Rainer Grell / 11.03.2017 / 12:22 / Foto: Wolfram Huke / 7 / Seite ausdrucken

„Umso schlimmer für die Wirklichkeit“

Also ganz ehrlich: Wenn ich „postfaktisch“, das „Wort des Jahres“ 2016, höre, überkommt mich immer das große Gähnen (ähnlich wie bei „Narrativ“, aber das ist eine andere Baustelle). Das ist doch alter Wein in neuen Schläuchen. Und mit Fake News steht es nicht anders. Ich will nicht gerade behaupten, dass der große Hegel der Vater des Postfaktischen war. Aber wäre das eigentlich völlig abwegig? Hegelkenner haben jetzt Gelegenheit, heftig zu protestieren.

Sabatina James prangerte in einem Gespräch auf Phoenix im Dezember letzten Jahres die Haltung der Bundesregierung, der Justiz und der Kirchen gegenüber der Verfolgung von Christen in den 56 islamischen Ländern der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) sowie in den Flüchtlingsheimen in Deutschland durch muslimische Mitbewohner an. Es scheint so, als ob die kritisierten Personen und Institutionen die Augen vor der Realität verschließen. Eine Haltung, die Tradition hat.

„Wer sagt denn, dass es so etwas wie Wirklichkeit gibt? Wirklichkeit ist nur ein soziales Konstrukt, ebenso wie geschlechtliche Zugehörigkeit.“  Wer diesen Satz von Henryk M. Broder für Ironie hält (bei ihm weiß man das ja nie so genau), sollte sich das Folgende zu Gemüte führen.

„Philosoph Habermas um offene Gesellschaft in Frankreich besorgt“, lautete eine Schlagzeile am 22. November 2015. Der Frankfurter Philosoph Jürgen Habermas zeigte sich besorgt, dass Frankreich unter dem Eindruck der Pariser Terroranschläge vom 13. November 2015 seine Liberalität verlieren könnte. „Die Zivilgesellschaft muss sich davor hüten, alle demokratischen Tugenden einer offenen Gesellschaft auf dem Altar der Sicherheit zu opfern“, sagte Habermas in einem Interview der Tageszeitung „Le Monde“. Dazu gehörten auch die Toleranz gegenüber anderen Lebensweisen und die Bereitschaft, die Perspektive des Anderen einzunehmen. 

Der moderne Heilige Krieg

Mit Blick auf eine verbreitete Islamfeindlichkeit mahnte Habermas, der dschihadistische, also der auf dem Prinzip des Heiligen Krieges basierende, Fundamentalismus der Terroristen des Islamischen Staats benutze zwar eine religiöse Sprache, sei aber selbst keine Religion. Während die großen monotheistischen Religionen vor vielen Jahrhunderten entstanden seien, sei der Dschihadismus eine sehr viel jüngere Erscheinung. Der Frankfurter Philosoph und Soziologe sieht darin „eine absolut moderne Form der Reaktion auf Lebensbedingungen, die von Entwurzelung geprägt sind“. 

Für die barbarischen Taten der Terroristen gebe es keine Entschuldigung, sagte Habermas. Es müsse nun aber auch nach dem „Versagen der Integration in den sozialen Brandherden unserer Großstädte“ gefragt werden.

Jürgen Habermas, geboren am 18. Juni 1929, 1994 emeritierter Professor für Philosophie und Soziologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und Träger des Hegel-Preises der Stadt Stuttgart (1973) denkt auch mit 86 Jahren immer noch so links wie mit 20.

Wie ist das möglich? Eine unwiderlegbare Erklärung finde ich dafür nicht. Habermas‘ Haltung ist jedoch ein Beleg für die Macht der Ideologie. Seine zweifellos vorhandene Intelligenz erlaubt es ihm nicht, den engen Käfig seines ideologisch zementierten Denkens zu verlassen. Habermas erweist sich als Inkarnation des Palmström von Christian Morgenstern, der seine Betrachtung über „Die unmögliche Tatsache“ mit der Erkenntnis schließt:

Und er kommt zu dem Ergebnis:

„Nur ein Traum war das Erlebnis.

