Wolfram Ackner / 14.10.2016 / 06:10 / Foto: Bildarchiv Pieterman / 6 / Seite ausdrucken

Von typischen Deutschen und typischen Gräben

Ich würde lügen mit der Behauptung, dass die gegenwärtige Aufgeregtheit an mir vorbeigeht. Es ist tatsächlich so, dass ich oft Angst empfinde, mein früherer Zukunftsoptimismus verflogen ist. Deswegen schätze ich in diesen Tagen selbst Dinge, die ich früher belächelt hätte. Autoaufkleber, zum Beispiel. Denn in manchen Situationen erfüllt es mich mit Unbehagen, hinter für mich unsichtbaren Menschen herzufahren, und bin ich deswegen für Orientierungshilfe dankbar.

Wenn das Auto - sozusagen als Ganzkörpertättowierung - mit Slayer- oder Amon Amarth-Aufklebern übersät ist, weiß ich beruhigt einen Metalbruder am Steuer. Nun, sagen wir, einen sehr jungen Metal-Bruder. Die alten Metalsäcke wie ich können Gedanken an den Wiederverkaufswert ihrer nicht mehr ganz so billigen Autos nicht völlig beiseite drücken. Alter korrumpiert bekanntlich Ideale - selbst wenn das Ideal nur darin besteht, beim Festival Bier zu trinken, mit ausgestreckten Mittelfinger "Fuck the World" zu grölen, die Matte kreisen zu lassen ... und am nächsten Montag brav wieder auf Arbeit zu gehen. Du findest diese Attitüde prollig und den Sound scheiße ... ? Well ... so ... then fuck you too, bitch!

Bei Autos mit "Pascal/Jeanine fährt mit"-Aufklebern verzichte ich darauf, durch aufblenden, hupen, dicht auffahren dezent anzudeuten, dass auf deutschen Autobahnen ein Rechtsfahrgebot gilt, denn wenn es um die Sicherheit ihrer Kinder geht, ist erfahrungsgemäß fast jede Helikoptermama eine klagefreudigen Furie mit Rechtsschutzversicherung. Der Christenfisch signalisiert nette, harmlose Leute, hinter denen ich mich sehr sicher fühle. Die lächeln immer, selbst wenn du sie versehentlich anbumst. Aber!!! - please mind the difference - bitte nicht leichtfertig mit dem befußten Christenfisch verwechseln. Dieser symbolisiert, dass der Fahrer als Mitglied der kreativen, urbanen Elite wahrgenommen werden möchte, und darum Vorsicht. Denn wenn man den Hipster ins Auto fährt, dann Hopster. 

Die Gartenzwergfraktion erkennt man an den kleinen, verschämten D-Aufklebern

Wenn ein alter Kleinbus mit der gelben Sonnenblume und dem "Atomkraft? Nein danke!-Aufkleber" vor mir den Verkehr behindert, weiß ich, dass ich ungestraft das Fenster meines Geländewagen öffnen und "gib endlich Gummi, du Ökoplunze" brüllen darf. Nicht dass ich mir einbilden würde, deswegen auch nur eine Sekunde schneller anzukommen. Es ist die Geste, die zählt.

Dasselbe würde ich mir natürlich nie getrauen, wenn derselbe Kleinbus einen "Todesstrafe für Kinderschänder"-Aufkleber tragen würde. Da halte ich gebührend Abstand, denn Erbsenhirn, niedrige Siedetemperatur und fehlendes Überdruckventil sind eine hochexplosive Mischung. Was mir so ein kleines bißchen fehlt ist ein Aufkleber für den Menschenschlag "typischer Deutscher". Nein, ich bitte Sie. Nicht die Gartenzwergfraktion. Die ist doch mittlerweile fast ausgestorben und außerdem erkennt man sie an den kleinen, verschämten D-Aufklebern. Nein, ich rede von jenen Heerscharen, die beim Urlaub im Ausland, in der Weltsprache Nr. 1 - schlechtem Englisch - bei jeder sich bietenden Gelegenheit Juan, Kostas, Angelo, John, François und Mikka ein Ohr abkauen, wie spießig, langweilig, bieder, arrogant - kurz und gut, zum fremdschämen - "die Deutschen" sind. Beziehungsweise "die anderen Deutschen", natürlich.

