Zana Ramadani (1): Integration in Wilden, Westfalen

Von Zana Ramadani

Ich habe in der christlichen Gemeinschaft in Wilden gelernt, dass ich genauso viel wert bin wie ein Junge, dass es keine Unterschiede gibt zwischen den Geschlechtern. Und ich habe gelernt, dass ich nicht weniger wert bin als ein Christ. Ich gehörte dazu, weil ich dazugehören wollte und sie mich dazugehören ließen. Meine Herkunft oder mein Glaube spielte keine Rolle. Wichtig war, ob ich mich einfügte in die Gemeinschaft und sie mitgestaltete. Das tat ich. Ich war interessiert, wie jedes andere Kind auch. Und wenn meine Mutter mir die Teilnahme an Pfingstfreizeiten – Mädchen und Jungen gemeinsam – nicht genehmigen wollte, dann standen die Jugendleiter oder die Frauen aus dem Dorf vor unserer Tür und baten um Erlaubnis. Ablehnen konnte sie das dann nicht mehr. Die Gemeinschaft holte mich aus der Vergangenheit in die Gegenwart, zeigte mir ihre Werte, das Positive, das Freie. Wie ich leben wollte und heute lebe, dafür lieferten die christliche Gemeinde und die Dorfgemeinschaft das Vorbild.

Umgekehrt musste ich schon nach den ersten Jahren in Deutschland feststellen: Die islamische Gesellschaft kann mir nichts Positives geben, ich verbinde damit ausschließlich negative Eindrücke. Ich bin zwar in eine muslimische Familie hineingeboren worden, aber ich habe mich weder zu dieser Religion noch zu denen, die sie leben, hingezogen gefühlt. Wie auch, wenn ein widerständiges Mädchen wie ich akzeptieren sollte, dass Mädchen nichts wert sind, ihre Cousins und ihr Bruder aber auf Händen getragen werden? Wie auch, wenn Männer Frauen schlagen, weil das Essen nicht warm genug ist? Für gläubige Muslime mag das normal sein, jedenfalls wird es nicht hinterfragt, aber für mich war es das nie. Und weil das alles mit Allah, dem Koran und der Religion begründet wurde, konnte dieser real existierende Islam mich nicht überzeugen.

In einer Großstadt wäre die Familie in islamischen Kreisen gelandet

Ganz anders das, was ich im Religionsunterricht und der Gemeinde erfuhr: Was das christliche Menschenbild ausmacht, sind Nächstenliebe, Barmherzigkeit und der Einsatz für Schwächere. Und so war es gar nicht abwegig, mich später, als junge Frau, der CDU anzuschließen. Das war 2010, nachdem ich die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen hatte. Ich wollte mich politisch engagieren und auf diese Weise der Gemeinde, die mir dieses schöne Leben ermöglicht hat, etwas zurückgeben. Ich war sehr aktiv, durfte schnell in vielen Gremien mitarbeiten, und die anderen Parteimitglieder freuten sich, neben tendenziell älteren Männern auch mal eine junge Frau in der CDU zu haben, eine Migrantin gar, die besonders gut integriert war, die anpackte und zuverlässig kam, wenn man sie rief.

In einer größeren Stadt wäre mein Leben vielleicht anders verlaufen. In der Anonymität ist es schwieriger, Kontakt zu Einheimischen zu bekommen, wirklich aufgenommen zu werden. Auch das Leben meiner Eltern wäre vermutlich anders verlaufen. Meine Mutter hätte sich wohl anderen Kreisen zugewandt, muslimischen. Ich bin froh, dass wir so weit weg vom Schuss lebten und es dort keine in sich geschlossene Community gab. In einer kleinen Gemeinde können auch die Ängstlichen oder diejenigen mit starken Vorbehalten fremden Neuankömmlingen auf Dauer nicht aus dem Weg gehen. Beide Seiten lernen sich schnell kennen und merken, dass wir alle Menschen sind, keine Monster. Deshalb hatten wir in Wilden Glück, pures Glück.

Dabei lebten in unserer Nachbarschaft nicht nur (aber überwiegend) CDU-Wähler, sondern auch NPD-Mitglieder; es gab Familien, die als rechts galten und ihr Kreuzchen schon immer bei dieser Partei gemacht hatten. Bei einigen, mit deren Kindern ich zur Schule ging, saß ich häufig am Mittagstisch. Sie ließen mich nicht spüren, dass ich keine Deutsche war, und sie haben mich nie rassistisch behandelt. Mag sein, dass ich Glück hatte. Ich glaube aber, dass es daran lag, dass viele Vorurteile durch mangelnde Erfahrungswerte entstehen. Ich glaube, sie erkannten an, dass wir uns einbringen wollten. Sie sahen, dass mein Vater schwer arbeitete, wir offen und neugierig waren und ankommen wollten in unserer neuen Heimat. Das kann man nicht von allen Zuwanderern behaupten, gerade nicht in Großstädten, wo es einfacher ist, sein altes Leben fortzusetzen, wo es leichter ist, mit der Muttersprache durchzukommen, weil sich in ganzen Vierteln Parallelgesellschaften gebildet haben.

