Silvia Meixner / 07.02.2013 / 13:36 / 0

Silvis Culture Club (31): Tiroler Tagebuch. Hochwürden müsste man sein!

Die meisten Menschen haben ihr liebes Kreuz mit dem Führerschein. Zuerst muss er mit viel Ausdauer erworben werden, danach gilt es, sich als Fahrer und das gute Stück jahrzehntelang möglichst unbeschadet über die Runden zu bringen. Pfarrer in Tirol, glaubt man den Geschichten, die so kursieren, haben es da viel besser. Sie haben immer ein Kreuz dabei und wenn sie in eine Verkehrskontrolle geraten, ist das natürlich schneller zur Hand als der Führerschein. „Ich bin im Dienst Gottes unterwegs“, soll ein angeheiterter Pfarrer dem strengen Gendarmen (= öst. für Landpolizist) erklärt und ihm sein Kreuz entgegengehalten haben. Und damit ist er durchgekommen! Weil Pfarrer sind in Österreich noch ein bisserl heiliger als anderswo.

Einem Pfarrer den Führerschein wegnehmen, wo käme man denn da hin! Oder gar eine Alkoholkontrolle machen. Das geht gar nicht. Und da es meistens nicht so viele gibt, wie man eigentlich bräuchte (Pfarrer, nicht Schnapsgläser) und man in Tirol von keinem Tisch aufsteht, ohne ein paar Gläser Schnapserl und ein bis fünf Schinken-, Speck- oder Schinkenspeckbrote konsumiert zu haben, ist das Leben eines Hochwürden natürlich eine Herausforderung für Geist und Körper. Wie soll so ein Mensch da noch nüchtern zum nächsten Einsatz kommen?  Taufen, Gottesdienste, Begräbnisse – so ein Geistlicher ist, wenn er seine Berufung ernst nimmt, gerade auf dem Land ganz schön beschäftigt.

In Tirol zum Beispiel funktioniert die Beziehung Hochwürden-Schäfchen noch ganz hervorragend, was unter anderem daran liegt, dass man miteinander redet. Viel redet. Über Gott und die Welt. Und wo könnte man das besser als im Wirtshaus, am Stammtisch. Und schon wieder steht ein Schnapserl da. Das darf man nicht ablehnen, das wäre unhöflich. Vermutlich gibt es keine Landpfarrer, die dem Wirten ein höfliches „Danke, aber ich trinke nichts“ entgegen hauchen. Der Mann könnte sich vermutlich gleich einen neuen Job suchen. Nicht, dass hier der Alkoholismus gepriesen werden soll; das sind die nüchternen Tiroler Tatsachen.

Silvia Meixner ist Journalistin und Herausgeberin von http://www.good-stories.de

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