Immer wenn ich so ein Exemplar ertragen muss, erinnere ich mich an die Anekdote eines Gesprächs zwischen Helmuth Kohl und Margaret Thatcher, in dem Kohl fast nur über Europa sprach und von Europa schwärmte, um Thatcher jede Angst vor einem wiedervereinigten Deutschland zu nehmen, um zu zeigen, dass die Deutschen die Gespenster ihrer Geschichte besiegt haben und keine Deutschen mehr, sondern gute Europäer sein wollen ... und Thatcher später kopfschüttelnd zu ihren Beratern sagte: "This man is so german!" 

Ein "please note - I'm different" neben dem deutschen Nummernschild

Für die "typischen Deutschen" sollte man als Warnsignal einen obligatorischen Autoaufkleber einführen. Ein "please note - I'm different" neben dem deutschen Nummernschild. Das würde helfen, denn diese typischsten aller typischen Deutschen gehen mir ehrlich gesagt ebenfalls mächtig auf den Zeiger. Ich muss zugeben, ich habe mich früher kaum je mit meinem "Deutsch sein" beschäftigt. Schließlich war das nichts, was ich mir hätte aussuchen können. Ich war halt einfach einfach ein Deutscher. Kein Grund für Stolz. Kein Grund für Scham.

Eigentlich interessiere ich mich erst für die Geschichte meiner Familie, welche unser Onkel Richard, Oberhaupt der Ackner-Sippe, im Laufe von jahrzehntelanger Detektivarbeit bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen konnte, seitdem mir nach dem diesjährigen Tode unseres Vaters eine umfangreiche Mappe mit der gestickten Aufschrift "Siebenbürgen" von meinen Geschwistern einstweilig überantwortet wurde, deren Inhalt aus zum Teil 300 Jahre alten Familien-Dokumenten, Abiturzeugnissen oder Briefen besteht. Wahnsinnig faszinierend, jeder dieser in Sütterlin geschriebenen Briefe ein Meisterwerk der Kalligraphie, nur leider ist uns allen die Sütterlin-Schrift mittlerweile genauso fremd wie arabisch.

Jedoch veranlasste mich dieses überraschende, unerwartete Erbe, mich mit der Autobiographie unserer 1999 verstorbenen Schriftsteller-Großmutter Elisabeth Hering, geboren 1909 in Schässburg, zu beschäftigen, die unter dem Titel "Versunkene Welt" von ihrer Kindheit und Jugend in Siebenbürgen berichtet. Dieses Buch schaffte etwas, was ehrlich gesagt keinem anderem Buch von Omama gelang - mich zu berühren. All diese Ahnen, die mir bis jetzt nur als Namen auf einem großem Stammbaum flüchtig geläufig waren, wurden plötzlich zu sehr lebendigen Personen, dass alte k.u.k.-Siebenbürgen in meiner Phantasie wieder lebendig.

Sich diese heute nicht mehr vorstellbare Strebsamkeit, Fleiß, Bescheidenheit, Pedanterie, Höflichkeit, Disziplin, Galanterie vorzustellen, das pittoreske Schässburg, die Gottesfurcht, Vorurteile und Engstirnigkeiten jener Zeit, die eleganten Männer und Frauen in ihren Trachten, war großes Kopfkino. Hätte man den Siebenbürger Sachsen jener Tage erzählt, dass ihre alte, traditionsreiche, heile Welt schon in wenigen Jahre eine weitere dünne Schicht im Torf der Geschichte sein wird, dass das, was Siebenbürgen und das Banat der Schwaben über Jahrhunderte ausmachte, in Kürze unwiderruflich im Wehmutsnebel der Erinnerung versinken wird, hätten sie vermutlich schallend gelacht. Wer kann es ihnen verdenken. Wir Leipziger hätten ja auch nur geprustet, wenn jemand am Morgen des 9.Oktober 1989 gesagt hätte, dass unser waffenstarrendes Land, dass auf mich immer wirkte, als hätte man seine komplette Infrastruktur, seine Wälder, Städte, Dörfer aus grobem sowjetischen Beton gegossen und lieblos mit billiger Farbe angemalt, innerhalb von Wochen wie ein luftiges Soufflee zusammenfallen wird.  Reiche entstehen, Reiche vergehen - manchmal über Nacht - und, so schmerzhaft das auch für mich und andere Nostalgiker sein wird, das alte Europa wird dazugehören.

