Peter Grimm / 08.09.2017 / 15:20 / 8 / Seite ausdrucken

Warum musste Lica sterben?

Wenn sich das Thema Zuwanderung in diesem Wahlkampf wirklich nicht umgehen lässt und es dem jeweiligen Wahlkämpfer darum geht, Entschlossenheit zu simulieren, dann wird gern versprochen, dass künftig abgelehnte und straffällig gewordene Asylbewerber konsequenter abgeschoben würden. Konkreter wird es dann meist nicht, was ja angesichts der in der Realität sinkenden Abschiebe-Zahlen auch nur zu verständlich ist. Lange hält der Vorsatz ohnehin nicht: Sobald es um den Einsatz böser Zwangsmittel wie die Abschiebehaft geht, ist es mit der Konsequenz schnell vorbei. Das möchte man abgelehnten Asylbewerbern nicht antun, sind doch in der mehrheitlich gepflegten Mediensprache alle Zuwanderer heutzutage „Flüchtlinge“ und „Schutzsuchende“. Und so hat die Abschiebehaft in der veröffentlichten Meinung nahezu flächendeckend ein ganz schlechtes Image. „Flüchtlinge“ kann man doch nicht einsperren, nur weil der hartherzige Staat ihnen gegenüber geltendes Recht durchsetzen möchte. Solcher öffentlichen Empathie dürfen sich Einheimische, denen wegen etwaiger Zahlungsverweigerung von Bußgeldern Erzwingungshaft droht, nicht erfreuen. Aber dieser Gedanke hilft Verantwortungsträgern vor Ort wenig, wenn sie im konkreten Fall darüber nachsinnen, ob sie den Ärger riskieren sollen, den sie bekommen können, wenn sie Abschiebehaft beantragen. So können Ausreisepflichtige zumeist noch längere Zeit, vom Staat alimentiert, das Leben in Deutschland genießen.

Nur manchmal kommt die Frage auf, warum dieser oder jener abgelehnte Asylbewerber noch hier ist und warum nicht mehr getan wurde, um seine Heimreise zu erzwingen. Aber das passiert nur, wenn ein Mann, der schon heimgekehrt sein sollte, einen oder mehrere Menschen umbringt. Anis Amri war so ein Fall. Da es sich um einen aufsehenerregenden Terroranschlag handelte, konnten die Verantwortungsträger dieser Frage schlecht ausweichen.

Täter für's falsche Weltbild

Ob sich jemand dafür rechtfertigen muss, dass der 21-jährige Souleymane aus Mali noch im Lande weilt, ist fraglich. Sein Asylantrag war schon nach drei Monaten abgelehnt worden, doch abgeschoben wurde der Mann nicht. So hatte er die Gelegenheit, die rumänische Prostituierte Lica nach dem Sex umzubringen, um sie zu berauben. Die Bild-Zeitung hat jetzt zwar überregional über den Fall berichtet, doch viel mehr öffentliche Aufmerksamkeit wird es vermutlich nicht geben. Niemand wird anklagend öffentlich fragen: Warum musste Lica sterben?

Auf der einen Seite passt ein Täter wie Souleymane ja vollkommen in so manches Vorurteil und nährt den Generalverdacht. Und beides ist bekanntlich böse. Andererseits ist ein Opfer wie Lica den einen nicht genug gesinnungsrelevant und deshalb gleichgültig, für andere ist eine rumänische Prostituierte einfach keine Frau, für die sie Mitgefühl entwickeln mögen. Deshalb wird die Frage, warum Licas Mörder hier noch einen Mord begehen konnte, schnell vergessen sein. Für die meisten Deutschen auf beiden Seiten der in der Zuwanderungsfrage tief gespaltenen Gesellschaft hat es ja wenig mit der eigenen Lebenswelt zu tun, wenn ein Mann aus Mali eine rumänische Prostituierte umbringt. Sie haben ja in der Vergangenheit oft auch die zahlreichen Gewalttaten, die Zuwanderer untereinander in den Asylbewerberunterkünften verübten, weitgehend ignoriert. Doch diese Gewalt bleibt nicht in den Unterkünften.

Auch Souleymane war schon wegen Körperverletzungsdelikten im Asylheim aufgefallen, doch Folgen hatte das nicht für ihn. Vielleicht hat er das fatalerweise auch als Signal verstanden. Fatal für Lica.

