Henryk M. Broder / 03.12.2012 / 05:16 / 0 / Seite ausdrucken

Unser Bastl in Tel Aviv

Einer der dümmsten Artikel, die je über die Lage im Nahen Osten, also Israel und Palästina, geschrieben wurden, stammt aus der Feder des ARD-Hörfunkkorrepondenten in Tel Aviv, Sebastian Engelbrecht. Zum Ausklang des Jahres 2011 mährte er sich noch mal gründlich auf der Hometage von tagesschau.de aus. Kleine Kostprobe:

Die israelische Regierung hat sich entschieden, in der Schockstarre zu verharren - trotz der Umwälzungen von Libyen über Ägypten bis nach Syrien. Aus der Regierungszentrale in Jerusalem kamen nicht die geringsten Versuche, den aufbegehrenden Völkern und Bewegungen auch nur im Ansatz Respekt oder gar Wertschätzung entgegenzubringen. In einer Art Angstreflex igelt sich die Regierung von Benjamin Netanjahu ein. Ihre Grundhaltung: Es war immer schlimm mit den Arabern, und es kann nur schlimmer werden. Netanjahu ist nicht im Stande, außenpolitisch zu gestalten, Brücken zu bauen, die Hand zu reichen, Bewegungen in Gang zu setzen. Er lässt stattdessen an der Grenze zu Ägypten Hochsicherheits-Grenzanlagen bauen - gegen Flüchtlinge aus Afrika und gegen alles andere, was da kommen könnte.

Lassen Sie es damt nicht sein, lesen Sie das ganze Stück. Es lohnt sich. Würde Engelbrecht sich damit beschäftigen, das Wetter vorherzusagen oder auch nur die Chancen für einen Meteoriteneinschlag im Erdinger Moos zu berechnen, wäre er seinen Job längst los. Aber er berichtet ja nur aus dem Nahen Osten, was in der Praxis bedeutet, dass er morgens nach dem Aufstehen einen türkischen Kaffee (“Kafe botz”) aufkocht und dann ganz lange und konzentriert den Kaffeesatz auf dem Boden der Tasse betrachtet, bevor er sich ans Schreiben macht. So wusste er Ende 2011, dass “sich sogar die islamistische Hamas auf Israel” zubewegt, wenn auch nicht in der Form von Raketen, und dass der “ehemalige Hardliner Chalid Maschaal, Chef des Politbüros, unüberhörbar deutlich dem bewaffneten Kampf gegen Israel abgeschworen” hat. Er wusste auch, dass “die Palästinenser im Begriff (sind), sich zu versöhnen” und dass sie “Anfang Mai in Gaza und im Westjordanland einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament wählen” wollen. Was man so alles aus einem Kaffeesatz herauslesen kann, wenn man sich nur ein wenig Mühe gibt.

Nun hat sich inzwischen in Syrien einiges getan, und auch die Dinge in Ägypten ist die wilde Wutz los, wenn auch nicht so, wie die Korrespondenten es vorhergesagt haben. Bewegung überall, nur Israel verharrt noch immer in einer Schockstarre, igelt sich ein, außerstande “Brücken zu bauen, die Hand zu reichen, Bewegungen in Gang zu setzen”. Derweil Sebastian Engelbrecht von der ARD Gewissheiten von sich gibt: “Sicher ist eins: Wer sich so halsstarrig der Dynamik seiner Umwelt entgegenstellt, wird fallen.”

Nein, sicher ist etwas anderes: Engelbrecht wird weiter Unsinn aus dem Nahen Osten verbreiten, weil er von dem Land, in das entsandt wurde, keine Ahnung hat. Er hockt in seinem vollklimatisierten Büro, lässt sich von einer Mitarbeiterin jede volle Stunde die hebräischen Nachrichten übersetzen und schreibt ab und zu einen Kommentar, der so präpotent ist wie der Auftritt eines Zehnjährigen im Superman-Kostüm. Unser Bastl in Tel Aviv, dem sich solche Lokalgrößen wie Chalid Maschaal. Chef des Politbüros der Hamas, exklusiv anvertrauen.

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