Weil“, so schließt er messerscharf,

„nicht sein kann, was nicht sein darf!“

Diese „Faktenresistenz“ (Hans-Peter Raddatz) begegnet uns immer wieder. Der Stammvater aller Linken, Georg Friedrich Wilhelm Hegel, hat den Grundstein für diese Attitüde gelegt, wobei offen bleiben kann, ob es sich um eine Anekdote oder um eine Tatsache handelt: Auf den Hinweis eines Studenten, dass seine Theorie nicht mit der Wirklichkeit übereinstimme, soll Hegel geantwortet haben: „Umso schlimmer für die Wirklichkeit.“ Wenn das nicht postfaktisch ist!

"Das Reale ist das Schwierigste"

Vielleicht hatte der erste SPD-Vorsitzende der Nachkriegszeit, Kurt Schumacher, diesen Satz vor Augen, als er warnte: „Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit“. Die Tiefe dieser banal erscheinenden Aussage ist mir erst sehr spät aufgegangen.

Sehr bezeichnend ist auch die Geschichte jenes Studenten, der seinen Vortrag über den französischen Psychoanalytiker Jacques Lacan mit den Worten beschloss: „Das Reale ist bei Lacan und überhaupt das Schwierigste, deshalb lasse ich es hier weg.“

Da kann man mit Wilhelm Busch nur seufzen:

Gar sehr verzwickt ist diese Welt

Mich wundert‘s, dass sie wem gefällt.

Dirk Maxeiner hat es in anderem Zusammenhang kürzlich treffend so formuliert: „Die Verfasser dieser Traktate sind gegen Fakten mindestens so immun wie die Bevölkerung von Mekka gegen christliche Missionierung.“

Morgenstern, Busch, und der israelische Satiriker Ephraim Kishon haben uns hinterlassen, dass man diese Sicht auf die Wirklichkeit nur mit Humor ertragen kann. So handelt Ephraim Kishons Kurzgeschichte „Aus absolut sicherer Quelle“ von der Nachricht, dass der „Kreml“, das pompöse Histadruth- oder Gewerkschaftshaus in Tel Aviv, in die Luft gesprengt wurde. Ein Gerücht, an das bestimmte Leute auch dann noch glauben, als sie sich mit eigenen Augen von der Unversehrtheit des Gebäudes überzeugen können – eben weil die Nachricht „aus absolut sicherer Quelle“ stammt. Postfaktisch oder was?

Nach diesem Exkurs zurück zu Habermas. Schauen wir uns seine Ausführungen näher an.

Der Philosoph ist besorgt, dass Frankreich „seine Liberalität verlieren könnte“. Daran ist zunächst nichts auszusetzen. Zu dieser Liberalität „gehörten auch die Toleranz gegenüber anderen Lebensweisen und die Bereitschaft, die Perspektive des Anderen einzunehmen“. Hm. Klingt auch nicht schlecht. Doch was heißt das konkret? Im Einzelnen?

Die Anhänger des Islamischen Staates, die Dschihadisten, die Salafisten, die muslimischen Jugendlichen in den französischen Banlieus praktizieren eine gänzlich andere Lebensweise als wir. Sollen wir die etwa tolerieren? Da kann man mit Thomas Mann nur entgegnen: „Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt“ (aus dem „Zauberberg“).

Auszug aus einem der Hauptwerke des liberalen Philosophen Karl Raimund Popper (1902-1994), Die offene Gesellschaft und ihre Feinde von 1944:

“Weniger bekannt ist das Paradox der Toleranz: Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen. - Damit wünsche ich nicht zu sagen, daß wir z. B. intolerante Philosophien auf jeden Fall gewaltsam unterdrücken sollten; solange wir ihnen durch rationale Argumente beikommen können und solange wir sie durch die öffentliche Meinung in Schranken halten können, wäre ihre Unterdrückung sicher höchst unvernünftig. Aber wir sollten für uns das Recht in Anspruch nehmen, sie, wenn nötig, mit Gewalt zu unterdrücken; denn es kann sich leicht herausstellen, daß ihre Vertreter nicht bereit sind, mit uns auf der Ebene rationaler Diskussion zusammenzutreffen, und beginnen, das Argumentieren als solches zu verwerfen; sie können ihren Anhängern verbieten auf rationale Argumente - die sie ein Täuschungsmanöver nennen - zu hören, und sie werden ihnen vielleicht den Rat geben, Argumente mit Fäusten und Pistolen zu beantworten.

