Sichere Grenzen und Weltoffenheit sind keine Gegensätze

Seit Monaten wird den Zuschauern öffentlich-rechtlicher Polittalks die Konfliktlinie Weltoffenheit versus Nationalismus respektive Protektionismus untergejubelt. Das ist eine oberflächliche Konstruktion zum Zweck der Aufwertung der Einen und Abwertung der Anderen. Aktuelles Beispiel: Beim gestrigen Internationalen Frühschoppen zur „Krise der Sozialdemokratie“ lancierte Ferdos Forudastan von der Süddeutschen Zeitung diese Konstruktion in einer rhetorischen Frage: „Wie stehen wir zu Europa: weltoffen oder  geben wir dem Bedürfnis vieler Menschen nach höheren Mauern, nach mehr Grenzen nach.“ 

Der aufgemachte Gegensatz ist ein rhetorischer Trick. Denn wer als vernunftgeleiteter Bürger angesichts des anhaltend hohen Zuzugs von Personen ohne gültige Pässe für Grenzsicherung eintritt, der kann selbstredend trotzdem weltoffen sein. Das Bedürfnis nach gesicherten Grenzen – das nicht gleichbedeutend ist mit den unredlich unterstellten „höheren Mauern“ – liegt vollumfänglich im internationalen menschenrechtlichen Konsens

„Artikel 3 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verpflichtet die Staaten, die Freiheit und Sicherheit aller Bewohner vor Beeinträchtigungen zu schützen, und das unabhängig davon, ob diese Beeinträchtigungen durch staatliche Organe oder durch Dritte erfolgen. Artikel 3 verpflichtet die Staaten daher auch dazu, Vorkehrungen zum Schutz seiner Bürger zu treffen.“ 

Mit Weltoffenheit argumentieren heute jene, die damit lediglich grenzenlose Zuwanderung meinen und sonst nichts. Teils führt Gedankenlosigkeit das Zepter und teils die unrealistische Überzeugung, Zugewanderte seien unisono – ungeachtet ihrer kulturellen Sozialisation – empfänglich für unsere Formen des Zusammenlebens. Der sozialisations-negierende Aktivismus begünstigt die Bildung von Parallelgesellschaften, die sich zum Beispiel in Berlin zeigen wie folgt: „Seit Jahrzehnten machen in Berlin die kriminellen Araberclans, was sie wollen, wie sie es wollen und wann sie es wollen.“

Ignoranz verhindert, Konsequenzen zu bedenken. Die Konfliktlinie verläuft heute zwischen Kurzsichtigkeit der angeblich Weltoffenen und Weitsichtigkeit der Überlegten.

Eine Herleitung der „Weltoffenheit“ ist in diesem Dokument der Uni Greifswald zu finden. Der Begriff wurde offenbar seit Ende des Zweiten Weltkriegs zunehmend politisiert.

Dieser Beitrag erscheint auch audf Susanne Baumstarks Blog Luftwurzel.

Foto: Tim Maxeiner

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Leserpost (7)
Wilfried Cremer / 05.03.2018

Herr Broder redet sich doch schon seit Jahren den Mund fusselig, dass Weltoffenheit keine Probleme bringt, selbst dann nicht, wenn bunte Parallelgesellschaften entstehen, außer bei einer einzigen “Kultur”.

Rudolf George / 05.03.2018

Die von den der Weltoffenheitsbesoffenheit befallenen frage ich immer: wenn ihr zum Bahnhof geht, um Teddybären zu werfen, schließt ihr da nicht trotzdem hinter euch die Haustür ab?

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