Wolfgang Röhl / 24.01.2013 / 00:56 / 0 / Seite ausdrucken

„Zapp“. Vom Schlaf der Gerechten

Wenn ein vorgeblich aktuelles Medienmagazin namens „Zapp“ (NDR-Fernsehen) nicht von Zwangsgebühren finanziert würde, es wäre längst dicht gemacht worden. So lahmarschig kann zu Internetzeiten ja kein privates Medium sein, um an der Mediensau der Woche vorbei zu rennen: Rainer Brüderles angebliche sexuell gefärbte Sprüche gegenüber einer „Stern“-Journalistin. Die Nachricht kursiert seit spätestens Dienstagmittag in der Journaille. Mittwochs, zu später Stunde, serviert uns Zapp stattdessen längliche Marginalien von einer in Bedrängnis geratenen Schülerzeitung der Insel Hiddensee, Uraltes über Entlassungen bei einer Zeitung der „WAZ“-Gruppe oder Pseudokritisches über eben jene Zwangsgebühren, welche Zapp-Redakteure alimentieren.

Die unterdessen längst heftig diskutierte Frage, ob eine Journalistin nach einem Jahr Bedenkzeit mit Dingen rausrücken sollte, die ihr mal off the records im Umgang mit einem Typ wie Brüderle widerfahren sein sollen, ob das womöglich eine Nummer ist, welche auch damit zu tun hat, dass Brüderle just eine ungeahnte Auferstehung in der FDP erfahren hat, sowie die Diskussion darüber (welche bei Medien, die ausgeschlafener als Zapp sind, ebenfalls entbrannt ist), was denn diese Chose für den künftigen Umgang von Politikern und Journalisten bedeutet - mit hübschen Journalistinnen jedenfalls wird kein Politiker, der noch halbwegs gerade stehen kann, ein Gläschen mehr kippen -, dies alles erfährt man anderswo.

Nur nicht im „Medienmagazin“ Zapp. Ruhigen Schlaf, Kollegen.

Leserpost (0)

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können wir meist nur während der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eines Artikels annehmen.

Verwandte Themen
Wolfgang Röhl / 07.10.2017 / 11:56 / 3

Moskau oder Mekka, Hauptsache totalitär

Manch einer ist genervt, wenn er ungefragt in Büchern aufscheint, mit Klarnamen oder verschlüsselt. Einige Betroffene bemühten gar die Gerichte , um aus bestimmten literarischen…/ mehr

Wolfgang Röhl / 28.09.2017 / 06:22 / 17

Die ultimative Revue des Spätmerkelismus

Der Schriftsteller Heinrich Böll (1917 - 1985) ist weitgehend vergessen. Er wird im literarischen Diskurs nur mehr als Nachkriegsschriftsteller geführt, oder, herabwürdigender noch, als Schulbuchautor.…/ mehr

Wolfgang Röhl / 19.09.2017 / 06:24 / 5

Luise Rinser heißt jetzt Sung-Hyung Cho

Zu den fast vergessenen Schandtaten des westdeutschen Verlagsgewerbes der Nachkriegszeit gehört eine Publikation, die 1981 unter dem Titel „Nordkoreanisches Reisetagebuch“ erschien. Und zwar im angesehenen…/ mehr

Wolfgang Röhl / 17.08.2017 / 06:15 / 7

Wolfsrevival: Edle Wilde für grüne Gemüter

soll der geier vergißmeinnicht fressen? was verlangt ihr vom schakal, daß er sich häute; vom wolf? soll er sich selber ziehen die zähne? Seine fulminante…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com