Wir sollten daher im Namen der Toleranz das Recht für uns in Anspruch nehmen, die Unduldsamen nicht zu dulden. Wir sollten geltend machen, daß sich jede Bewegung, die Intoleranz predigt, außerhalb des Gesetzes stellt, und wir sollten eine Aufforderung zur Intoleranz und Verfolgung als ebenso verbrecherisch behandeln wie eine Aufforderung zum Mord, zum Raub oder zur Wiedereinführung des Sklavenhandels.”

Habermas hat dieses grundlegende Werk von Popper mit dieser Passage natürlich auch gelesen. Es hat ihn aber offenbar nicht von seiner festgefahrenen Denkweise abzubringen vermocht.

"Sie nahmen uns die Propagandaarbeit ab"

Die „Perspektive des Anderen einzunehmen“ kann durchaus sinnvoll sein, jedenfalls für einen Moment; denn nur wenn wir den anderen wirklich verstehen, können wir ihm argumentativ wirkungsvoll begegnen. Wenn man allerdings liest, was die französische Philosophin und Journalistin Alexandra Laignel-Lavastine kürzlich über ihre Begegnung mit muslimischen Jugendlichen in einem Bistro im Département Seine-Saint-Denis geschrieben hat (die „Welt“ vom 23. November 2015), muss man resigniert feststellen: Mit Tatsachen ist auch hier nichts auszurichten. Wie viele Muslime sehen sie nur sich selbst als Opfer. Muslime töten doch nicht. Angeblich muslimische Anschläge sind nur Erfindungen der Geheimdienste. Das gilt für nine eleven in New York ebenso wie für 13/11 in Paris.

So abwegig solche „Verschwörungstheorien“ auch erscheinen mögen, sie haben auch in anderen Kreisen Anhänger gefunden: Christine Boutin, im Kabinett Sarkozy Ministerin für Wohnungsbau, hat in Fernseh-Interview auf Einladung des Moderators Marc Vincent Tellenne („Karl Zéro“) gegenüber zwei Bloggern von ReOpen911 (une association citoyenne à but non lucratif, laïque, et indépendante de toute organisation politique - eine bürgerschaftliche gemeinnützige Vereinigung, laizistisch und unabhängig von jeder politischen Organisation) während des Präsidenten-Wahlkampfs 2007 die Vermutung ausgedrückt hat, dass George W. Bush hinter den Anschlägen vom 11. September stecken könnte. Ihre genaue Antwort war: “Je pense que c’est possible (Ich denke, dass dies möglich ist)”

Bei solcher Verbohrtheit hilft es natürlich auch nichts, dass sich der Aussteiger aus der mittlerweile in Großbritannien verbotenen radikalen islamistischen Gruppierung Al-Muhajiroun, Hassan Butt, wie folgt geäußert hat:

„Da pflegte ich jeweils mit meinen Gefährten in triumphierendes Gelächter auszubrechen, wenn am Fernsehen wieder einmal behauptet wurde, dass islamistische Terrorakte wie die Anschläge vom 11. September oder die Bombenattentate in Madrid und London einzig durch die Außenpolitik des Westens verursacht seien.

Indem sie ihren Regierungen die Schuld für unser Handeln zuschoben, nahmen uns diese Kommentatoren gleich die Propagandaarbeit ab. Und wichtiger noch, sie lenkten die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Triebfeder unseres Handelns ab - der islamistischen Theologie“.

