Henryk M. Broder / 06.03.2017 / 15:20 / 9 / Seite ausdrucken

Was macht der Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs?

Als ich zum ersten Mal hörte, dass einige Unis den Studiengang "Holocaust Studies" anbieten, fragte ich mich, was die Studenten in diesem Fach lernen: Wie man einen Holocaust organisiert oder wie man ihm entkommt?

Nun lese ich, dass es einen "Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs" gibt, der seit Dezember 2011 im Amt ist. Und ich habe wieder eine Frage: Was macht der Mann den ganzen Tag? Jagt er Kinderschänder? Kümmert er sich um die missbrauchten Kinder? Oder sorgt er für eine gerechte Verteilung der Kinder-Freunde auf die Bundesländer? Und vor allem: Wie kommt es, dass ich von dem Wirken dieser Einrichtung und ihres Leiters im Zusammenhang mit der Debatte um die "Kinderehen" nichts gehört habe? Fallen Eheschließungen mit Kindern nicht in die Kategorie des Kindesmissbrauchs?

Die Homepage des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs sagt dazu Folgendes: "Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs ist das Amt der Bundesregierung für die Anliegen von Betroffenen und deren Angehörigen, für Expertinnen und Experten aus Praxis und Wissenschaft sowie für alle Menschen in Politik und Gesellschaft, die sich gegen sexuelle Gewalt engagieren." 

Geht es auch ein wenig genauer? Ja. Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs bietet auch eine "Veranstaltungsreihe" an: „Dialog Kindesmissbrauch – Forderungen und Perspektiven“. Es handelt sich nicht, wie Unkundige annehmen könnten, um einen organisierten Dialog von Tätern und deren Opfern, sondern um ein "Forum, das Expertinnen und Experten aus verschiedenen Kontexten zum interdisziplinären Austausch zusammenbringt", denn: "Der Schutz vor sexueller Gewalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe."

Heute ist ja alles eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der Kampf gegen den Alkoholismus, gegen Antisemitismus, gegen Sexismus, gegen Fremdenfeindlichkeit und gegen die Klimakatastrophe. Alles geht alle an. Jeder ist ein potentielles Opfer oder ein potentieller Täter. Und nichts ist wichtiger als der interdisziplinäre Austausch zwischen Experten und Expertinnen aus verschiedenen Kontexten. Aus solchen Blasen entstehen "pädagogische Module", der Rohstoff zahlloser Foren und Konferenzen. 

Aber - der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs fördert nicht nur den interdisziplinären Dialog zum Kindesmissbrauch; wenn Sie sich seine Homepage genauer anschauen, finden Sie da auch den Eintrag zu einem weiteren gesamtgesellschaftlichen Problem: "Nein zu Rechtsextremismus". Ich habe keine Ahnung, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen Rechtsextremismus und Kindesmissbrauch gibt. Aber irgendeine interdisziplinäre Verbindung muss es wohl geben. Raten Sie mal, mit wem der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs kooperiert: Mit der auf den "Kampf gegen rechts" spezialisierten Amadeu Antonio Stiftung! "Gemeinsam mit der Amadeu Antonio Stiftung hat der Beauftragte ein Positionspapier gegen Rechtsextremismus erstellt..."

So wächst zusammen, was zusammen gehört. Rechtsextremismus und Kindesmissbrauch sind zwei Seiten derselben Medaille. Von der Odenwaldschule und ähnlichen Einrichtungen der fortschrittlichen Pädagogik mal abgesehen. 

Leserpost (9)
Heiko Stadler / 06.03.2017

Natürlich gibt es einen Zusammenhang zwischen “gegen Rechts” und der Beratungsstelle gegen Kindesmissbrauch. Eltern, denen Kind Opfer von Missbrauch ist, werden gerne beraten und in jeder Hinsicht unterstützt - sofern sie sich zu linker Gesinnung und “gegen Rechts” bekennen.

Frank Stricker / 06.03.2017

Wieso kennt kein Mensch den “Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Mißbrauchs” ? Ist das so gewollt ?  Der “Beauftragte”  hätte in seinen 6 Amtsjahren reichlich Gelegenheit gehabt sich entsprechend in Szene zu setzen. Gerade die Inflation der Kinderehen hier in diesem Land hätte eine politische Aufarbeitung dringend erforderlich gemacht ! Stattdessen läßt man die Islamministerin, Verzeihung Integrationsministerin, Frau Özoguz mit ihrem abstrusen Weltbild mitVolldampf gegen die Wand laufen.

Bernd Ufen / 06.03.2017

Ganz interessant ist es noch, sich den Beirat dieses merkwürdig inaktiven “Unabhängigen Beauftragten” anzusehen, das führt nämlich zu einem “Aha” Erlebnis. Dort sieht man einen Querschnitt durch das akademische Gutmenschen Prekariat dieser Republik. Einige der Namen dürften wohl auch noch in anderen steuerabgreifenden Institutionen auftauchen.

Uwe Schäfer / 06.03.2017

Wie immer bei solchen Artikeln möchte ich mir einerseits für die wunderbar hinterfotzige Art auf die Schenkel klopfen, muss aber dann, während das Grinsen jäh erstirbt, erkennen: Oh Mann, das ist wahr. Hier wird etwas beschrieben, was es so tatsächlich in unserem Land gibt. Wieder ein Schritt vorwärts auf dem Weg in den irreparablen, grenzenlosen Schwachsinn. Am Ende frage ich mich dann stets wie es eigentlich weiter gehen soll und was unseren Kindern noch alles bevorsteht.

Elmar Schlürscheid / 06.03.2017

Applaus Herr Broder, Sie schaffen es immer wieder mich zum Lachen zu bringen. Reißen Sie weiterhin allen Heuchlern die Maske herunter. Die Politik bräuchte Leute wie Sie, doch ich befürchte die wollen Sie dort gar nicht und hoffe dass Sie sich selbst zu schade dafür sind.

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