Rainer Grell, Gastautor / 02.07.2017 / 15:10 / Foto: Infrogmation / 8 / Seite ausdrucken

Wird die Erde wieder zur Scheibe?

Gott schuf die Welt vor etwa 6000 Jahren. Der irische Theologe und Erzbischof von Armagh (Nordirland), James Ussher, hat als Datum (des Beginns) der Schöpfung Sonntag, den 23. Oktober 4004 v. Chr. errechnet. Genauer geht’s nicht. Wie der Mensch in die Welt gekommen ist, ist dagegen nicht so klar. Schauen wir uns zunächst die christliche Schöpfungsgeschichte an.

Nach Genesis 1, 26 führte Gott offenbar Selbstgespräche, denn er sprach am sechsten Tag, nachdem er gerade die Tiere geschaffen hatte: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei“. „Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib.“ (27) Am Tag darauf, also am siebten Tag, ruhte er aus von allen seinen Werken (Gen. 2, 2).

Doch bald darauf erfährt der überraschte Leser: „Und allerlei Bäume auf dem Felde waren noch nicht auf Erden [obwohl sie bereits am dritten Tag geschaffen worden waren, Gen. 1, 12], und allerlei Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und es war kein Mensch, der das Land bebaute“ (Gen. 2, 5). „Wo warst du, Adam?“, könnte man da mit Heinrich Böll fragen. Doch der gute Adam könnte schwerlich antworten: „Ich war im Weltkrieg“, denn mit wem, außer mit seiner Frau, hätte er kämpfen können? Doch vielleicht hat er genau das gemacht, und beide sind dabei zu Tode gekommen. Es geht das Gerücht, Lilith, die Mutter aller Feministinnen und laut Goethes Mephistopheles Adams erste Frau, habe mit ihm gestritten, wer beim Geschlechtsverkehr oben liegen darf. Eine andere Version, die aber mehr verwirrt als erklärt, findet sich hier. Jedenfalls waren die ersten beiden Menschen nach Abschluss der Schöpfung nicht mehr da. 

Da wurde der Herr erneut tätig

Deshalb sah Gott sich gezwungen, erneut tätig zu werden, „Und Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenkloß [dieses Mal nicht nach seinem Bilde], und er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele“ (Gen. 2, 7). Nun fehlte bloß noch die passende Frau, denn „Es ist nicht gut, daß der Mensch [Adam] allein sei; ich will ihm eine Gehilfin (sic!) machen, die um ihn sei“ (Gen. 2, 18). Na ja, und dann kam die Sache mit der Rippe.

Allah brauchte ebenfalls sechs Tage, um „die Himmel und die Erde und das, was zwischen beiden ist“, zu erschaffen (Sure 50, 38). Doch im Gegensatz zum Gott des Alten Testaments, der nach dem Schöpfungsakt am siebten Tag ruhte, heißt es über Allah: „Doch keine Ermüdung rührte uns an.“ In Sure 41, 9-12 liest man allerdings voller Staunen:

  • „Leugnet ihr etwa den, der die Erde in zwei Tagen erschuf?“
  • „Und er setzte in die Erde feste Berge, die sie überragen und legte Segen in sie. Und ordnete auf ihr ihre Nahrung in vier Tagen in richtigem Verhältnis für alle, die danach suchen.“
  • „So erschuf er sie als sieben Himmel in zwei Tagen, und jedem Himmel wies er seine Aufgaben zu.“

Zwei plus vier plus zwei ergibt acht. Ja, was denn nun?

Ach ja, und was ist mit dem Menschen? „O ihr Menschen! Wir haben euch aus einem Mann und einer Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht“ (Sure 49, 13). „Und wahrlich, erschaffen haben wir den Menschen aus trockenem, tönendem Lehm, aus schwarzem, verarbeitbarem Schlamm“ (Sure 15, 26). Dann hauchte der Allmächtige der Tonform seinen Geist ein (Sure 15, 29). Eine etwas andere Schilderung finden wir in Sure 23, 12-14, wo von „Samentropfen“ und „Gebärmutter“ die Rede ist.

