Thomas Rietzschel / 22.01.2017 / 18:02 / 8 / Seite ausdrucken

Trump - der Kaspar Hauser der Politik

Würde er endlich Vernunft annehmen und auf die Deutschen hören, wüsste Donald Trump, der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, heute schon, was er morgen falsch machen wird. Die im Bundestag versammelten Politiker aller Couleur wollen uns da nicht lange im Unklaren lassen. Sofort nach seiner Rede zur Inauguration stand fest: Er wird die Demokratie ruinieren, Handels- und andere Kriege vom Zaun brechen, die NATO zerstören und die Amerikaner einer Herrschaft der Milliardäre ausliefern. Die Medien, ARD, ZDF, Spiegel, SZ et alii, sind sich einig, dass dieser Präsident der freiheitlichen Ordnung den Kampf angesagt hat. Mit dem, was er nach seiner Vereidigung sagte, „entlarvte sich ein Diktatorendarsteller als ganz schlechter Schmierenspieler“, schrieb „Die Welt“.

In der Tat eine erstaunliche Leistung. Taucht doch in dem gesamten, vergleichsweise kurzen Redetext nicht ein einziges Mal das Personalpronomen „Ich“ auf. In keinem Absatz, nirgends ist zu lesen, was wir von der Deutschen Bundeskanzlerin so oft zu hören bekommen: „Ich sage ihnen …“, „Ich bin der festen Überzeugung …“ . „Ich weiß …“, "Ich glaube...". 

Statt dessen gebrauchte der neue Präsident ständig die Worte „wir“ und „uns“. „Wir, die Bürger Amerikas“ rief er seinen „Landsleuten“ gleich im zweiten Satz zu. Dieser Moment, fuhr er fort, „ist Ihr Moment“, „er gehört Ihnen“, „das ist Ihr Tag“, einer, der als derjenige „in Erinnerung“ bleiben solle, „an dem das Volk wieder der Herrscher dieser Nation wurde“. „Gemeinsam werden wir den Kurs Amerikas und der Welt für viele, viele Jahre bestimmen“, konnte hören, wer sich vom Zorn noch nicht die Ohren hatte verstopfen lassen.

Was Trump sagt, kann nur falsch sein

Dafür, dass diese Botschaft hierzulande nicht ankam, weder im politischen Berlin noch in der Mehrzahl der Redaktionsstuben, mag es zwei Gründe geben. Zum einen könnte es sein, dass das Personalpronomen „wir“, wenn es in der politischen Rede auftaucht, ausschließlich in seiner herrschaftlichen Bedeutung als Pluralis majestatis verstanden wird: „Wir“ als das oberste Ich des Landes werden dies oder das tun, handeln wie ehedem die Majestäten von Gottes Gnaden.

Zum anderen haben sich die Exegeten der Rede wohl gar nicht mehr die Mühe gemacht, auf den Wortlaut zu achten, weil sie bereits wussten, dass alles, was Donald Trump sagen würde, doch nur falsch sein könnte - der pure Verrat an der parteipolitisch durchorganisierten Demokratur. So oder so wussten die Deutschen wieder einmal mehr, als der amerikanische Präsident auszudrücken vermochte.

Dabei wäre es keineswegs verwunderlich, würde es Donald Trump nicht so schnell oder überhaupt nicht gelingen, seine Vision einer wahrhaften, vom Volk getragen Demokratie umzusetzen. Nur wird sich das erst in ein, zwei, drei oder vier Jahren herausstellen, während man heute schon sagen kann: Der Mann hat die politische Kaste herausgefordert, ein globalisiertes Machtkartell angegriffen, dessen Mitglieder es als ihr parteilich verbrieftes Vorrecht ansehen, die Politik unter sich auszumachen. 

Mit seiner Ankündigung einer national orientierten Politik zum Vorteil der Bürger Amerikas hat Donald Trump in ein Wespennest gestochen. Wie der sprichwörtliche Wolf ist er unter die Schafe gefahren, als er erklärte: „Was wirklich zählt, ist nicht die Partei, die an der Macht ist, sondern ob das Volk unsere Regierung kontrolliert.“

Genug geredet, jetzt wird gehandelt

Wer seine ganze Karriere einer Partei verdankt, ohne die er nichts wäre, kann da nur noch „Populismus“ stammeln, während ihm der Angstschweiß auf die Stirn tritt. Eine menschlich durchaus verständliche Reaktion, zumal das politische Findelkind, ein Kaspar Hauser, der aus der Wildnis der Wirtschaft in die Politik kam, noch eins drauf setzte, indem er weiter ankündigte: „Politiker, die nur reden und nichts tun, immer nur klagen, aber nichts dagegen tun, werden wir nicht länger dulden. Die Zeit für leeres Gerede ist vorbei. Jetzt kommt die Stunde des Handelns.“

Es braucht nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, wie solche Worte einem Frank-Walter Steinmeier oder dem Kanzleramtsminister Peter Altmaier in die Knochen fahren müssen. Zu schweigen von Sigmar Gabriel, der immerhin zugab, dass er „glaube, wir müssen uns warm anziehen“.  Und das nicht zuletzt deshalb, weil der neue Präsident der USA ankündigte, sich vor allem für die Interessen der Amerikaner einzusetzen, wo man sich doch gerade so schön auf dem rotierenden Gipfelkarussell der Weltpolitik eingerichtet hatte.

Hier droht einer, die Politiker an nationale Verpflichtungen zu erinnern, deren Wahrung auch deutschen Bundeskanzlern und Ministern vom Grundgesetz auferlegt ist. Auch sie haben geschworen, dass sie ihre „Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden wenden“ werden.