Ich glaube an "Ockhams Rasiermesser"

Oh, eine ironische Zwischenfrage aus dem Publikum ...? Nein, mein Herr, danke der Nachfrage. Mein eigenes Auto trägt nicht die Aufkleber "I love Kopp-Verlag" oder "9/11 was a hoax". Ich kann Ihnen versichern, dass ich nicht an Verschwörungen glaube. Ich meine, natürlich weiß ich, dass es Verschwörungen gab und gibt, aber ich glaube nicht an DIE Verschwörung, an diese ungenießbare Mondlandung/Bilderberger/Kanzlerprotokoll/BRD-GmbH-Suppe.

Ich glaube an "Ockhams Rasiermesser", dass sogenannte Sparsamkeitsprinzip der Wissenschaftstheorie, dass grob vereinfacht besagt, dass von mehreren Hypothesen für ein und denselben Sachverhalt stets die einfachste vorzuziehen ist. Oder, um es konkreter zu beschreiben - es ist sehr viel plausibler, dass sich tatsächlich am 11.September die bekannt gewordenen Attentäter um Mohammed Atta mit gehijackten Flugzeugen in die beiden Türme des World Trade Centers und ins Pentagon stürzten, als dass es eine Riesenverschwörung der amerikanischen Regierung gab, welche unter Einbeziehung tausender Mitwisser, mithilfe von gefälschten Gutachten zahlreicher renommierter Wissenschaftler und technischen Koryphäen (und hunderter unter Eid falsch aussagender Zeugen, welche bestätigten, dass sie tatsächlich ein Flugzeug im Pentagon einschlugen sahen und keinen Marschflugkörper) diesen Anschlag vortäuschten und tausende ihrer eigenen Staatsbürger ermordeten, um einen Vorwand für ein militärisches Eingreifen in Afghanistan und zwei Jahre später im Irak zu haben.

Wenn man man nun das Ockhamsche Rasiermesser auf die sogenannte Flüchtlingskrise anwendet, muss man folgendes Szenario betrachten und zwei Hypothesen gegeneinander abwägen. Es gab diesen Druck auf unsere europäischen Grenzen, es gab diesen Zustrom abertausender illegaler Migranten, die sich mithilfe von Schleppern auf den wochenlangen gefährlichen, mühsamen Weg über den Balkan in die wohlhabenden Sozialstaaten des Nordens machten. Es war eine schwierige Situation, und unsere deutsche Kanzlerin traf unter dem emotionalen Eindruck der Bilder vom Budapester Bahnhof eine einsame, falsche Entscheidung, deren Konsequenzen sie unterschätzte und die sie nicht mehr korrigieren wollte, weil sie Angst hatte, mit dem schließen der Grenze am Ende als die Totengräberin der europäischen Idee dazustehen. Dass ist die erste Hypothese.

Kommen wir zur zweiten Hypothese, und da sollte man einige Fragen stellen. Wenn man diesen millionenfachen Zustrom von Menschen aus den Krisengebieten und Flüchtlingslagern des nahen Ostens nicht will, wie kann man als verantwortliche Politiker der unmittelbar benachbarten Europäischen Union, wie kann man als Bundeskanzlerin Angela Merkel zulassen, dass die Vereinten Nationen wegen fehlender Gelder, die noch nicht einmal Peanuts sind verglichen mit den jetzt auflaufenden drei-vierstelligen Milliardensummen, ein drastisches kürzen der Lebensmittelrationen und Geldhilfen verkünden (für die 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge im Libanon wurde Ende 2014 die Unterstützung auf Lebensmittelgutscheine im Wert von maximal 27 Dollar pro Woche und Familie gekürzt) und sich gleichzeitig wie unsere Kanzlerin hinstellen und sagen, dass man aus humanitären Gründen syrische Flüchtlinge unbegrenzt nach Deutschland einreisen lässt?

Ist es da ein Wunder, dass dermaßen viele in den Flüchtlingslagern lebende Menschen die Chance am Schopf ergreifen und sich auf den Weg machen? Zumal das durchwinken über den Balkan mit kostenlosen Zügen und Bussen bis zum Sozialparadies Deutschland nur noch wenige Tage statt vorher Wochen dauerte?  Wie konnte es Kanzlerin Merkel - die sonst auf jedes einzelne Wort, jede einzelne Geste, jedes Bild achtet - entgehen, was für eine Sogwirkung durch ihre Selfies mit glücklichen Flüchtlingen bis ins letzte afrikanische Dorf entsteht?

Wieso spielt man das Spiel der nordafrikanischen Schleuser mit?

