Henryk M. Broder / 21.09.2008 / 10:08 / 0 / Seite ausdrucken

Tollerantes Kölle

Es sind noch fast zwei Monate bis zum Ausbruch der närrischen Saison, und die Kölner können es nicht mehr abwarten, bis sie wieder übereinanderfallen, sich voll laufen lassen und abkotzen können. Also gehen sie jetzt schon auf die Straße, um gegen “Rechtsradikale” zu demonstrieren, die keiner wahrnehmen würde, wenn die Kölner Antifa nicht zu einer Demo gegen sie aufgerufen hätte. Vorneweg der Kölner Bürgermeister Schramma, bei dessen Auftritten man sich sehr zusammenreißen muss, um keine Verbindung zu ziehen zwischen dem, wie er heißt, und dem, was er sagt.  Gestern war es der Satz: “Heute ist unsere weltbekannte Toleranz zu Ende.” http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/15851033 Wozu man in aller Sachlichkeit zweierlei bemerken muss: Erstens schreibt man Tolleranz in Köln mit LL in der MItte, wie “lallen”, zweitens ist Köln nicht nur weltweit für seine Tolleranz, sondern auch für den Esprit des derzeitigen OB bekannt. Außerdem noch für den “halven Hahn”, eine kulinarische Spezialität, die man nicht einmal einem Flüchtling aus Nordkorea nach einer Woche Fußmarsch durch den Dschungel anbieten würde.
Davon abgesehen war es doch seltsam, wie gestern auf allen Kanälen über die Antifa-Aktion gegen die “Rechtsradikalen”, “Rechtsextremisten”, “Nazis” und “Neonazis” berichtet wurde, die nach Köln gekommen waren, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Man sah keinen einzigen von ihnen, dafür Hunderte von Autonomen, die sich Schlachten mit der Polizei lieferten. Wie immer, wenn die Antifa aufmarschiert, war keine Fa da, weswegen sich die alternative SA ersatzweise mit der Polizei anlegen mußte. So ist das mit dem Antifaschismus heute: Er blüht und gedeiht mangels an Faschisten, jeder Sesselpupser ein Widerstandskämpfer. Diesmal machte die ganze Stadt mit.
Denn in Kölle machen immer alle mit, egal worum es geht, und hinterher war keiner dabei. 1935 widersetzte sich der kölsche Jeck der “Gleichschaltung” durch die Nazis (http://de.wikipedia.org/wiki/Narrenrevolte), wobei er vergessen hatte, dass er nur ein Jahr zuvor schon “Heil Hitler” gerufen und den Abgang der Juden nach Palästina gefeiert hatte. (http://www.ksta.de/html/artikel/1199228623880.shtml)
Aber das ist schon ein paar Bierchen her. Und deswegen darf bald wieder geschunkelt und gejubelt werden. Im Namen der köllschen Tolleranz.

Leserpost (0)

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können wir meist nur während der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eines Artikels annehmen.

Verwandte Themen
Henryk M. Broder / 03.12.2016 / 08:56 / 8

Wahre Lügen im Namen des Herrn

Kleiner Nachtrag zu der Geschichte von Alexander Wendt über das heldenhafte Verhalten der deutschen Bischöfe bei deren Reise nach Jerusalem. Ebenso wie Alex habe auch…/ mehr

Henryk M. Broder / 02.12.2016 / 18:47 / 5

In NRW gibt es Kriminalität. Aber sie ist rückläufig.

Es gibt drei fundamentale Weisheiten, mit denen wir uns inzwischen abgefunden haben. Erstens: Der Islamismus hat nichts mit dem Islam zu tun. Zweitens: Die Rettung…/ mehr

Henryk M. Broder / 01.12.2016 / 12:33 / 8

Jeden Morgen geht die Sonne wieder auf und schaut auf ein verrückt gewordenes Land

In München werden bei einer Rathaus-Party Grenzen überschritten. In Leipzig eskaliert eine Unterhaltung auf dem Bürgeramt. In Essen geht es um die richtige Auslegung der…/ mehr

Henryk M. Broder / 28.11.2016 / 09:35 / 5

Facebook: Ab in die Ecke und schämt euch!

Eine gute alte Tradition lebt wieder auf, Facebook sei Dank. Wer sich nicht benimmt, der wird in die Ecke gestellt und soll sich schämen. Nachsitzen…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com