Auszug aus dem Bestseller Die verschleierte Gefahr. Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen von Zana Ramadani. Ein weiterer Auszug ist morgen hier zu lesen.

Zana Ramadani, geb. 1984 in Skopje (Mazedonien), war Mitbegründerin von FEMEN Deutschland und ist heute Mitglied der CDU. Die Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte studierte Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft und Soziologie. Sie setzt sich für Menschen- und besonders Frauenrechte ein, dreht Reportagen und Dokumentarfilme, hält Vorträge und Workshops und ist Landesvorsitzende Berlin des „Deutschen Staatsbürgerinnen-Verbandes e.V.“ (ältester Frauenrechtsverband in Deutschland) und aktives Mitglied bei Terre des Femmes.

Foto: Joerg Schulz /Chuck Knox Photography

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Leserpost (7)
Udo Lattek / 10.06.2017

Was ist das eigentlich mit dieser kranken Sitte der Muslime, die Frau so dermaßen unter der Knute zu halten, dass sie praktisch alles über sich ergehen lassen muss/darf/schön finden soll ? Was ist das für eine Psychopathologie, die da hinter steckt ?  Erst jetzt wieder, dieser kranke, eifersüchtige Asylsuchende (!) in Senftenberg, der seine Frau, fünffache Mutter - erst durch ein Klofenster aus dem 1. OG stößt (in der Welt stand was davon, dass er vorher auf sie eingestochen hatte), auf dass sie sich beim Absturz sämtliche Knochen brechen soll, um sie dann schlussendlich AUF OFFENER STRAßE abzuschlachten wie ein Schaf… Und dann unsere Kuscheljustiz (Knäste voll, kulturfremd, bildungsfremd, war auf Droge, traumatisiert etc etc rhabarber rhabarber…) -  13 (!) Jahre dafür… Es kommen für wahr lustige Zeiten auf die schon länger hier lebenden zu. Aber ganz offensichtlich stört es die Alten in unserem Lande nicht. Die Alten wählen ja stramm die Vorturnerin A. M. und ihre Zuträgerparteien. Und sie weiß und kann sich auch darauf verlassen, dass des Deutschen größte Angst ist, sich ja nicht mit der braunen Soße zu beschmieren.

Martin Wolff / 10.06.2017

Voruteile entstehen auch durch schlechte Erfahrungen. Wer will schon mehrmals in die gleiche Falle tappen?

Michael Lorenz / 10.06.2017

Hochachtung vor dieser Frau, die eindeutig mehr für das Zusammenleben hier im Land tut als die meisten - ja, wie sage ich es politkorrekt - ‘jener, die schon länger hier leben’? - mich selbst eingeschlossen. Denn wer kann es sich schon beruflich/gesellschaftlich leisten, beispielsweise die völlig richtige Forderung ihrer Organisation ‘Terre des Femmes’ zu verbreiten, Kopftücher für Mädchen unter 18 Jahren in der Schule zu verbieten? Aber, so traurig das ist: hier passt wirklich der Begriff “Einzelfall”! Der Nicht-Einzelfall sind dann diejenigen, die (Achtung, nun kommt es sowas von politkorrekt!) für die Türkei-Wahl wahlberechtigt waren und zu 60% Erdogan ihre Stimme gaben.

Heiko Stadler / 10.06.2017

Als Zana Ramadani in die CDU eintrat, gab es die AfD, die sie sicher mit offenen Armen aufgenommen hätte, noch nicht. Ramadani hat sich inzwischen von den FEMEN distanziert, da sich diese mittlerweile mehr für Gender als für Frauenrechte interessieren.

Annett Schüler / 10.06.2017

Ich kann Frau Ramadani nur beglückwünschen zu ihrem Lebensweg in Deutschland. Hier sei aber die Anmerkung erlaubt, dass Frau Ramadani in Mazedonien, das damals noch ein Teil Jugoslawiens war, geboren wurde. Ein damals kommunistischer Satellitenstaat, in dem wie in allen kommunistischen Satellitenstaat Religion für die Definition der Gesellschaft keine Rolle spielte. Frau Ramadani stammt nicht aus einem Land im nahen Osten. Das wird in diesem Artikel leider nicht deutlich benannt.

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