Wie kann Merkel noch im November 2015, als tagtäglich bis zu zehntausend überwiegend junge Männer nach Deutschland kamen, bei ihren Gesprächen in Afrika anlässlich des Europa-Afrikagipfels aktiv für Einwanderung nach Deutschland werben, wenn man doch angeblich die hohen Flüchtlingszahlen verringern will, wenn man angeblich anfangen will, andere, dämpfende, abschreckende Signale in die Welt zu senden? 

Wieso spielt man dieses Spiel der nordafrikanischen Schleuser mit, die kurz außerhalb der nordafrikanischen Hoheitsgewässer die Bootsmotoren zerstören, die zuständigen europäischen Behörden informieren ... und statt dass die europäische Küstenwache diese sich in selbstherbeigeführter Seenot befindlichen Menschen zurück zur nur wenige Kilometer entfernten afrikanischen Küste bringen, werden Sie in die hunderte von Kilometer entfernten Registrierungslager auf Sizilien gebracht und von dort schließlich auf das Festland? Das ist schließlich kein Grenzschutz, sondern vom europäischen Steuerzahler bezahlter Schleuserdienst.

Schliesslich hätte man sich auch an den Methoden der Spanier orientieren können, die in den Jahren davor sehr effektiv die illegale Migration von der afrikanischen Küste auf die Kanaren unterbanden. Kann man diese Häufungen unlogischer, den verkündeten offiziellen Prämissen zuwiderlaufenden Handlungen tatsächlich noch mit Dummheit erklären, oder - dass ist die zweite Hypothese - ist das, was gerade geschieht, am Ende tatsächlich beabsichtigt? Ist es ein gezieltes, kontrolliertes fluten des überalterten Westeuropas mit jungen Menschen? Und, so paradox das klingt und in vollem Bewusstsein, dass mich die Anhänger der offiziellen Beschwörungstheorien jetzt vermutlich als Verschwörungstheoretiker bezeichnen werden - nach Ockhams Rasiermesser klingt die zweite Hypothese mittlerweile tatsächlich plausibler.

Dazu möchte ich der werten Leserschaft den überaus empfehlenswerten Artikel "Torrent of Faces"von Tomas Spahn als Pflichtlektüre ans Herz legen. Bitte lesen Sie hier erst weiter, wenn Sie den Artikel von Tomas Spahn gründlich gelesen haben. 

Beide Seiten sitzen nur noch in ihrer eigenen Echokammer

Lassen wir doch jetzt einfach mal die alte Schlachtordnung "multikulturalistischer Kosmopolitismus versus Nationalstaat" außen vor, denn mittlerweile sitzen ja beide Seiten nur noch in ihrer eigenen Echokammer. Nehmen wir einfach an, die Grundannahmen des UN-Thesenpapiers vom Jahre 2000, "Bestandserhaltungsmigration, eine Lösung für abnehmende und alternde Bevölkerungen?", und die Übernahme viele dieser Thesen in die Politik der EU-Kommission wäre tatsächlich der richtigere, der verantwortlichere Blick auf globale Probleme. Dass es angesichts der drohenden Überbevölkerung der Erde und wegen der durch Kriege, Misswirtschaft, schlechte Regierungsführung verursachte Verelendung ganzer Regionen besser ist, den Menschenüberschuss der von der EU-Kommission als Ziel für Migrationsanwerbung genannten Regionen Naher Osten/Nordafrika/Horn von Afrika umzuleiten in die wohlhabende Industriestaaten Westeuropas, deren Sozialstaats- und Rentenmodell durch Überalterung und Schrumpfung in Gefahr gerät. 

Letztendlich ist es ja tatsächlich heute schon so, dass man das, was Länder wie Deutschland, Schweden, England, Frankreich, Italien ausmachte, nur noch in alten Filmen mit Alan Delon, Lino Ventura oder Joachim Fuchsberger sehen kann, weil in den Großstädten des alten, weißen, christlichen Westeuropas innerhalb nur einer Generation der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund schon jetzt auf zwischen 30-40 Prozent anstieg, laut einer Studie der Fachhochschule Münster in westdeutschen Großstädten wie Nürnberg, Frankfurt, Stuttgart, München der Anteil der bis sechsjährigen Kinder mit Migrationshintergrund schon jetzt 60-70 Prozent  beträgt und man sich selbst mit einem Berliner Realschulabschluss ausrechnen kann, wie hoch in diesen Städten in zwanzig Jahren der Anteil der 20-26-jährigen Menschen mit Migrationshintergrund sein wird.

