Gastautor / 29.01.2013 / 21:10 / 0 / Seite ausdrucken

Unstatistik des Monats:  Lebensmittelverschwendung

Walter Krämer

Die Unstatistik des Monats Januar sind die regelmäßigen Schreckensmeldungen über weggeworfene Lebensmittel in Deutschland. Zuletzt hatten die beiden christlichen Kirchen beim ökumenischen Landkirchentag auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin die Verschwendung von Lebensmitteln angeklagt. Jeder deutsche Verbraucher werfe im Durchschnitt jedes Jahr 83 Kilogramm Lebensmittel auf den Müll.

Im „Spiegel“ 50/2012 wurde ähnlich alarmierend berichtet, weniger als die Hälfte des in Europa angebauten Obstes und Gemüses würde tatsächlich auch gegessen. Dieser Rechnung lag jedoch ein populärer Denkfehler zu Grunde: Wenn 50% von irgendetwas verlorengeht, und vom Rest dann nochmals 50%, so sind das insgesamt nicht 100%, sondern 75%. Der Spiegel hatte aber die Verlustraten auf den verschiedenen Stufen vom Anbau bis in den Verbrauchermagen einfach aufaddiert und kam bei Obst und Gemüse auf insgesamt 56%, bei Wurzeln und Knollen sogar auf 68% der Ausgangsmenge. In Wahrheit sind es aber nur 46%  bzw. 52% - immer noch viel, aber nicht ganz so alarmierend.

Bei näherem Hinsehen entpuppt sich aber auch ein großer Teil dieser verbleibenden Prozentsätze wie auch der von den Kirchen beklagten weggeworfenen 83 Kilogramm als unvermeidbarer oder teilweise unvermeidbarer Abfall wie beispielsweise Brotrinden oder Apfelschalen. So schätzt die Studie, auf die sich die Meldungen der Kirchen beziehen, dass nur 38 Kilogramm der von den Verbrauchern weggeworfenen Lebensmittel definitiv vermeidbar waren.

Als beklagenswert verbleiben die nur wegen angeblicher Schönheitsfehler weggeworfenen Lebensmittel, hier wäre sicher ein Umdenken ökologisch wie auch ethisch angebracht. Fast noch bedenklicher aus ethischer Warte erscheint aber der kaum beklagte Umstand, dass allein in Deutschland jedes Jahr über 4 Millionen Tonnen Lebensmittel zu Kfz-Treibstoff verarbeitet werden.

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter http://www.unstatistik.de.

Leserpost (0)

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können wir meist nur während der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eines Artikels annehmen.

Verwandte Themen
Gastautor / 12.01.2017 / 18:00 / 8

Was treibt den Denunzianten an?

Von Jeanette Neuendorf. Denunziation – warum gibt es das eigentlich? Warum haben Menschen überhaupt das Bedürfnis andere Menschen zu denunzieren, anzuschwärzen, zu verraten, zu verpfeifen…/ mehr

Gastautor / 11.01.2017 / 06:15 / 5

Veganer fordern: Schluss mit dem Schweinegeld!

Von Udo Pollmer. Die süßen Glücksschweinchen mit dem goldigen Glückspfennig in der Schnauze fanden zum Jahreswechsel wieder viel Zuspruch. Doch wie kommt das Geld zum…/ mehr

Gastautor / 28.12.2016 / 06:22 / 7

Warum man hassen dürfen muss

Von Alexander Mayer. Was haben plötzlich alle gegen den Hass? Ich zum Beispiel hasse meine Schwiegermutter. Natürlich hasse ich nicht meine Schwiegermutter, das war jetzt…/ mehr

Gastautor / 20.12.2016 / 17:26 / 4

Aus Atommüll wird Strom: Dürfen die das?

Von Dominic Wipplinger und Rainer Klute. Seit dem 31. Oktober 2016 und damit gut einem Monat läuft Block 4 des russischen Kernkraftwerks Beloyarsk im kommerziellen…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com