Von manchen würde das unterdessen eine Rolle rückwärts verlangen, den Verrat am Turmbau zu Brüssel, die Abkehr von der Idee eines Großreiches, das sich der demokratischen Kontrolle wie von selbst entzieht, in dem der Bürger zum Zuschauer eines politischen Schauspiels wird, dessen Darsteller ihm so fremd sind wie die Artisten eines Wanderzirkus. Soweit darf es nicht kommen. Wo kämen wir hin, würde das Beispiel einer nationalen Selbstbesinnung Schule machen.

Mehr als die Katastrophen, die uns für die Regierungszeit Donald Trumps geweissagt werden, fürchten die Verkünder des Unheils, dass der gewählte 45. Präsident  Amerikas Erfolg haben könnte. Es wäre ihr politischer Super-Gau.  

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Leserpost (8)
sabine erdmann / 22.01.2017

Richtig, richtig und nochmals richtig. Die “Achse” sieht es ja gern, wenn man klugen Gedanken noch etwas Kluges hinzufügt. Das ist mir hier beim besten Willen nicht möglich. Sehr geehrter Herr Rietzschel, Sie haben es auf den Punkt gebracht. Kompliment!

Philipp Richardt / 22.01.2017

Was, wenn Italien ausserhalb der Euros wirtschaftlich gesundet? Was, wenn Grossbritannien ausserhalb der EU einen neuen Aufschwung erlebt? Was, wenn Donald Trump mit seiner Politik erfolg hat? Die jetzige Politkaste stünde vor den Scherben ihrer eigenen Verantwortungslosigkeit und Inkompetenz der letzten 25 Jahre.

Gabriele Klein / 22.01.2017

Sehr guter Artikel. Lese ich Reaktionen im Ausland und die Deutschlands dann schäme ich mich Deutsche zu sein. Es ist nur noch widerlich, was Presse und Politiker hierzulande von sich geben und wie sie damit rund um den Globus negative Schlagzeilen machen. Ich frage mich wie solche Politiker ein Land gegenüber einer Großmacht vertreten wollen nachdem man derart dessen Präsidenten verleumdet hat.  Ich frage mich weiterhin wie nun diese Politiker ein Land gegenüber den Freunden USAs (und das sind nicht wenige vertreten wollen). Hätten diese Chargen einen winzigen Rest an Anstand und Gewissen würden sie zurücktreten….. Interessant ist, dass der sogenannte Protest gegen das establishment in den USA weg von liberaler und linker Propaganda zurück zu seinen ethischen Wurzeln und der Religion der Gründerväter führt. Es ist im Grund nichts anderes als der Bible Belt der sich hier nun zu Wort gemeldet hat, sehen wir uns die Äußerungen und Kabinettsmitglieder genauer ansehen. Eine sich christlich nennende deutsche Partei sollte eigentlich mit diesem amerikanischen Pendant keinerlei Probleme haben es sei denn sie ist gar nicht christlich….. was wir vermuten dürfen. Denn das was hier vor den Augen der Welt passiert ist so weit unter der Gürtellinie dass man sich als Deutsche(r) nur noch schämt. Im Gegensatz zur Rückbesinnung Amerikas auf die Werte seiner Gründerväter als Revolte gegen das Establishment, meldet sich bei uns der Faschismus als einzige Antwort auf jenes Versagen deutscher Eliten die sich von Gewaltenteilung,  Parlament und Rechtsstaat auf französisch verabschiedet haben…. Außer dem Bündnis C das sich weit unter der 5% Hürde bewegt und das auch die Sympathien der Christen an der Seite Israels hat, ist hierzulande keine einzige Partei als Stimme der Konservativen in Sicht… die vergleichbar wäre mit der in den USA

Karla Kuhn / 22.01.2017

Trump ist ein Alphatier, der sich von Fau Merkel ganz bestimmt gar nichts vorsagen läßt. Er ist Geschäftsmann durch und durch. Die Menschen, die ich kenne mit solchen Eigenschaften, setzen alles dran um Erfolg zu haben. Und ich finde es sehr gut, daß er “sein” Land vorne anstellt und von Europa mehr Eigenverantwortung fordert.  Da trifft Ihr Satz, Herr Rietzschel, den Nagel auf den Kopf:  “Wer seine ganze Karriere einer Partei verdankt, ohne die er nichts wäre, kann da nur noch „Populismus“ stammeln, während ihm der Angstschweiß auf die Stirn tritt.”  Ein ausgesprochen kluger Satz.  Mir gehen die ganzen Mahnungen und Hetzparolen, die auch nach seiner Amtseinführung immer noch gegen ihn ausgestoßen werden, gehörig auf den Geist.  Ein amerikanischer Präsident ist während seiner Amtszeit der mächtigste Mann der Welt, so wird es doch immer dargestellt. Das trifft ja nun auch auf Trump zu, da sollte doch unsere Politkaste ein wenig mehr Demut zeigen.  Ihr letzter Satz amüsiert mich sehr und ich würde mich schieflachen, wenn es so kommt. “Mehr als die Katastrophen, die uns für die Regierungszeit Donald Trumps geweissagt werden, fürchten die Verkünder des Unheils, dass der gewählte 45. Präsident Amerikas Erfolg haben könnte. Es wäre ihr politischer Super-Gau.

Werner Liebisch / 22.01.2017

Man zeigt seit Tagen in hiesigen Medien nur Proteste der Trump-Gegner, nirgendwo Bilder und Berichte von und über seine Befürworter. Kann man nun da von Gleichschaltung sprechen? Oder gibt und gab es die Befürworter gar nicht? Sehr seltsam, aber typisch Lüggenpresse.

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