Da diese UN-Studie über die angestrebte "Bestandserhaltungsmigration" mittlerweile anderthalb Jahrzehnte alt ist, dürfte es wohl legitim sein, der Evaluierung dienende Fragen zu stellen.

  • Inwieweit hat die Einwanderung aus der angestrebten Region Naher Osten/Nordafrika/Horn von Afrika sich auf die Stabilisierung des westeuropäischen Rentenmodells ausgewirkt?
  • Wie viele der seit dem Jahre 2000 aus dieser Region Eingewanderten befinden sich in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen?
  •  Wie erklärt man die enormen Diskrepanzen zwischen der gelungenen Integration der ehemaligen vietnamesischen Gastarbeiter, ihren enormen Bildungs- und Arbeitsmarkterfolgen, ihrer Akzeptanz in der "biodeutschen" Mehrheitsgesellschaft, mit der problematischen bis nichtvorhandenen Integration sehr relevanter Teile der Einwandergruppen aus dem von der EU-Kommission avisierten Zielraum Nahen Osten/Nordafrika/Horn von Afrika? 
  • Wie ist die im September diesen Jahres beim Berliner "Zukunftskongress Migration und Integration" getätigte Aussage von Innenminister de Maiziere zu werten, dass man "die Bedeutung von Religion unterschätzt habe". Kann man sie dahingehend interpretieren, dass es Probleme mit konfuzianisch, jüdisch oder buddhistisch geprägten Einwandergruppen gab? Oder kann man sie dahingehend interpretieren, dass für die Architekten dieser globalen Bevölkerungsverschiebungen Menschen einfach nur austauschbare statistische Nummern sind und alle anderen Aspekte ausgeklammert wurden?
  • Wie gedenkt man mit dem Umstand umzugehen, dass der jetzt schon überdehnte Wohlfahrtsstaat nicht aufrecht zu erhalten sein wird, wenn Millionen schlecht ausgebildeter Migranten keinen Anreiz und keine Notwendigkeit haben, sich durch anfänglich schlecht bezahlte, harte Hilfsarbeiterjobs und gleichzeitigem Erwerb von Sprache und Abschlüssen mühsam nach oben kämpfen zu müssen, wenn sie genausoviel (oder im Falle von Familien mit vielen Kinder weit mehr) Geld ohne jede Anstrengung vom Sozialstaat bekommen? Wäre nicht der einzige Weg, diese Leute in Arbeit zu bringen, die Abschaffung des westeuropäischen Sozialstaats und die Übernahme des US-amerikanischen Modells?
  • Ein Aspekt dieser Bevölkerungsverschiebungen von Menschen aus dem Nahen Osten/Nordafrika/Horn von Afrika ist ja offensichtlich auch der geplante Kampf gegen die Folgen der Welt-Überbevölkerung. Wie gedenkt man die zu hohe Reproduktionsrate in dieser Region zurückzudrängen, wenn die Menschen vor Ort keinen Grund haben, ihr Reproduktionsverhalten zu überdenken, solange sie ihren "Menschenüberschuss" nach Europa exportieren können?
  • Wie gedenkt man die nach dem geplanten EU-Verteilerschlüssel auf die armen ost- bzw. südosteuropäischen Staaten zu verteilenden Migranten zum bleiben in diesen Staaten zu bewegen, wenn bereits in der Vergangenheit dorthin verwiesene Migranten sofort in die wohlhabenden nordeuropäischen Sozialstaaten  zurück "flüchteten"? 

Ich meine, als bekennender dunkeldeutscher Nationalstaatsanhänger sehe ich ja durchaus auch Vorteile. Schließlich würden in absehbarer Zeit nicht nur Hans, Fritz und Erna wegsterben, sondern vielleicht könnte man sich bei gleichbleibenden Flüchtlingszahlen auch die von mir vorgeschlagenen "Please note - I'm different"-Aufkleber für das juste milieu sparen. Stattdessen würden vielleicht - wie bei der WM 2006 im eigenen Land - Neudeutsche mit Namen wie Ali oder Mustafa als die neuen "typischen Deutschen" stolz zusammen mit mir die schwarzrotgoldene Flagge schwenken. Es gibt Tage, wo dass für mich tatsächlich zu einer verlockenden Vorstellung wird, zumal ich noch nie mit einem meiner zahlreichen türkischen oder arabischen Kollegen ein Problem hatte.

