Marisa Kurz / 11.05.2017 / 06:00 / 0 / Seite ausdrucken

Wissenschaftlich bewiesen: In München 90 Prozent Muslimfeinde

Die Abendzeitung München (AZ) berichtet in einem aktuellen Artikel über die Ergebnisse einer Studie, die Soziologen der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) durchgeführt haben. In dem Beitrag der AZ heißt es:

"Fast die Hälfte der über 18-jährigen, deutschsprachigen, repräsentativ befragten Münchner hat Muslimen gegenüber eine mittlere (31 Prozent) oder starke Feindschaft (18). 38 Prozent bescheinigt die Studie noch eine "schwache gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" in Bezug auf Muslime. Das bedeutet: Lediglich 12 Prozent der Befragten haben keinerlei Vorbehalte gegenüber Menschen dieses Glaubens – nur knapp jeder Zehnte."

In der repräsentativen Umfrage, an der 645 von 1,3 Millionen Münchner teilgenommen haben, sollten die Befragten ihre Zustimmung bzw. Ablehnung zu folgenden drei Aussagen zum Thema Muslime angeben:  

"Die muslimische Kultur passt gut nach Deutschland"
"Die Sitten und Bräuche des Islam sind mir nicht geheuer"
"Es gibt zu viele Muslime in Deutschland"

Wer der Meinung ist, dass die muslimische Kultur - etwa die Steinigung von Frauen, die den Fehler begangen haben, sich vergewaltigen zu lassen – nicht nach Deutschland passt und wem die Bräuche des Islam – etwa die Tötung Ungläubiger oder Schwuler – nicht einleuchtend sind, wird in dieser Studie als Muslimfeind identifiziert.

Muslimenfeindliche Menschen, so die Autoren der Studie, „empfinden Bedrohungsgefühle und haben ablehnende Einstellungen gegenüber der Gruppe der Muslime, ihrer Kultur und ihren Aktivitäten.“ Die Autoren der Studie verwenden für die Definition der „Muslimfeindlichkeit“ das bekannte Konzept der "Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit". In der Studie schreiben sie: "Die zugrundeliegende Definition für GMF lautet: Menschen werden aufgrund ihrer vermeintlichen oder tatsächlichen Zugehörigkeit zu einer Gruppe als ungleichwertig eingestuft."

Gruppenbezogen menschenfeindlich ist nach dieser Definition übrigens jeder, der etwas gegen Neonazis, Kinderschänder oder Mörder hat. Und jeder, der etwas gegen "Achse des Guten"-Leser wahlweise Süddeutsche-Zeitungsleser, Eurokritiker oder Eurobefürworter hat. Und so weiter und so fort. Was diese Studie misst, ist – wie so oft in den Sozialwissenschaften – keine objektiv feststellbare „Muslimfeindlichkeit“, sondern das, was die Autoren als solche definieren. Die Studie misst das, was die Autoren messen wollen.

Auch die Abneigung gegenüber Flüchtlingen wurde in der Studie untersucht. Die Autoren werteten unter anderem eine Zustimmung zu der Aussage "Für die Zahl aufgenommener Flüchtlinge sollte eine Obergrenze eingeführt werden" als "Abwertung von Flüchtlingen". Die Autoren der Studie gehen allerdings davon aus, dass die Realität noch düsterer aussieht: „Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass nach wie vor in München gruppenbezogen menschenfeindliche Einstellungen in einem nicht zu vernachlässigendem Ausmaß verbreitet sind. Vermutlich wird das tatsächliche Ausmaß abwertender Einstellungen in dieser Studie jedoch unterschätzt. Das liegt zum einen daran, dass Befragte im Durchschnitt dazu tendieren, Antworten zu geben, die sie für gesellschaftlich akzeptiert halten (soziale Erwünschtheit).“

Jetzt, wo diese Abgründe aufgedeckt sind, müssen Taten folgen. Zum Glück wurde die Studie mit freundlicher Unterstützung der Landeshauptstadt München, Fachstelle für Demokratie gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit durchgeführt. Der CSU-Stadtrat Offman schlägt im Interview mit der AZ vor, Führungen durch Moscheen anzubieten. „Der einzige Weg, Menschenfeindlichkeiten abzubauen, ist es, die Menschen persönlich kennenzulernen. Die Moscheen müssen noch offener werden, das Thema muss noch mehr im Gespräch sein.“, sagt er.

Prima, so kriegen wir sie schon, diese Muslimfeinde.

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