Oliver Zimski / 20.07.2016 / 06:00 / Foto: Bildarchiv Pieterman / 1 / Seite ausdrucken

Aktion Welt verbessern: Vielfalt, die sie meinen

Es gibt nicht nur fade Männerwitze, sondern auch völlig misslungene Frauenwitze. Einer davon geht so: Treffen sich etliche Frauen (sowie ein paar Männer) und wählen für die Online-Plattform Edition F aus 750 Kandidatinnen „25 Frauen, die unsere Welt besser machen“. Sagt nach der Wahl Susann Hoffmann, die Gründerin von Edition F: „Was uns besonders beeindruckt hat, ist (aufgepasst!) die Vielfalt an Unternehmen und Initiativen…“

Sie verstehen die Pointe nicht? Dann lesen Sie mal, wer alles nominiert wurde und wie diese schier unglaubliche „Vielfalt“ konkret aussieht:

  • Ingrid Brodnig, Journalistin und Netzaktivistin – die österreichische Journalistin engagiert sich couragiert gegen Hass im Internet – zuletzt in ihrem gerade erschienenen Buch „Hass im Netz“, in dem sie beschreibt, was wir gegen digitale Hetze, Mobbing und Lügen tun können.
  • Prof. Dr. Naika Foroutan, Sozialwissenschaftlerin – Muslime haben in unserer Gesellschaft mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Die Forschung der gebürtigen Iranerin trägt einen wichtigen Teil dazu bei, die Islamfeindlichkeit in Deutschland abzubauen und eine pluralistische Gesellschaft entstehen zu lassen.
  • Mareike Geiling, Gründerin der Initiative „Flüchtlinge Willkommen“ – so leistet sie einen großen Beitrag, damit eine Gesellschaft entsteht, die geflüchtete Menschen als Teil von sich betrachtet.
  • Kübra Gümüşay, Journalistin, Bloggerin und Aktivistin – Internet, Politik, Gesellschaft, Rassismus, Feminismus, Islamfeindlichkeit – das Engagement von Kübra Gümüşay ist unglaublich facettenreich. Gleichzeitig sensibilisiert sie unsere Gesellschaft für die Hürden, denen Frauen mit Kopftuch in Deutschland immer noch viel zu oft begegnen.
  • Dunja Hayali, Journalistin – Fremdenfeindlichkeit, sowohl im Netz wie auch offline, ist ein reales Problem unserer Gesellschaft. Die Journalistin Dunja Hayali stellt sich mit ihrer journalistischen Arbeit und ihrem gesellschaftlichen Engagement gegen diesen Hass.
  • Diana Henniges und Christiane Beckmann, Gründerinnen von „Moabit hilft” – Ihr Einsatz stellt gelebte Willkommenskultur dar und leistet wichtige Versorgungsarbeit an den Stellen, wo der Berliner Senat versagt hat.
  • Judy Korn, Aktivistin gegen Rechts – kämpft seit ihrem 14. Lebensjahr gegen Neonazis und für eine offene Gesellschaft. Damit leistet Judy Korn einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen rechte Gewalt.

Eine unbewusst in SED-Sprache vorgestellte "Vielfalt"

Der Rest der 25 sind Aktivistinnen, die sich einsetzen für: einen sozialeren Kapitalismus, die Produktion fairer Kleidung, eine fairere Gesellschaft, eine gerechtere Gesellschaft, radikale Arbeitszeitverkürzung, Tierrechte oder die Einstellung von Menschen ohne Karrierechancen. Alles dieselbe ungenießbare Soße ideologischer Versatzstücke aus der linken Mottenkiste. Diese höchst einseitige und unbewusst in SED-Sprache vorgestellte Auswahl als „Vielfalt“ zu rühmen, beleidigt die Intelligenz jedes halbwegs kritischen Lesers. Haben die Mitarbeiterinnen von "Welt", "Tagesspiegel" und "Handelsblatt", die neben einer obskuren „hochkarätigen Jury“ die Auswahl der 25 verantworten, recherchiert, für wen sie sich da entschieden haben?

Um nur drei herauszugreifen: Foroutan, die mit ihrem FU-Projekt „Heymat – hybride muslimisch-europäische Identitätsmodelle“ seit Jahren versucht, eine Art politisch korrekten Homunculus als Idealbewohner der neuen bunten Republik zu erschaffen. Die Kopftuch-Lobbyistin Gümüsay, die durch die Talkshows tingelt und der deutschen Mehrheitsgesellschaft Rassismus vorwirft, weil keiner ihr das selbsterfundene positive muslimische Männerbild abnimmt. Henniges, die kürzlich mit ihrem umstrittenen Verein wegen der Story um einen erfundenen toten Flüchtling in die Schlagzeilen geriet und – ebenso wie einige Mitnominierte – durch ihre eklatante Unfähigkeit zur Selbstkritik auffällt. Wessen Welt sollen diese Frauen besser machen?

Zu befürchten steht allerdings, dass die Auswahl bewusst getroffen wurde, zu deutlich ist ihr rein propagandistischer Charakter. Der feuchte Traum von einer „Vielfalt“ die von rot bis dunkelrot, von linksradikal bis grünalternativ, von sozialistisch bis antifaschistisch reicht, war schon vor 80 Jahren der Alptraum von George Orwell. Krieg ist Frieden! Freiheit ist Sklaverei! Unwissenheit ist Stärke! Die Frauen, die in schwarzen Ganzkörpergewändern – als Eigentum ihres Mannes gekennzeichnet – und mit leeren Blicken durch unsere Fußgängerzonen schlurfen, sind eine bunte Bereicherung! Und je mehr Islam wir importieren, desto pluralistischer wird unsere Gesellschaft!

Den linken Ideologinnen, die diesem Traum nachhängen, fehlt jede Vorstellung von echter Meinungsvielfalt, weil sie alles, was jenseits ihres eigenen engen Horizonts liegt, als „rechts“ abgespalten haben. Überall sehen sie „Hetzer“ am Werk (wieder so ein SED-Begriff) und merken nicht, wie schlimm sie selbst hetzen. Voller hehrer Vorstellungen vom multikulturellen Paradies auf Erden helfen sie dabei, mit den „Flüchtlingen“ auch die Zustände nach Deutschland zu bringen, die jene eigentlich hinter sich gelassen haben. Und preisen dabei das eigene Brett vorm Kopf als Panoramablick. Frei nach Goethe: „Die schlimmste Feindin der Freiheit ist die Sklavin, die nicht weiß, dass sie eine ist.“

Foto: Bildarchiv Pieterman
Leserpost (1)
Emmanuel Pracht / 20.07.2016

Solche Meinungsbildnerinnen haben beim Lesen von Orwells 1984 gedacht - super Blaupause - das machen wir.

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