Achim Hecht, Gastautor / 14.07.2014 / 08:49 / 6 / Seite ausdrucken

Was hat Israel-Solidarität mit Liberalismus zu tun?

“Was hat das mit Antibürokratie zu tun?” Fragte einer unserer Leser nachdem ich auf unserer Facebook-Seite eine Liste der Demonstrationen unter dem Motto “Stand with Israel” veröffentlichte. Gute Frage. Sie ist berechtigt: Was hat Israel-Solidarität mit dem Antibuerokratieteam zu tun?

Was hat ein demokratischer Rechtsstaat, der von einem faschistischen Regime angegriffen wird, mit einem liberalen Blog zu tun? Was hat es mit Liberalismus zu tun, einen öffentlichen Kontrapunkt zu setzen zu den islamistischen Hetzern, die z.B. in Frankfurt zusammen mit NPD-Nazis und “antizionistischen” Linksextremisten für eine Endlösung der Israel-Frage randaliert haben?

Antisemitismus – und in seiner modernen Form, der “Antizionismus” – war und ist die “offene, terroristische Ideologie der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente der Gegenaufklärung”. Um hier ein Zitat des Kommunisten Georgi Dimitroff, ursprünglich gegen den Kapitalismus gewandt, leicht abgewandelt in einen treffenden Sinnzusammenhang zu bringen. Ich selbst, alle unsere Autoren, stehen für die Aufklärung, für den liberalen und säkularen Rechtsstaat. Das hat es damit zu tun.

Im ehemals zu Ägypten gehörenden Gaza-Gebiet, das Israel 2005 – in einer aus meiner Sicht tragischen Fehleinschätzung der Lage – räumte, hat sich unverzüglich ein Regime etabliert, das elementare Menschenrechte mit Füssen tritt. In Gaza sind Frauen Menschen zweiter Klasse, bekennende Schwule gibt es… aufgeknüpft… zu sehen, Kritiker des Regimes leben ebenfalls unter Todesdrohung. Kinder werden zum Hass auf “die Juden” erzogen. Sowohl das Gaza-Gebiet als auch die “Autonomiegebiete” westlich des Jordans sind Failed States, die am Tropf der UNO und der EU hängen – und am Tropf der Israelis (bzw. der wirtschaftlichen Strukturen, die die vielgescholtenen “israelischen Siedler” dort aufgebaut haben).

Die arabische muslimisch-christliche Minderheit in der lebendigen multikulturellen Demokratie Israel geniesst alle Bürgerrechte. Araber sind im Parlament und im obersten Gericht vertreten. Arabische Kommunen verwalten sich selbst. Arabischstämmige Bürger partizipieren als Arbeitnehmer und Unternehmer am wirtschaftlichen Erfolg der High-Tech-Nation Israel. Ja und – natürlich! ist man geneigt zu sagen – es gibt Integrationsprobleme und Streit. Nicht nur zwischen Arabern und Juden, sondern generell. Araber beschweren sich über den Generalverdacht, unter den sie – manchmal, von einigen – gestellt werden; zurecht. Hunderttausende, Millionen von Bürgern – autochthone Hebräer, Europäer seit Ende des 19. Jahrhunderts und in Folge der Shoah, Russen nach 1991, vertriebene Juden aus den arabischen Nationen, musste und konnte dieses Land integrieren… orthodoxe Juden, liberale Juden, Entrepeneurs und sozialistische Kibbuz-Träumer. Menschen die ihren ur-liberalen Traum träumten und träumen, ihr eigenes Glück zu gestalten, in einer Gesellschaft frei von Unterdrückung und in Frieden zu leben. Sie zoffen sich (manchmal), dass die Fetzen fliegen. Trotzdem – oder deshalb: es ist eine Nation daraus geworden mit einer Meinungsvielfalt und einem toleranten Klima – trotz permanenter Kriegsbedrohung – die ihresgleichen sucht, auch in Europa. Eine Nation, die in Sachen Technologie und Wissenschaft Weltstandards setzt.

Die naiven Trottel – oder bösartigen Hetzer – hierzulande, die vom “Apartheidsstaat Israel” faseln (verzeihen Sie mir das starke Wort) können oder wollen nicht sehen, dass die erste Aktion der Hamas-Faschisten 2005 war, das Gaza-Gebiet “judenrein” zu machen und alle Synagogen nieder zu brennen. Und auch im Herrschaftsbereich der – angeblich – gemässigteren Fatah westlich des Jordans steht auf “Kollaboration” (soll – z.B. – heissen, Land an Juden zu verkaufen…) die Todesstrafe. Ja es gibt Apartheid in der Region: östlich von Jerusalem und südlich von Tel Aviv. Und als Liberaler erlaube ich mir, gegen Apartheid und Faschismus aufzustehen. Überall auf der Welt. Jederzeit.

