Peter Grimm / 22.03.2016 / 12:42 / 8 / Seite ausdrucken

Über Verantwortung am Tag der Brüsseler Anschläge

Es ist nur der Versuch einer ersten Reaktion, denn während diese Zeilen geschrieben werden, sind die Toten der Anschläge in Brüssel noch nicht gezählt. Es ist noch nicht einmal klar, ob es für den heutigen Tag bei den momentan bekannten zwei Anschlägen im Flughafen und der Metro-Station Maalbeek bleibt.  Wenn Sie diese Zeilen lesen, sind Sie vielleicht schon besser informiert. Möglicherweise wissen Sie dann auch schon, wie lange es diesmal gedauert hat, bis politische Verantwortungsträger vor Kameras und Mikrophone treten, um nach pflichtschuldigem Mitgefühl zu betonen, dass das aber „nichts mit dem Islam zu tun“ habe und selbstverständlich auch „nichts mit Flüchtlingen“.

Dass aus Anstand auf solche Sätze verzichtet wird, ist kaum zu erwarten. Denn der naheliegende Gedanke, dass wir uns mit vollkommen unkontrollierter und sogar subventionierter Masseneinwanderung aus den Terrorhochburgen dieser Welt eventuell zusätzliche Gefahren importieren, muss so schnell wie möglich zerstreut werden. Sonst könnten ja Forderungen nach Konsequenzen laut werden, nach anderen Konsequenzen als mehr Überwachung und Einschränkungen der Bürgerrechte für alle, stattdessen nach möglichst zielgenauen Maßnahmen entsprechend der Tätergruppe. Die sind aber natürlich nur möglich, wenn man die Definition der Tätergruppe nicht scheut. Es hilft nichts, sich die Tatsache, dass derzeit die größte Gefahr von Islamisten ausgeht, dadurch schönzureden, dass das nichts mit dem Islam zu tun habe.

Islamisten gehören selbstverständlich zum Islam, nur umgekehrt sind nicht alle Islam-Strömungen offen für Islamisten. Nur sind die, die aus ihrem Glauben keine Ideologie machen möchten, nicht gerade gut organisiert. Es bringt nichts, jetzt zuvörderst pauschal vor „Islamophobie“ zu warnen und es ist das falsche Signal, nach solchen Anschlägen den Schulterschluss mit den, zwar nicht-gewalttätigen aber dennoch ideologieaffinen und ideologiefördernden Islamverbänden zu suchen und ihnen zur Beruhigung ein paar neue Privilegien einzuräumen. So war es leider nach den Pariser Anschlägen am Anfang und am Ende des letzten Jahres und es ist zu befürchten, dass sich  daran auch jetzt nichts ändert.

Allerdings sollte man ja die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht verhilft dieser blutige Brüsseler islamistische Ostergruß  ja auch unseren politischen Verantwortungsträgern zu der Erkenntnis, dass die größte Gefahr für uns derzeit nicht von guten Wahlergebnissen der AfD ausgeht und dass die Lösung auch kein Merkel-Erdogan-Pakt sein kann. Wer Verantwortung trägt, sollte sie endlich selbst übernehmen, statt nach jemandem zu suchen, an den er sie weiterreichen kann.

Ergänzung der Redaktion:

Irina Studhalter, Co-Chefin der Grünen Jugend in der Schweiz, twitterte heute 10:09 Uhr: "Ich habe Angst. Nicht vor dem Islam, nicht vor Terror - sondern vor der rechstspopulistischen Hetze, die folgen wird."

Laufende Nachrichten zu den Attentaten finden Sie hier bei der NZZ.