Ok, ich will den Bogen jetzt nicht überspannen, denn kein Mensch kann sich ernsthaft Zustände wünschen, wo sich das progressive und das konservative Deutschland nur noch mit Schaum vor dem Mund gegenübersteht und hasserfüllt niederbrüllt. Ich will das nicht. Ich will meine progressiven Freunde behalten, weil ich sie als intelligente, kreative, kulturvolle Menschen schätze. Ich bin nicht scharf auf dicke Luft in meiner eigenen Familie. Es ist halt nur so.

Wenn ich mir selbst jetzt - wo ich unter theoretischer Zugrundelegung der Richtigkeit progressiver Prämissen gerne mehr über die Details in Erfahrung bringen möchte und in meinen Augen berechtigte Fragen stelle - nur wieder die ewige "Nazi&Rassistenleier"anhören muss; man wieder versucht, nur darüber zu diskutieren, ob man das so sagen darf, anstatt darüber zu diskutieren, ob es stimmt oder nicht, wenn wieder ein "Ich finde diese Attitüde prollig und den Sound scheiße" alles ist, was ich von der Gegenseite höre, was bitte erwartet ihr dann von mir als Reaktion außer einem: "well ... so ... then fuck you too, bitch!" ?

Foto: Bildarchiv Pieterman
Leserpost (6)
Ernst-Fr. Siebert / 14.10.2016

Der richtige Link: http://www.tichyseinblick.de/kolumnen/spahns-spitzwege/un-a-torrent-of-faces/

Harald Holder / 14.10.2016

Viel Text, viele gute Fragen, aber vielleicht liegt das Problem nach „Ockhams Rasiermesser“ ja auf der Hand: Wir brauchen in unserer Wirtschaft echte neue Konsumenten. Nicht nur solche die sich die Anschaffung eines Elektromobils überlegen. Sondern auch solche, die echten Bedarf haben: Möbel, Kühlschränke, Waschmaschinen, TV, Internet, Handys nicht unbedingt, dafür Benziner oder Diesel, egal. Dann die ganzen Dienste, die auch das Sozialprodukt steigern. Zusätzliche Leistungen von Ärzten, Psychologen, Lehrern, Erziehern, Heilpädagogen, Übersetzern, Polizisten etcetera pp. Dann boomt die Wirtschaft auch endlich im Inland wieder und der Exportweltmeister kann sich etwas zurücklehnen.

Horst Dettweiler / 14.10.2016

politisch völlig inkorrekt - daher ganz ausgezeichnet. Danke !

Dirk Adam / 14.10.2016

“Wie viele der seit dem Jahre 2000 aus dieser Region Eingewanderten befinden sich in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen?” Diese Frage kann ich für Deutschland nicht beantworten. Für die Schweiz findet man sie in einer 148-seitigen Studie des Bundesamtes für Migration, welche die Erwerbstätigkeit von Asylbewerbern 10 Jahre nach ihrer Anerkennung untersucht. Fazit: Nach 10 Jahren leben aktuell 60 Prozent von staatlichen Transferleistungen und 26 Prozent haben in diesen 10 Jahren keinen einzigen Tag gearbeitet. In Kanada mit gesteuerter Einwanderung liegt die Erwerbsquote nach 10 Jahren immerhin bei 80 Prozent, wobei das immer noch eine erheblich erhöhte Arbeitslosenquote für Deutschland bedeuten würde. Aber ich denke, bei uns wird das alles anders und besser werden, schließlich kommen nach Deutschland ja vorzugsweise gut integrierbare Fachkräfte, außerdem laufen im Fernsehen ja immer diese schönen Werbespots “Wir zusammen-Die Integrations-Initiative der deutschen Wirtschaft.” “Wir schaffen das!” oder auch “Alles wird gut!”

Lutz Muelbredt / 14.10.2016

Die historische Mission der Linksgrünen besteht nun auch in der Überwindung des Deutschnationalen. Hieraus generieren sie einen neuen Geschäftszweig neben Klimaerwärmung, Veggieday und Verbotskultur. Wem das nicht ansteht, schaut sich um. Elsässer mit seinem “Haudrauf” und Ken Jebsen mit seiner diffusen und seltsamen Attitüde über Deutschland treiben die letzten Progressiven zur AfD, wo sie dann als d e r Bürgerschreck im dafür vorgesehenen Schubfach landen. Das ist bitter, denn so verliert man Freunde aus der Linken und aus der ... , nein, bei den Rechten hatte ich auch früher keine Freunde.

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