Leserpost (8)
Christine Maack / 09.09.2017

Sehr geehrter Herr Grimm, nach dem Bildzeitungsbericht und einigen kurzen Polizeimeldungen in anderen Blättern, sind Sie vermutlich der letzte Journalist, der der armen Lica ein paar Zeilen widmet. Ihr trauriges Schicksal wird bald vergessen sein. Frau von der Leyen beklagte ja kürzlich publikumswirksam in einer Wahl-Sendung, wie “hart und kalt” ihre politischen Gegner über die Flüchtlinge sprächen (guter Tipp ihres PR-Beraters). Ich nehme nicht an, dass die “warmherzige” Frau von der Leyen je etwas von Lica gehört hat oder überhaupt hören will. Man kann am Ende schon froh sein, dass diese widerliche Tat wenigstens nicht noch zu einem"Beziehungsdrama” herabgestuft worden ist.

Ludwig witzani / 09.09.2017

Ein Fall von vielen in einem zerfallenden Staat.

Wolf Köbele / 08.09.2017

Daß über Gewalttaten in den Erstaufnahme-Einrichtungen, im Asylbewerberheim, in der Unterbringung für Minderjährige Asylbewerber /der Begriff Asyl ist nun mal amtlich, wenn auch sachlich falsch) nicht berichtet wird, kann jeder, der Lust hat, auf der Seite der bayerischen Polizei mit Presseberichten aus München nachprüfen. Ich wohne an einer Straße, die zu derlei Unterkünften führt, und alle Tage fahren Überfallwagen der Polizei mit Tatütata in diese Richtung. Im Polizeivericht jedoch sucht man vergebens nach Begründungen für die vermehrte Polizeiaktivität. Da wird suggeriert, es sei quasi alles in Ordnung, bloß einzelne Migranten, die sich in die Innenstadt verirren, begehen Straftaten wie Raub, Vergewaltigung usw.

Günter H. Probst / 08.09.2017

Wenn man fragt, woraus sich die Masseneinwanderung in die europäischen und d. Sozialsysteme speist, so stößt man auf die Übervölkerung in asiatischen und afrikanischen Staaten, die nicht in der Lage sind, den Überflüssigen Arbeitsplätze, Wohnungen, Bildung und Heilfürsorge zu bieten. Also leben diese in Slums, schlagen sich mit Hilfsarbeiten und Kleinkriminalität durch. Für diese Menschen ist die Auswanderung nach Europa, trotz aller Gefahren, außerordentlich attraktiv, weil es dort ohne eigene Leistung, Unterkunft, Unterhalt, Heilfürsorge und Bildung für beliebig viele Kinder gibt. Also kommen nicht die gut Gebildeten und Ausgebildeten, die immer noch einen Arbeitsplatz zu Hause finden können, sondern die Analphabeten, Un- oder Kaumbeschulten, und ohne Berufsausbildung, wie wir sie benötigen. Und selbstverständlich leeren die Ausgangsländer auch gerne ihre Gefängnisse für den Trip nach Europa. Die meisten dieser Einwanderer haben außer dem Drogenhandel kaum Chancen in Europa, lungern rum, saufen gerne, was in islamisch dominierten Ländern schwierig ist, prügeln sich auch gerne, greifen Frauen irgendwohin, und bringen dann die eine oder andere um. Die Gefängnisse hier sind munterer als ein Slum. Und Abschiebung ist ein reiner Propagandabegriff für Besorgte.

Wolfgang Richter / 08.09.2017

Ein weiteres Beispiel für einen erodierenden Rechtsstaat, was aber im Lande allgemein niemand zur Kenntnis zu nehmen bereit ist, von Ausnahmen wie vor oder z. B. Herrn Vahlefeld mal abgesehen. Statt dessen läßt sich die Bevölkerung im Allgemeinen gerade jetzt im sog. Wahlkampf mit Lobhudeleien auf sich selbst von den dafür Verantwortlichen widerspruchslos einlullen. Selbst für den von der SED geklauten Wahlslogan “Für ein Land in dem wir gut und gerne leben”  -für ein “Deutschland” anstelle von “Land” hat es im Sinne der Großen Vorsitzenden auch nicht gereicht- gibt es bis auf ein paar Trillerpreifen keinen größeren und anhaltenden Protest. auch keinerlei Verweis auf die Opfer dieser Politik, ob diese nun Silvester in Köln erleben durften, die diversen Messer- u. sonstigen Attacken oder den Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt. Man kann den Eindruck bekommen, daß die politisch-medialen selbst bestimmten Eliten in einer fiktiven Welt leben, und der Bürger bereit ist, dieses Bild kritiklos fälschlicherweise auf die Wirklichkeit Deutschlands zu übertragen. Ob eine der dafür auszumachenden Ursachen die Folgen der von besagen Eliten zu verantwortenden Bildungsinitiativen sind, zu denen man lesen kann, daß schon mal 10 % der Berufstätigen des “richtigen Lesens” nicht kundig sind. Wenn dann noch in maßgeb-licher Zahl sog. funktionale Analphabeten drauf zu rechnen sind, reicht es schon mal zum Erreichen der aktuellen Zustimmungszahlen für eine der sog. “Volksparteien”.

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