Vera Lengsfeld / 05.08.2017 / 13:00 / Foto: Tim Maxeiner / 8 / Seite ausdrucken

Wahlkampf hinter Gittern

Zwei Meldungen der letzen Tage werfen ein Schlaglicht darauf, dass sich Deutschland in wachsendem Tempo auf abschüssiger Bahn befindet. Wie die Sicherheitslage unseres Landes eingeschätzt wird, zeigt das diesjährige Ranking im Travel and Tourism Competitiveness Report des World Economic Forum. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist Deutschland noch einmal um 31 Plätze abgestürzt und befindet sich jetzt auf Rang 52 zwischen der Mongolei und Gambia.

Da in dem Report 136 Staaten aufgelistet sind, ist noch viel Luft nach unten. Wenn die Merkel-Regierung fleißig weiter junge Männer aus Staaten wie Pakistan, Nigeria, Kenia, Uganda und anderen afrikanischen Staaten importiert, hat Deutschland gute Chancen, deren Sicherheitslage zu verbessern. Das ist mit Marokko, Rumänien und Albanien bereits gelungen: Sie gelten im Vergleich zu Deutschland als sicherer.

Bange machen muss die stete Verschlechterung der Sicherheitslage auch nicht wirklich. Irgendwann, zeigt die Statistik, kann das Pendel auch wieder nach oben ausschlagen. So zählt heute Ruanda, wo in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein blutiger Bürgerkrieg tobte, heute zu den zehn sichersten Ländern der Welt. Es hat sich zwischen der Schweiz und Qatar auf Platz 9 vorgearbeitet.

Aus der prekären Sicherheitslage hat die Regierung bereits Konsequenzen gezogen. Wahlkampf findet, was die Bundeskanzlerin betrifft, hinter Absperrgittern statt. Hatte sich Helmut Kohl noch angstlos in der Menge bewegt und gelassen oder energisch die Beschimpfungen und Eierwürfe seiner Gegner pariert, werden Merkel-Kritiker aus dem Sichtbereich der Kanzlerin verbannt. Als Beispiel mag ihr Auftritt  am 22. August in Bergisch-Gladbach dienen. Aufgrund der Gefährdungsstufe der Bundeskanzlerin und der Art der Veranstaltung unter freiem Himmel war der Bereich vor und hinter der Bühne in verschiedene Sicherheitsbereiche eingeteilt. Dafür werden sogenannte „Hamburger Gitter“ eingesetzt.

Wie weiland in Bitterfeld

Zum sogenannten "Sicherheitsbereich 1" sollen ausschließlich die „prominenten“ Gäste, die Kandidaten der CDU im Wahlkampf sowie der CDU-Kreisparteichef Zutritt haben. Den "Sicherheitsbereich 2" dürfen nur Menschen betreten, die eine Einladung vorzeigen können. Mitglieder der CDU sowie ihrer Vereinigungen sollen eine solche Einladung in den kommenden Tagen per Post erhalten. Nicht-Mitglieder können eine Einladung bekommen, wenn sie sich zuvor bei der CDU-Kreisgeschäftsstelle angemeldet haben. In Bergisch-Gladbach geht es somit zu wie weiland in Bitterfeld, wenn sich Erich Honecker angesagt hatte. 

Spätestens seit den Krawallen während des G20-Treffens in Hamburg wissen wir, dass die Polizei die Veranstaltung mit allen verfügbaren Einsatzkräften schützen wird.  Menschen, die unter Umständen eine abweichende Meinung äußern wollen, werden wohl kaum in die „Sicherheitsbereiche“ gelangen. Das Beispiel Bergisch-Gladbach deutet an, wohin die Politik der Merkel-Regierung geführt hat. Sie regiert ein Land, in dem sich die Volksvertreter sorgsam vor dem Volk abschirmen. Sie ahnen, dass es im Land eine Wechselstimmung gibt. Aber es gibt keine Alternative, denn egal, wo man am 24. September sein Kreuz macht, am Ende wird Merkel wieder Kanzlerin, selbst wenn es ein Mehrparteienbündnis geben müsste. Den Wahlkampf könnte sich die Kanzlerin also sparen. Vorteil wäre: Die Polizei könnte sich dann um den Schutz der Bevölkerung kümmern. Seit Angela Merkels Regentschaft wird das von Jahr zu Jahr nötiger.

Foto: Tim Maxeiner
Leserpost (8)
Reiner Steppkes / 06.08.2017

Bergisch-Gladbach liegt nicht allzuweit von meinem Heimatort. Ich glaube, ich werde mal hinfahren, wenn Merkel dort spricht. Einmal im Leben möcht ich sie hinter Gittern sehen.

Roland Richter / 06.08.2017

Wir sind auf dem besten Weg, nicht eine DDR light, sondern eine wirkliche Steigerung des Unrechtsstaates DDR ins Negative hinein zu erleben. Wir werden uns noch wundern, wenn die GroKaz wieder gewählt wird, was bei der Dumm,heit der Deutschen als sicher gelten darf, was uns noch alles untersagt und vorgeschrieben wird.

Burkhart Berthold / 06.08.2017

Es wird keine neue Regierung geben, möglicherweise aber eine Opposition.

Werner Müller / 05.08.2017

Liebe Frau Lengsfeld, danke für Ihre Beiträge, für Ihren Einsatz - es sind immer wieder gute, oft bittere aber immer nötige Denkanstöße. Diesmal wage ich aber vorsichtig zu widersprechen: Zitat: “Aber es gibt keine Alternative..” Das stimmt doch so nicht, Es gibt eine Alternative die nennt sich sogar so. Ja, mit Ihrem ganzen Satz haben Sie natürlich recht, es wird, egal wie das Ergebnis aussieht, wohl in jedem Fall auf eine weitere Kanzlerschaft Merkels hinauslaufen. Um so dringender aber ist eine wirkliche und funktionierende Opposition. Und da sehe ich im Moment, bei allen Vorbehalten und Bauchschmerzen, eben nur die eine Alternative. Merkel hat um sich einen Hofstaat gescharrt (das wissen Sie doch selbst am besten), hat breiteste Unterstützung der Medien und selbst bei den Linken (damit meine ich alle von rot bis grün) ist Sie doch gut gelitten, macht Sie doch erfolgreich eigentlich deren Politik. Wir sollten deshalb der Alternativlosigkeit der ewigen Kanzlerin nicht noch das Wort reden!

Erich Schmidt / 05.08.2017

Da kann ich nur sagen: “Angst ist nie ein guter Ratgeber”.

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