Peter Grimm / 04.10.2017 / 15:27 / 8 / Seite ausdrucken

Wer steht hier dem „Wir“ im Wege?

Die Achse des Guten erzählte in einem Video-Beitrag die Geschichte der Hansens. Sie ist SPD-Ortsvorsteherin und Gemeinderätin, er ist AfD-Kreisvorsitzender. Beide sitzen im Gemeinderat, sind im Dorf vielfältig ehrenamtlich engagiert. Und für sie lässt sich das unterschiedliche Partei-Engagement gut miteinander vereinbaren. Nach dem Beitrag auf Achgut.Pogo meldete sich die Maischberger-Redaktion bei dem Ehepaar aus Norddeutschland. Heute abend sind sie in der Diskussion zum Thema „Tage der Uneinheit – ist Deutschland gespalten?“ zu sehen.

Dem Bundespräsidenten ist - glaubt man seiner allseits gefeierten Rede zum Tag der Deutschen Einheit - am jüngsten Wahlsonntag etwas aufgefallen, das er vorher offenbar nicht bemerken mochte: "Die große Mauer quer durch unser Land ist weg. Aber am 24. September wurde deutlich: Es sind andere Mauern entstanden, weniger sichtbare, ohne Stacheldraht und Todesstreifen – aber Mauern, die unserem gemeinsamen “Wir" im Wege stehen...Ich meine die Mauern zwischen unseren Lebenswelten: zwischen Stadt und Land, online und offline, Arm und Reich, Alt und Jung – Mauern, hinter denen der eine vom anderen kaum noch etwas mitbekommt...Ich meine die Mauern rund um die Echokammern im Internet; wo der Ton immer lauter und schriller wird, und trotzdem Sprachlosigkeit um sich greift, weil wir kaum noch dieselben Nachrichten hören, Zeitungen lesen, Sendungen sehen".

Offenbar erreichen die politischen Verantwortungsträger kaum noch Nachrichten aus den Lebenswelten, die es außerhalb von Parlamenten und Ministerien gibt. Vielleicht war der Genosse Steinmeier in seiner Zeit als Außenminister auch einfach zu beschäftigt, um mitzubekommen, wie schnell mittlerweile Kritiker von unkontrollierter Zuwanderung, EU-Bürokratie und „Euro-Rettung“ als rechtsextreme Fremdenfeinde oder nationalistische Europa-Gegner denunziert werden. Doch die Dämonisierung ging und geht weiter, die Töne werden schriller. Zwischen politisch-korrekter Gesinnung und Nazi scheint es keinen weltanschaulichen Zwischenraum mehr zu geben. Die Erinnerung daran, dass es einst beispielsweise anerkannt demokratische Konservative oder Rechtsliberale gab, scheint ein Positionslicht aus einer fernen Zeit zu sein. So spaltet sich in der Tat das Land.

Gibt es eine Brücke über den tiefen Graben, den der Bundespräsident beklagt? Kerstin und Frank Hansen wären an dieser Stelle die besten Brückenbauer: Sie ist SPD-Ortsvorsteherin und Gemeinderätin, er ist AfD-Kreisvorsitzender. Beide sitzen im Gemeinderat, sind im Dorf vielfältig ehrenamtlich engagiert. Sie leben nicht in den AfD-Hochburgen im Osten, sondern an der Flensburger Förde. Und für sie lässt sich das unterschiedliche Partei-Engagement gut miteinander vereinbaren.

Doch gerade die politisch Aktiven mögen solche Brücken nicht, sondern wünschen sich noch tiefere Gräben. Manch einer von Kerstins Genossen empfahl ihr die Scheidung. Als es Angriffe auf Haus und Autos gab, da erhielt Kerstin Hansen viel Zuspruch, nur nicht von ihrer eigenen Partei. Und die Angriffe gehen weiter. Zu sehen ist das hier auf Achgut.Pogo. Nachdem wir die Geschichte der Hansens erzählt hatten, meldete sich die Maischberger-Redaktion bei ihnen. Heute abend sind sie in der Diskussion zum Thema „Tage der Uneinheit – ist Deutschland gespalten?“ (ARD, 22.45 Uhr) zu sehen.

Foto: Raimond Spekking CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

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Leserpost (8)
Frank Volkmar / 04.10.2017

“Ich meine die Mauern rund um die Echokammern im Internet; wo der Ton immer lauter und schriller wird, und trotzdem Sprachlosigkeit um sich greift, weil wir kaum noch dieselben Nachrichten hören, Zeitungen lesen, Sendungen sehen“ Da fängt doch schon das Problem an, wer “bastelt” sich denn seine Echokammern ? Nach dem was ich speziell seit August 2015 bemerkt habe, waren das nicht diejenigen, die Klaus Kleber als “Zweifler” mit Fremdenfeinden in einen Topf verortet hat, sondern die Ausgrenzer, die alles außerhalb des eigenen Meinungshorizontes “Rechts” verortet haben !

Dirk Jäckel / 04.10.2017

“[...] Sprachlosigkeit um sich greift, weil wir kaum noch dieselben Nachrichten hören, Zeitungen lesen, Sendungen sehen.“ Ich kann diese Einschätzung für mich in keiner Weise teilen. Ich bin von manchen Phrasen doch nicht abgestoßen, weil ich irgendwelchen Krimskrams von Rechtsaußen lese, sondern weil ich mir nach wie vor täglich schlichtlinks-pseudoliberale oder merkelnde Presserzeugnisse antue und entsetzt bin ob des Ausmaßes an sachkennnisfreier Arroganz und ideologischer Borniertheit, die einem dort zuweilen entgegentritt. Davon abgesehen hat mich Steinmeier diesmal eher etwas positiv überrascht (was allerdings nicht schwer war, da ich keinerlei positiven Erwartungen hatte).

Wilfried Cremer / 04.10.2017

Die Leitmedien sind die Spalter, indem sie die Bevölkerung aufhetzen, alle, die nicht auf ihrer Linie sind, als Nazis abzuqualifizieren.

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