Walter Krämer / 29.09.2016 / 06:13 / 3 / Seite ausdrucken

Unstatistik des Monats: Fragen mit eingebauter Antwort

Mit der richtigen Fragestellung zum Wunschergebnis: 53 Prozent aller Bundesbürger meinen, Deutschland sollte viel mehr tun, um auch weiter Vorreiter im Klimaschutz zu sein. Und für das „schnellstmögliche“ oder „so bald wie mögliche“ Abschalten aller Kohlekraftwerke plädieren 67 Prozent der Befragten. So ein Ergebnis des britischen Meinungsforschungsinstitutes YouGov, über das viele Medien berichtet haben, unter anderem das Handelsblatt.

Dieses Mal liegt der Missstand nicht in der Interpretation, sondern in der Art der Fragestellung. Die Antworten waren in die Fragen quasi eingebaut. Die Frage zum Klimaschutz lautete: „Beim Klimagipfel in Paris wurde 2015 ein internationales Abkommen für den Klimaschutz beschlossen. Anfang des Monats September haben die USA und China dieses Abkommen ratifiziert. Deutschland hat den Prozess noch nicht abgeschlossen und einen schwachen Klimaschutzplan für 2050 vorgelegt. Sollte Deutschland Ihrer Meinung nach mehr tun, um Vorreiter im Klimaschutz zu bleiben?“.

Die Frage zu den Kohlekraftwerken lautete: „Die Stromproduktion aus Kohle allein ist die größte Einzelquelle für die deutschen Treibhausgasemissionen. Was sollte Ihrer Meinung nach mit den Kohlekraftwerken passieren?“ Derart suggestive Fragen lenken die Antworten systematisch in eine vorbestimmte Richtung. Bei neutraler Fragestellung wäre das Ergebnis wahrscheinlich anders ausgefallen. Und bei einem direkten Vergleich mit Atomkraft ebenfalls.

In der Umfrageforschung unterscheidet man zwischen ergebnisorientierter und erkenntnisorientierter Demografie. Die YouGov–Umfrage steht für ersteres. Auftraggeber war der WWF (World Wide Fund for Nature). Was immer man von Kohlekraftwerken hält, die Meinung der Öffentlichkeit dazu sollte man neutral erfassen statt zu versuchen, diese systematisch in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen.

Siehe auch hier.

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Leserpost (3)
Robert Hagen / 30.09.2016

Die Kunst der politischen Lügen ist das vorherrschende Strategieelement der Grünen Bewegung. Ich sage nur “Waldsterben”, das sofort aufhörte, als eine deren Damen das entsprechende Ressort übernommen hatte, oder “Freihandelsverträge”, oder ...

Wolfgang Richter / 29.09.2016

Stellt sich die Frage, wer so kurz blickend ist, daß er auf Suggestivfragen eine antwort gibt. Und dem Auftraggeber der Umfrage kann man Geldverschwendung vorwerfen, denn bei einem derartigen Fragebogen muß ich niemanden mehr extern ansprechen, sondern kann mir das Ergebnis direkt selbst fabrizieren. Fazit:  Nichts anderes als wieder mal eine nett aufgemachte Volksverdummungsaktion, die von den Vertretern der Lückenpresse auch brav dem Niveau entsprechend unters Volk gebracht wird. Schön zu sehen, daß es noch einige wachsame Beobachter gibt.

JF Lupus / 29.09.2016

Fälschungen aller Art und Lügen sind doch inzwischen Standard in der Politik, bei den Medien und bei den NGO. Mit diesem Wissen ist jede Umfrage und Statistik zuerst zu prüfen auf Auftraggeber und Institut.

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