Markus Vahlefeld / 19.06.2017 / 11:59 / 6 / Seite ausdrucken

Vorzeitiger Samenerguss im Dienste der gewollten Wahrheit

Unser aller Justizminister Heiko Maas ist ein besonders wackerer Knappe im Kampf für die Wahrheit. Um mal gleich vorzulegen, was die Wahrheit sein soll, postet er am Morgen des großen Rama-Lama-Ding-Dong-Friedensmarsches in Köln, dass „bei der Demo #nichtmituns tausende Muslime und Nicht-Muslime gemeinsam gegen den Terror“ demonstrieren. „Das“, so schließt er, „ist ein starkes Zeichen“. Sechs Stunden, bevor die Demo losgeht. Denn Gutes kann man nicht früh genug verkünden.

Und so geht es weiter: Gegen 14 Uhr meldet die Polizei vor Ort, dass ca. 300 bis 500 Teilnehmer an der Demo teilnehmen. Gegen 15 Uhr, als sich der Zug durch die Kölner Innenstadt in Gang setzt, gehen wohlwollende Schätzungen von etwa 700 bis 800 Teilnehmern aus. Als gegen 16 Uhr der Zug wieder am Ausgangspunkt ankommt, hat er sich etwas angefüllt, inzwischen können es rund 1.000 Teilnehmer sein. Weit entfernt von den tausenden Muslimen und Nicht-Muslimen, von denen Heiko Maas am Morgen phantasiert hat. Daraufhin bringt SPON die Zahl von 2.000 bis 3.000 Teilnehmern ins Spiel. Langsam nähern wir uns der von Heiko Maas vorgegebenen Wahrheit, bis schließlich das vollkommen unabhängige Nachrichtenportal heute.de meldet: „Mehrere tausend Menschen haben in Köln bei einem Friedensmarsch von Muslimen gegen Gewalt und islamistischen Terror demonstriert.“

Ähnlich wie unser Justizminister - er lebe hoch, hoch, hoch! - hatte auch die Süddeutsche Zeitung (SZ) eine politisch korrecte Ejaculatio praecox. In der Ausgabe vom 17. Juni, die in der Nacht zum 17. Juni angedruckt wurde, fängt ein Kommentar ("Für einen anderen Islam") mit den Worten an: "Tausende Muslime gehen gegen Terror und Gewalt auf die Straße, das ist gut und richtig." Eine Zwischenüberschrift sagt: "Der größte Moscheeverband Deutschlands, die Ditib, steht nun isoliert da." Die von der türkischen Regierung gelenkte und kontrollierte DITIB hatte sich gegen eine Teilnahme an dem "Friedensmarsch" ausgesprochen und damit das Motto der Aktion "nichtmituns" wörtlich genommen. Für die SZ ein Beweis, dass nicht die  paar Handvoll Friedensmarschierer isoliert dastehen, sondern die DITIB mit ihren über 900 Moscheen.

Wie hat die Londoner Times mal getitelt? "Schwerer Nebel über dem Ärmelkanal – Kontinent abgeschnitten!"

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Leserpost (6)
Helmut Bühler / 19.06.2017

Das ist aber mal eine schöne Metapher für die ärgerliche Gesundbeterei von Politik und Medien, die auch die ganze Lächerlichkeit dieser Hecheleien deutlich macht. Vielen Dank dafür.

R. Matzen / 19.06.2017

Am 2. Januar 2017 fand sich in den Zeitungen des Schleswig-holsteinischen Zeitungsverlags kein einziges Wort über die Geschehnisse am Silvesterabend in Köln.—Ausführlich aber wurde auf Seite 3 über den Anschlag auf die Diskothek in Istanbul berichtet. Vorauseilender Gehorsam also auch in der Annahme, andere Medien würden es einem gleichtun und schweigen? Mich fröstelt es bei solchen Gedanken. Und das jeden Tag mehr.

Paul Siemons / 19.06.2017

Auch wenn man glaubt, seine Pappenheimer zu kennen -  vor Überraschungen ist man einfach nicht gefeit. So hätte ich bedenkenlos ein fingerdickes Schweinskotelett darauf gewettet, dass die wackeren Organisatoren zumindest 1001 Demonstranten auf die Straße bringen würden, darunter vielleicht sogar eine Handvoll echte Gläubige. Aber ich will nicht meckern - der Vorsatz, ein Zeichen zu setzen, wurde ohne Frage erreicht.

Elmar Schlürscheid / 19.06.2017

Ich würde sagen:“Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer!”

Matthias Büttner / 19.06.2017

Vielleicht hat die Polizei beim Zählen eine Hälfte der Demonstrierenden vergessen. Es könnten durchaus 2000 zusammenkommen, wenn man nicht nur die Muslime und Nicht-Muslime, sondern die Muslime und Musliminnen und Nicht-Muslime und Nicht-Muslinnen zusammenzählt.

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