Marisa Kurz / 23.09.2017 / 08:40 / 10 / Seite ausdrucken

Was ist denn da los? München pfeift

Freitag vor der Bundestagswahl. Wahlkampffinale von Angela Merkel. Es ist 18:30 als mir einfällt, dass die Kanzlerin an diesem Abend höchstpersönlich auf dem Münchner Marienplatz spricht. Während ich losgehe frage ich mich, ob ich überhaupt noch einen Platz in der Menge finden werde. Wie sich kurze Zeit später herausstellen sollte, eine übertriebene Befürchtung. Denn tatsächlich ist es um 18:50, als ich am Marienplatz ankomme, erstaunlich leer für einen Freitag in Münchens Fußgängerzone zur Ladenöffnungszeit. Nicht zu vergleichen mit einem Samstag vor Weihnachten und schon gar nicht mit der Meisterfeier des FC Bayerns.

Der Bereich direkt vor der Bühne ist abgesperrt. Für wen, das weiß ich nicht. Polizisten, Journalisten, leere Bierbänke – und nur eine Hand voll Merkel-Fans mit Fähnchen. Die eigentliche Party steigt um den abgesperrten Bereich herum: ein Konzert aus Buhrufen und Pfiffen. Und das nicht in der brandenburgischen Einöde, sondern im kultivierten München. Besonders interessant ist, dass die Demonstranten gar nicht nur von rechts kommen: auch Greenpeace und linke Gruppierungen sind anwesend, haben riesige Schilder dabei und machen beim Konzert mit. Merkel wird im wahrsten Sinne des Wortes von links und rechts angegriffen.

Dazwischen viel Polizei, Presse und zufällige Zuschauer (verirrte Oktoberfestbesucher, sonstige Touristen und Menschen, die einfach nur shoppen gehen wollten). Horst Seehofer ruft: „8000 Gäste und 100 Störer“. Merkel erwähnt in ihrer Rede, dass Rot-Rot-Grün noch möglich ist: Wählt mich, damit es nicht noch schlimmer kommt!

Siehe auch:

Münchner Merkur

Süddeutsche

Focus
 
BILD
 
BR
 

Leserpost (10)
Hubert Bauer / 23.09.2017

Wenn man sich im Internet Reden von AfD-Politikern unter freien Himmel ansieht, hört man immer (!) Trillerpfeifen und “Nazis raus”-Rufe. Teilweise werden AfD-Anhänger auch körperlich angegriffen oder ihre Autos angezündet. Das ist allgemein (zumindest Berufspolitikern) bekannt. Kein einziger (!) Politiker der Altparteien hat dagegen auch nur ein Wort gesagt. Einige Politiker der Grünen und Linken haben sogar die Anreise von Störern unterstützt. Es scheint also einen breiten Konsens unter den Politikern der Altparteien zu geben, dass zum Recht der freien Meinungsäußerung auch das Recht gehört, die Meinungsäußerung eines anderen durch pfeifen und brüllen zu unterbinden. Diese Sicht teile ich ausdrücklich nicht. Die AfD hätte sicher kein Problem damit, sich mit den Altparteien darauf zu einigen, dass man Störungen von Veranstaltungen anderer Parteien immer (!) verurteilt.

Dr. Karl Wolf / 23.09.2017

Buhrufe, Pfiffe, immer mehr Morde und Vergewaltigungen, alles prallt an der Teflon-Dame ab.

Frank Stricker / 23.09.2017

Es war auch ein groteskes Bild,  als Herr Herrmann von einem Einpeitscher als “Mr. Sicherheit” angekündigt wurde, nachdem er letzte Woche einräumen mußte, dass die Sexualdelikte in Bayern um 50 % angestiegen waren.

Wilfried Cremer / 23.09.2017

So so, für Sie gibt es nur einen FC in Bayern? Spaß beiseite. Jetzt können wir nur noch abwarten, ob die Bescherung für die “Großparteien” dick und deftig oder donnernd und dramatisch wird.

MICHAEL TEUTOR / 23.09.2017

Merkel muß über die Erststimmen gewinnen. Nicht auszudenken, wenn Rote und Grüne drankämen. Für die wichtige Zweitstimme gibt es eine gute Alternative.

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