Henryk M. Broder / 30.05.2008 / 12:08 / 0 / Seite ausdrucken

Tolle Tage mit jüdischen Experten

In Köln am Rhein ist entweder Karneval oder Tiefdruck. Im Karneval rasten die Kölner aus, bei Tiefdruck auch. So lebt die Domstadt das ganze Jahr über in einem heiteren Ausnahmezustand. Schauen Sie sich zur Bestätigung den folgenden Briefwechsel mit der Intendantin des WDR, Monika Piel, an:

sehr geehrte frau piel,
ich weiss, dass der WDR ein großes haus ist und sie sich nicht um alles kümmern können. vielleicht wäre es ihnen trotzdem möglich, herauszufinden, was die redaktion von “hallo ü-wagen”, dazu veranlaßt hat, frau evelyn hecht-galinski einzuladen und sie als “publizistin” anzukündigen?
http://gffstream-1.vo.llnwd.net/c1/m/1209986573/radio/hallouewagen/wdr5_hallo_ue_wagen_20080503.mp3
evelyn hecht-galinskis (die den namen ihres vaters erst angenommen war, als dieser gestorben war) einziger claim to fame ist der umstand, dass sie “die tochter von heinz galinski” ist, wie sie sich bei jedem ihrer auftritte vorstellt. für die bezeichnung “publizistin” gibt es keine rechtfertigung, da sie außer leserbriefen nichts schreibt und nichts veröffentlicht. jeder kölsche jeck mit zwei promille im blut würde sogar an weiberfastnacht erkennen, dass frau EHG eine hysterische, geltungsbedürftige hausfrau ist, die für niemand spricht außer für sich selbst und dabei auch nur unsinn von sich gibt. ihre spezialität sind xxxxxxxxxxxxx-antizionistische statements, die zur zeit mal wieder eine kurze konjunktur haben.
was hat den WDR dazu getrieben, der “tochter” ein forum zu bieten?

beste grüße von der spree an den rhein
ihr b.

Sehr geehrter Herr Broder,
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 5. Mai 2008, in dem Sie die Einladung von Frau Hecht-Galinski in die Sendung „Hallo Ü-Wagen“ kritisieren.
Die Redaktion hat Evelyn Hecht-Galinski in ihrer Eigenschaft als kritische Stimme zur israelischen Regierungspolitik eingeladen. Sie wurde als Publizistin vorgestellt, da sie Vorträge zu dem Thema hält und sich mehrfach als Interviewpartnerin dazu öffentlich in seriösen Medien geäußert hat.
Als Jüdin vertritt sie Positionen, die aus Sicht der Redaktion keineswegs von vornherein als unsinnig zu bezeichnen sind. Nach Ansicht von Frau Hecht-Galinski sind Deutschland und Europa aufgrund ihrer historischen Verantwortung Israel gegenüber geradezu gezwungen, sich kritisch zu äußern. Diese Meinung wird bekanntermaßen von anderen jüdischen Experten geteilt. Frau Hecht-Galinski war als Gegenpart zu einem weiteren jüdischen Gesprächspartner eingeladen, der die Auffassung vertrat, Deutsche (ob Juden oder Nicht-Juden, ließ er offen) sollten sich zu allen jüdischen Themen für die nächsten 500 Jahre nicht äußern.
Ich teile die Sicht der Redaktion, dass die Zusammensetzung der Runde (mit Professor Udo Steinbach, Rudolf Dressler und einem Vertreter der deutsch israelischen Gesellschaft) ebenso ausgewogen wie spannend war.
Ich hoffe, dass Sie, trotz unterschiedlicher Ansicht zu dieser Sendung, ein kritischer, aber gewogener Zuhörer des WDR bleiben.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre
Monika Piel

Was lehrt uns das? Zweierlei: PublizstIn ist, wer sich als Interviewpartner in “seriösen” Medien geäußert hat, nicht weil er/sie etwas zu sagen hat, sondern “als Jüdin”. Die historische Verantwortung Europas und Deutschlands nach dem Holocaust liegt nicht darn, für Ordnung im eigenen Haus zu sorgen, sondern darauf zu achten, dass die Überlebenden und deren Nachkommen nicht rückfällig werden.  - Gut, dass wir das geklärt haben, Frau Piel. Diese Meinung wird auch von anderen Experte wie dem iranischen Präsidenten geteilt. Darauf noch ein Kölsch bitte!

Leserpost (0)

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können wir meist nur während der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eines Artikels annehmen.

Verwandte Themen
Henryk M. Broder / 11.11.2017 / 15:45 / 6

“Armut” in Gaza: Fortsetzung

Kaum hatten wir den Beitrag über eine "schrecklich arme Familie" in Gaza und "eine Reporterin voller Mitgefühl" online gestellt, wurde Raschel Blufarb kooperativ und schickte mir…/ mehr

Henryk M. Broder / 10.11.2017 / 14:05 / 2

Martin Schulz oder: Die Hohe Schule des Zuspätkommens

Historiker sagen, die Deutschen seien eine „verspätete Nation“. Soll heißen: Als sich die deutschen Staaten nördlich der Mainlinie im Jahre 1866 zum Norddeutschen Bund unter…/ mehr

Henryk M. Broder / 08.11.2017 / 20:15 / 7

Darauf einen Möwenschiss!

Ralf Stegner, Landesvorsitzender der SPD in Schleswig-Holstein, stellvertretender Vorsitzender der Bundes-SPD, Fraktionschef der SPD im Kieler Landtag, hat es gleich viermal nicht geschafft, ins Parlament…/ mehr

Henryk M. Broder / 04.11.2017 / 09:07 / 6

Bedeutende Denkerinnen und Denker des 21. Jahrhunderts – Heute: Die Etappenhasen

Michael Grosse-Brömer (CDU), Nicola Beer (FDP), Andreas Scheuer (CSU), Michael Kellner (Grüne): Das erste Etappenziel sei erreicht, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Grosse-Brömer, in Berlin.…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com