Kleingeistige Regeln von Logik und Klarheit

Merke: Gott ist allmächtig, allwissend und allgütig. Und Allah hat 99 Namen und ebenso viele Eigenschaften. Da gelten nicht unsere kleingeistigen Regeln von Logik und Klarheit. Außerdem: Weder die Bibel noch der Koran verraten uns, wie lang ein Tag nach Gottes bzw. Allahs Vorstellung tatsächlich war: 1 Jahr, 1000 Jahre, 100.000 Jahre? Immerhin findet sich im 2. Brief des Petrus folgender Hinweis (3, 8): „Eines aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, daß ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag.“

Aber jetzt, warum das Ganze? Nun ja, ich geniere mich fast ein wenig, es auszusprechen: Der Präsident der Republik Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, verbietet Evolutionstheorie an Schulen, meldeten mehrere Medien am 24. Juni 2017. „70 Prozent der Türken zweifeln an der Evolutionstheorie – das war das Ergebnis einer Umfrage im Jahre 2012. Darwins Theorie von der Entstehung der Arten sei jungen Schülern nicht zumutbar und solle erst an der Universität behandelt werden, hieß es aus dem türkischen Bildungsministerium.“ Vizepräsident Numan Kurtulmuş ging sogar noch weiter und nannte die Evolutionstheorie Anfang des Jahres „archaisch und veraltet“. Gleichwohl hieß es: Die Evolutionstheorie soll in der Türkei erst an der Universität gelehrt werden, für Schüler sei sie zu kompliziert.   

Ganz so neu ist die Nachricht allerdings nicht. Bereits am 26. Januar dieses Jahres konnte man bei RP Online lesen: Erdogan streicht Evolutionstheorie vom Lehrplan. Nach dieser Meldung sollten die neuen Lehrpläne bereits am 20. Februar in Kraft treten, während dies nach den jüngsten Meldungen erst ab 2019 der Fall sein soll.

Egal, auf jeden Fall tut sich da etwas, das man nicht ohne Staunen zur Kenntnis nehmen kann. Wann wird die Erde wieder zur Scheibe? Und wann dreht sich die Sonne wieder um den blauen Planeten? „Ist der Koran mit der Wissenschaft nicht vereinbar, liegt automatisch die Wissenschaft falsch", erklärt Thomas Eich, Islamwissenschaftler an der Universität Bochum. Saudi-Arabien und Sudan sind da bereits mit gutem Beispiel vorangegangen.

"Biblische Daten sind mythisch aufzufassen"

Moment mal! War da nicht schon früher etwas Ähnliches? Aber ganz woanders? “Be it enacted by the General Assembly of the State of Tennessee, That it shall be unlawful for any teacher in any of the Universities, Normals and all other public schools of the State which are supported in whole or in part by the public school funds of the State, to teach any theory that denies the story of the Divine Creation of man as taught in the Bible, and to teach instead that man has descended from a lower order of animals”. ( Die Generalversammlung des Staates Tennessee hat beschlossen, dass es für jeden Lehrer an allen Universitäten, gewöhnlichen und anderen öffentlichen Schulen, … ungesetzlich ist, die Theorie zu lehren, welche die göttliche Schaffung des Menschen leugnet und stattdessen zu lehren, dass der Mensch von einer niederen Tiergattung abstammt.

So lautete Section 1 des Anti-Evolutions-Gesetzes des amerikanischen Bundesstaates Tennessee vom 21. März 1925, des so genannten Butler Act. Aufgrund dieses Gesetzes wurde der Lehrer John T. Scopes aus Dayton/Tennessee (es gibt in den USA 24 Orte mit diesem Namen; dieser hatte zur Zeit des Prozesses rund 2.000 Einwohner, bei der Zählung im Jahr 2000 waren es 6.180) im so genannten Affenprozess (Scopes Monkey Trial) im Juli 1925 von einer Jury für schuldig befunden und von Richter John T. Raulston zu einer Geldstrafe von 100 Dollar verurteilt. Verteidiger von Scopes war der berühmte Anwalt Clarence Darrow (der den Angeklagten übrigens kostenlos vertreten haben soll). Die Ankläger wurden von dem Fundamentalisten (eine orthodoxe protestantische Sekte) William J. Bryan unterstützt, der von 1913 bis 1915 Außenminister der USA war. Das Urteil wurde später aus formaljuristischen Gründen vom Obersten Gerichtshof des Staates Tennessee aufgehoben; der Butler Act blieb jedoch noch bis zum 31. August 1967 in Kraft. Zu weiteren Anklagen kam es allerdings nicht.

