Eugen Sorg, Gastautor / 25.12.2017 / 12:00 / Foto: Pixabay / 31 / Seite ausdrucken

Trumps Sieg über das Kalifat und das Leiden der Journos

Von Eugen Sorg

Anfang dieses Jahres herrschte das Kalifat des Islamischen Staates noch über ein Gebiet so groß wie Jordanien. Die Staatskasse war gefüllt mit Öleinkünften, Zuwendungen reicher arabischer Freunde, Kriegsbeute und Steuern der acht Millionen Untertanen. Das aus dem Nichts entstandene Gottesreich hatte den Nimbus der Unschlagbarkeit. Zehntausende junge Muslime aus allen fünf Kontinenten waren aufgebrochen, um in seinen Reihen zu kämpfen, und jeden Monat kamen über tausend neue todesbereite Rekruten hinzu.

Die irakische Armee war hinweggefegt worden, Millionenstädte wie Mossul im Handstreich erobert und die islamistische Konkurrenz im zerfallenden Syrien vernichtet. Das Kalifat gründete Ableger in Afrika und Asien und bildete Krieger aus, die, unter anderem getarnt als Asylsuchende, nach Europa einsickerten und verheerende Anschläge ausführten. Keine der übrigen modernen Terrorgruppen war so grausam, aber auch nur annähernd so erfolgreich wie der Islamische Staat. Und niemand hätte zu Beginn des Jahres gedacht, dass dieser zehn Monate später wieder verschwunden sein würde.

Eine von den Amerikanern geführte Koalition aus kurdischen Peschmerga, lokalen Milizen und irakischen Spezialeinheiten hatte nach Falludscha, Mossul und anderen Städten im Oktober schließlich noch Raqqa, die Hauptstadt des Islamischen Staates, zurückerobert und damit dem Albtraum des Kopfabschneider-Kalifats ein Ende bereitet.

Ein wichtiger Sieg, der die Welt ein wenig sicherer macht

Die Infrastruktur der Terrorpolitik war zerschlagen worden, die Netzwerke zerrissen und die Geldquellen verstopft, aber vor allem hatte man den die Kalifatsjünglinge beflügelnden und ansteckenden Wahn der Unbesiegbarkeit zerstört. Es war ein wichtiger Sieg, der die Welt, zumindest für eine Weile, ein wenig sicherer macht.

Auffällig war die knappe Berichterstattung der Medien. Das Blutkalifat in der Levante hatte seit seiner Ausrufung im Juni 2014 die Menschen weltweit in Atem gehalten, und nun wurde seine überraschend schnelle militärische Beseitigung fast verschämt vermeldet, ohne größere Hintergrundberichte oder Analysen. Die spröde Zurückhaltung hat einen Grund. 

Oberster politischer Verantwortlicher für den bedeutenden Erfolg der Kriegskoalition ist Donald Trump. Als amerikanischer Präsident ist er gleichzeitig militärischer Oberbefehlshaber. Und als solcher hatte er bald nach seiner Amtsübernahme die Einsatzregeln der Streitkräfte im Gefecht geändert. Er gewährte den Feldkommandanten mehr Autonomie bei den täglich zu fällenden Entscheiden.

Die Kommentare: trotzig und kindisch

Darauf kam Bewegung in die seit längerem festgefahrenen Fronten. Die Effizienz der Schläge nahm schnell zu, und das Kalifat begann sich einzugraben, obwohl von den Amerikanern nicht mehr Luftangriffe geflogen wurden als unter Vorgänger Obama. Dieser hatte seine Kommandanten an der kurzen Leine gehalten, vielleicht, weil er als pazifistisch angehauchter ehemaliger Sozialarbeiter und Verfassungsrechtler dem Urteil von Generälen grundsätzlich misstraute und eher auf zivile Schreibtisch-Strategen als auf erfahrene militärische Praktiker hörte.

Die allermeisten medialen Kommentatoren würden sich eher die Zunge abbeißen, als anzuerkennen, dass Trump etwas richtig gemacht hat. Und wenn sie trotzdem darüber reden müssen, klingt es trotzig und kindisch. „Nicht Trump, sondern die Elitesoldaten dieses Generals waren es, die den Islamischen Staat besiegt haben“, ist der Artikel eines Sicherheitsexperten des Senders CNN überschrieben. Mit dem General war der Iraker Abdul-Wahab al Saadi gemeint, Kommandant der Eliteeinheit „Goldene Division“.

Das ist lächerlich. Niemand sagt, Trump persönlich habe das Kalifat besiegt. Aber der Sieg wurde errungen unter seiner Verantwortung und mit Hilfe seiner Entscheidungen. Genau wie bei Barack Obama. Nachdem Osama bin Laden in seinem pakistanischen Versteck von amerikanischen Elitesoldaten aufgespürt und liquidiert worden war, bestritt Obama den Wahlkampf für eine zweite Amtszeit zentral mit diesem Thema. 

Er ließ keine Gelegenheit aus, die Tötung des Terrorscheichs als seinen Verdienst hervorzuheben, und niemandem wäre es in den Sinn gekommen, ihm diesen abzusprechen. Trumps Leistung würde dieselbe Anerkennung zustehen. Dass sie ihm von den meisten Medien verwehrt wird, wirft ein düsteres Licht auf den intellektuellen und moralischen Zustand des Journalismus.

Foto: Pixabay

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Leserpost (31)
Michael Scheffler / 25.12.2017

Nun ja, ich möchte Trumps Erfolg nicht kleinreden, aber ohne Putin wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen. Beide gemeinsam haben der Hydra, die mit Hilfe des Nobelpreisträgers Obama entstanden ist, den Kopf abgeschlagen.

Hubert Bauer / 25.12.2017

Mit Verlaub, einen Artikel über die Besiegung des IS zu schreiben ohne Putin zu erwähnen ist auch eine Leistung.

Benjamin Goldstein / 25.12.2017

Ich hab sehr wohl Anfang des Jahres damit gerechnet, dass ISIS bald platt ist. Das war mir schon beim Wahlausgang in den USA klar. Die US-Demokraten/Islamisten haben die Wahl halt verloren. Das hat Konsequenzen, auch militärische.

Karla Kuhn / 25.12.2017

Man kann ja zu Trump stehen wie man will aber er ist ein Alpha Tier und bisher hat er einiges erreicht. Merkel ist seit 12 (zwölf) Jahren an der Macht und, was hat sie erreicht ?  Sogar wunderschön weihnachtlich verpackte “Steinchen:”  Er packt die Dinge, die er durchsetzen will unkonventionell an und er sagt was er denkt. Das gefällt mir besonders. Darum hat der Mann auch Erfolg und das in nur einem Jahr !! Wahrscheinlich würde uns ein Präsident Trump auch mal gut tun. Die Vorstellung alleine ist schon herrlich.

Reinhard Stompe / 25.12.2017

Sich über die Medien beschweren, aber mit keinem Wort Putin erwähnen. Echter deutscher Qualitätsjounalismus.

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