin Christine Kröger sprach Kromschröder laut eben dieser Zeitung von den “Nazis in Nadelstreifen, den Westerwelles und den Sarrazins, mit ihrem rassistischen Gebrabbel und ihren populistischen Hartz-IV-Tiraden...”

Von mir aus soll er sowas sagen. Wir leben in einem freien Land. Ich hätte mir aber auch den einen oder anderen Widerspruch vorstellen können. Es wird ja nicht jeden Tag ein deutscher Außenminister zum Nazi erklärt. Aber bitte sehr.

Was mir Sorgen macht, ist dies: Wenn Westerwelle und Sarrazin Nazis sein sollen, dann wird der Pfad der politischen Tugend in unserem Land sehr, …

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  14.03.2010   +Feedback

Erlangen ist eine Reise wert

Falls Sie es gar nicht mehr abwarten können, bis es mit dem Wochenendseminar für Einsteiger und Einsteigerinnen in Sachen Islamophobie und Antisemitismus losgeht, empfehlen wir Ihnen als Einstieg in den Einstieg die Teilnahme an einer “Fachtagung” in Erlangen über Vorurteile und Ressentiments gegen Muslime. Für nur fünf Euro bekommen sie fünf Referenten zu hören, dazwischen Kaffee und am Ende ein warmes Abendessen. So günstig können Sie einen ganzen Tag nicht einmal bei der Bahnhofsmission in Dortmund verbringen.

Zwei der Referenten gehören zum Kreis der üblichen Verdächtigen: Prof. Dr. Wolfgang Benz, dessen Ruf inzwischen dermaßen gelitten hat, dass ihm nicht einmal die Teilnahme bei Big Brother schaden könnte; und Dr. Sabine Schiffer, die mit dem von ihr gegründeten “Institut für Medienverantwortung” eine Art private Reichskulturkammer ins Leben gerufen hat, die sich vom Original dadurch unterscheidet, dass ihre Empfehlungen an die Medien folgenlos bleiben.

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  13.03.2010   +Feedback

Sagen Sie mal, werter Hajo Schumacher…

...was hat da Ihre ansonsten nicht ganz unhelle Birne jäh verdunkelt? Eine „Ethik-Debatte“ möchte Sie im Medienmagazin „V.i.S.d.P.“ (steht für „Verantwortlich im Sinne des Presserechts“) lostreten? Und zwar aus Anlass der Marginalie, dass der weltberühmte Medienjournalist Stefan Niggemeier, Kolumnendreher und Mitschöpfer des „Bildblog“, sich als Mitautor für das Drehbuch einer strunzdoofen Show verdingt hat, die kürzlich in der ARD als Schleichwerbedauersendung für die Musikindustrie unter dem Namen „Echo 2010“ lief? Obwohl er, dieser Niggemeier, sich doch immerfort als „Wertewart“ aufplustere und für „mediale Reinheit“ einsetze? „Darf ein Medienschaffender,“ fragen Sie im Duktus eines Émile Zola aus Berlin-Mitte, „ein moralisch hoch anspruchsvoller zudem, für Unternehmen arbeiten, über die er hauptberuflich berichtet?“…

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  13.03.2010   +Feedback

Das Zero-Points-Prinzip

Das Volk, der Souverän, hat entschieden: Nach Oslo fährt diesmal Lena Meyer-Landrut. Die Voraussetzungen für den Volksentscheid hat Stefan Raab geschaffen. Er gilt damit als der Reformer des deutschen Grand-Prix-Vorentscheids- Zirkus. Raab hat ihn zum Song Contest geliftet. Er ist nun der Ralph Siegel unserer Zeit, beinahe. Denn Ralph Siegel hatte immerhin eine Nummer eins aufzuweisen, ein Friedenslied sogar, eine deutsche Herzensbotschaft an die damals noch geteilte Welt.

Lena Meyer-Landrut ist immerhin Diplomatenenkelin, und dass sie aussieht wie Nora Tschirner, könnte man sogar als Beitrag zur inneren Einheit Deutschlands werten. Aber wer in Oslo kennt schon Nora Tschirner?

Wer in das Lied, dass die Volksabstimmung gestern passierte, reingehört hat, ahnt es bereits: Unsere Chancen auf den letzten Platz sind auch diesmal ganz gut. Zumal die auserkorene Interpretin wie die Britin Adele singt, denn sie mag, wie sie sagt, den Britpop. Wir übrigens auch. Wir mögen ihn, …

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  12.03.2010   +Feedback

Don’t mention the Völkermord

Waren es 200 000 oder waren es eineinhalb Millionen Armenier? Man weiß es nicht genau. Die Türken haben bei ihrem Völkermord nicht so gut Buch geführt wie wir ordentlichen Deutschen bei unserem.

Und anders als wir geben sie nichts zu. Das hat ja durchaus etwas für sich: Schon als vollkaskoversicherter Autofahrer lernt man für den Fall eines Unfalls: Nichts zugeben. Sonst zahlt die Versicherung nicht.

Ob die Türken aus versicherungsrechtlichen oder aus anderen Gründen ihren Völkermord auch nach fast hundert Jahren nicht zugeben - die Folgen sind leider unschön: Immer wenn westliche Politiker oder Institutionen offiziell sagen, der Mord an den Armeniern sei ein Völkermord gewesen, ist die offizielle Türkei beleidigt. Es werden Botschafter abgezogen, böse Worte werden ausgetauscht, und einige westliche Realpolitiker blicken betreten zu Boden. Denn die halten es bekanntlich mit der Devise: Don’t mention the genocide.

Dieses ungute Hin und Her …

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  12.03.2010   +Feedback

Alltag in Berlin: Ein Betreuer für zehn Obdachlose, ein Lehrer für mehr als dreißig Schüler

Das Lied von den Not leidenden Kommunen, denen finanziell das Wasser bis zum Halse steht, ist immer häufiger zu hören. Besonders schrille Töne schlägt Berlin an, das regelmäßig „Solidarität“ vom Bund einfordert, weil es angeblich nicht mehr sparen kann, als es bereits tut. Wirklich? Da fährt der Chef der Treberhilfe, die ausschließlich von Steuergeldern finanziert wird, mit Wissen der zuständigen Senatsstellen einen 114000 € teuren Maserati als Dienstwagen und die Sache fliegt erst auf, als der Wagen geblitzt wird. Die folgende , von der Öffentlichkeit erzwungene Prüfung ergibt, dass sich der Treberhilfe-Chef neben dem Maserati und weiteren teuren SUVs auch ein Jahresgehalt von 300 000€ aus den reichlich und unkontrolliert fließenden Steuergeldern spendierte.
Der Senat zahlt seit Jahren ohne mit der Wimper zu zucken, die Kostensätze, die von der Treberhilfe verlangt werden, denn eine rechtliche Prüfung, ob diese Kostensätze angemessen sind und ob die Qualitätskriterien, die für die …

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