Matthias Küntzel, Gastautor / 06.06.2017 / 14:09 / Foto: USAEC / 2 / Seite ausdrucken

Warum wollte Nasser Israel zerstören? Zur Vorgeschichte des Sechs-Tage Krieges (3)

Von Matthias Küntzel. 

„Es ist Zeit, die Demagogien zu beenden – Krieg mit Israel ist unmöglich!“ So lautete im März 1965 die Botschaft des tunesischen Präsidenten Habib Bourguiba an die arabische Welt. Die palästinensischen Araber sollten einen moderaten und flexiblen Ansatz verfolgen, einschließlich der Anerkennung des jüdischen Staates in den vom UN-Teilungsbeschluss von 1947 festgelegten Grenzen. Araber und Israelis würden „nach der Abkehr vom Hass in Harmonie miteinander leben können“, argumentierte Bourguiba. „Die palästinensische Frage erfordert eine friedliche Lösung ohne Sieger und Besiegte.“

Ein Freund des jüdischen Staates war Bourguiba nicht. Er sah in Israel eine imperialistische Macht und ermutigte palästinensische Araber, ins israelische Territorium zurückzukehren, um ihren Guerillakrieg von innen zu führen. Sein Vorschlag folgte einem humanitären Impuls. Erschrocken über das konkrete Leid palästinensischer Araber, das er im März 1965 in einem jordanischen Flüchtlingslager sah, drängte er auf praktische Ansätze, das Los der Flüchtlinge zu verbessern und bot sich als Vermittler in Verhandlungen zwischen Israel und den Flüchtlingen an. Er signalisierte, dass er bei dieser Vermittlung Gamal Abdel Nasser, den ägyptischen Präsidenten, gern an seiner Seite hätte.

Für Nasser galt Bourguibas Ansatz jedoch als Verrat. Der Präsident Tunesiens vertrete in seinen Erklärungen „die gleichen Positionen wie Israel und die imperialistischen Länder, die Israel stärken“, klagte Nasser 1965 in seiner Rede zum 1. Mai. Hier geht es weiter.

Foto: USAEC via Wikimedia

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Leserpost (2)
Fritz Rosenberger / 06.06.2017

Insgesamt ein großartiger, gut geschriebener und belegter Artikel. Die Haltung der Sowjets unter Chruschtschow: Israel ist so klein, das islamgeprägte Arabien so groß und kraft seines Öls so mächtig scheint auch die gegenwärtige antisemitische Einstellung vieler Linker in Deutschland zu prägen: Biedern wir uns den Arabern an, dann stehen wir auf der Gewinnerseite. Es könnte sein, dass diese Rechnung nicht aufgeht und auch die deutsche Linke ihren Sechstagekrieg bekommt.

Wilfried Cremer / 06.06.2017

Der Vergleich mag zu niedlich sein, oder auch unanständig, aber seit Jahrzehnten erinnern mich die arabischen Versuche, sich an Israel zu vergreifen, an Hunde, die sich die Schnauzen an einem Igel blutig stoßen, immer und immer wieder.

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