Damit war die Auffassung von der göttlichen Erschaffung des Menschen aber keineswegs ein für alle Mal erledigt. Vielmehr findet sie sich in der Idee vom „intelligent design“ wieder, nach der nur ein intelligenter Schöpfer den Menschen und andere Lebewesen geschaffen haben kann. Vermutlich sitzt die Angst sehr tief, „Gott“ könne am „Jüngsten Tag“, nach der endzeitlichen Schlacht bei Harmagedon (Armageddon), wie sie in der Offenbarung des Johannes beschrieben ist, alle diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die Zweifel an der biblischen Schöpfungsgeschichte gehabt haben. Dabei hat selbst der göttliche Stellvertreter auf Erden, Papst Pius XII. (gestorben 1958), erklärt: „Die biblischen Daten über das Entstehen der Menschheit sind nicht wörtlich, sondern mythisch aufzufassen, und die Erkenntnisse der Evolutionslehre müssen als wissenschaftlich unanfechtbar betrachtet werden.“

Religion schaltet den Verstand aus

Und so konnte SPIEGEL ONLINE am 17.10.2005 berichten:

„Es ist das Gefühl einsetzender Übelkeit, das Ellis Rubinstein bei der Erwähnung von „Intelligent Design’ beschleicht. ‚Ich habe gerade gut gegessen’, grummelt der dreifache Preisträger des ‚National Magazine Awards’ und ehemalige Chefredakteur des Wissenschaftsmagazins ‚Science’. Und da sein Abendessen dort bleiben solle, wo es gerade ist (nämlich in seinem Magen), wolle er sich zu dem Thema lieber nicht näher äußern.“

„Die Szene im altehrwürdigen Hauptquartier der New York Academy of Sciences ist bezeichnend für die Auseinandersetzung zwischen den Anhängern der Evolutionstheorie und den Kreationisten, die in den USA erneut ausgebrochen ist. Nur dass sich die Kreationisten diesmal nicht Kreationisten nennen, sondern versuchen, ihre Idee als ‚Intelligent Design‘ unters Volk zu bringen. Und die geht, grob verkürzt, so: Das heutige Leben ist viel zu komplex, um durch ‚zufällige’ Evolution entstanden zu sein, weshalb eine übernatürliche Intelligenz ihre Finger im Spiel haben muss.

Dass die neuen Kreationisten Gott nicht nennen, obwohl sie ihn meinen, gehört zur Strategie. Und die führte zur wohl geschicktesten und am besten organisierten Attacke auf die Evolutionstheorie, seit Charles Darwin sie in seinem 1859 erschienenen Werk ‚Die Entstehung der Arten’ eingeführt hat. Mittlerweile tobt in den Medien, Museen und Schulbehörden der USA ein veritabler Kulturkampf. Im US-Bundesstaat Kansas hat es Intelligent Design mittlerweile in den Biologieunterricht an staatlichen Schulen geschafft. In 20 weiteren US-Staaten werden derzeit Gesetze diskutiert, die mehr oder weniger deutlich Darwins Theorie in Frage stellen.“

Zwar hat der Supreme Court, der Oberste Gerichtshof der USA 1968, 1982 und zuletzt 1987 entschieden, dass Kreationismus an staatlichen Schulen nichts zu suchen hat - nicht einmal als Ergänzung zur Evolutionstheorie. Alles andere verletze die in der Verfassung garantierte Trennung zwischen Kirche und Staat. Das ändert aber nichts daran, dass die Mehrzahl der Amerikaner sowie 16 Prozent der Lehrer glauben, dass die göttliche Schöpfung ganz real stattgefunden hat. Religion hat eben den gleichen Effekt wie jede andere Ideologie: Sie schaltet den Verstand aus.