Siehe auch Peter Grimms sichtplatz.de

Leserpost (8)
Franz Repel / 23.03.2016

Ich stimme Herrn Grimm selbstverständlich zu.  Mich interessiert weniger der Teil der Moslems (seit wann schreibt man eigentlich Muslime/Muslim statt Moslem/Moslems?), die mit Gürtel kollabieren, sondern das Übergangsfeld. Da wird es doch eigentlich praktisch wichtig und auch wissenschaftlich/psychologisch/kulturell interessant! Sogar die Süddeutsche traute sich immerhin 2010 noch diesen Übergangsbereich zu thematisieren. Es geht in der SZ um eine Studie, in der der Anteil religiös begründeter Gewalt unter den Moslems ermittelt wurde: http://www.sueddeutsche.de/politik/studie-ueber-muslime-in-deutschland-der-islam-und-die-gewalt-1.331783

Werner Geiselhart / 22.03.2016

Ich habe mal einen Bekannten, der auch der “Das hat nichts mit dem Islam zu tun”-Fraktion angehört, gebeten, er solle mir mal ein paar Stellen aus dem Koran oder der Hadithe nennen, und zwar nicht aus dem Zusammenhang gerissen, die belegen, dass der Islam wenigstens Ansätze zu tolerantem/aufgeklärten Denken zu bieten hat. Natürlich ist ihm das nicht gelungen, da er sich noch nie mit diesen Schriften beschäftigt hat. Obwohl er nicht weiss, was drin steht, weiss er anscheinend ganz genau, was nicht drin steht. Ich denke, der größte Teil derer, die diesen Satz mit x daherbringen, sind genauso ahnungslos wie mein Bekannter. Übrigens wehrte er sic vehement, als ich ihm einige Stellen aus dem Koran und der Lebensgeschichte von Mohammed zeigen wollte. Er wollte sich anscheinend sein Weltbild nicht erschüttern lassen.

Eberhard Franzke / 22.03.2016

Sehr geehrter Herr Grimm, die erste Reaktion ist nicht selten die treffendste - wie Ihr Text eindrucksvoll belegt. Die Betroffenheitsäußerungen unserer Politiker schmerzen. Weil sie zugleich ihre allzu einseitige Blickrichtung und Handlungsüberlegungen offenbaren. Nicht zuletzt darin finden die nächsten Anlässe erschütternderweise ihren Vorlauf.

Paul Siemons / 22.03.2016

Darf ich die Ergänzung der Redaktion noch ergänzen? Im Facebookprofil von Karin Göring-Eckardt kann man heute von einem Schreiber G. lesen: “Leider haben solche Anschläge drei fatale Folgen - die Vorbehalte gegen Muslime und gegen den Islam werden zunehmen - rechte Parteien wie die AFD werden weiteren Zulauf bekommen,weil der Ruf nach einem starken wehrhaften Staat zunimmt - das Mißtrauen gegen alles Fremde wird zunehmen” Und was hat Karin Göring-Eckardt geantwortet? Ich stelle zwei Antworten zur Auswahl. a) Schrieb sie “Aber nein! Mir fiele da noch eine viel schlimmere Folge ein:  dass heute unschuldige Menschen starben oder ihre Eltern, Lebenspartner, Kinder und Freunde verloren haben.” b) Schrieb sie “Ein nicht unerheblicher Teil der Kommentare - teilweise bereits gelöscht - gibt Ihnen da leider Recht, Herr G.” Zugegeben, das Rätsel ist sehr schlicht. So schlicht wie Herr G. und Frau GE.

Gerhard Warthold / 22.03.2016

Tja, was soll man da schreiben? Alles ist hundertmal gesagt. Solange grün-rote Tagträumer, Merkel und ihr CDU selbstverständlich inbegriffen, den Diskurs diktieren, wird sich nichts ändern. Das nächste muslimisch-terroristische Attentat wird folgen, vielleicht in Italien, vielleicht in den Niederlanden, vielleicht auch in unserem kunterbunten Deutschland. Was ficht es die Machthaber an? Nichts. Die Karawane wird weiterziehen, als wäre nichts geschehen - oder denkt heute noch jemand an die Opfer der Anschläge in Madrid, London, Moskau, Luxor, Nairobi, Bali, Bombay, Djerba, Kairo, Sousse ...? Solange Leute vom Schlage eines Maas’, Justizminister der Republik des Kotaus, nach solchen Anschlägen auf die Menschlichkeit auf Socken - welch ein Sinnbild - bei den Falschen “zu Kreuze” kriechen und grüne Heuchler mehr Angst vor der Demokratie und dem Souverän haben, als vor Terroristen und ihrer Ideologie, wird sich nichts, gar nichts und nie etwas ändern.

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