Archi W. Bechlenberg / 04.10.2017 / 11:49 / 7 / Seite ausdrucken

Zum Tode von Tom Petty: A Rebel with Clue

Ich habe Tom Petty verehrt. Ich liebte seine schlacksige Gestalt, seine fisseligen Haare und seine näselnde Stimme. Er war für mich einer der Ehrlichen im Musikgeschäft: einer, der spielte, weil er es liebte zu spielen und mit seinem Publikum zu interagieren. Petty war einer zum anfassen, und wenn er auf der Bühne sagte „Ich liebe es, hier bei euch zu sein!“ dann konnte man ihm das abnehmen, es war keine Floskel. Noch wenige Tage vor seinem Tod stand er, 66 Jahre alt, in der Hollywood Bowl auf der Bühne, und das hätte er finanziell nach 80 Millionen Platten und ungezählten Livekonzerten ganz sicher nicht mehr nötig gehabt. Er wollte es.

Tom Petty wurde 1950 in Florida geboren. Nach der Highschool begann er professionell Musik zu machen, und nach ein paar Jahren der zunehmenden Bekanntschaft gab es 1974 für seine Gruppe The Mudcrutch den ersten Plattenvertrag. Zwei Jahre später gründete er Tom Petty and The Heartbrakers, und mit dieser Band wurde er auch international bekannt, bin hin in die DDR, wo er 1987 im Treptower Park zusammen mit Bob Dylan auftrat.

1989 erschien sein von Kritik und Publikum euphorisch bewertetes Soloalbum „Full Moon Fever“ mit dem Stück „I won't back down“, das, bereits Jahre lang immer wieder gespielt und gecovered, nach dem islamischen Angriff vom 9. September 2001 zur amerikanischen Widerstandshymne wurde. Petty interpretierte es live mit den Heartbreakers beim Gedenkkonzert an die Opfer am 21. September 2001. Unter den zahlreichen Coverversionen ist zweifellos die Aufnahme von Johnny Cash für sein vielfach ausgezeichnetes Album „American III: Solitary Man” die bewegendste, ja, die endgültige. Danach kann nichts mehr kommen.

Well I know what's right, I got just one life

in a world that keeps on pushin' me around

but I'll stand my ground, and I won't back down

Als Tom Petty zusammen mit Bob Dylan, George Harrison, Jeff Lynne und Roy Orbison die geheimnisumwobende Band „Travelling Willburys“ aufmachte, deren sensationelles Debut-Album 1989 erschien, war er auch für das breite Publikum, das nicht wusste, dass bereits seit Jahren enge Verbindungen zwischen ihm und den anderen Musikern bestand - endgültig auf dem Olymp der Rockmusik angekommen. Noch während der Aufnahmen zu „Traveling Wilburys Vol. I“ starb Roy Orbison mit 52 Jahren an einer Herzattacke und konnte den Millionenerfolg des Albums nicht mehr miterleben. Das Herz war es jetzt auch, das bei Tom Petty nicht mehr mitmachte, am 2. Oktober 2017 ist es stehen geblieben. Wir behalten seine Platten, unsere Erinnerungen an Liveauftritte (viele davon im Internet zu finden), die Bilder seines stets freundlichen bis schelmischen Lächelns und vielleicht den einen und anderen klugen Gedanken aus seinen nie banalen Texten.

Well I won't back down
No I won't back down
You could stand me up at the gates of hell
But I won't back down

Links:

Tom Petty: Learning to Fly

Tom Petty: Traveling Wilburys - Handle With Care

Leserpost (7)
Patrick Dalias / 04.10.2017

11. September. Nicht 9. September.

Stephan Profittlich / 04.10.2017

Die Travelling Willburys Alben sind so voller musikalischer Ideen. Mozart im 20. Jahrhundert.

Mag. Friedrich Kamper / 04.10.2017

Das Beste: Tom mit den Travelling Wilburrys im Zug, featuring “End of The Line”. Der Schaukelstuhl wackelt noch für den toten Roy Orbison. Und Robert Zimmermann darf auch mitsingen.

Rolf Menzen / 04.10.2017

Einer der letzten Großen der 70er und 80er ist von uns gegangen. Ehe die auch noch gehen werde ich mir am Montag die Stones ansehen.

Winfried Sautter / 04.10.2017

Into the great wide open Under them skies of blue Into the great wide open A rebel without a clue Tom Petty wurde mit den Jahren immer besser. Schade, dass er nie in Deutschland getourt ist.

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