Der Trick mit dem "Intelligent Design"

Da hilft es auch nichts, dass sich unter den 20 Top-Universitäten der Welt 17 US-amerikanische Hochschulen befinden. Allein Cambridge, Oxford und die Universität von Tokio können mithalten. Doch während an den Unis Spitzenforschung betrieben wird, erklären manche Biologielehrer ihren Highschool-Schülern, Darwins Evolutionstheorie sei äußerst lückenhaft – und das religiös motivierte „Intelligent Design“ könne die Entstehung der Arten viel besser erklären.

Wie ist das mit der Rechtslage vereinbar? Der Trick besteht darin, dass die Theorie vom "Intelligent Design" eben nicht als religiös beeichnet, sondern für „wissenschaftlich“ erklärt wird: Die Anhänger des "Intelligent Design" streiten keineswegs ab, dass die Erde Milliarden Jahre alt ist und dass evolutionäre Prozesse stattgefunden haben. Doch ihrer Überzeugung nach ist das Leben auf der Erde zu komplex, um durch Mutation und Selektion entstanden zu sein. Sie glauben an eine zielgerichtete Leitung evolutionärer Prozesse – durch einen „intelligenten Designer“. Das Wort „Gott" nehmen sie selten oder nie in den Mund. So versuchen sie, ihrer Lehre einen möglichst wissenschaftlichen Anstrich zu geben.

An Deutschland scheint diese Auseinandersetzung bisher vorübergegangen zu sein. Doch der Schein trügt: Was in den USA ausgebrütet wird, kommt irgendwann auch zu uns, ob es sich nun um Kaugummi, Rockmusik oder "Intelligent Design" handelt. Und so ist es denn auch.

Bisher kann niemand erklären, wie aus der unbelebten Materie im Weltall „Leben“ entstehen konnte. Es gilt immer noch die von Louis Pasteur 1862 aufgestellte These „omne vivum ex vivo“ (Lebewesen entstehen nur aus Lebewesen).

Die Idee, dass das erste Leben auf der Erde von einem (göttlichen) Schöpfer geschaffen wurde, löst das Problem natürlich ebenso wenig, wie die Evolutionstheorie dazu in der Lage ist, denn der Kreationismus und die These vom „Intelligent Design“ werfen ihrerseits die Frage nach der Herkunft des Schöpfers bzw. des Designers auf. Ob es je einen Ausweg aus diesem Dilemma geben wird, kann niemand sagen. Auf jeden Fall kann aus dem Umstand, dass Darwins Evolutionstheorie die Frage nach der Entstehung des Lebens nicht beantworten kann, nicht gefolgert werden, dass deshalb die These des „Intelligent Design“ richtig sein muss.

Die Darwin-Zweifler verstummen nicht

Der hochdekorierte deutsch-amerikanische Biologe Ernst Mayr (gestorben 2005 im Alter von 100 Jahren) hat in seinem Buch „Das ist Evolution“ festgestellt: „Heute ist es eigentlich irreführend, die Evolution als Theorie zu bezeichnen, nachdem man in den letzten 140 Jahren so umfangreiche Beweise für ihr Vorhandensein entdeckt hat. Evolution ist keine Theorie mehr, sondern schlechterdings eine Tatsache.“ Dennoch wollen Leute, die Darwins Erkenntnisse bezweifeln, nicht verstummen.

So hat der Biologe Wolf-Ekkard Lönning, Mitglied der Zeugen Jehovas, vom Kölner Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung auf der Website der renommierten Einrichtung die Evolutionstheorie in Frage gestellt und die These vom „Intelligent Design“ vertreten. Nach Kritik von außen wurden seine Ausführungen (von 1000 Seiten) allerdings entfernt. Wie in den USA, so entspricht es auch in Deutschland „der Taktik der Anhänger von Intelligentem Design, dass sie ihren Schriften einen wissenschaftlichen Anstrich verpassen und sie im Umfeld von Forschungsinstituten präsentieren möchten“.

