Henryk M. Broder / 14.04.2008 / 15:08 / 0

Watzal hat fertig!

Ludwig Watzal, im Hauptberuf Mitarbeiter der Bonner Bundeszentrale für politische Bildung, nach Feierabend „Israelkritiker“ und Verfasser von Beiträgen, die er u.a. auf „campo antiimperialista“ und im „freitag“ veröffentlicht, hat auf seine Homepage eine Mail gestellt, in der er mit dem Tod bedroht wird. Das ist nicht lustig, aber merkwürdig. Wer eine Morddrohung bekommt, ruft die Polizei an, stellt sie aber nicht online, es sei denn, er will Nachahmer animieren.

Es gibt freilich noch eine andere Erklärung. Jedes kleine Würstchen möchte eine dicke Salami sein. Manche schaffen es, andere nicht. Da heißt es, der eigenen Bedeutung ein wenig nachzuhelfen. In den 7oer und 8oer Jahren musste man entweder einen kennen, der einen kannte, der mal einem Mitglied der RAF im Zug die Hand gegeben hatte oder man musste vom Verfassungsschutz abgehört werden, damit man bzw. frau wer war. Heute tuts keiner unter einer Morddrohung, die er als Telefon-O-Ton oder mail-Kopie online stellt, damit auch andere was davon haben. Und dann wird gemutmaßt, wer der oder die Absender sind, die einem ans Fell wollen. So hat der in Bonn und Umgebung weltberühmte Nahostexperte endlich mit Salman Rushdie gleichgezogen, der tatsächlich seit 2o Jahren mit dem Tod bedroht wird. http://www.watzal.com/Absender_gesucht.pdf

Möglich ist aber auch, dass die angebliche (oder auch „scheinbare“) Morddrohung nur ein Trick ist, um Watzals Arbeitgeber moralisch unter Druck zu setzen. Welcher Chef würde es wagen, einen dermaßen bedrängten Mitarbeiter zusätzlich mit Disziplinarmaßen zu überziehen?

Denn Watzal steht das Wasser bis zum Hals. Der Rettungsring, an dem er sich festhält, ist das deutsche Arbeitsrecht, das es jedem Lehrer erlaubt, in seiner Freizeit Versicherungspolicen zu verkaufen und jeder Sozialarbeiterin, nebenbei auf den Strich zu gehen. Watzal weiss, dass er mindestens Besteck in der Kantine der Bundeszentrale für politische Bildung klauen oder eine Praktikantin belästigen müsste, um fristlos gefeuert zu werden. Alles Übrige fällt unter den Satz: „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“.  Und das ist im Prinzip auch eine richtige Regelung, weil man nicht einmal einem Beamten mit Ärmelschonern vorschreiben kann, was er in seiner Freizeit treibt, so lange er es nicht im Namen seines Arbeitgebers tut.

Deswegen kriegt Watzal die Krise, wenn einer seiner Texte mit einer Fußnote erscheint, in der er als Mitarbeiter der BpB vorgestellt wird, was zwar der Wahrheit entspricht, von ihm aber als „Beispiel für unanständigen Journalismus“ empfunden wird, der mit „Tricks, Manipulationen und Diffamierungen“ arbeitet. Dem Paranoiker ist eben alles suspekt, sogar die eigene Existenz.

Ob Watzal ein authentischer Antisemit ist oder nicht, ist dabei völlig irrelevant. Er ist Teil eines Syndroms, das auf den Namen „Antisemitismus ohne Antisemiten“ hört. Es reicht, dass er Texte schreibt, in denen aus jedem zweiten Satz das antisemitische Ressentiment trieft; es reicht, dass seine Texte auf Websites erscheinen, die ganz offen die mörderische Politik der Hamas und der Hisbollah zur Endlösung der Nahostfrage propagieren; es reicht, dass er vom Nahen Osten, über den er so gerne orakelt, keine Ahnung hat und sich immer hinter Leuten versteckt, deren Meinung er nur referiert, mal Uri Avneri, mal Israel Shamir, mal Ilan Pappe und mal Helga Baumgarten. Denn obendrein ist er nicht nur ahnungslos sondern auch feige; wenn es konkret wird, redet er sich damit heraus, er habe ja nur zitiert. Immerhin zeigt er ab und zu Anflüge von Humor. Z.B. wenn er sagt, wie er den Nahostkonflikt gelöst hätte: „My solution to the Israeli-Palestinian conflict was and has been the implementation of international law.“ Zu schade, dass niemand auf ihn gehört hat.

Den Wahlsieg der Hamas fasst er mit den Worten zusammen:
„The Palestinian people showed their ability to establish a second democratic state next to Israel… The West should have been glad but they decided to boykott a democratically elected government because Hamas did not want to recognize Israel, renounce terror and stick to the Road map“. Man weiss nicht, was man mehr bewundern soll: den analytischen Durchblick oder his perfect usage of the English tounge.

Was Watzal zum Verhängnis werden könnte, sind vermutlich weniger seine mediokren Beiträge zum Zeitgeschehen als seine Unterstützer-Gang: eine Koalition aus Halbanalphabeten, Dreiviertelantisemiten und Vollknalltüten, die sich schon alle einschlägig hervorgetan haben. Mit solchen Freunden braucht er keine Feinde.
Watzal hat fertig. Das Einzige, worauf es ihm ankommt, ist die Rente,  auf die er noch ein paar Jahre hinarbeiten muss. Er ist dort angekommen, wo er hingehört: im Wartesaal zum kleinen Glück. Es sei ihm gegönnt.

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