Trump liefert erstmals gepanzerte Fahrzeuge an syrische Kurden

Von Julian Tumasewitsch Baranyan.

Die nordsyrischen Anti-IS-Verbände der SDF geben an erstmals gepanzerte Militärfahrzeuge von den USA erhalten zu haben. Ferner gäbe es seitens der Trumpadministration das Versprechen die Unterstützung noch stärker ausweiten zu wollen. Im Oktober 2014 zitterte die ganze Welt mit ihnen, als die Stadt Kobanê im Norden Syriens von einer dschihadistischen Übermacht belagert wurde. Ihre Kämpferinnen und Kämpfer stehen im Ruf tausende Yeziden aus Shingal vor dem Völkermord durch den IS gerettet zu haben.

Seit einiger Zeit ist es in der Berichterstattung stiller um sie geworden. Die Rede ist von der YPG, den kurdischen Volksversteidigungseinheiten im Norden Syriens. Sie verteidigen nicht allein das Land, dass sie selbst Rojava nennen. Darüber hinaus gelten sie als wichtigste und effektivste militärische Bodentruppen gegen den IS in Syrien. Zusammen mit ihren Verbündeten, einer Reihe von nordsyrischen Arabermilizen und den christlichen Sutoroeinheiten, bilden sie die SDF (Syrian Defense Forces). Den SDF kommt eine essentiell wichtige Rolle bei der, seit Anfang November 2016 im Gange befindlichen, Offensive auf die inoffizielle IS-Hauptstadt Rakka zu.

Laut einem Bericht der „Tribune de Genève“, der wohl wichtigsten, französischsprachigen Zeitung der Westschweiz, stellen sich für sie seit dem Amtsantritt der US-Regierung unter Donald Trump bereits positive Veränderungen ein. Ende letzter Woche wurden erstmals gepanzerte Fahrzeuge an die SDF geliefert. Anfänglich spekulierte man, ob diese Lieferungen der nordirakisch-kurdischen Oppositionspartei PUK, die als Repräsentation des Talabani-Clans gilt, zu verdanken seien.

Die Kurden spüren eine stärkere Unterstützung als bisher

Geht man nach dem Bericht der größten Genfer Zeitung, erweist sich dies nun als falsch. Tatsächlich sind die jüngsten Waffenlieferungen offenbar auf die neue Regierung der USA zurückzuführen. Die USA unterhalten seit dem Sommer 2016 zwei Militärstutzpunkte im syrischen Kurdengebiet. Einer befindet sich in Rimelan und der Andere südlich von Kobane.

Glaubt man dem Bericht der Genfer Traditionszeitung, der seit gut zwei Stunden nach Erscheinen ähnlich auch auf Reuters zu lesen ist, geben die SDF an erstmals gepanzerte Militärfahrzeuge von den USA erhalten zu haben. Darüber hinaus soll ihnen von der Administration des neuen US-Präsidenten Trump mehr Unterstützung zugesagt worden sein. Die „Tribune de Genève“ zitiert einen Sprecher der SDF mit folgenden Worten:

„Wir sehen Anzeichen einer gesteigerten, totalen Unterstützung für unsere Streitkräfte durch die neue amerikanische Führung. Vorher ließ man uns diese Art Unterstützung nicht zukommen, nur leichte Waffen und Munition.“

Zwar sei die Anzahl der gepanzerten Kampf- und Transportfahrzeuge nicht hoch, jedoch interpretiere man die Lieferung als klares Zeichen einer gesteigerten Zuwendung seitens Washingtons, heißt es außerdem in dem Bericht.

In der Tat stellen die Lieferungen eine neue Qualität der Zusammenarbeit dar. Bislang gab es bereits Hilfe durch die USA aus der Luft und durch die Lieferung leichter Waffen. Washington vermied vorher aus Rücksicht auf die Türkei den Eindruck, zu offensichtlich auf die SDF zu setzen. Das Rückgrat der Verbände bilden nämlich die kurdischen YPG. Diese gelten Ankara, dessen Streitkräfte und verbündete Milizen ebenfalls in Syrien aktiv sind, als Ableger der PKK und somit als Terrororganisation.

Dem IS soll der Nachschub abgeschnitten werden

Unter Berufung auf kurdische Militärquellen, meldet das Blatt aus der zweitgrößten eidgenössischen Stadt des Weiteren, die FDS planen, gestärkt durch gesteigerte Unterstützung durch die USA, die aktive Einkesselung Rakkas. Dabei solle dem IS der Nachschub über Straße von und nach Deir Ezzor an der syrisch-irakischen Grenze abgeschnitten werden.

In Deir Ezzor toben seit zwei Wochen erbitterte Kämpfe zwischen den letzten verbliebenen Regierungstruppen Assads und Dschihadisten. Die Region stellt den ersten Rückzugsort für Kämpfer des Islamischen Staats dar, die aus dem Irak vor der Offensive auf Mosul flüchten.

Erstmals seit dem 15.Januar konnten vergangenen Sonntag wieder Nahrungspakete für die Zivilbevölkerung über der umkämpften Provinz abgeworfen werden, meldet die Tribune de Genève unter Berufung auf Bettina Lüscher, Sprecherin der Welthungerhilfe.

Am 20. Februar findet in Genf auf Einladung des UNO-Gesandten Staffan de Mistura die nächste Syrien-Konferenz statt.

Julian Tumasewitsch Baranyan (31) hat Linguistik und Politologie in Gießen studiert und bereist als selbsständiger Handelsvertreter inbesondere die frankophone Welt. Dieser Beitrag erschien zuerst auf Fisch und Fleisch hier.

Foto: G2musicgroup CC-BY-SA 4.0, via Wikimedia

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