Die “Äquidistanz”, die viele Libertäre hierzu verbreiten (manche, wie das “antizionistische” Arschloch Sheldon Richman, sind ehrlicher) liegt mir nicht so. Äquidistanz zu Faschisten und Anhängern des – zugegeben – fehlerhaften, sich selbst auf dem “Weg in die Knechtschaft” befindlichen, demokratischen Rechtsstaates? Den Fehler hat schon einmal Ludwig von Mises gemacht, auf den sich das Antibürokratische in unserem Blog-Titel tatsächlich bezieht. Er hat sich korrigiert, später, in der Emigration.

Die deutschen Faschisten wollten eine “Endlösung der Judenfrage” in Europa – wo Menschen jüdischen Glaubens seit 1.500 Jahren lebten. Sie haben versucht, ihr hasserfülltes Programm mit Entrechtung, Mord, Totschlag – schliesslich industriell organisiert mit den modernsten technischen Mitteln, die damals zur Verfügung standen – umzusetzen. Das ist ihnen nicht vollständig gelungen, dank der späten, aber am Ende erfolgreichen, Intervention des freien Westens. 6 Millionen Juden starben trotzdem. Die Hamas und andere radikale Islamisten wollen dasselbe im Nahen Osten. Wo Juden ebenfalls seit mehr als 3.000 Jahren leben.

Adolf Hitlers “Mein Kampf” hat kaum jemand ernst genommen. Mit den bekannten Ergebnissen. Ich nehme die Charta der Hamas ernst:
“Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten; bevor sich nicht die Juden hinter Felsen und Bäumen verstecken, welche ausrufen: Oh Muslim! Da ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt; komm und töte ihn!”
Solidarität mit Israel! Free Gaza! From Hamas.

Leserpost (6)
Hildegard Behrendt / 15.07.2014

Hallo- speziell Herr Fecher,  ja wo leben wir??? Bezüglich der Israelfahne teile ich ihre Gefühle. Jedesmal wenn ich zu einer Pro-Israeldemo per Rad gefahren bin,  hatte ich (zugegeben im Westend) von Anfang an die Israelische Fahne am Rad. Seit kurzem wohnt eine saudische Familie im Haus. Und ich steck die Fahne nicht gleich an, sondern erst “um die Ecke”. Ein Scheissgefühl ist das. Aber nach den unangemeldeten Demos der Terroristenunterstützer und Judenhasser in Berlin, Frankfurt und anderswo ist es wieder soweit. Unsere Polizei wird uns nicht unterstützen! Sie unterstützt eher die Antisemiten. Unsere Regierungen unterstützen mit unseren Steuergeldern die Terroristen im Stillen und mit Worten sehr oberflächlich und scheinheilig Israel. Ich wünschte mir mal soviele Menschen für Israel auf der Strasse wie für Fußball.  Wenn die Menschen begreifen würden, wofür ihre Steuergelder benutzt werden,  würden sie vielleicht. .. Aber solange die öffentlich-rechtlichen und Printmedien dermassen die Wahrheit verdrehen,  sehe ich keine Chance.

Achim Hecht / 14.07.2014

Haben Sie den Beitrag eigentlich gelesen, liebe Caroline Neufert? Oder nur die Überschrift?

Achim Hecht / 14.07.2014

Danke für Ihren Hinweis Henryk. Ich hatte die erste Erwähnung einer jüdischen Gemeinde in Deutschland im Kopf (m.W. Köln im 4.Jhd.), als ich das schrieb. Aber es ist natürlich falsch. Habe es korrigiert im Originalbeitrag.

Caroline Neufert / 14.07.2014

Was hat Stricken mit Fußball zu tun ? Wenn Sie sich “Antibürokratieteam” nennen, wäre es “hilfreich”, sich zu “Bürokratie” und deren Zusammenhänge zu äußern und nicht auf “Nebenschauplätze” auszuweichen. In Ihrem Text die Worte Jude/Israel gegen Muslim/Hamas etc. ausgetauscht und die Herkunft wäre “antisemitisch/antizionistisch”. Libertär oder im deutschsprachigen Raum liberal ist was anderes. Ob Israel und Menschen jüdischen Glaubens solche “Unterstützer” wie Sie brauchen?

Rainer Fechner / 14.07.2014

Der Staat in Deutschland tut gegen den hier randalierenden Mob nichts. Aus einem “zur Deeskalation” in Frankfurt den “Demonstranten” zur Verfügung gestellten VW Bus der Polizei tönt es “Kindermörder Israel”. Seit einigen Tagen trete ich bei Whattsapp mit der Fahne Israels als Logo auf. Was ist schlimm daran? Nichts. Außer,  dass ich mir länger überlegt hatte, ob ich andere damit “provoziere”. Wo leben wir eigentlich?

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