Eugen Sorg, Gastautor / 14.06.2017 / 13:00 / 9 / Seite ausdrucken

Wahnideen der Political Correctness

Von Eugen Sorg.

Vier junge Frauen, Chelsea, Emily, Becca und Kayla, Vorsteherinnen des Studierendenverbandes der renommierten Universität von Guelph in Kanada, hatten an einer Univeranstaltung den legendären Lou-Reed-Song "Walk on the Wild Side" abgespielt. Am nächsten Tag entschuldigten sie sich eilends und devot dafür, bereuten ihre "Ignoranz", bedauerten den "Schmerz", den die Songverse ihren "Freunden aus der trans community zugefügt" hätten und versprachen, solche "Fehler" künftig zu vermeiden.

Was war passiert? Ein transsexueller Student hatte sich beschwert, er fühle sich durch den Song emotional verletzt. Und was singt Lou Reed im 1972 produzierten Klassiker? Jeder der fünf Verse erzählt von Freunden und Bekannten Reeds aus dem Umfeld der Andy Warhol Factory – Transvestiten, Homosexuelle, Stricher. Der erste Vers lautet: "Holly kam aus Miami F.L.A./Fuhr per Anhalter durch die USA/Zupfte sich die Augenbrauen auf dem Weg/Rasierte ihre Beine/Dann war er eine sie/Sie sagt, hey Baby, spazier’ mal auf der wilden Seite ..."

"Transphob" soll nun nach Urteil von Chelsea und Co. zum Beispiel die Zeile sein: "Dann war er eine sie", da sie die "Erfahrungen der trans folks entwerte" und "damit die Erfahrungen der Unterdrückung bagatellisiere". Der ganze Song sei problematisch. Er unterstelle, dass Transgender-Leute "wild", "ungewöhnlich" und "unnatürlich" seien. Wer hier Hass auf sexuelle Minderheiten erblickt, leidet unter Wahnvorstellungen. Doch die Realitätsverzerrungen von Chelsea und Co. sind nicht nur individuelle Erscheinungen. Sie sind Ausdruck einer hysterischen politischen Korrektheit, die auf vielen nordamerikanischen Campussen grassiert.

Diverse Minoritäten fordern homogene Schutzräume für ihresgleichen, Vorlesungen, die keine Gefahr bergen, angebliche Traumata – persönliche oder solche des eigenen Volkes – wieder zu beleben. Wachsende Bereiche der universitären Kultur erinnern mehr an gruppentherapeutische Einrichtungen mit hyperempfindlichen Insassen als an Orte geistiger Auseinandersetzung und rationaler Debatten."F*ck your feelings", postete jemand auf der Webseite der Uni. Es gibt offensichtlich auch solche, denen die Exaltiertheiten ihrer sensiblen Mitstudierenden gehörig auf die Nerven gehen.

Zuerst erschienen in der Basler Zeitung

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Leserpost (9)
Fred Forster / 14.06.2017

Schade eigentlich, wir hatten uns Mitte der 70-Jahre rudelweise, Männlein und Weiblein, regelrecht beömmelt über die “Rocky-Horror-Picture-Show” mit Tim Curry, Susan Sarandon, Meatloaf und Co.  und mit Reiskörnern geschmissen und allem, was dazu gehörte. Wird die jetzt auf den Index gesetzt?  Muß ich am Ende sogar noch eine Haussuchung fürchten, weil ich noch heute das Teil, mitlerweile als DVD , in meinem Fundus habe - oder sind lediglich ein paar Verrückte mit ihren Wahnvorstellungen an die Öffentlichkeit gelangt?

Arnauld de Turdupil / 14.06.2017

Nachschlag: “Political Correctness” und “Politischer Islam” sind beides Emanationen derselben rigiden, kontroll- und gewaltaffinen Verordnungsdenke; sie unterscheiden sich in Wesen, Wirkung und Forderungskatalog allein durch das Licht und die Maske der anderen Zeit. Diese Deutung erklärte zumindest einige höchst merkwürdige Allianzen.  

Th. Nothnagel / 14.06.2017

You cant always get what want

Wilfried Cremer / 14.06.2017

Und die Moral von der Geschicht’: Besuche keine Uni nicht! Im Ernst: Nie gab es bessere Bedingungen für Autodidakten.

Klaus Fellechner / 14.06.2017

Danke für den Beitrag.Man kann es einfacher ausdrücken,die Verrückten sind auf dem Vormarsch. Eine dekadente Gesellschaft ist zum Untergang verurteilt,uns rettet niemand mehr!

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