Das gilt auch für das Werk von Siegfried Scherer und Reinhard Junker „Evolution – ein kritisches Lehrbuch“ (5. Auflage 2001). Allerdings heißt es in einer Fußnote zu Scherer und weiteren Mitarbeitern: „Die in diesem Buch diskutierte alternative Deutung biologischer Daten im Rahmen einer Schöpfungslehre gibt die private Meinung dieses Autor bzw. Mitarbeiters wieder und wird von dessen Arbeitgeber nicht unterstützt.“ Offenbar haben sie sich die Kritik am Verhalten ihres Kollegen Lönning zu Herzen genommen.

„Über Jahrhunderte haben Europäer, Intellektuelle und linke Spinner die Bibel verfälscht, z.B. kamen keine Saurier darin vor”, hieß es in der Dezember-Ausgabe 2010 des Satiremagazins TITANIC. Und weiter:

„Kreationistischen Wissenschaftlern in den USA ist es nun gelungen, den Urtext und die Urbilder wiederherzustellen. Muss die Heilsgeschichte neu geschrieben werden? TITANIC sagt ja – und druckt exklusive Auszüge.”

Hier ist einer davon:

„Jesus sprach: Selig sind die Flugsaurier, denn ihrer ist das Himmelreich; selig die Hirten, denn sie erdulden den Gestank von Tonnen Diplodocuskot; selig der Brontosaurus, denn keiner hält Skripte so wie er … Und Jesus rutschte vergnügt den langen Echsenschwanz hinab in die Menge.” (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP) vom 25. Januar 2011)

„Im Gegensatz zu einer verbreiteten Auffassung stammt der Affe vom Menschen ab, was an seiner fortschrittlichen Haltung unschwer zu beweisen ist“, witzelte Heinz Erhardt (). „Der Affe ist schon vor geraumer Zeit wegen der Umweltverschmutzung und ihrer Folgen auf die Bäume geflüchtet. Von den Baumwipfeln herab hat er eine prächtige Fernsicht. (...) Es ist nur zu wünschen, dass der Fortschritt vom Menschen zum Affen auch weiterhin so stetig bleibt.“

Und George W. Bush plädierte im Sommer 2005 dafür, in den Schulen die Lehre vom "Intelligent Design" und die Evolutionstheorie als "gleichberechtigt" nebeneinander zu vermitteln. 68 Prozent der Anhänger der Republikaner bezeichnen sich als Kreationisten, unter Demokraten und unabhängigen Wählern liegt der Wert immerhin bei 40 Prozent. 2007 eröffnete der fundamental-christliche Verein "Answers in Genesis" (AiG) 2007 im Dorf Petersburg/Kentucky das weltweit erste Creation Museum; Kosten 27 Millionen Dollar. Die Geschichte der Menschheit wird dort so dargestellt: Das Leben begann im Garten Eden, Gott erschuf Eva aus einer Rippe Adams und vor dem Sündenfall lebten die Menschen in Eintracht mit den Dinosauriern (Wikipedia, Stichwort Creation Museum). Wer mehr wissen möchte, wird hier fündig.

Kreationisten auch in Deutschland

Wie Donald Trump zu diesem Thema steht, wissen wir nicht. Sein evangelikaler Vize Mike Pence hat sich am 11. Juli 2002 so geäußert: “The Bible tells us that God created man in his own imagine, male and female. He created them. And I believe that, Mr. Speaker. I believe that God created the known universe, the Earth and everything in it, including man. And I also believe that someday scientists will come to see that only the theory of intelligent design provides even a remotely rationale explanation for the known universe.” / "Die Bibel erzählt uns, dass Gott den Menschen nach seinem Bilde geschaffen hat, Mann und Frau. Und ich glaube das, Herr Vorsitzender. Ich glaube, dass Gott das bekannte Universum geschaffen hat, die Erde und alles auf ihr, einschließlich des Menschen. Und ich glaube auch, dass Wissenschaftler eines Tages erkennen werden, dass nur die Theorie des Intelligent Design eine irgendwie vernünftige Erklärung für das bekannte Universum liefert."

Auch in Deutschland finden kreationistische Ideen immer mehr Anhänger. Glaubt man Ulrich Kutschera, Professor für Evolutionsbiologie an den Universitäten Kassel und Stanford, bekennen sich in Deutschland 1,3 Millionen Menschen dazu (Süddeutsche Zeitung vom 17. Mai 2010).