Phantasie des Unbelehrbaren

Im Dschihadismus sieht Habermas also „eine absolut moderne Form der Reaktion auf Lebensbedingungen, die von Entwurzelung geprägt sind". „Si tacuisses, philosophus mansisses“, möchte man ihm da frei nach Boethius zurufen: Hättest du geschwiegen, wärst du ein Philosoph geblieben. Was glaubt der absolut Ahnungslose denn, wie der Islam sich innerhalb von knapp 100 Jahren nach dem Tode seines Gründers bis nach Persien im Osten und al-Andalus im Westen ausdehnen konnte, wenn nicht durch Dschihad? Die zahlreichen „Schwertverse“ des Koran überführten die vorislamische Tradition der Karawanenüberfälle nahtlos in die islamische Form des Dschihad, bei der es neben dem Gewinn von Kriegsbeute (mit dem Prophetenanteil von 20 Prozent) um den religiösen Kampf der streng monotheistischen Muslime gegen die Polytheisten ging. Von moderner Form und Entwurzelung kann also keine Rede sein, diese existieren nur in der kruden Phantasie eines Unbelehrbaren, für den alle Übel dieser Welt gesellschaftliche Ursachen haben.

Wenn Habermas schließlich von dem „Versagen der Integration in den sozialen Brandherden unserer Großstädte“ spricht, könnte man ihm durchaus zustimmen, wenn er die Ursachen dieses Versagens nicht ausschließlich in der etablierten Politik sähe. An dieser Stelle überkommt mich fast so etwas wie Mitleid mit dem Emeritus, der auch mit 86 Jahren nicht der Wohltat der Weisheit teilhaftig wird, die einen normalerweise irgendwann in diesem Altersbereich überkommt.

Zwar wissen wir seit langem, dass auch große Geister außerhalb des Fachgebietes, auf dem sie ihre Größe erworben haben, geistigen Dünnschiss absondern können. Der von mir hochverehrte Albert Einstein ist dafür nur ein Beispiel (vgl. Große Menschen mit kleinen Macken).

Wenn sich dies aber auf dem ureigenen Fachgebiet selbst ereignet, ruft es doch ungläubiges Staunen hervor. Es gibt in der Tat mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als sich unsere Schulweisheit träumen lässt, wie Shakespeares Hamlet richtig erkannt hat (”There are more things in heaven and earth, Horatio, than are dreamt of in your philosophy.”). Something is rotten in the brain of Habermas. Und von einigen anderen. The rest is silence.

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Leserpost (7)
Thomas Bode / 12.03.2017

“...alle Übel dieser Welt gesellschaftliche Ursachen haben.” Aber welche Ursachen haben die gesellschaftlichen Ursachen? Im linksgrünen Denken wimmelt es von Widersprüchen. Wie z.B. auch bei der “Selbstanwendung” des Kultur-Relativismus. Mit ihrer Borniertheit schaden sie tatsächlich dem linken Projekt des dauernden Strebens nach Gerechtigkeit. Das ja durchaus legitim ist.

Archi W. Bechlenberg / 12.03.2017

Aus einer miterlebten Diskussion: “Überzeugungen brauchen keine Beweise”. Schöner kann man kaum zu seiner Faktenresistenz stehen.

Henning Ahrens / 12.03.2017

Fakten, reine Objektivität, das “Ding an sich” (ein Begriff von Kant) kennt nur Gott. “Am Anfang war das Wort”, das ist “prä-faktisch”. “Post-faktisch” ist die Reflektion. “... schlecht für die Realität” ist insofern richtig, als sie dem wahren Begriff noch nicht angepasst ist - und das meint dann den fortwährenden Prozess der Schöpfung. MfG, Hegel-Fan

Rudi Knoth / 12.03.2017

Zitat:“Was glaubt der absolut Ahnungslose denn, wie der Islam sich innerhalb von knapp 100 Jahren nach dem Tode seines Gründers bis nach Persien im Osten und al-Andalus im Westen ausdehnen konnte, wenn nicht durch Dschihad? “ Genau dies ist ein Punkt, den ich in der jetzigen Diskussion vermisse. Es wird öfters behauptet, daß der Islam eine total friedliche und barmherzige Religion ist. Vergessen wird dabei die millitante Expansion des Islam im Mittelalter und auch etwas später. Oder glaubt man wirklich, daß 1683 die Osmanen der Stadt Wien nur ein paar Säcke Kaffee bringen wollten? Eine Anmerkung zum Hegel-Zitat: Dieser Spruch wurde auch von Adorno in etwas anderer Formulierung gesagt.

