Wolfgang Röhl / 31.05.2017 / 06:15 / Foto: Tim Maxeiner / 2 / Seite ausdrucken

Tesla – man gönnt sich ja sonst nix

Der alte Hafen von Barcelona - Port vells auf Katalanisch – gehört zu den Errungenschaften, welche die Stadt ihrer Rundum-Renovierung zur Olympiade von 1992 verdankt. Auf dem lange brachliegenden Gelände gegenüber der Kolumbussäule ist eine florierende Einkaufs-, Fress- und Kulturmeile entstanden, bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebt. Das Quartier dementiert die populäre Ansicht, Olympiabauten seien immer rausgeschmissenes Geld, verdammt zum baldigen Verfall. Sotchi oder Rio sind eben nicht Barcelona, die Metropole der cleveren Katalanen.

Der Teil eines Hafenbeckens gegenüber dem katalanischen Geschichtsmuseum ist für den flanierenden Pöbel zwar von der Promenade aus bestaunbar, die Mole selbst jedoch exklusiv. Der Zugang wird streng kontrolliert. Hier liegen Motoryachten der Superreichen, teils fünf Decks hoch, ausgestattet mit jedwedem Luxus und Antriebsaggregaten von 50.000 PS an aufwärts. Manche sind auf Besuch, andere kriegen neue Inneneinrichtungen. Sie gehören, munkeln maritime Fachpublikationen, Petro-Potentaten, Waffenschiebern, als Staatschefs kostümierten Gangstern, Internet-Mogulen oder stinknormalen Kapitalisten der alten Schule.

Derzeit liegen auch schnittige Privatkreuzer aus der Fabrikation der Lürßen-Werft am Kai. Das norddeutsche Familienunternehmen wurde einer breiteren Öffentlichkeit durch den Bau der „Azzam“ bekannt, mit 180 Metern Länge, 94.000 PS und sieben Decks die megamäßigste Privatyacht der Welt. Eigner ist ein Scheich aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Aber, wer mit einem Teil dieser Größenordnung über die Meere schippert, nagt an dem nicht manchmal insgeheim ein schlechtes Gewissen? Von wegen CO2-Ausstoß, Klimawandel und so? Aber bestimmt doch! Und möchte nicht auch so jemand sein Scherflein dazu beitragen, dass unser Planet sich nicht noch mehr erhitzt? Claro que sí!

Den Bentley auch mal in der Garage lassen?

Doch was kann er schon tun? Seinen Dampfer im Hafen ans Kabel für Landstrom (vorzugsweise aus erneuerbaren Energien) legen? Den Bentley auch mal in der Garage lassen? Den goldenen Warmwasserhahn nach dem Händewaschen fest zudrehen? Wäre ein Zeichen, gewiss. Noch besser ist freilich ein öffentliches, gleichwohl standesgemäßes Statement. Zum Beispiel einen Tesla fahren, Wunderwaffe gegen die Erderwärmung aus dem Hause des Milliardärskollegen Elon Musk.

Auf diesen Dreh sind offenbar auch Musks smarte Marketing-Mannen gekommen. Weshalb sie Barcelonas ersten „Pop-up store“ für Tesla-Fahrzeuge der Modelle S und X konsequenterweise am abgeschotteten Liegeplatz der Superyachten aufgebaut haben (noch bis zum 19. Juli). Da wächst zusammen, was zusammengehört. Ein Tesla X ist in der Basisversion schon für knapp unter 100.000 Euro zu haben! Was selbst eine untermittelprächtige Ölquelle trotz des momentanen Preisverfalls binnen kürzester Frist erwirtschaften dürfte. Peanuts also für Weltretter mit Niveau. Die Umwelt dankt.

Foto: Tim Maxeiner
Leserpost (2)
Christian Schulz / 31.05.2017

So ein Tesla ist auch nicht teurer als eine Porsche-Diesel Limousine, nur nicht so gut für die Umwelt. Jedenfalls in Deutschland. Bei uns kommt der Strom ja meistens noch aus der Steckdose, und in die Steckdose kommt er meist aus dem (Braun-)Kohlekraftwerk. Bis er aus dem Kraftwerk, das schon einen schlechteren Wirkungsgrad als der Diesel hat, im Tesla ist gehen nochmal 20-40% verloren. Das ergibt zusammen mit der Herstellung der Akkus und den Umweltschäden durch den Kohleabbau einen ökologischen Fußabdruck in dem mehrere Porsche-Diesel Limousinen Platz finden. E-Autos machen mehr Schmutz als ein moderner Diesel, sie machen ihn nur woanders. Es sind St-Florians Autos.

Roland Müller / 31.05.2017

Sotchi ist ebenso wie Barcelona nicht dem Verfall preisgegeben. Dort finden sich inzwischen unzählige russische Urlauber im Sommer und im Winter ein, welche die für die Olympiade erbauten Einrichtungen nutzen. Schwachsinnig sind Veranstaltungen wie in Vancouver, wo mit Milliardenaufwand die Anlagen in Naturschutzgebiete gebaut wurden und anschließend mit Milliardenaufwand wieder beseitigt wurden. Schon Innsbruck hat zwei mal gezeigt, das derartige Veranstaltungen nichts mit Verschwendung zu tun haben, wenn man es vernünftig angeht. Die für die zwei olympischen Dörfer errichteten Wohnungen sind alle bewohnt und mit den Skiliften und Loipen hat man inzwischen in Tirol viele Millionen verdient.

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