Walter Schmidt / 15.11.2006 / 09:05 / 0 / Seite ausdrucken

Adis Erben im freien Fall

Nachdem am 9. November - wie üblich - zahlreiche besorgte Stimmen
hierzulande vor einer erneuten “Machtergreifung” der NPD in
Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen bzw. in sog. “No-Go-Areas” in ganz
Deutschland gewarnt und ein neuerliches Verbotsverfahren gegen die
“Möchtegernwestentaschenkameraden” von der NPD gefordert haben, scheinen
sich nur Tage später die schlimmsten Befürchtungen der
traditionellen Mahner und Warner mit ihrem Ausruf: “Wehret den Anfängen!”
diesmal tatsächlich zu bestätigen.

Nur findet die Neuauflage des sog. “Hitler-Putsches” vom 9.11.1923
diesmal nicht im Hofbräuhaus der früheren “Hauptstadt der Bewegung”, d.h.
in München, statt, sondern zur Abwechslung in Dresden
und dort im Sächsischen Landtag , wo Adis Nachfolger namens Holger Apfel
und Konsorten sich anschicken, es im Unterschied zu Adis kläglichem
Dilettantismus im Jahre 1923 diesmal endlich besser zu machen, indem sie
offenbar ganze Arbeit zu leisten und Nägel mit Köpfen zu machen
versprechen.

Allerdings hat die Sache einen kleinen Haken, denn statt der
Köpfe der sog. “Volksfeinde”, d.h. der Verfechter einer freien,
parlamentarischen Demokratie, rollen zunächst mal ein paar Köpfe der eigenen
Kameraden in den eigenen Reihen der “Bewegung”.

Jüngstes Opfer in diesem lustigen Kegelspiel nach dem allseits
bekannten Abzählreim “Zehn kleine Negerlein” - oder auch nach der etwas
moderneren Version der “Toten Hosen” - “Zehn kleine Jägermeister” - ist
der äußerst bemitleidenswerte NPD-Landtagsabgeordnete Klaus Jürgen
Menzel, der nach seinem heutigen Rauswurf aus der NPD-Fraktion im
Sächsischen Landtag nun sogar auch noch zu allem Überfluß aus der Partei
ausgeschlossen werden soll.

Was hat der arme Mann nur verbrochen, daß man ihn auf einmal in den
Reihen der NPD nicht mehr haben will, nachdem er doch bislang so etwas wie
ein “Vorzeigearier” war?

Auf der Homepage der NPD-Fraktion des Sächsischen Landtages erfahren
wir, daß der Abgeordnete Menzel 1940 in Niederschlesien das Licht der
Welt erblickte, ledig ist, nach Abschluß einer landwirtschaftlichen
Lehre als Landwirt in Schweden und Dänemark tätig war, nach seiner
Rückkehr als landwirtschaftlicher Berater, selbständiger Jagdvermittler
und Landwirt arbeitete und diese Tätigkeit bis zur Aufgabe seines
Pachtbetriebes infolge der EU-Milchkontingentierung(!) auch tatsächlich
ausübte.

Jetzt wirft man Menzel, der bis jetzt einen vollkommen untadeligen
“arischen” Lebenslauf vorzuweisen hatte und der sogar eine Anzeige wegen
“Volksverhetzung” hinnehmen mußte, nur weil er in der
“Kontraste”-Sendung des RBB vom 22.09.2005 die Chuzpe besessen hatte, “den Führer nach
wie vor für den größten Staatsmann, vielleicht den größten, den wir
je gehabt haben”, zu halten, Subventionsbetrug mit
“EU-Flächenprämien” (!) vor.

Dabei hatte Menzel sich bereits am 22.06.2005 im Landtag mit folgendem
Zwischenruf gegen den äußerst gemeinen Vorwurf “finanzieller
Unregelmäßigkeiten” seitens der von den Juden kontrollierten Medien zur Wehr
gesetzt:

“Odin sei mein Zeuge, die Subventionen sind mir von den Juden in
Brüssel aufgedrängt worden. Damit wollen sie die deutsche Volkssubstanz
auflösen”.

Des weiteren hatte Menzel seine arische Herkunft mit folgendem “Lob der
deutschen Wehrmacht” zu untermauern versucht:

“Unsere Wehrmacht hat bewiesen, daß wir noch echte Kinder Odins sind!”

Und zu der nach Ansicht der NPD nach wie vor offenen deutschen Frage hatte
Menzel eher beiläufig erklärt:

“Wenn schon an ein Datum gebunden, dann möchte ich gerne die Grenzen
vom 1. September 1939 (inclusive Sudetenland und Österreich).”

Nun ja: Wer dermaßen hoch hinaus will, der fällt für gewöhnlich
tief, und so muß der Kamerad Menzel sich jetzt wohl nicht mehr nur mit
den Grenzen seines eigenen Wahlkreises in der Sächsischen Schweiz,
sondern sogar mit denen seiner eigenen vier Wände begnügen, wenn er nicht
gar wegen Volksverhetzung die vier Wände eines sog. “Spaßknastes” im
Freistaat Sachsen zumindest am Wochenende kennenlernen darf.

So muß die bereits für die nähere Zukunft in Aussicht gestellte
“Machtergreifung” der NPD in Sachsen sich wohl doch noch ein wenig
gedulden, und es bleibt die für die alten und jungen Kameraden äußerst
bittere Einsicht, daß auch die Nachkommen des “Größten Feldherren aller
Zeiten” offenbar nichts als elende Dilettanten sind.

Die ersten drei NPD-Dissidenten liebäugelten bereits kurze Zeit nach
der Konstituierung der Fraktion im Sächsischen Landtag mit der
Gründung einer neuen “Sächsischen Volkspartei” und verliessen die
ursprünglich dreizehnköpfige Landtagsfraktion in Dresden.

Der nächste NPD-Abgeordnete, ein Fahrlehrer aus der Sächsischen
Schweiz, vergaß kurzerhand, was er seinen Fahrschülern einst in der
eigenen Fahrschule beigebracht hatte, und starb auf der Bundesstraße 172
nahe Pirna, nachdem er zuvor frontal bei einem Überholmanöver mit einem
entgegenkommenden LKW kollidiert war.

Und nun hat es bereits, oh Schreck, oh Graus, den fünften
NPD-Abgeordneten, den alten Kameraden Menzel, erwischt, und das nur, weil er ein
paar Gläubiger monatelang auf ihr Geld hatte warten lassen.

Mal sehen, was als Nächstes passiert:

Vielleicht brennt ja der nächste Kamerad von heute auf
morgen mit der Fraktionskasse durch oder begeht eine Art
“Rassenschande”, indem er sich mit einer Fraktionskollegin der sog.
“demokratischen Parteien” einläßt.

A propos:

Der Kamerad Menzel war übrigens nach einer früheren
NPD-Mitgliedschaft von 1967 bis 1973 u.a. Mitglied der Grünen und der ÖDP, bevor er
2002 den Weg “heim ins Reich” der NPD fand.

Nach den Ergebnissen der neuesten Studie zum Thema “Antisemitismus” und
“Rechtsextremismus” in Deutschland könnte er vielleicht nach seinem
drohenden Ausschluß aus der NPD abermals bei den Grünen, die in den
Reihen ihrer Wähler immerhin etwa 9% Antisemiten und etwa 15%
Ausländerfeinde haben, um politisches Asyl bitten.

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