Volker Seitz / 15.08.2017 / 16:04 / Foto: Seitz / 1 / Seite ausdrucken

Terrorbekämpfung im Sahel

Seit Februar 2014 kooperien unter dem Namen "G 5 Sahel" französische Streitkräfte ("Barkhane") mit den wichtigsten Ländern der Region: Mauretanien, Mali, Niger, Tschad und Burkina Faso, um Terrorbedrohungen gemeinsam grenzübergreifend zu bekämpfen. Barkhane besteht aus circa 3.000 Soldaten, 20 Hubschaubern, 200 Transportfahrzeugen, 200 gepanzerten Fahrzeugen, 6 Jagdflugzeugen, 3 Drohnen und 10 Transportflugzeugen. Sie sind an zwei festen Standorten in Gao (Mali) und in N’Djamena (Tschad) stationiert und je nach Bedrohungsszenario mit lokalen Militärs flexibel in der Region einsetzbar. Zu den Erfolgen  zählt die Neutralisierung von Terroristen, die Beschlagnahmung von 200 Tonnen Waffen und Munitionen sowie von 20 Tonnen Ammoniumnitrat zur Herstellung von improvisierten Minen.

Auf einem Gipfeltreffen der G5 Länder mit dem französischen Präsidenten in Bamako im Juli 2017 wurde beschlossen, dass eine neue, afrikanische Eingreiftruppe von 5.000 Mann rasch geschaffen werden soll. Sie soll bis September einsatzbereit sein. Sie soll vor allem in den Grenzgebieten operieren. Die EU hat 50 Millionen Euro für die Truppe zugesagt, die G5-Staaten tragen jeweils zehn Millionen Euro bei. Zusätzlich hat Frankreichs Präsident Macron, 8 Millionen Euro und weiteres Militärgerät versprochen. Nach den Worten Macrons gewährt sein Land der Sahel-Region für die nächsten fünf Jahre 200 Millionen Euro Entwicklungshilfe.

Die Bundeswehr hat im Rahmen der UN-Einsätze Minusma und EUTM rund 1150 Soldaten in Mali stationiert. In Mali unterhalten die Vereinten Nationen eine 12.000 Soldaten starke Friedenstruppe.

Der Terroranschlag in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso vorgestern, am 13. August 2017 zeigt die Dringlichkeit der Aufstellung der afrikanischen Eingreiftruppe.

Bilanz der terroristischen Attentate in Sahel-Region (gegen Ausländer) seit 2015:

Bamako/Mali

07. März 2015  5 Tote

20. November 2015 20 Tote

18. Juni 2017  5 Tote

Sévaré/Mali

07. August 2015  13 Tote

Grand Bassam/Cote d'Ivoire

13. März 2016 19 Tote

Ouagadougou/Burkina Faso

15. Januar 2016 30 Tote

13. August 2017 18 Tote

Für das Vordringen des radikalen Islamismus  machen afrikanische Medien auch  großzügige Spenden aus reichen islamischen Staaten, wie Katar und Saudi Arabien verantwortlich. Saudi Arabien folgt einer rigiden Form des Islam, dem sogenannten Wahhabismus. Die Lehre fußt auf einer besonders strengen Auslegung des Koran. Durch Spenden, die Finanzierung von Moscheebauten, Wohltätigkeitseinrichtungen wird diese Form des Islam auch nach Afrika exportiert. Bis vor etwa 10 Jahren war der Islam in diesen Ländern unter dem Einfluß afrikanischer Traditionen anders entwickelt als im Nahen Osten. Ich habe noch einen Islam erlebt, der von Toleranz, Gewaltlosigkeit und Respekt der Religionen miteinander geprägt war.

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“, das im Herbst 2014 in erweiterter siebter Auflage bei dtv erschienen ist. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.

Foto: Seitz

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost (1)
Thomas Klingelhöfer / 15.08.2017

Vielen Dank für Ihre Beiträge Herr Seitz, welche kenntnis- und facettenreich die Komplexität und Zusammenhänge der Entwicklungshilfe-Politik verdeutlichen. Angesichts der dargelegten Umstände bin ich gespannt, wie die Worthülse “Fluchtursachen bekämpfen” von unseren Eliten inhaltlich unterfüttert wird. Die Hybris der Wortführer ist mit Händen zu greifen, wenn sie sich da mal nicht verheben…

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Volker Seitz / 22.06.2018 / 06:25 / 46

Fluchtursachenbekämpfung ist das Unwort des Jahres

Das Wort Fluchtursachenbekämpfung ist meines Erachtens das Unwort des Jahres wegen Vortäuschung von Lösungen, die es NICHT gibt. Es wird immer davon geredet, Europa müsse…/ mehr

Volker Seitz / 19.06.2018 / 14:00 / 5

Verkehr in Afrika oder Roulette béninoise

Transport in Afrika geschieht per Auto, Lkw, Mofa, Fahrrad – oder zu Fuß. Frauen balancieren Säcke, Schüsseln oder Bananenstauden auf dem Kopf. Motorradtaxis findet man…/ mehr

Volker Seitz / 02.06.2018 / 17:00 / 6

Tödliche Konflikte zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern 

Seit Jahrzehnten streiten Ackerbauern und wandernde Viehzüchter in vielen Ländern Afrikas um Weiderechte und Wasser. Eine der Ursachen für die Konflikte liegt darin, dass die…/ mehr

Volker Seitz / 23.05.2018 / 12:00 / 4

Eine große Afrika-Aufklärung

Rainer Tetzlaff war bis zu seiner Emeritierung 2016 als Historiker und Politologe an der Universität Hamburg tätig. Sein neues Buch „Afrika – Eine Einführung in Geschichte,…/ mehr

Volker Seitz / 12.05.2018 / 15:00 / 2

Der Mythos von den Handelsnachteilen für Afrika

Für manche Politiker und Entwicklungshilfe-Lobbyisten in Europa wurden die Wirtschafts-Partnerschafts-Abkommen mit Afrika, die EPAs, die Economic Partnership Agreements im Geiste der neoliberalen EU-Freihandelsideologie entworfen und…/ mehr

Volker Seitz / 09.05.2018 / 15:00 / 1

Ruandas Erfolg ist ein Erfolg seiner Frauen

Die Schweizer Journalistin Barbara Achermann hat einige Länder in Afrika bereist. Soeben hat sie ein rundum lesenswertes Buch („Frauenwunderland“) über die atemberaubende Erfolgsgeschichte von Ruanda…/ mehr

Volker Seitz / 24.04.2018 / 14:00 / 10

Was treibt die Afrikaner außer Landes?

Was treibt Afrikaner außer Landes und vor allem nach Europa? Winnie Adukule aus Uganda schrieb ein bemerkenswertes Buch über Afrikaner, die es zur Flucht außer…/ mehr

Volker Seitz / 17.04.2018 / 16:00 / 7

Leuchttürme der Entwicklungshilfe

Das internationale Entwicklungshilfebusiness ist ein lukratives Geschäft mit einem Jahresumsatz von 150 Milliarden Dollar. Und das ist nur die offizielle Summe. Es gibt Zehntausende von…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com