Man sieht: So allein steht Recep Tayyip Erdoğan mit seiner Initiative nicht. Schon Shakespeare hat uns durch Hamlet hinterlassen: ”There are more things in heaven and earth, Horatio, than are dreamt of in your philosophy.” In der Übersetzung von Friedrich August Schlegel: „Es gibt mehr Ding im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.“

Leserpost (8)
Gertraude Wenz / 03.07.2017

Dem geneigten Leser, der wirklich an diesem Thema interessiert ist, empfehle ich die Bücher des Evolutionsbiologen Richard Dawkins, der sich sachlich, anschaulich und engagiert mit dem Thema auseinandergesetzt hat. In seinem Buch “Der Gotteswahn” (Lassen Sie sich bitte nicht von dem etwas reißerischen Titel abschrecken!) erklärt er sehr klar die Mechanismen der Evolution und auch, warum sich Glaube und Naturwissenschaft NICHT vereinbaren lassen. Ich bin übrigens sicher, dass sich Leben irgendwann künstlich aus toter Materie erschaffen lässt. Vorstufen dazu sind in den Laboratorien der Wissenschaft schon gelungen.

Werner Müller / 03.07.2017

Von den 1,3 Mio Deutschen die sich zu Kreationismus resp. ID bekennen lesen bestimmt auch einige die Achse. Ich bin zum Beispiel einer davon. Ich denke aber, daß meine Toleranz (ich verwende das Wort aus bekannten Gründen nicht mehr gerne)  das aushält. Und ich hoffe und denke, daß auch andere Leser so großzügig sind. Von den Autoren hoffe ich das gleiche,  deshalb auch danke für den Artikel.

JF Lupus / 03.07.2017

Woher das Leben auf der Erde stammt, wie es sich entwickelte, dafür gibt es durchaus bereits wissenschaftliche Erklärungen, zum Beispiel durch Laborversuche in künstlich erzeugter “Ursuppe”, also den Zuständen, die vor Millionen Jahren auf unserem Planeten herrschten, und enormen elektrischen Entladungen (Ur-Gewitter-Simulation). Auch durch die millionen-, ja, milliardenfachen Einschläge von Meteoren kann außer Wasser auch Leben auf die Erde gelangt sein. Ein Gott oder Allah oder sonstwer von “da oben” war jedenfalls daran nicht beteiligt. Wie auch immer, es spielt keine Rolle, woher das Leben stammt, es spielt aber eine entscheidende Rolle, wie man es lebt. Und es spielt eine Rolle, wie die Herrscher unser Leben zu bestimmen versuchen. Derzeit ist das ziemlich mies, denn wir sind einer Diktatur ausgesetzt, die sich als Demokratie tarnt, wir sollen zu Multikulte und bunter Gesellschaft gezwungen werden, unsere Meinungsfreiheit wird eingeschränkt, unnormale Minderheiten werden bevorzugt zu Lasten der Mehrheit und eine mit unseren tradierten Werten völlig inkompatible hasserfüllte Ideologie sollen wir als Religion tolerieren. Ich habe stark den Eindruck, dass die Evolutionstheorie in einem Punkt nicht stimmt: wir entwickeln uns nicht weiter, sondern zurück.

Ortwin Maffay / 02.07.2017

Hallo Herr Grell, es stimmt nicht, dass die Evolutionstheorie keine Antwort auf die Frage nach der Entstehung des Lebens zu bieten hat! Lesen Sie mal Nick Lane: The Vital Question. Absolut faszinierend!

Paul Alexy / 02.07.2017

Ausblenden der Tatsachen und denken nach Wunsch:  Es kann nicht sein, was nicht sein darf.  Praktische, ideologisch gesteuerte Flüchtlingspolitik. Und hier schließt sich der Kreis gem . dem Zitat: “Religion hat eben den gleichen Effekt wie jede andere Ideologie: Sie schaltet den Verstand aus.”  Nach fast 30 Jahren im kommunistischen “Paradies” dachte ich, es ist vorbei. Mein Irrtum.

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