Helmut Driesel / 11.03.2017

Was mag der gefeierte Genius Habermas unter “demokratischen Tugenden” verstehen? Meint er solche kollektiven Tugenden wie die Schweizer Eigenart, kollektiv konkrete Sach-Entscheidungen zu treffen und auch akzeptieren zu können? Oder meint er höheres, vom Urteil des profanen Menschen Losgelöstes? Wie weit liegt, was eine Tugend ist, im Auge des Betrachters? Spricht er von der grundsätzlich positiven Tendenz der Willensbildung im Kollektiv? Oder sieht er es als Egoist, der die Gesellschaft liebt, wenn sie ein Philosophendasein möglich macht, ohne nach seinem Nutzen zu fragen?   Die parlamentarische Demokratie, wie wir sie hier pflegen, ist eine Illusion von Macht und beruht auf der Furcht vor den Gespenstern, die von den Propagandisten der Partein an die Wand gemalt werden. Das sind momentan die Populisten und der Terrorismus, früher waren es die Kriegsgefahr, Massenarbeitslosigkeit, Armut, Hunger, Überfremdung, Unterwanderung, die rote und die braune Ideologie, heute und demnächst die Globalisierung, Werteverfall und Kriminalität, Klimawandel, die Entwertung von Vermögen und Ersparnissen durch Inflation, die grüne Öko-Religion, die Abkehr vom Christentum, der Asylantenstrom, der Islam, die Chinesen, die Kybernetik. Die Illusion besteht darin, dass die gesamte Menge derer, die gewählt werden oder als Kandidat aufgestellt sind, über die Jahre dieselbe ist. Neu hinzu kommende Kandidaten werden in kurzer Zeit vom bestehenden Apparat, seinen Privilegien, Vorzügen und auch Zwängen korrumpiert. Das sieht man deutlich, wenn man sich die gefühlt radikalen Umschwünge durch Wahlen in den letzten 20 Jahren anschaut. Also beispielsweise den Erfolg Gerhard Schröders mit den Grünen 1998, der überraschende Coup des Herrn Schill mit seiner Partei 2001 in Hamburg, die Wahlsiege der Grünen 2011 und 2016 in Baden-Württemberg oder auch die verschiedenen Erfolge von PDS, bzw. Linkspartei in verschiedenen Landtagen seit 1998. In keinem einzigen Fall haben sich durch diese demokratischen Wahlergebnisse politische Umbrüche ergeben. Im Gegenteil, die gestalterischen Intiativen in diesem Land gehen nahezu ausschließlich von den hinter den Kulissen wirkenden Lobbyisten aus. Das beste Beispiel dafür ist die derzeit noch in aller Munde befindliche Agenda 2010. (Näheres in Wikipedia nachzulesen.) Ein anderes Beipiel wäre die PKW-Maut, die alle Parteien vor den Wahlen seit der umstrittenen Einführung der LKW-Maut mit Händen und Füßen abgestritten haben. Mautanlagen sind ein Geschäft für Monopolisten. Ähnliches gilt für die in voller Blüte stehende Helfersyndrom-, Vergangenheitsbewältigungs- und sogar auch Pflegeindustrie. Genauso wie das Gutmenschentum zu 2/3 aus Geschäftsidee besteht und zu 1/3 aus Naivität, besteht das Verständnis von Demokratie aus 2/3 Illusion und einem Rest von quasireligiösem Glauben an das Gute im Menschen. Da ich hier für die dümmere Hälfte der Menschen in diesem Land schreibe, dürfen Sie von mir nicht erwarten, dass ich einen besseren Vorschlag mache.

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